Kapitel 8

 

Kein McBastle – aber andere Bekanntschaften

 

Ein ganz klein wenig schadenfroh war Hamstilidamst schon, weil die Offiziere ihn so selbstverständlich mitgenommen hatten. Wenn Dabi nicht absolut gemein war, kümmerte sie sich jetzt erst mal um Hupi. Und irgendwann wäre er es, der ihr erzählte, was eigentlich los war. Vielleicht hatte sie ihn ja angesteckt, denn inzwischen glaubte er auch, dass es ein Geheimnis gab.

Wenn er sich die vier so ansah, hatte er keine Hoffnung, dass bald etwas passieren würde. Sie standen hilflos vor dem Hotel rum, und irgendwie ging es um Norden und Süden. Jeder Idiot wusste doch, wo Norden und Süden war!

"Bitte, Mr. Scott, Ihre Kenntnisse sind gefragt. Wo ist Nord- und wo ist Süd-Ballachulish?"

"Also, als ich hier war, gab es ein Ballachulish, und damit hatte es sich. Hier neben das Hotel gehören ein paar Ferienhäuser, da drüben ist das Anglerzentrum..."

"Na ja, jetzt gibt’s das alles jedenfalls noch nicht", meuterte McCoy. "Ich kann hier rauf und runter gucken, hier ist nur das Hotel."

"Hamstilidamst!"

Die drei Menschen fuhren herum, denn Spocks Stimme klang äußerst streng. Dann grinsten sie. Der Hamster hatte sich auf den Tricorder geschwungen, mit dem der Vulkanier gerade eine Analyse vornahm. Kirk pflückte Hamstilidamst von dem Gerät und warf einen Blick auf das Display.

"Norden ist Norden, und Süden ist Süden", sagte Hamstilidamst ärgerlich. "Warum müsst ihr deshalb so viel reden?"

"Jetzt sei mal still", wies Kirk ihn zurecht und studierte weiter das Display, das eine kleine Karte zeigte. "Scotty?!"

"Ay?"

"Wenn Sie uns gesagt hätten, dass Ihr Ort jenseits der Brücke weitergeht, hätten wir schon auf dem Weg sein können. Meine Herren, hier rechts die Straße runter, und wir kommen nach Süd-Ballachulish."

"’tschuldigung, Captain, ich dachte, das ist klar!"

"Hier und jetzt ist gar nichts klar."

"Sagt mal, macht ihr irgendwas wirklich Geheimes?" fragte Hamstilidamst, und Kirk kraulte ihm den Hals.

"Ja, mein Kleiner, aber ich verlasse mich nicht auf deine Verschwiegenheit. Also fragst du besser nicht, okay?"

"Dann hat sie tatsächlich Recht! Es geht um Rasierapparate, oder?"

"Um was?!" platzte Kirk lachend heraus. "Also eines kann ich dir versprechen, um Rasierapparate geht es nicht."

"Einen Augenblick", unterbrach Spock. "Welche ‚sie’ hat tatsächlich Recht, Hamstilidamst?"

"Nix", gab er hastig zurück. "Eine, äh, hamstische Redensart."

Er sah die Augenbraue von Lt. Spock ungläubig aufwärts wandern, und er musste zugeben, diese Augenbraue faszinierte ihn. Er hätte so etwas auch gern gehabt und gekonnt.

Der Erste Offizier der Enterprise ließ sich nichts vormachen. Viele Möglichkeiten gab es nicht, dass der Hamster sich mit jemandem verständigt hatte. Hamstilidamst war schon hier gewesen – in dieser Zeit –, es war nicht auszuschließen, dass es hier andere Hamster gab, mit denen er bekannt war.

Spock war durchaus bereit zuzugeben, dass er solche Hamster wie Hamstilidamst und seine Freunde noch nie kennen gelernt hatte – aber tatsächlich hatte er noch nie persönliche Bekanntschaft mit Hamstern gemacht und hätte nicht sagen können, ob Hamster grundsätzlich so gerissen waren wie diese hier. Eigentlich hätte er angenommen, Hamster seien harmlose, nachtaktive Nager, aber in den letzten beiden Tagen hatten sich seine Ansichten über Hamster gründlich geändert.

Plötzlich blieb Lt. Scott mit breitem Grinsen stehen.

"Captain, ich höre Dudelsackmusik! Ay, so viel hat sich doch nicht geändert. Es ist der tägliche Dudelsackpfeiferausmarsch."

"Und was soll das sein?" erkundigte sich McCoy.

"Für die Touristen. Jeden Tag zieht eine Dudelsack-Kapelle durch Ballachulish und spielt. Sie kommen in den Clan-Tartans der Gegend – ein herrliches Bild!"

Die Dudelsackklänge trugen weit, und sie hatten noch ein Stück zu laufen, bis sie die ersten Häuser von Süd-Ballachulish erreichten. Dann blieben alle vier wie angenagelt stehen. Hoch oben zwischen zwei Masten hing quer über der Straße ein riesiges Schild: WILLKOMMEN ZUM BALLACHULISH BLUMENFEST UND PLEASURE DOME

"Pleasure Dome! Pleasure Dome!" krähte Hamstilidamst begeistert.

Vier Offizieren fielen fast die Kinnladen herunter. Sich mit einem Hamster über Universalübersetzer unterhalten zu können, das war eine Sache, aber zu entdecken, dass er lesen konnte, war eine völlig andere Sache. Sie standen sprachlos, während Hamstilidamst beinahe ausflippte vor Freude. Blumenfest, das war nur interessant, wenn man von dem Grünzeug was essen konnte, aber ein Pleasure Dome, wie zu Hause in Hamsterhausen...

"Und wir waren extra hier, um den Lord zu holen, damit er in unserer Geisterbahn das Monster spielen konnte. Wenn er für sonst nichts gut ist, dafür ist er prima. Und was wir hier alles erlebt haben, bis wir endlich nach Hause gekommen sind. Und dann haben wir uns so auf unseren Pleasure Dome gefreut. Überall wollte ich mitfahren, an jeder Bude wollte ich was essen. Und dann ist der Bürgermeister wieder augerastet, und wir haben ihn in den Turbokreisel gepackt, und damit haben wir euch getroffen, und jetzt bin ich wieder in Schottland, und hier ist ein Pleasure Dome. Wahnsinn!"

