Kapitel 6

 

Im Hotel – Überraschendes Wiedersehen

 

Lisas Vetter Hercules dachte gerade nicht darüber nach, wie man einen Hamster in ein Hotel schmuggeln sollte, aber er fuhr durch den Ort Glencoe hindurch und weiter am Loch Leven entlang.

"Laddie, sollten wir da nicht ausgestiegen sein?" fragte Lt. Scott – die Offiziere waren inzwischen alle wieder wach.

"Ay, aber ich bringe euch die paar Meilen bis Ballachulish, das macht jetzt auch nichts mehr", erwiderte Hercules.

"Das ist aber wirklich sehr freundlich von Ihnen", sagte Kirk dankbar, und Hercules kicherte.

"Kirk heißen Sie, aber Schotte sind Sie nicht. Laddie, Sie sind in Schottland, wir sind nette Leute."

"Das stimmt", nickte Dr. McCoy. "Haben wir schon den ganzen Tag gemerkt. – Wissen Sie da ein Hotel, wo wir wohnen können?"

"Klar", gab Hercules zurück, und mehr hatte er dazu nicht zu sagen.

Die Straße führte am See entlang, die Aussicht war atemberauend, und Lt. Scott wartete auf Ballachulish an der Brücke. Aber der Ort kam nicht, zumindest nichts, was wie das Ballachulish aussah, das Scotty kannte. Als Hercules aber verlangsamte und hielt, klappte dem Chefingenieur der Enterprise die Kinnlade runter.

"D-das ist das Hotel!" stieß er hervor, und Hercules wandte sich um.

"Ay, Laddie, das ist das Hotel. Ich liefere hier auch Ware an und kenne den Chef. Mal sehen, ob wir für euch Zimmer kriegen. Ich komme mit rein. – Und seht zu, dass sich dieser Hamster nicht blicken lässt."

Hamstilidamst bekam den strengen Befehl, nicht zu mucksen, und Captain Kirk stopfte ihn in den weiten Ärmel seines Sweatshirts. Er musterte grinsend Lt. Scott, dem der Mund immer noch leicht offen stand. Kirk fragte sich, ob Scotty wohl schon einmal hier gewesen war. Es war ein elegantes, altes Gebäude, das wie ein Herrenhaus aussah. Da es direkt am See stand, war der Blick überwältigend, auch wenn es inzwischen zunehmend dunkel wurde.

Hercules verhandelte inzwischen mit dem Chef des Hotels. Einzelzimmer konnten die Enterprise-Offiziere nicht bekommen, aber es gab noch zwei Doppelzimmer, und Kirk nickte dazu. Es wurde höchste Zeit, dass sie die Ruhe eines Zimmers hatten und unter sich sein konnten. Bisher waren sie einigermaßen klargekommen, aber es gab ein paar Dinge, die sie jetzt unbedingt besprechen und erledigen mussten.

"Ay, Laddies, dann war’s das", grinste Hercules. "Ich mach mich wieder auf den Weg."

"Laddie, bleiben Sie noch auf einen Whisky", bat Scott, aber Hercules schüttelte den Kopf.

"Nix. Ich muss nach Hause, und zwar mit dem Auto. War schön, euch zu treffen."

Sie verabschiedeten sich von ihm, trugen ihm Grüße an Lisa auf und winkten ihm nach. Dabei merkte der Captain, dass sich in seinem Ärmel etwas regte, gleich darauf lugte Hamstilidamsts Kopf aus dem Ärmelbund heraus.

"Verschwinde", sagte Kirk und stupste den Kleinen an. "Wir gehen jetzt in unser Zimmer. Da kannst du wieder raus."

"Gibt’s da was zu essen?"

"Ich bin verblüfft, welche Mengen an Nahrung ein Hamster in kurzen Zeitabständen zu sich nehmen kann", meinte Lt. Spock, der sich noch gut an das Paket Haferkekse erinnerte.

"Ich schätze, das weiß er selbst am besten", sagte Dr. McCoy. "Jedenfalls besorgen wir was, wenn wir im Zimmer sind. – Wer teilt sich das Zimmer mit wem?"

"Du schläfst mit Scotty in einem Zimmer, Pille", entschied der Captain. "Das fehlt mir gerade, dass ihr euch die halbe Nacht anpflaumt, Spock und du."

"Pflaumen esse ich auch", verkündete Hamstilidamst hoffnungsvoll.

Aber auf einen weiteren Stups von Captain Kirk verschwand er wieder im Ärmel und rührte sich erst, als das Bündchen gedehnt wurde und Kirk hineinschaute.

"Kannst rauskommen. Hier steht ein Tablett mit Tee und Kaffee und Keksen."

