Kapitel 12

Vorführungen

 

Die vier Enterprise-Offiziere in Fort William hatten nichts in ihren Zimmern vergessen und damit auch keinen Grund, nach dem Essen noch einmal hinaufzugehen. So konnten sie auch nicht entdecken, dass in keinem ihrer Zimmer Hamster zu finden waren. Ganz im Gegenteil hofften sie, die beiden cleveren Nager ausgetrickst zu haben.

Auf dem Weg zu Prof. McBastle hatten sie endlich die Möglichkeit, sich über ihren Auftrag zu unterhalten, ohne ständig zwei Hamstern erklären zu müssen, was sie warum tun wollten. Schon am Nachmittag in Fort William hatte sich gezeigt, welche Ziele der Professor mit seinen Versuchen hatte.

"Nun mal ehrlich", sagte Kirk, "und fragen wir mal nicht, was unsere Geschichtsbücher dazu schreiben. Wenn das klappt, was Fergus macht, dann hat die Erde eine ganz neue Form von Antriebsenergie, die absolut genial ist. Ist es wirklich in Ordnung, wenn wir das verhindern?"

"Das ist eine Frage von Theorie und Praxis", sagte der Vulkanier, und Scott nickte.

"Genau. In der Theorie ist das so was von genial, dass einem schwindelig werden kann. Aber in der Praxis ist das so was von gefährlich…"

"… dass einem auch schwindelig werden kann", unterbrach Dr. McCoy. "Ey, guck dich doch mal um, Jim. Wir mit der Enterprise haben die beste Verwendung für den Warp-Antrieb, wir müssen so eine Energie haben. Kannst du mir mal sagen, was du in dieser Zeit damit antreiben willst? Und wo hast du die Leute, die damit wirklich umgehen können?"

"Ay, damit kann man den ganzen Globus in seine Einzelteile sprengen. Nee, Captain, das ist nicht die richtige Zeit für so was."

Inzwischen waren sie an den Buden des Pleasure Domes vorbei, die zu so später Stunde schon geschlossen waren. Die Straße zum Haus von Prof. McBastle war nur schwach beleuchtet, aber dort hinten war Licht in den meisten Fenstern. Als Captain Kirk an der Tür stand und den Klopfer bediente, war er immer noch nicht wirklich sicher, ob sie hier das Richtige taten.

Aber was immer sie tun würden, sie mussten vorher unbedingt wissen, wie die Experimente von Prof. McBastle eigentlich aussahen und wie vielversprechend sie waren. Es gab nicht wirklich einen Grund, seine Arbeit zu zerstören, wenn zu erkennen war, dass sie zu nichts führen würde.

Die alte Brigg riss die Tür auf und musterte die Männer misstrauisch, die ihr heute Vormittag schon auf den Wecker gegangen waren. Sie war inzwischen nicht besser auf sie zu sprechen.

"Sie erinnern sich vielleicht, dass wir heute schon einmal da waren?" versuchte Kirk es wieder mit all seinem Charme.

"Ja", gab sie sauer zurück, denn diese Männer sollten sie besser nicht für so bekloppt halten, dass sie von morgens bis abends alles vergaß.

"Wir haben uns jetzt mit Professor McBastle verabredet und würden gern hereinkommen."

"Ja", sagte sie und erschreckte alle, als sie plötzlich noch mehr redete: "Schuhe abputzen!"

"Bridget, sind das meine Kollegen?" rief eine Stimme aus dem Haus. "Lass sie nicht vor der Tür stehen. Sie sind mir willkommen und sollen hereinkommen und sich wohl fühlen."

"Ja!" brüllte sie zurück, und die ‚Kollegen’ hatten etwas Schwierigkeiten, sich vorzustellen, wie sie sich hier wohl fühlen sollten.

Offenbar fühlte Brigg sich für nichts zuständig, was außerhalb des Hauses war, und für alles, was innerhalb des Hauses war. So verwahrlost es von draußen aussah, hier drinnen war es steril sauber. Die Offiziere waren kaum eingetreten, da hatte Brigg auch schon den Feudel in der Hand und wischte hinter ihnen her.

"Willkommen, willkommen!" rief Fergus McBastle und winkte sie ins Wohnzimmer. "Bridget! – Analyse: Sofern Gäste im Hause sind, ist es gut und richtig, ihnen wenigstens einen kleinen Snack anzubieten. Frage: Befindet sich etwas in der Küche, woraus man einen Snack bereiten kann? Antwort: Das zu klären, ist Bridgets Aufgabe. Frage: Ist Bridget darauf vorbereitet worden, einen Snack bereit zu halten? Antwort: Sie wurde aufgefordert, entsprechende Einkäufe zu machen. Frage: Wurde Bridget zu diesem Thema von Fort William aus angerufen?"

"Nein", sagte Bridget, ehe der Professor sich seine Frage schon wieder selbst beantworten konnte, und er machte:

"Oh! – Nicht?"

"Nein."

"Da bist du sicher?"

"Ja."

"Ich habe es versäumt, dich darüber zu informieren, dass ich jetzt einige Kollegen aus Amerika mit Essen versorgen möchte?"

"Ja."

"Das macht aber wirklich nichts", sagte Kirk. "Wir haben eben im Hotel gegessen."

"Ha!" machte Brigg zur Abwechslung.

"Wir sind ja auch nicht zum Essen hergekommen", fügte Lt. Scott hinzu.

"Gut!" sagte Brigg und alle starrten sie an, denn das grenzte schon an Geschwätzigkeit.