"Ich entnehme deiner eher verworrenen Rede, dass du dieses Fest gern besuchen würdest", stellte der Vulkanier fest, und McCoy verdrehte die Augen.

"Ich glaube fast, das können Sie seiner Rede entnehmen, mein Lieber", sagte er geduldig.

"Der Besuch einer solchen Veranstaltung ist jedoch nicht der Grund unserer Anwesenheit."

Hamstilidamst, der auf der Schulter von Captain Kirk saß, drehte sich um, machte einen langen Hals und sah dem Ersten Offizier der Enterprise fest in die Augen.

"Du bist mir zu Anfang gar nicht so langweilig vorgekommen."

Scotty bog sich vor Lachen, und Dr. McCoy streckte den Zeigefinger aus, um den Hamster zu kraulen. Mit seiner exakten, immer logischen Art ging ihnen der Vulkanier allen gelegentlich auf die Nerven, aber als langweilig hatte ihn noch keiner bezeichnet. McCoy gefiel das sehr gut, und er freute sich, dass sie den Hamster doch mitgenommen hatten. Spock selbst schaute etwas verdutzt, dann fühlte er sich derb angerempelt.

Drei breitschulterige, grob aussehende junge Männer schoben mit wiegenden Schritten vorbei und konnten offenbar vor Kraft kaum gehen.

"Ey, schlagt ihr hier Wurzeln, oder was?" sagte einer der Jungen mit rauer Stimme, und Kirk trat einen Schritt vor.

"Ich schlage vor, ihr entschuldigt euch, okay?"

"Ey, Alter, halt mal den Ball flach", pöbelte ein anderer zurück.

"Sagen Sie, kann es sein, dass Sie Streit suchen?" erkundigte sich Lt. Spock höflich.

"Ey, hier, wenn du eins in die Fresse willst, sag."

"Jetzt halt du mal den Ball flach", gab McCoy zurück. "Leg dich mit dem besser nicht an."

"Boa, der Spargeltarzan?!" sagte der Dritte, fing an zu lachen und fiel in Ohnmacht.

Die beiden anderen glotzten. Der Lange mit der Mütze hatte gar nichts gemacht, hatte ihrem Kumpel bloß die Fingerspitzen an den Hals gelegt. Der Captain feixte über die blöden Gesichter. Das kam davon, wenn man einen Vulkanier dazu verführte, seinen vulkanischen Lähmungsgriff einzusetzen. Völlig gewaltlos, auch ganz schmerzlos, und man wurde für eine ganze Weile schlafen geschickt. Das konnten die Jungen natürlich nicht wissen.

"Also?" fragte Kirk und reckte das Kinn vor.

Aber so was ließen die beiden noch Wachen nicht mit sich machen. Sie ballten die Fäuste und gingen auf die vier Männer zu. In Ballachulish waren sie als Schläger bekannt, sie nahmen es mit jedem auf. Der Captain hob Hamstilidamst von seiner Schulter, reichte ihn an Dr. McCoy weiter und sagte leise:

"Du hältst dich da raus, Pille, du hast keine Papiere."

"Ist in Ordnung. – He, hör mal auf, so rumzuzappeln!"

"Ist das nicht toll?!" fiepte Hamstilidamst begeistert. "Eine richtige Prügelei. Wir machen das zu Hause jeden Tag."

"Du könntest ja einen von denen ins Ohr beißen."

"Au ja!"

"Nichts, du bleibst hier. – Hoppla!"

Zwischen den beiden Schlägern, Kirk und Scott waren die ersten Hiebe gefallen. Die Jungen mochten noch so bullig sein und noch so viele Muskeln haben, sie hatten nie ein Kampftraining erhalten wie man es bekam, wenn man in der Sternenflotten-Akademie ausgebildet wurde. Scott hatte einem von ihnen mit einer raschen Bewegung den Arm auf den Rücken gedreht und ihm, als er in die Knie ging, einen kräftigen Stoß gegeben. Bei "Hoppla!" war der Junge auf McCoy zugetaumelt, der ihm einen weiteren Stoß Richtung Spock versetzte.

Der Vulkanier hatte es nicht nötig, sich mit jemandem zu prügeln. Sobald der Junge in die Reichweite seines vulkanischen Nackengriffs kam, ging auch er zu Boden. Der Dritte erlitt dasselbe Schicksal, aber ihm hatte Kirk vorher noch ein schönes blaues Auge verpasst.

"Was ist hier los?!" rief eine Stimme aus einiger Entfernung.

Das war der Polizist, der heute in Ballachulish darauf zu achten hatte, dass es auf dem Sommerfest friedlich zuging. Vor ein paar Minuten war eine Frau gelaufen gekommen und hatte ihm gesagt, die drei Dorfhooligans würden sich gerade mit ein paar Fremden anlegen.

Wie schrecklich, wenn Touristen, die das Fest besuchen wollten, von diesen drei Typen zusammengeschlagen wurden. Was würde da morgen in der Zeitung stehen?! Der Polizist griff zu seinem Gummiknüppel und machte sich auf den Weg. Als er ankam, lagen die Schläger bewusstlos am Boden, drei Männer standen um sie herum, ein vierter kniete bei ihnen. Einer sagte gerade:

"Haben sie sich was getan?" Dann trat er lächelnd auf den Polizisten zu. "Oh, Sir, mein Freund ist Arzt. Die drei armen jungen Leute sind ganz plötzlich ohnmächtig geworden."

"Vielleicht haben sie was Verkehrtes gegessen", fügte ein anderer mit breitem schottischen Akzent hinzu, und der Große mit der Wollmütze sagte:

"Vermutlich haben sie zum Frühstück kein Porridge genossen."