"Fergus", sagte Lt. Scott, "Sie hatten angeboten, uns den Verlauf Ihrer Experimente vorzuführen. Wir haben all Ihre Aufsätze darüber gelesen, aber es ist doch – schwierig, sich vorzustellen, was Sie praktisch tun."

"Richtig, richtig", nickte Prof. McBastle. "Und John ist auch schon im Arbeitsschuppen. Er bricht die Schindeln auf, verstehen Sie?"

"Nicht wirklich", erwiderte Kirk, der auch nicht den Schimmer einer Ahnung hatte, was Schindeln mit Warp-Antrieb zu tun haben sollten.

"Analyse", fing Fergus schon wieder an, und Dr. McCoy schloss genervt die Augen. "In meinen Aufsätzen schreibe ich über die Möglichkeiten einer kontrollieren Mischung von Materie und Antimaterie. Ich schreibe aus Gründen der Geheimhaltung nicht über die Durchführung meiner Versuche. Frage: Ist es möglich, dass jemand aus den Aufsätzen erkennt, auf welche Weise ich arbeite? Antwort: Eher unwahrscheinlich. Frage: Könnte jemand darauf kommen, welche Mittel ich einsetze und warum? Antwort: Kein Physiker, der nicht aus Ballachulish kommt. – Lassen Sie uns zu John McHiwi gehen."

Jetzt waren die Offiziere völlig durcheinander. Mal davon abgesehen, dass ihnen die Art von Fergus, in lauten Fragen und Antworten seine Gedanken unter die Menschheit zu bringen, ganz schön auf die Nerven ging… Auf einmal sah es auch noch so aus, als sei es für die Experimente wichtig, aus Ballachulish zu stammen. Das machte schon überhaupt keinen Sinn.

Inzwischen hofften sie geradezu, dass die Wissenschaftler dieser Zeit Recht hatten und McBastle wirklich einfach nur ein Spinner war. Wenn das, was er tat, nur blödsinnig war, dann konnten sie ihn in Ruhe lassen und wieder abziehen. Im Moment hörte es sich sehr blödsinnig an. Aber sie folgten ihm durch die Hintertür zu einem der Schuppen, der hell erleuchtet war. Als der Professor die Tür öffnete, hörten sie, wie es im Schuppen hämmerte, knirschte und sonderbar knackte.

Hamstilidamst hatte während dieser ganzen Zeit bewiesen, dass er in vielen Dingen wirklich ganz unglaublich clever war. So war ihm auch wieder eingefallen, dass irgendwas Besonderes mit diesem komischen Universalübersetzer sein musste, ob die Menschen ihn verstehen konnten oder nicht. Er wusste noch, als sie mit Hercules im Auto saßen, hatte Hercules ihn überhaupt nicht verstanden, die Offiziere aber schon.

Vielleicht lag das daran, dass einer so ein Gerät an sich haben musste, vielleicht lag es aber auch daran, dass es nur eine bestimmte Reichweite hatte. Das wusste er nun wirklich nicht, aber er hatte seine Mithamster angefleht, nur im Flüsterton zu sprechen.

Eine ganze Weile, bevor die Enterprise-Leute den Schuppen betraten, hatten sich schon Hamstilidamst und Dabi mit Gammel und Balla hier versteckt. Dabi hatte die scheußliche Entdeckung machen müssen, dass die beiden Hamster beim Professor wirklich zu blöd waren, um zu wissen, was genau hier ablief. Dabei hatten Hamstilidamst und sie aus der Hotelküche extra Sonnenblumenkerne, Butterkekse und Käse besorgt, um die beiden zu bestechen.

Gammel und Balla hatten nur einen Vorteil: Sie kannten sich auf dem gesamten Grundstück prima aus und wussten, auf welchem Weg man in jedes Gebäude kam. Nur bei einem Gebäude half keine Bestechung: Sie wollten nie, nie, nie das Labor betreten. Was sie dort einmal erlebt hatten, musste für zwei eher dämliche und auf jeden Fall sehr faule Hamster der Schock des Lebens gewesen sein. Es war nicht mehr aus ihnen herauszubekommen als das, was schon Hupi gesagt hatte: Der Professor machte Erdbeben!

Immerhin hatten sie Hamstilidamst und Dabi in den Arbeitsschuppen gelotst, und nun saßen sie in einem Winkel, sahen John McHiwi bei der Arbeit zu, fanden es zum Sterben langweilig und waren erleichtert, als die Enterprise-Offiziere und Fergus auftauchten.

"Mann, endlich passiert hier was", flüsterte Hamstilidamst.

"Sollen wir versuchen, näher ran zu kommen?" wisperte Dabi aufgeregt.

"Geht nicht", brummelte Gammel, und Balla nickte:

"Zu verdammt sauber."

Das stimmte. Obwohl hier regelmäßig gearbeitet wurde, war der Schuppen ganz fürchterlich sauber, nichts stand herum, es gab keine Deckung auf dem Weg zum Arbeitstisch.

"Äm", machte Balla.

"Na ja", stimmte Gammel zu.

"Was denn?!" zischelte Dabi.

"Geh ich aber nicht", sagte Balla entschieden.

"Verdammt!!" fauchte Hamstilidamst. "Was und wohin?"

"Da. – Balken."

Gammel wies mit dem Kopf nach oben. Eine Reihe von Balken trug das Schuppendach. Auf dem Weg könnten sie direkt über den Tisch gelangen, ohne bemerkt zu werden. Hamstilidamst und Dabi ließen die beiden Faulpelze zurück und kletterten hinauf. Als sie fast oberhalb des Tisches waren, an dem die Menschen alle standen, hielt Hamstilidamst Dabi an der Vorderpfote fest.

"Und kein Wort reden!" befahl er so leise, dass sie es kaum hörte.

Sie nickte, folgte ihm über einen Balken, dann reckten sie die Köpfe, damit sie sehen und hören konnten, was da eigentlich los war.

John McHiwi hatte einen Stapel Schieferschindeln auf dem Tisch liegen. In mühseliger Kleinarbeit trennte er eine dünne Schieferschicht von der anderen. Jedes Mal schlug er ein Stück mit dem Hammer leicht an, fuhr mit einem feinen Meißel zwischen die Schichten und löste sie. Das waren die Geräusche, die im Schuppen zu hören gewesen waren, als die Offiziere hereingekommen waren.

"Sehen Sie?" fragte Prof. McBastle, griff eine ausgelöste Schieferlage hob sie ganz vorsichtig auf und hielt sie gegen das Licht. "Sehen Sie?"

"Der Schiefer ist porös", schlug Kirk verständnislos vor.

"Neineineinein", widersprach John McHiwi kopfschüttelnd. "Er hat Löcher."

Kirk, Scott und McCoy sahen einander an, sahen John an, dann nickten sie lange. Sie wussten nicht, wo da der Unterschied sein sollte. Nur Spock sagte:

"Gestatten Sie, Fergus?" und nahm ihm das Schieferblatt ab.

Er schaute und schaute, dann schaute er plötzlich zur Decke hinauf. Ein winziges kurzes Geräusch war von dem Balken über ihm gekommen. Langsam senkte er den Blick und spitzte ein ganz klein wenig den Mund: die Hamster waren hier! Sie hatten sich nicht austricksen lassen, sie hatten die Offiziere ausgetrickst. Schlaue kleine Nager!

Oben auf dem Balken hatte Dabi spontan zu einem: "Das sind…", angesetzt und dann derbe eins in die Rippen bekommen.

Erschrocken hielt sie den Mund. Spocks Reaktion zeigte ihr, dass er es doch gehört hatte. Aber er war in Ordnung, er verriet sie nicht. Davon abgesehen, war sie vollkommen sicher, dass die Platten da unten genau so aussahen wie die Schindeln, die auf dem Hoteldach lagen. Für ihr Gefühl war das keine Wissenschaft, das war nicht mal ein Geheimnis, das war einfach plemplem.

"Unter einem Mikroskop müsste man es sehr deutlich erkennen können", sagte da unten Spock gerade. "Es sind keine im ursprünglichen Sinn natürlichen Öffnungen im Stein. Es sieht aus…"

"Ja? Ja?!" machte Prof. McBastle aufgeregt.

Ehe er wieder mit Analyse, Frage und Antwort anfangen konnte, schnappte sich der Chefingenieur der Enterprise das Schieferstück, hielt es unter das Licht und sagte:

"Verrostet."

"Jajajaja!" rief John McHiwi überglücklich.

"O mein Gott!", stieß Lt. Scott hervor. "Davon habe ich doch gelesen. Natürlich! Hier in Ballachulish war ein Zentrum des Schieferabbaus. Aber er konnte nicht überall eingesetzt werden. Er hat Eiseneinschlüsse."

"Ich verstehe", sagte Spock langsam. "Wenn man diesen Schiefer, wie es üblich war – äh – ist, als Abdeckung für Dächer einsetzt und der Schiefer über längere Zeit der Feuchtigkeit ausgesetzt ist …"

"…rosten einfach die Eisenteile aus", beendete Kirk den Satz beeindruckt. "Das ist ja ein tolles Ding."

"Ja, aber…", machte Dr. McCoy verwirrt. "Ich meine… Äh, brauchen Sie für Ihre Versuche das Eisen oder den Rost?!"

"Die Löcher!" sagte Fergus triumphierend.

"Oh!" sagte Captain Kirk leise.

Jetzt war er fast sicher, dass Prof. Fergus McBastle wirklich eine Macke hatte.

Ob der Professor nun eine Macke hatte oder nicht, die Offiziere wollten sich auf jeden Fall sein Labor ansehen. John McHiwi nutzte die Gelegenheit, einen Kasten mit abgelösten Schieferschichten hinüberzubringen. Nur der Vulkanier sagte:

"Wenn Sie gestatten, sehe ich es mir noch genauer an. Ich komme in wenigen Augenblicken nach."

Fergus und John nickten, dann gingen sie den drei Offizieren voraus. Spock sah sich jedoch überhaupt nichts genauer an. Er streckte den Arm Richtung Deckenbalken aus und sagte leise:

"Kommt herunter."

"Das ist bloß deine Schuld", fauchte Hamstilidamst Dabi an. "Was musst du quatschen?!"

"Wenn Dabi nicht – gequatscht hätte, wie du es so sehr wenig vornehm ausdrückst, Hamstilidamst, würdet ihr jetzt wohl nicht in die letzten Geheimnisse eingeweiht werden. – Kommt herunter."

Er hatte noch nicht zu Ende gesprochen, da saß ihm die geheimnissüchtige Dabi schon auf der Schulter. Auch Hamstilidamst kletterte an seinem Arm entlang. Spock übernahm den Trick des Captains und ließ die beiden in seinen Ärmeln Einzug halten.

"Hier können wir nichts sehen!" beschwerte Hamstilidamst sich.