"Jeder hat eine Beule, wo er mit dem Kopf auf die Straße geschlagen ist", sagte der Mann, der Arzt war. "Sonst scheinen sie in Ordnung zu sein. Ganz unbegreiflich, wie das geschehen konnte."

Eine kleine Menschenmenge hatte sich um sie versammelt, und alle fingen nun an zu lachen. Sie kannten diese Typen und freuten sich, dass die mal eins auf die Nuss bekommen hatten. Der Polizist hatte selbst Mühe, sich das Grinsen zu verkneifen, aber er durfte nicht grinsen, er war im Dienst. Als er sich niederbeugte, um sich die drei anzusehen, erkannte er nur, dass einer von ihnen wohl bald ein blaues Auge haben würde. Aber jetzt lagen sie nur da und schienen friedlich zu schlafen.

"So, plötzlich in Ohnmacht gefallen?" fragte er. "Klingt nicht sehr glaubwürdig, meine Herren, aber ich sehe auch nichts Anderes. Ich werde mal den Krankenwagen rufen."

"Lass sie doch liegen, die Mieslinge!" kam eine Stimme aus der Menge. "Kann uns doch nichts Besseres passieren als dass die mal ausgeschaltet sind. Die hätten uns nur das Fest versaut."

"Ja, Joe, und wenn ich sie mit dem Krankenwagen abholen lasse, bleiben sie bestimmt bis morgen im Krankenhaus", gab er Polizist zurück, und die Menge applaudierte. "Touristen, oder?" wandte er sich an die Offiziere.

"Eigentlich nicht", erwiderte Captain Kirk lächelnd. "Wir sind Wissenschaftler und möchten unseren Kollegen McBastle besuchen. Wir wussten gar nicht, dass hier ein Fest stattfindet."

"Aber wenn wir schon mal hier sind...", ergänzte Scotty. "Ich war lange nicht zu Hause und wollte mir die Pfeifer nicht entgehen lassen."

"Tja, und da stießen wir auf diese drei jungen Leute", ergänzte McCoy in mitleidigem Ton.

"Also, Sir", sagte ein älterer Mann, kam auf sie zu und winkte sie von dem Polizisten weg, "zum Professor biegen sie die Straße in der Dorfmitte ab in Richtung Berge. Er wohnt ein bisschen außerhalb mit seinem Labor... Und da vorn sind die Pfeifer."

Er hatte sie erfolgreich von dem Polizisten weggelotst, und es war klar, dass sie dem Sommerfest einen guten Dienst erwiesen hatten, als sie die drei Schläger fertiggemacht hatten. Ganz bestimmt ging es schon wie ein Lauffeuer durch Süd-Ballachulish, dass vor den dreien heute alle Ruhe hatten.

Nur Hamstilidamst war enttäuscht. Eine Prügelei musste lauter sein und länger dauern. Aber so schlimm war es auch nicht, denn jetzt tauchten die ersten Buden auf, da war ein Karussell, dort eine altmodische Schiffsschaukel. Alles war nett mit Blumen dekoriert. Aber Hamstilidamst sah auf den ersten Blick, das für ihn nichts Essbares dabei war.

Die Dudelsackpfeifer waren da, so wie Scotty es kannte. Er lauschte begeistert der Musik und wollte gerade anfangen mitzugrölen, als er in der Nähe seines Ohres eine Stimme hörte, die sagte:

"Da drüben gibt’s Pfannkuchen!"

In seiner Begeisterung hatte er gar nicht gemerkt, dass der Hamster wieder zu ihm gekommen war. Vorsichtig wandte er den Kopf und blickte in zwei dunkle Knopfaugen. Dann grinste er.

"Buchweizenpfannkuchen und hinterher Haferplätzchen – ay, das ist Schottland."

"Das ist mir eigentlich egal, ob das Schottland ist", gab Hamstilidamst zurück.

Eines wussten sie allesamt nicht. Wo immer sie gerade gingen und standen, flüsterte irgendjemand irgendjemandem zu "Das sind sie!" Alle freuten sich wirklich, dass die Fremden die drei Schläger ausgeschaltet hatten. Sie hätten leben können wir im Schlaraffenland und nirgends bezahlen müssen. Dem Captain wurde das jedoch zu peinlich, und als seine Kollegen und er nach den Pfannkuchen noch eine Runde Tee spendiert bekommen hatten, machten sie sich auf die Suche nach der Straße, die von der Dorfmitte abging.

Nicht einmal Hamstilidamst protestierte, denn er hatte sich so vollgefressen, dass er zum Schlafen in Kirks Ärmel gekrochen war und gar nicht mitbekam, dass die Offiziere an allen Karussells vorbeigingen, ohne Anstalten zu machen, eine Runde zu fahren. Kirk war dankbar für die vollgefressene Müdigkeit des Hamsters. Hamstilidamst konnte seine Wünsche sehr laut und nervend zum Ausdruck bringen.

Der ältere Man hatte ihnen leider nicht gesagt, welches die Dorfmitte war, wo sie zu den Bergen hin abbiegen sollten. Also waren sie durch den ganzen Ort gelaufen und mussten umkehren, um die richtige Straße zu finden. Sie gingen wieder auf den Lärm des Pleasure Domes zu, doch in der ruhigen Straße, die wirklich ziemlich gerade auf die Berge zuführte, wurde es immer leiser. Als sie die letzten Häuser hinter sich hatten, die noch dicht beieinander standen, wurde aus der Straße ein Weg. Ein Stück voraus sahen sie ein langgestrecktes, flaches Gebäude, daneben stand ein kleines Wohnhaus, daneben ein Schuppen, daneben eine Garage und daneben noch ein Schuppen. Alles sah ziemlich windschief aus.

"Das kann es doch wohl nicht sein?!" stieß Dr. McCoy hervor.

"Hat es hier irgendwas in der Art gegeben, als Sie hier waren, Scotty?" erkundigte Kirk sich.

"Also, ich habe hier geangelt und mir keine alterschwachen Häuser angesehen."

"Falls das Nein bedeutet...", fing Spock an.

"Ja bedeutet das Nein!"