"Hör mir zu", sagte Spock, und seine Stimme klang ungewöhnlich ernst. "Mit meinem Tricorder habe ich festgestellt, dass es unter diesem Grundstück eine große unterirdische Anlage gibt. Ich nehme sehr stark an, das ist der Ort, den bisher niemand außer dem Professor betreten durfte. Und ich nehme an, wir dürfen ihn jetzt betreten. Wenn ihr da mit hinein wollt, erwarte und verlange ich, dass ihr euch vollkommen still verhaltet. Wenn wir dort sind, lasse ich euch unauffällig frei."

"Das ist in Ordnung", sagte Dabi rasch. "Ich gebe keinen Mucks von mir."

"Fffft, das hast du schon mal gesagt", war Hamstilidamsts Stimme aus dem anderen Ärmel zu hören.

"Dieses Mal wird sie sich daran halten", sagte Spock zuversichtlich. "Es geht wirklich um ein großes Geheimnis. – Wenn wir wieder gehen, werde ich euch nicht auffällig suchen können. Behaltet mich also im Blick. Ich gehe davon aus, dass ihr eine Möglichkeit findet, euch wieder zu mir zu gesellen."

Dabi fühlte sich geschmeichelt. Der sehr kluge Vulkanier ging davon aus, dass sie ebenfalls sehr klug war. Natürlich war sie das, aber es war doch schön, dass es ihr jemand sagte. Hamstilidamst dagegen nahm sich vor, in der geheimen unterirdischen Anlage auf Nummer Sicher zu gehen. Irgendeinen Weg nach draußen würde es ganz bestimmt geben, falls sie es doch nicht schafften, sich wieder unauffällig bei Spock zu verstecken.

Gleich darauf spürten sie die kühle Nachtluft, dann hörten sie eine Tür zufallen. Mit großen Schritten ging Spock zu jenem langgestreckten Gebäude hinüber, das er heute Vormittag als Labor erkannt hatte. Die anderen hatten sich dem langsamen Tempo von McHiwi angepasst, der den Kasten mit den Schieferplatten schleppte. So hatten sie die schwere Tür zum Labor gerade erst erreicht, als der Vulkanier sie einholte.

Sowie der Professor die Tür öffnete, ging drinnen automatisch das Licht an, und zwar im ganzen Gebäude. Auf den ersten Blick sahen sie, dass es eine Reihe von nicht sehr großen Räumen war, die alle durch Glaswände voneinander getrennt waren. Auf den zweiten Blick sahen sie, dass wie beim Wohnhaus das verkommene Äußere täuschte. Hier drinnen war es fleckenlos sauber.

"Analyse", sagte Fergus. "Bridget ist ein Putzteufel. Frage: Macht sie diese Eigenschaft geeignet, ein Labor zu reinigen? Antwort: Entschieden, ganz entschieden!"

Kirk lachte unwillkürlich, und Fergus grinste ihn fröhlich an. Spock sagte:

"Mr. McHiwi, ich hatte Sie heute Vormittag so verstanden, dass niemand das Labor betreten darf."

"Jajaja, außer dem Professor."

"Na, und was machen Sie dann jetzt hier?" fragte McCoy.

"Oh! O neineinein. Dies ist noch nicht das Labor. Dort ist der Anfang vom Labor", sagte John und wies auf den nächsten Raum.

"Richtig, richtig", nickte McBastle. "Meine Experimente sind zu… Na ja! Bridget sorgt dafür, dass dieser Raum steril sauber ist."

"Ay, wie das Haus", sagte Scott düster.

"Ay, Putzen ist ihr Leben", erwiderte Fergus ebenso düster. "Sie ist eine grauenhafte Köchin, sie ist nicht sehr freundlich, aber… Ich kann keinen großartig bezahlen, und ich brauche jemanden, der den Vorraum dieses Labors so sauber hält, dass kein Schmutz in die nächsten Räume getragen werden kann."

"Dann sollten wir eigentlich Schutzanzüge anziehen", meinte der Arzt. "Wir bringen einiges mit."

"In der Tat", sagte Spock bedeutungsvoll und umfasste vorsichtig seine Unterarme.

Es war klar, dass sie in solch einem Labor Schutzanzüge tragen mussten, aber wie er die Hamster dann unauffällig freilassen sollte, wusste er nicht so recht.

"Hat Bridget meine Overalls gereinigt, John?" fragte McBastle.

"O jajajaja. Gewaschen und desinfiziert. Zehn Stück. Sie war ganz glücklich", strahlte McHiwi.

Jetzt bedankte sich der Professor bei McHiwi für die neue Ladung Schieferplatten und schickte ihn weg. Seine Gäste führte er in den nächsten Raum. Dort hatte die gute alte Brigg einen Stapel Overalls durch eine Klappe geschoben. Alle waren in McBastles Größe, und der einzige, dem sie ungefähr passten, war Lt. Scott. Bei den anderen hatten die Hosenbeine Hochwasser, und die Arme ragten weit aus den Ärmeln heraus.

Aber das war nun nicht zu ändern. Immerhin hatte Spock es geschafft, sich beim Einstieg in das lächerliche Kleidungsstück so von den anderen wegzudrehen, dass er die beiden Hamster aus seinen Shirt-Ärmeln in zwei Overall-Taschen verfrachten konnte. Er hatte das mit halb abgewandtem Kopf getan, um die anderen zu beobachten, und nicht gesehen, dass zwei Paar dunkle Knopfaugen ihn mit einer Mischung aus Begeisterung, Dankbarkeit und ein wenig Angst angestarrt hatten. Alle ihre Abenteuer und Geheimnisse sollten jetzt endlich anfangen!

Jetzt – das war einmalig untertrieben. Sie hatten wirklich geglaubt, es würde sofort spannend werden. Als die Männer die Overalls anzogen, hatte das irgendwie richtig wichtig ausgesehen.

Am allergemeinsten war es, dass sie immer noch ganz leise sein mussten. Hamstilidamst wagte es einmal, sich zu kratzen, da war sofort eine Hand da, die sich auf die Tasche legte. Er ließ das mit dem Kratzen sein, und danach dachte er eine fürchterlich lange Zeit an nichts Anderes mehr als daran, dass in seinem Fell etwas juckte. Er wurde wirklich auf eine harte Probe gestellt.

Dabi puschte sich selbst auf. Immer, wenn die Männer einen neuen Raum betraten, zitterte sie geradezu vor Aufregung. Jeden Augenblick würde sie nun von dem großen Geheimnis erfahren. Aber was sie tatsächlich erfuhr, war zum Fiepen langweilig. Leider schienen die Männer das nicht so zu sehen. Sie hielten sich in jedem Raum unglaublich lange auf, und Dabi hätte am liebsten irgendjemanden gebissen.

"Sie haben gesehen, wie achtsam ich meine Vorbereitungen treffe, meine Herren", sagte Prof. McBastle, nachdem er eine Ewigkeit im fünften Raum dieses Gebäudes rumgestanden und palavert hatte.

"Mit den Mitteln, die Sie zur Verfügung haben…", gab Kirk zu. "Da haben Sie die Probleme wirklich gut gelöst."

Der Professor war glücklich, ein paar intelligente Zuhörer zu haben, die sich für das interessierten, was er machte, die ihm auch nicht in jedem zweiten Satz sagten, dass nichts klappen würde, was er da vorhatte. So glücklich war er, dass er völlig vergaß, jede seiner Aussagen in Analyse, Frage und Antwort zu verkleiden.

Während McBastle mit Lt. Scott schwatzte und auf eine schwere Metalltür zuging, wandte der Captain sich um und blickte über all die Räume hin, die sie eben durchquert hatten. Neben ihm sagte eine leise Stimme:

"Hast du es inzwischen verstanden, Jim?"

"Nein, Pille, keine Ahnung."

"Was immer er mit diesem löcherigen Schiefer vorhat, sauber ist das Zeug jetzt."

"Hmhm", machte Kirk nur.

Dies gesamte Labor, jeder einzelne Raum war nur dazu da, die Schieferplatten zu reinigen. Sie wurden in Säure gelegt, in Lauge, in Wasserbäder, wurden mit einem Hochdruckstrahl abgeduscht, kamen in ein Trockengerät. Hier im letzten Labor gab es eine Art Packmaschine, welche die dünnen Schieferscheiben griff und in einen Behälter mit zahllosen kleinen Fächern ordnete.

Das war alles keine große Technik und sah völlig nach jemandem aus, der nicht viel Geld hatte und das Beste daraus machte. Und doch stand Spock jetzt vor dem Behälter mit den einsortierten Schieferplatten und starrte ihn total fasziniert an.

"Ich glaube, unser Spitzohr weiß was", vermutete Dr. McCoy.

Die beiden gingen zu ihm, und Kirk sagte:

"Na, wissen Sie etwas?"

"Jim?!" fragte der Vulkanier irritiert. "Sie können sicher sein, dass ich eine große Anzahl von Dingen weiß."

"Grrm", machte McCoy. "Was ich an Ihnen am wenigsten leiden kann, ist, dass Sie immer alles so wörtlich nehmen. – Wissen Sie hierzu etwas?"

"Ich glaube, ich weiß, was in dem Päckchen ist, das Prof. McBastle heute in Fort William abgeholt hat. – Um genau zu sein…"

"Ja?!" fragte Kirk gespannt.

"… das er gestern in Fort William abgeholt hat. Mitternacht ist bereits vorbei, ein neuer Tag hat begonnen."

"Das war genau das, was wir wissen wollten", gab der Doktor sauer zurück.

"Liebe Kollegen!" rief Fergus ihnen zu, ehe die beiden den Vulkanier erschlagen konnten.

Sie gingen zu McBastle hinüber und sahen mit etwas dümmlichen Gesichtern zu, was er tat. Die Tür, vor der er stand, hatte nicht weniger als zehn Schlösser, und er musste für jedes Schloss einen Schlüssel hervorkramen.

Dabi hatte ganz vorsichtig den Rand der Tasche zurückgezogen, in der sie saß. Sie wusste, was man tun musste, damit ein Geheimnis wirklich wie ein Geheimnis aussah. Eine Tür mit einer Unmenge von Schlössern auszurüsten, damit auch wirklich keiner reinkommen konnte, gehörte unbedingt dazu. Von oben legte sich ihr ein Finger auf den Kopf, drückte leicht, und sie tauchte wieder in die Tasche ab.

Endlich ging die Tür auf. Sie war dick wie bei einem Panzerschrank, und Captain Kirk holte unwillkürlich Luft. Wenn es irgendwas zu erfahren gab, würden sie es jetzt erfahren! – Aber auch für ihn hieß jetzt noch lange nicht jetzt. Fergus drückte auf einen Lichtschalter, eine funzelige Lampe ging an und beleuchtete ein enges Treppenhaus. Weiter unten konnten sie eine weitere dicke Tür im Halbdunkel erkennen. Dr. McCoy seufzte leise…

"Gleich sind wir in den Versuchsräumen", sagte McBastle, der den Laut gehört hatte. "Sie wundern sich, dass wir in einen Keller gehen."