Spock richtete seinen Tricorder auf die Gebäude und scannte sie. Dann atmete er tief durch.

"So sehr dies auch meinen Vorstellungen über ein Labor widerspricht, in dem jemand versucht, eine kontrollierte Zusammenführung von Materie und Antimaterie durchzuführen..."

"Es ist also hier", unterbrach Kirk.

"Ja, Sir."

"Dann gehen wir uns vorstellen."

"Wieso ist es so still? Ist der Strom ausgefallen?"

Das war Hamstilidamst, eben erwacht. Er wuselte sich aus Kirks Ärmel, blickte sich um und schwieg entsetzt. Der Pleasure Dome war weg! Das war unfair, das war ganz einfach unfair.

"Was für Strom?" fragte Scott verblüfft.

"Wir sind nicht mehr auf dem Pleasure Dome!" fiepte Hamstilidamst im Tonfall größten Vorwurfs.

"Vielleicht erinnerst du dich, dass wir dort nie hin wollten", bemerkte Lt. Spock, und Hamstilidamst warf ihm einen grimmigen Blick zu.

Wo die hin wollten, war ihm so was von egal. Ein anständiger Hamster interessierte sich immer nur für das, was Hamster am liebsten wollten. Als er aus dem Ärmel abhauen wollte, hielt Kirk ihn fest. Sagte nichts, meckerte nicht, hielt ihn eben einfach nur fest. Irgendwie war das ziemlich überzeugend. Zurück zum Pleasure Dome war nicht!

Stattdessen wanderten sie auf ein paar Gebäude zu, die... Hm, für einen Hamster könnten die ganz interessant sein. Wenn er das richtig sah, wäre das alles ein Paradies für die Reparaturhamster. Da fehlte ein Dachziegel, dort klapperte etwas. Hamstilidamst fragte sich wirklich, was die Männer hier wollten.

Captain Kirk suchte an der Haustür die Sprechanlage, über die er sich anmelden konnte. Da er keine fand, blickte er Spock fragend an, und der nahm Zugriff auf die Archivdatei ‚Alltagsleben im frühen 21. Jahrhundert’ in seinem Tricorder. Er fragte ab, auf welche Weise man Zugang zu Häusern bekam, wenn man einen Besuch machen wollte. Gleich darauf erhielt er einen ausführlichen Text über Kontaktleitungen zu Tongebern.

"Klingel", sagte er. "Es müsste eine Art von Taste geben. Wenn wir sie pressen, ertönt im Inneren des Hauses ein klingelndes oder gongendes Geräusch. Dies signalisiert dem Hausbewohner, dass eine oder mehrere Personen Einlass begehren."

"Das ist eine hoch interessante Ausführung, Spock, aber so was ist hier nicht", sagte McCoy, der während des Verlesens der Information den Klingelknopf gesucht hatte.

Auch Hamstilidamst hatte sich den Quatsch angehört. Da der Captain ihn gerade in der richtigen Höhe hielt, tat er, was man hier in Schottland oft tat, wenn man irgendwo rein wollte und groß genug war: Er langte mit der Pfote nach dem Türklopfer, hob ihn hoch und ließ ihn wieder fallen. Das Geräusch war erstaunlich durchdringend.

"So geht das", sagte er hochnäsig.

"Das ist ja tiefste Steinzeit", murmelte Dr. McCoy, wiederholte den Vorgang aber.

Als er gerade zum dritten Mal die Hand hob, wurde die Tür aufgerissen. Vor ihnen stand eine spindeldürre Alte mit wirren grauen Haaren, gekleidet in einen Kittel und ausgelatschte Schuhe. Sie passte recht gut zu diesem Haus.

"Ja?" krächzte sie.

"Entschuldigen Sie, wohnt hier Professor Fergus McBastle?" fragte Kirk mit seinem charmantesten Lächeln.

"Ja."

"Mein Name ist Kirk, dies sind meine Kollegen Professor Spock, Dr. Scott und Dr. McCoy."

"Ja."

"Wir sind Kollegen von Professor McBastle. Wir kommen aus Amerika und möchten ihn gern besuchen."

"Ja."

"Wir haben seine interessanten Veröffentlichungen gelesen", erklärte Spock.

"Ja."

"Wir würden uns gern mit ihm darüber unterhalten", sagte Scott etwas drängend.

"Ja?"

"Wir haben doch richtig verstanden, dass er hier lebt und arbeitet?" fragte Kirk, dem das Lächeln langsam im Gesicht festfror.

"Ja."

"Ist es möglich, mit Professor McBastle zu sprechen?" versuchte es nun Dr. McCoy, und die Alte legte die Stirn in zahlreiche Falten.

"Ja", krächzte sie zögernd, nachdem beschlossen hatte, dass es im Prinzip technisch möglich war, mit dem Professor zu reden.

"Dürfen wir vielleicht hereinkommen?" probierte Captain Kirk es wieder, und ihr Blick wurde eisig.

"Nein!"

"Ist Professor McBastle denn zu Hause? Würden Sie bitte fragen, ob er mit uns reden möchte."

"Nein. – Nein", beantwortete sie beide Fragen, dann schlug sie ihnen die Tür vor der Nase zu.

Die Gesichter der Offiziere waren sehenswert. Was sollten sie nun tun? Aus der Alten war nichts herauszubekommen außer Ja und Nein. Wenn sie die Wahrheit gesagt hatte, war der Wissenschaftler gar nicht da. Mit der Möglichkeit, dass er überhaupt nicht zu Hause war, hatten sie nicht gerechnet. Sie wollten gerade gehen, um irgendwo Rat zu halten, da hörten sie schlurfende Schritte.

"Hallo?"

Um die Ecke kam ein junger Mann, der sich mit einem großen Holzklotz abschleppte. Da "Hallo" schon als Einstieg wesentlich besser was als Ja und Nein, wandten sie sich zu ihm um. Noch einmal stellten sie sich vor und nannten ihre Wünsche.

Der junge Mann öffnete die Arme und sprang gleichzeitig zurück, so dass der fallende Holzklotz seine Füße knapp verfehlte. Dann streckte er grinsend den rechten Arm vor.

"Ich bin John McHiwi, der Assistent vom Professor. Das finde ich aber toll, dass Sie kommen. Nehmen Sie ihn ernst? Kein Mensch nimmt ihn ernst."

Wie er da vor ihnen stand, lang aufgeschossen, schlaksig, rothaarig und sehr sommersprossig, sah er nicht gerade aus, als sollte man ihn ernst nehmen – wie der Assistent eines Professors sah er schon gar nicht aus.

"Oh, in Amerika sind wir neuen Ideen gegenüber sehr offen. Wir fanden die Veröffentlichungen unseres Kollegen äußerst interessant", erklärte Kirk, und Spock fügte hinzu:

"Uns stellt sich die Frage der Umsetzung der theoretischen Idee. Darüber würden wir uns gern mit ihm unterhalten."

"Aber wenn Sie sein Assistent sind, könnten Sie uns doch vielleicht sein Labor zeigen?" stellte Lt. Scott die entscheidende Frage.

"Neineinein", erwiderte John McHiwi entsetzt und bekam einen knallroten Kopf. "Ach, du lieber Himmel, völlig unmöglich. Keiner darf in sein Labor, nicht mal ich."

"Ähm, wie können Sie denn dann sein Assistent sein?" wunderte sich Dr. McCoy.

"Oh, ich bereite den Schiefer vor, das ist ganz wichtig."

"Aha-a-a!" machte Kirk erleuchtet, obwohl er nicht sehr erleuchtet aussah. "Und das Holz ebenfalls?"

"Das?!" sagte McHiwi und blickte auf den Holzklotz wenige Zentimeter vor seinen Füßen. "Neineinein! Wenn der Professor weg ist, mache ich mich ein bisschen nützlich. Helfe der guten alten Brigg. Hacke Holz und so. Das wollte ich gerade in den Schuppen bringen. Mögen Sie mitkommen? Ich kann uns Tee machen und ein paar Kekse anbieten."

"Au!" machte Kirk und griff nach seinem Unterarm.

Schon als die "gute alte Brigg" die Tür geöffnet hatte, war Hamstilidamst wieder in Kirks Ärmel verschwunden. Fast wäre er eingeschlafen, aber bei dem Zauberwort "Kekse" war er hellwach und kniff Kirk in den Arm. Wenn der es jetzt wagte, die Einladung abzulehnen! Schließlich lag seine letzte Mahlzeit Ewigkeiten zurück, er konnte sich überhaupt nicht daran erinnern.

"Haha, hab mir wohl was gezerrt!" lachte Kirk künstlich und verfluchte innerlich den Hamster.

"Vielleicht gibt es ja doch einige Punkte, über die wir uns unterhalten können, Mr. McHiwi", sagte Spock. "Wir nehmen die Einladung in den Schuppen an."

Hamstilidamst im Ärmel klatschte begeistert in die Pfoten, so dass der ganze Ärmel wackelte. Schnell wandte Kirk sich ab, um seinem Ärmel einen kleinen Klaps zu geben. Nach einem gemurmelten "Halt dich ruhig, verdammt!" hörte der Ärmel sofort auf zu wackeln. Immerhin war es ja möglich, dachte Hamstilidamst, dass er nichts zu essen bekam, wenn er nicht tat, was Kirk wollte. Bisher hatte das mit dem Essen prima geklappt. Er hatte noch nie wirklich selbst was für sich besorgen müssen, und als Hamster fand er das sehr angenehm.

Mit einem dumpfen Rums fiel der Holzklotz auf den Boden. Wieder sprang John McHiwi gerade rechtzeitig weg, um ihn nicht auf die Füße zu kriegen. Mit fünf Leuten war der Schuppen reichlich voll, aber für einen Schuppen war es sehr gemütlich. Außer einer Werkbank und einem Sägebock gab es einen grob gezimmerten Tisch und ein paar Hocker, ein Regal mit Bechern und Tellern und eine elektrische Kochplatte. John schien hier einen guten Teil seiner Zeit zu verbringen. Jetzt räusperte er sich umständlich.

"Ähähäm! Ich teile mir den Schuppen übrigens mit zwei Hamstern. Müssen wohl mal irgendwo ausgerissen sein. Ich füttere sie, und gelegentlich verschwinden sie, aber sie – na ja, sie wohnen hier. Wenn Ihnen da was über den Weg läuft... Ich hoffe, die beiden stören Sie nicht."

"Aber ganz und gar nicht!" entgegnete Kirk sofort. "Wir lieben Hamster. Um die Wahrheit zu sagen, wir haben einen bei uns, aber wir wussten nicht..."

"Neineineineinein! Bloß nicht!" schrie McHiwi entsetzt.

"Bloß nicht was?" fragte Lt. Scott verdattert.

"Äh, Unsinn, ich meine... Bloß gut, dass Sie ihn bis jetzt nicht gezeigt haben. Brigg hätte Ihnen die Tür vor der Nase zugeschlagen."

"Das hat sie ja ohnehin", murmelte McCoy.

"’Dass mir die Viecher nicht ins Haus kommen!’ – Da ist sie sehr eigen. – Wo ist er denn?"

"Äh, in meinem Ärmel."

"Ach, wie nett! Lassen Sie ihn doch raus. Wie heißt er denn? Ich weiß gar nicht, ob meine beiden gerade da sind. Nananana, wo bist du denn? Wie heißt du denn?" verfiel John in eine alberne Sprache, die Erwachsene oft bei Kindern einsetzten, als der Hamster aus dem Ärmel krabbelte.

"Seine Name ist Hamstilidamst", erklärte Spock. "Ein außerordentlich kluges Tier."

"Was Sie nicht sagen! Haha, und ich dachte immer, Hamster sind nur dazu da, sich Futter zu holen. Hahaha! Ja, wo bist du denn? Du bist aber ein Hübscher. Ja, nun lauf mal, vielleicht findest du ja Muckelchen und Wackelchen. Jajajaja..."