"Äh, ja, natürlich", versicherte Lt. Scott ihm schnell, denn es ging den Professor gar nichts an, dass Spock mit seinem Tricorder diese Kelleranlage längst entdeckt hatte.

"Im Krieg war dies ein Bunker."

"Im Krieg", wiederholte McCoy tonlos, und Fergus drehte sich auf der Treppe um.

"Im Zweiten Weltkrieg!" sagte er erstaunt, und Kirk nickte eifrig.

"Ja, natürlich, wann sonst. Sie müssen entschuldigen, aber Leonard ist ein so unglaublich friedlicher Mensch, dass er so gut wie nichts über Kriege weiß."

"Aha, aha, das ist ja eigentlich sehr schön!"

"Ist es", nickte Kirk und schob McCoy vor sich her, der ihn erstaunt anglotzte.

Zum Glück hatte der Professor sich bei der nächsten Tür mit zwei Schlössern begnügt. Auch hier ging das Licht automatisch an, als er die Tür aufschob. Alles war in extreme Helligkeit gehüllt, und sie mussten ihre Augen erst daran gewöhnen.

Spock steckte mit einer möglichst natürlich aussehenden Geste die Hände in die Overall-Taschen, umfasste mit jeder einen Hamster und wartete auf den günstigen Augenblick, sie freizulassen. Für Hamstilidamst und Dabi war das überhaupt nicht gemütlich. Vor allem nicht, als die beiden Hände sich auf einmal leicht verkrampften.

Was der Vulkanier hier vor sich sah, hatte mit den Labor-Billiganlagen eine Etage höher nichts zu tun. Es stand völlig außer Frage, dass der Professor in diese Versuchsanlage seinen letzten Penny gesteckt hatte. Die anderen gingen schon langsam und staunend voraus, er selbst stand noch da und ließ seine Blicke über die gesamte Anlage schweifen.

Auf einmal zuckte er. Irgendetwas hatte sich kräftig in seine Hand geschlagen, und sein logischer Verstand ging davon aus, dass es Hamsterzähne waren. Dann merkte er selbst, dass er die Tierchen in seiner Verblüffung zu heftig umfasst hatte. Er blickte hinüber, ob gerade jemand guckte, dann holte er die beiden heraus, setzte sie auf einen Schrank, der direkt neben ihm stand, und gesellte sich zu den anderen.

Spock hatte Hamstilidamst und Dabi so gesetzt, dass auch sie den Raum überblicken konnten. Sie blinzelten ein wenig, weil es nach den dunklen Taschen hier draußen so hell war. Dann setzten sie sich auf und schauten.

"Hm", machte Hamstilidamst enttäuscht. "Ich sehe nichts Besonderes."

"Wir müssen näher ran", nickte Dabi. "Dies ist der Ort des Geheimnisses. Wenn wir nicht verstehen, was wir sehen, werden wir zuhören."

Hamstilidamst zog ein Gesicht, denn sie klang wie irgendein Lehrer. Das Ärgerliche bei Lehrern war aber, dass sie sehr oft Recht hatten. Also guckten sie genau, wo die Männer gerade standen, dann machten sie sich an den Abstieg vom Schrank. Zu nahe heran durften sie auch nicht. Darum kletterten sie in einigem Abstand von dem riesigen Gehäuse, das mitten im Raum stand, wieder auf einen Tisch.

Von hier aus konnten sie prima hören, was gesprochen wurde, konnten sehen, was der Professor den Offizieren zeigte – und machten eine Entdeckung.

"Guck mal", sagte Hamstilidamst leise. "Dieses Dingsda ist voll mit den Schieferplatten."

"Ähä", machte Dabi nur.

Das durchsichtige Gehäuse war wirklich zugepackt mit den dünnen Schieferscheiben. Und die waren nicht wild da reingeschmissen, sondern ganz ordentlich aufgestellt, so dass sie lange, versetzte Reihen bildeten. Es war riesig lang, nicht nur für die Begriffe eines Hamsters.

"Dies", sagte Prof. McBastle gerade, "ist der Kernpunkt und das Hauptproblem. Dies soll die Vorratskammer werden."

"Hast du gehört?!" zischelte Hamstilidamst. "Hast du’s gehört?! Es ist eine Vorratskammer. Mann, ist das Klasse!"

"Halt – die – Klappe!" sagte Dabi leise, aber sehr deutlich und sehr ärgerlich.

"Vorratskammer?" fragte aber auch Lt. Scott, und Hamstilidamst zog zu Dabi hin eine Fratze – der Schotte wusste, was eine Vorratskammer wert war!

"Nun ja, man muss die Energie doch auf Vorrat haben", sagte McBastle in einem Ton als sei eine andere Lösung vollkommen blödsinnig. "So wie Heizöl."

"In vermischtem Zustand?" fragte Spock.

"Wie sonst?"

Der Vulkanier senkte das Kinn und legte die Hände auf dem Rücken zusammen. Für ihn war die Sache erledigt, denn ein Materie/Antimaterie-Gemisch konnten sie nicht einmal in ihrer Zeit auf Vorrat halten. Es wäre für viele Gelegenheiten eine ideale Lösung gewesen, aber die Physik war damit nicht einverstanden.