Hamstilidamst ließ sich das nicht zweimal sagen, verzichtete aber ausnahmsweise auf jeden Kommentar. Der Typ schien geisteskrank zu sein, und mit solchen Leuten legte er sich nicht an. Er hatte die Hamster gewittert, sobald er hereingekommen war. Und da war noch etwas, irgendwie vertraut... Er steuerte genau auf den Winkel zu, in dem die beiden Hamster hinter der Werkbank wohnten. Dann bremste er, dass die Sägespäne nur so flogen.

"Dabi!" stieß er fassungslos hervor.

"In der Tat, mein lieber Hamstilidamst", erwiderte die Hamsterin und erklärte gnädig: "Hupi ist mit diesen beiden befreundet. Sie heißen Gammel und Balla. Dies ist der Bekannte aus Hamsterhausen, von dem ich euch erzählte. Sein Name ist Hamstilidamst."

"Hi", machte Gammel und

"Hi", murmelte Balla.

"Nun ja”, sagte Dabi, die sich über die Höflichkeit dieser beiden schon so ihre Gedanken gemacht hatte. "Als Hupi zwischendurch einmal aufhörte zu husten, sagte sie mir, dass sie Fergus McBastle kennt, weil Gammel und Balla hier wohnen, die an ihrem Penthaus das Dach gebaut haben. Je nun, da ließ ich mir den Weg beschreiben. Wie ist es dir mittlerweile ergangen, lieber Hamstilidamst?"

Er erzählte vom Pleasure Dome, von der schönen Prügelei und vom Türklopfer. Dabi fand den Türklopfer nichtssagend, die Prügelei unter ihrer Würde und den Pleasure Dome einer Überlegung wert.

"Also, die Typen haben ein Geheimnis", erklärte Hamstilidamst, "aber mit Rasierapparaten hat es nichts zu tun."

"Je nun, mich riss das Feuer der Begeisterung hin", gab Dabi zu. "Nach dem, was Gammel und Balla zu erzählen wissen, geht es um Dinge, die Fergus McBastle in seinem Labor tut. Rasierapparate spielen dabei keine Rolle."

"Und was spielt eine Rolle?" fragte Hamstilidamst, dem Dabi ein ganz klein wenig auf den Geist ging.

"Steinplatten – was mir unverständlich erscheint. Aber so sagte Balla."

"Jau", sagte Balla.

"Der rothaarige Typ da quatscht was von Schiefer, und dass das wichtig ist."

"John", grummelte Gammel.

"Sagt mal, könnt ihr auch in ganzen Sätzen sprechen?" zischte Hamstilidamst ihn an.

"Nö, wieso?" kam es zweistimmig.

Hamstilidamst wunderte sich, wie die beiden es geschafft hatten, auf das Dach des Hotelhauses zu kommen und auf Hupis Haus ein Dach zu setzen. Sie waren beide fett, kauten fortwährend und schienen nicht nur beim Sprechen abartig faul zu sein. Es war ein Wunder, dass Dabi überhaupt etwas aus ihnen herausbekommen hatte.

"Sehr viel habe ich auch nicht herausbekommen", gab sie zu. "Zuweilen wird es im Labor recht laut, gelegentlich explodiert etwas, manchmal schreit Fergus McBastle herum. John McHiwi pflegt in diesen Fällen aufgeregt zu sein."

"Fergus ist nicht da", wusste Hamstilidamst.

"Aha! Das erklärt, warum deine Raumfahrer sich mit McHiwi unterhalten. Konntest du in Erfahrung bringen, wo er sich aufhält?"

"Nein, aber wenn das jemand weiß, sind es ja wohl die beiden Fettwänste da", gab er zurück und wies mit dem Kopf in Richtung Gammel und Balla.

"Wer? Wir?" kam er zweistimmig aus der Ecke.

"Sonst sehe ich hier keine Fettwänste."

"Sie sind ja tatsächlich etwas – beleibt", gab Dabi zu.

"Sollen wir dich niederwalzen? Willst du Prügel?" fragte Gammel, und Balla fuhr fort:

"Kannst du haben."

"Bitte! Ich muss doch bitten", versuchte Dabi kieksend zu beschwichtigen.

Aber die beiden fetten Hamster waren schon über Hamstilidamst hergefallen. Er wehrte sich nach Leibeskräften, aber gegen die Kraftmeier hätte er keine Chance gehabt. Einige Augenblicke sah Dabi angewidert zu, dann seufzte sie übertrieben, griff sich einen Holzspan und haute ihn den beiden über die Köpfe. Gammel und Balla würden schöne große Beulen bekommen und torkelten ziemlich durch die Gegend.

"Einen Gast, noch dazu einen Gast aus dem Ausland so zu behandeln, ist eine Frechheit. Davon werde ich mit aller Sicherheit Hupi erzählen", sagte Dabi streng.

Von beiden kam das erwartete Jammergeheul. Hupi sorgte dafür, dass ihre Freunde regelmäßig Leckerbissen aus der Hotelküche bekamen. Und wenn Hupi erfuhr, das die beiden Hamstilidamst angegriffen hatten, der sie immerhin aus dem Luftschacht gerettet hatte, dann würde es ganz bestimmt eine Weile keine Leckerbissen mehr geben.

Dabi hatte Hamstilidamst beiseitegezogen und ihm das erklärt. Er war mit der Lösung völlig zufrieden. Jetzt half sie ihm noch, sein Fell wieder zu glätten, so dass er sich sehr schnell wieder sehr wohl fühlte. Als Dabi das sah, sagte sie vorsichtig:

"Lieber Hamstilidamst, hier gehen doch einige sonderbare Dinge vor. Es ist unsere Pflicht, das zu ergründen, aber bisher haben wir keinen Erfolg gehabt."

"Hm, stimmt."

"Wie wäre es, wenn du mich deinen Begleitern vorstellen würdest? Wie ich weiß, warst du ihnen schon in einigen Situationen eine große Hilfe. Vielleicht sind sie bereit, weitere Hilfe anzunehmen."

"Na ja, du wolltest ja immer nicht gesehen werden", gab er zurück. "Aber pass auf, irgendwie soll wohl keiner wissen, dass sie mit mir reden können. Ich rede mit denen nichts, wenn Fremde dabei sind. Ist das für dich auch okay?"

"Aber selbstverständlich, lieber Hamstilidamst. Wichtig ist doch nur, dass ich – dass wir alles hören, was geredet wird."

Dabei hatten sie die gesamte Unterhaltung zwischen John McHiwi und den Offizieren verpasst. Was irgendwelche Experimente anging, konnte John ihnen nicht viel sagen, denn der Professor machte das alles heimlich. John meinte aber, es sei schon möglich, dass der Wissenschaftler den Kollegen aus Amerika sein Labor zeigte. McBastle hatte viele Aufsätze über seine Experimente geschrieben, aber die meisten Wissenschaftler lachten nur über ihn und nannten ihn einen Spinner. Wenn jetzt gleich vier auf einmal kamen, die ernsthaft wissen wollten, was er in seinem Labor machte, würde er es ihnen vielleicht vorführen.

"Ja, aber wo steckt er denn eigentlich?" fragte Lt. Scott, der damit gerechnet hatte, dass der Professor jeden Moment wieder auftauchte.

"Er ist in Fort William und will dort etwas abholen. Aber er weiß nicht genau, wann das ankommt, was er abholen will. Also bleibt er vielleicht ein paar Tage dort", erklärte John McHiwi.

"Leider ist unser Zeitplan etwas eng", sagte Spock. "Wissen Sie, wo wir ihn dort finden können?"

"Aber jajaja. Er hat da eine kleine Wohnung, weil er öfter mal was abholt und dann erst noch drauf warten muss. Wenn Sie ihn da besuchen wollen, gebe ich Ihnen die Adresse."

"Das wäre wirklich sehr nett", sagte Kirk. "Wir müssen damit rechnen, übermorgen wieder nach Hause gerufen zu werden, und so..."

"Aber jajaja! Warten Sie hier, ich gehe ins Haus und schreibe es Ihnen auf."

Er sprang auf und lief los. An der Tür bremste er jedoch, drehte sich um, grinste und hob erst das eine, dann das andere Bein, um seine Schuhsohlen zu betrachten.

"Stimmt was nicht?" fragte der Captain.

"Neineinein, alles in Ordnung. Aber die gute alte Brigg schmeißt mich sofort raus, wenn ich Sägemehl an den Schuhen habe. – Habe ich aber nicht!"

Nach diesem Triumphschrei ließ er die Schuppentür ins Schloss fallen und war weg. Die Offiziere sahen einander an, und sogar Spock atmete tief durch. Der junge Mann war etwas anstrengend!

"Kennen Sie Fort William, Scotty?" fragte Kirk.

"Sehr gut, Captain, da war ich mehr als einmal. Der Caledonian-Kanal endet dort, es gibt ein sehr interessantes antikes Schleusensystem. Ab und an wird es sogar noch benutzt."

"Für Touristen?"

"Ach nein, Touristen finden Sie da nicht. Es wird Studenten vorgeführt, die Mechanikgeschichte studieren."

"Öhem!" machte es neben seinem Schuh, und er blickte hinunter.

"Nun gucken Sie mal, Sir, Hamstilidamst hat eine Freundin gefunden."

"Das ging aber schnell", grinste Kirk.

"Kann uns mal einer auf den Tisch heben, bevor dieser Typ zurückkommt?" fragte Hamstilidamst höflich.

Lt. Scott beugte sich hinab und nahm beide Hamster hoch. Er betrachtete den neuen Hamster eingehend, wurde von dem Hamster ebenfalls betrachtet, dann sagte eine gepflegte Stimme:

"Wenn es Ihnen nichts ausmacht, Sir, ich hätte gern einen festen Untergrund unter den Pfoten."

"Cool!" stieß Dr. McCoy hervor.

"Dies ist Dabi", erklärte Hamstilidamst. "Wir kennen sie seit unserer letzten Schottlandreise. Sie ist die Assistentin von Balthasar."

"Von – wem?" stieß Kirk grinsend hervor.

"Balthasar ist der Präsident des BANTACH, des Bundes Allgemeiner Neuzeitlicher Terrestrischer Ausgrabungen Celtischer Hamster", erläuterte Dabi höflich.

Vier blöde Gesichter, dann räusperte sich Scotty.

"Wie? Äh, werden da keltische Hamster ausgegraben, oder was?"

"Leider kann ich dazu keine näheren Auskünfte geben. All das ist sehr geheim. – Ich bin es gewohnt, Geheimnisträgerin zu sein..."

"Ich vermute, es geht um Ausgrabungsarbeiten, die von keltischen Hamstern durchgeführt werden", sagte Spock.

Dabi musterte ihn lange und nachdenklich, dann eilte sie geschmeidig über den Tisch, setzte sich vor ihn und sagte in verschwörerischem Ton:

"Sir, selbst wenn Sie Recht hätten, könnte ich dazu nichts sagen."

"Selbstverständlich nicht. Das ist ja das Faszinierende an Geheimnisträgern. – Mein Name ist Spock."

"Sehr erfreut. – Sie sind offenbar ein außergewöhnlich kluger Mensch."

"Nein!" schrie McCoy auf. "Jetzt fängt er wieder an!"

"Mein Kollege meint mit diesem unlogischen Ausbruch, dass ich jetzt darauf hinweise, dass ich kein Mensch bin. Vielleicht erzählte Hamstilidamst, dass wir aus der Zukunft kommen? Mein Heimatplanet heißt Vulkan."

Zur allgemeinen Verblüffung stützte Dabi ihr Kinn auf eine Pfote. Hingerissen starrte sie Spock an, dann hauchte sie:

"Ein Außerirdischer! Wie unglaublich aufregend. Das darf sicher niemand erfahren?"

"Nein, das darf niemand erfahren."