"Sagen Sie, Fergus", meldete Scotty sich wieder zu Wort, "ist Ihnen denn die kontrollierte Mischung gelungen?"

"Na ja-a-a", wand sich der Professor. "Es ist so, ich kenne alle Voraussetzungen und habe alle Voraussetzungen geschaffen. Analyse: Treffen Teilchen von Materie und Antimaterie aufeinander, dann heben sie einander auf, und zwar durch Freigabe von Energie. Frage: Kann diese Energie gebündelt und genutzt werden? Antwort: Im Prinzip ja."

"Fergus", sagte Kirk völlig entnervt. "Ich glaube, wir würden sehr gern alle verstehen, was die Löcher im Käse… Entschuldigung! … was die Löcher im Schiefer damit zu tun haben."

Der Professor strahlte sie alle an, dann ging er mit hüpfenden Schritten auf einen Schrank zu. Spock wandte rasch den Kopf, denn die Richtung war der Schrank, auf dem er die Hamster abgesetzt hatte. Erleichtert entdeckte er, dass sie dort nicht mehr waren. Unauffällig ließ er seine Blicke durch den Raum wandern. Schließlich sah er hinter einem Messgerät einen Hamsterkopf hervorlugen. Das war Hamstilidamst, und der winkte Spock heftig zu. Der Vulkanier schloss kurz die Augen und nickte leicht. Niemand hatte etwas bemerkt.

Der Schrank, den McBastle jetzt öffnete, war ein Gefrierschrank, und er nahm das Päckchen heraus, das er gestern in Fort William abgeholt hatte.

"Ich würde Sie bitten, mir zu assistieren, wenn ich das Gefühl hätte, dass Sie eine Ahnung haben, wie meine Versuchsreihen ablaufen. Aber das Gefühl habe ich nicht."

"Was ist eigentlich da drin?" fragte Dr. McCoy, und Fergus strahlte wieder.

"Positronen."

"Da ist was drin?!" kiekste der Doktor.

"Heiliger Strohsack!" stieß Scotty hervor. "Wenn ich mir vorstelle, dass Sie unsere Hamster praktisch auf einer Bombe transportiert haben. – Was war das?"

"Nichts", sagte Spock rasch. "Ich habe mich geräuspert."

Aber er hatte sich überhaupt nicht geräuspert. Hinter dem Messgerät auf dem Tisch war Dabi in Ohnmacht gefallen. Hamstilidamst fand es wahnsinnig prickelnd, dass der Professor sie gestern auf eine Bombe gesetzt hatte. Ganz still für sich führte er einen kleinen Freudentanz auf, bis er plötzlich sah, dass Dabi auf dem Rücken lag und alle vier Pfoten von sich streckte.

Hamstilidamst guckte verwirrt und etwas hilflos. Eigentlich wurde nur der Bürgermeister ohnmächtig, wenn er eins über die Rübe gekriegt hatte, und hinterher laberte er totalen Schrott. Andere Sorten von Ohnmacht kannte Hamstilidamst nicht, so dass er sich suchend umsah, was Dabi auf die Rübe bekommen haben könnte. Er fand nichts zu dem Thema. Dann überlegte er, was er im HAMHI-Kurs gelernt hatte, dem Hamster-Hilfe-Lehrgang. Auch dazu fiel ihm nichts ein, so dass er Dabi einfach kräftig in die Nase kniff. Glücklich stellte er fest, dass er so was wohl mal gelernt haben musste, denn Dabi fuhr sofort auf.

"Wo bin ich?" fiepte sie verwirrt, und er machte:

"Schscht! Bei Fergus im Labor."

"Die B… die Bom… die Bombe", stotterte sie.

Dann war plötzlich ein Stück über ihnen ein Husten zu hören. Spock war da, markierte Hustengeräusche und murmelte zwischendurch:

"Man hört euch."

"Okay", flüsterte Hamstilidamst zurück. "Sieh zu, dass Fergus nichts mehr von Bomben erzählt, sonst macht Dabi hier den Abgang."

Spock hustete noch einmal, nickte dabei und kehrte wieder zu dem Gebilde in der Mitte des Raumes zurück.

Prof. Fergus McBastle fing an, eine Rede zu halten. Die vier Offiziere, die ihren Alltag zum großen Teil mit Warp-Energie bestritten, verstanden ihn alle mühelos. Zwei Hamster hingegen, die nur sehr verschwommene Vorstellungen davon hatten, was überhaupt ein Atom war, verstanden überhaupt nichts. Dabi gab sich zumindest den Anschein und zog eine gelehrte Miene. Hamstilidamst dagegen kommentierte wild und flüsternd drauflos.

"Hast du gehört? Wenn man die postofonischen Teile abkühlt, werden sie träge. – Ich wette, Gammel und Balla haben zu lange im Kühlschrank gesessen."

"Die thermische Kugel mit den Positronen setze ich jetzt in dies Gehäuse, schließe es luftdicht und entziehe dem Gehäuse den Sauerstoff", erklärte der Professor.

"Guck mal, das ist gar keine Bombe", raunte Hamstilidamst. "Das ist eine Thermosflasche. Ob da Porridge drin ist? Hast du eigentlich keinen Hunger, Dabi?"

"Ja", zischte sie, "aber es gibt Dinge, die wichtiger sind."

"Ach ja?" machte Hamstilidamst verwundert.

Wie Fergus weiter erläuterte, öffnete ein Mechanismus automatisch die thermische Kugel, wenn in dem Gehäuse Vakuum war. Nun konnten die Positronen ausströmen. Gleichzeitig schaltete sich ein Messgerät ein, das den Weg der Teilchen aufzeichnete.