"O mein Gott, mir wird ganz schwindelig, wenn ich daran denke."

"Ja, nun werd mal besser nicht schwindelig", unterbrach Hamstilidamst diese Anbetung. "Ich höre den Typen zurückkommen."

"Ab in den Ärmel", sagte Kirk und zog das Bündchen seines Sweatshirts auf.

"In den Ärmel?!" fragte Dabi verwirrt, und Hamstilidamst antwortete ungefähr in ihrem Tonfall:

"Allerdings, liebe Dabi, ich pflege während dieses Schottlandaufenthaltes im Ärmel zu reisen."

"Also rein mit dir, Dabi", grinste der Captain, und sie warf ihm einen Blick zu.

"Sind wir per Du?"

"Ich fände es sehr albern, mich mit einem Hamster zu siezen. Ich heiße Kirk, das da ist Scott, der da drüben McCoy, und nun verschwinde im Ärmel."

"Sehr erfreut", sagte Dabi, nickte einmal in die Runde und bezog Kirks rechte Ärmel, während Hamstilidamst im linken verschwand.

John McHiwi entschuldigte sich für die Verzögerung, aber Brigg habe ihn im Gespräch aufgehalten. Die Offiziere fragten sich, was die gute Brigg so reden mochte jenseits von Ja und Nein und Verboten an die Hausbewohner. Es war aber nicht wirklich wichtig. Sie bekamen die Anschrift von Prof. McBastle in Fort William und eine Wegbeschreibung dazu.

"Sie haben sicher einen Mietwagen?" fragte John.

"Nein", antwortete Spock knapp und streng.

"Dann nehmen Sie am besten den Bus. Wegen des Festes ist sicher die Haltestelle verlegt. Da müssen Sie mal gucken. Haha, ich würde mich sehr freuen, wenn Sie zusammen mit dem Professor noch einmal kämen, es war richtig nett mit Ihnen."

Während sie das Grundstück verließen, zückte Spock seinen Tricorder und fragte an, was ein Mietwagen war. Dabei erinnerte er sich nur allzu deutlich an ein Erlebnis, das einige Jahre zurücklag.

Sie waren auf einem Planeten gelandet, auf dem die Bevölkerung lebte wie die Gangster in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Chicago. Gegen ihren Willen waren sie in die Machenschaften einbezogen worden, hatten mehrmals flüchten müssen. Bei einer dieser Gelegenheiten hatte der Captain einen Pkw gestohlen – vollkommen ahnungslos, wie eine solche Maschine funktionierte. Es war eine fürchterliche Fahrt gewesen. Um nichts in der Welt hätte Lt. Spock sich noch einmal in ein Automobil gesetzt, wenn Kirk am Steuer war.

In seine Gedanken hinein fiepte es:

"Können wir endlich rauskommen?"

"Ja, klar, tut mir leid", sagte Kirk und entließ die beiden Hamster aus seinen Ärmeln. "Aber ich schätze, wenn wir mit einem Bus fahren, werdet ihr wieder verschwinden müssen."

"Der Bus fährt nachmittags", sagte Dabi, hangelte sich am Sweatshirt hoch und setzte sich auf Kirks Schulter.

"Klasse, dann haben wir jetzt endlich Zeit für den Pleasure Dome!" johlte Hamstilidamst.

"Jim, ich glaube, da werden wir nicht drumrum kommen", grinste Dr. McCoy. "Siehst du, da vorn ist ein Riesenrad."

"Ich glaube, dir geht’s nicht gut, was? Ich steig doch in kein Riesenrad."

"Aber von oben hätten wir einen Traumblick über Loch Leven und Loch Linnhe und Glencoe und…"

"Scotty, Sie klingen wie Hamstilidamst!"

"Ja, nicht?" sagte der. "Das kommt davon, wenn man schottische Vorfahren hat."

"Wahrscheinlich kommt das davon, allerdings", gab Kirk ärgerlich zurück.

"Es wäre vielleicht kein Fehler, wenn wir uns tatsächlich einen Überblick über die Umgebung verschaffen würden", sagte der Vulkanier, und McCoy starrte ihn mit offenem Mund an.

"Das habe ich eben richtig gehört, ja? Sie wollen Riesenrad fahren?"

"Doktor, wenn ich die Umgebung von einem Shuttle aus scannen könnte, würde ich das vorziehen…"

"Ich glaube Ihnen kein Wort", unterbrach McCoy. "Sie wollen nur ein kindisches Vergnügen mitmachen."

"Er will uns eine Freude machen", tönte Hamstilidamst dazwischen. "Lass ihn doch. Kannst ja wegbleiben."

"Nee, mein Kleiner, auf keinen Fall. Da will ich dabei sein, wenn der Kerl von oben runterkotzt."

"Ich sehe nicht den allergeringsten Grund, so etwas zu tun", erwiderte Spock eingeschnappt.

Inzwischen hatten sie sich dem Lärm des Pleasure Domes genähert. Bei der ersten Fressbude vergaß Hamstilidamst vorübergehend das Riesenrad. Da keiner von ihnen seit dem Frühstück außer den Keksen bei John McHiwi etwas gegessen hatte, musste er gar keine Forderungen stellen. Ganz im Gegenteil hatte er die Auswahl zwischen Scones, Obstsalat oder Fish ’n Chips. Die Hamster sahen sich vor die Qual der Wahl gestellt, aber da jeder der Offiziere sich etwas Anderes aussuchte, probierten sie bei jedem.

Schließlich blieben sie bei Kirk und Spock. Der Captain hatte Fish ’n Chips gekauft, Spock begnügte sich mit den Chips. Wieder einmal unterstellte Dr. McCoy, der Vulkanier werde doch noch zum Mensch mutieren. Das würde er wohl nicht, aber er entwickelte sich zu einem Hamsterfreund und kaufte noch eine Tüte Scones, damit Hamstilidamst und Dabi die Reise nach Fort William überstanden, ohne zu verhungern.

 

Weiter: Auf und Davon (Kapitel 09) - Mentalverschmelzung mit einer Topfpflanze