"Ihnen ist natürlich klar", sagte der Professor, "dass Trägheit relativ ist. Ein Positron, das bei normaler Temperatur dicke Bleiplatten durchschlägt, stört sich nicht an dünnen Schieferblättchen, wenn es sich träge fortbewegt."

"Das Gehäuse mit dem Schiefer hat natürlich auch Vakuum", sagte Scott.

"Ja, natürlich. – Beobachten Sie jetzt bitte die Teilchenbewegung. Kommen Sie."

"Weg hier!" flüsterte Hamstilidamst, packte Dabis Vorderpfote und sprang mit ihr von der Tischplatte in den Abgrund.

Wenige Sekunden später stand der Professor an genau dem Messgerät, hinter dem die Hamster sich versteckt hatten. Sie flitzten unter einen Schrank und hielten von dort Ausschau. Wohin könnten sie jetzt am besten gehen, um zu verfolgen, was hier passierte? Es musste ungeheuerlich interessant sein, denn Scotty stieß einen Pfiff aus, und der Vulkanier sagte: "Faszinierend!"

Neben dem Schrank verlief eine Stromleitung zu einer Lichtleiste hinauf. Hamstilidamst zeigte dort hin, und Dabi nickte hastig. Rasch kletterten sie nach oben. Der Schrank, unter dem sie gehockt hatten, und auch der daneben waren ziemlich hoch. Von dort konnten sie nichts Genaues erkennen. Aber mit einem gewagten Sprung hechteten sie doch von dem Kabel auf das Schrankdach. Dann deutete Dabi an der Schrankreihe entlang.

"Der da hinten ist niedrig genug", sagte sie.

Der Zufall wollte es, dass auch die Männer jetzt in diese Richtung gingen. Menschen und Hamster kamen gleichzeitig an dem niedrigen Schrank an, aber ganz offenbar hatten sie während ihrer Flucht einiges verpasst.

"Jetzt haben also die verzögerten Positronen und die ungehinderten eine unterschiedliche Temperatur, eine unterschiedliche Geschwindigkeit und unterschiedliche Standorte", erklärte McBastle. "In dieser Situation lasse ich sie in diese Kammer fließen, in der sie auf ebenfalls heruntergekühlte Neutrinos treffen."

"Was is ’n das?" wisperte Hamstilidamst. "Irgend ’ne Tierart? Klingt wie Flamingos."

"Unsinn", flüsterte Dabi zurück, die es auch nicht wusste. "Das sind die Albinos der Teilchenlehre."

"Aldi – was?"

"Ohne Farbe."

"Stimmt, ich seh da überhaupt nix", gab Hamstilidamst zu. "Aber von den Postillionen seh ich auch nix."

"Na ja, das eine sind Materie-Albinos und das andere Antimaterie-Albinos."

"Oh!" machte Hamstilidamst und schaute Dabi beeindruckt an.

Er hätte nicht gedacht, dass sie über solche Sachen Bescheid wusste, aber was sie da sagte, klang unheimlich intelligent. Und das passte auch alles ganz prima zusammen. Dabi fand auch, dass das alles ganz prima zusammenpasste. Darum dachte sie, was sie eben gesagt hatte, könnte genauso gut richtig sein.

"Ich bin und bleibe der Überzeugung, dass der unterschiedliche Zustand der Positronen entscheidend für die erfolgreiche Vermischung…"

Weiter kam der Professor nicht, dann knallte es. Hier und da waren in der letzten Kammer Positronen und Neutrinos aufeinandergestoßen und vernichteten einander, wie es ihre Art war, durch eine Explosion.

"Wow!" stieß Hamstilidamst hervor.

Die Enterprise-Offiziere waren hastig zurückgewichen, aber Fergus, der dies Ergebnis besser kannte als jeder andere, drückte auf einen Knopf, der die Neutrino-Kammer versiegelte. Hamstilidamst, begeistert von der schönen Explosion, wollte seine Freude mit Dabi teilen, aber Dabi saß da, stierte hinunter und schien so was wie einen Starrkrampf gekriegt zu haben.

"Wie ist die Lösung?!" klagte der Professor. "Wie ist die Lösung? Wie ist die Lösung?"

"Sie müssen die Explosionsenergie umgehend in Antriebsenergie umsetzen", sagte Lt. Spock.

"Aber das macht keinen Sinn. Jeder Haushalt müsste dann eine Teilchenbeschleuniger-Anlage haben! Das macht keinen Sinn. Das könnte doch niemand bezahlen. Es muss eine Bevorratung möglich sein, sonst macht das alles keinen Sinn."

"Fergus, wenn Sie Materie und Antimaterie in einer Mischkammer zusammenbringen, ergibt sich augenblicklich die Energie, mit der Sie etwas antreiben können", sagte Scotty eindringlich.

"Aber das wäre eine gigantische Anlage. – Und es wäre gefährlich…"

Die Stimmen entfernten sich langsam auf die Tür zu. Hamstilidamst saß und betrachtete voller Sorge Dabi, die sich seit zwei Minuten nicht mehr bewegt hatte. Er dachte über Schlaganfälle und ähnlich Schreckliches nach – dann ging das Licht aus.

"He!" schrie er empört.

Fergus und die Offiziere waren hinausgegangen, und Spock hatte sie einfach vergessen!

 

Weiter: Auf und Davon (Kapitel 13) - Schottisches Wiedersehen