"Wer will schon Tee und Kaffee?" fragte der Hamster, krabbelte aus dem Ärmel und machte sich über die Kekse her.

"Ich habe nichts gegen Tee", gab Kirk zurück. "Was ist mit Ihnen, Spock?"

"Das Tein wird Sie am Einschlafen hindern, Sir."

"Mich hindert nachher überhaupt nichts am Einschlafen. Und nennen Sie mich nicht Sir."

"Sir?" fragte Spock verdutzt zurück.

"Was soll ich hier wohl für ein Sir sein, he? – Stellen Sie sich einfach vor, Sie haben Geduld mit mir und erklären mir was. Ich weiß nicht, ob Sie’s schon gemerkt haben, aber dann reden Sie mich mit Jim an. Können Sie das über sich bringen?"

"Ich werde mich bemühen, Sir – Jim."

"Und nicht Sir Jim, Mensch!" grinste der Captain.

"Obwohl Sie den Glauben nicht aufgeben, dass sich daran etwas ändern könnte – ich bin kein Mensch", sagte Spock, wie er es schon so oft gesagt hatte, und dabei klang er beinahe beleidigt, so wie er dabei immer klang.

Dann setzte er sich aufs Bett, holte aus seiner Hosentasche ein flaches Päckchen und öffnete es. Hamstilidamst hatte sämtliche Kekse vernichtet, die auf dem Kaffee- und Teetablett lagen, wurde neugierig auf das, was der Spitzohrige tat, und kletterte auf das Bett. Spock blickte kurz auf.

"Hamstilidamst, ich rate dir, dich an keiner dieser Komponenten zu vergreifen."

"Wa?" machte der Hamster

"Lass die Pfoten von dem, was Spock da hingelegt hat", übersetzte der Captain.

"Was macht er damit?"

"Er baut einen Tricorder zusammen."

"Alles klar", erwiderte Hamstilidamst in fachmännischem Ton.

Tricorder klang irgendwie wichtig. Was Spitzohr da tat, kapierte er zwar nicht, aber es sah interessant aus. Winzige Teilchen wurden mit einer Pinzette in einen Kasten gesteckt. Spock arbeitete unheimlich schnell.

"Mit diesem Gerät kann ich eine Vielzahl von Dingen aufzeichnen und untersuchen", erläuterte der Vulkanier, dem das lebhafte Interesse des Hamsters positiv auffiel.

"Kannst du mich auch aufzeichnen und untersuchen?"

"Gewiss."

"Und was weißt du dann?"

"Zum Beispiel, dass du ein Goldhamster bist."

"Das weißte jetzt doch schon", erwiderte der Kleine abfällig. Was sollte man mit einem Gerät, das einem Sachen sagte, die man sowieso wusste?

"Wenn ich nicht wüsste, dass du eben schon wieder Kekse gegessen hast, könnte ich das mit diesem Gerät feststellen."

Hamstilidamst blinzelte erstaunt, dann drehte er sich um, weil die Tür aufging und die beiden anderen hereinkamen. Der Schotte sah sich alles genau an, ging zu einer zweiten Tür, öffnete sie und schaute in den Nebenraum. Grinsend setzte sich Dr. McCoy auf eines der Betten.

"Was ist denn los?" fragte Kirk.

"Er war hier schon mal", erwiderte der Arzt trocken.

"Dachte ich mir schon."

"Ay, Captain, ich bin platt", sagte Lt. Scott und lehnte sich an die Wand. "Das ist dasselbe Hotel, in dem ich vor fünf Jahren war – zum Angeln. Das ist nicht zu glauben. Das steht immer noch!"

"Mr. Scott", sagte der Vulkanier, während er den fertiggestellten Tricorder schloss, "weiter im Süden dieses Landes befindet sich der Steinkreis von Stonehenge. Er steht dort bereits seit sechstausend Jahren. Es gibt keinen Grund, warum ein Hotel nicht drei- oder vierhundert Jahre überdauern sollte."

"Aber dass ich ausgerechnet hier mit Ihnen lande…"

"Ja, nun lassen Sie mal gut sein", unterbrach Kirk. "Sehen Sie sich lieber mal diese Wasserkochmaschine an oder was das ist. Ich kriege sie nicht in Gang."

"Das haben wir doch gleich", gab der Ingenieur zurück. "Ich kriege ganze Raumschiffe zum Laufen, dann kriege ich auch eine Wasserkochmaschine in Gang."

"Eben, dazu haben wir Sie ja auch mitgenommen", sagte McCoy grinsend.

Da Spock nichts mehr tat, was für einen Hamster hätte interessant sein können, krabbelte Hamstilidamst vom Bett und gesellte sich zu dem Schotten.

"Computer", sagte der im Befehlston. "Wasser zum Kochen bringen."

"Er war wirklich schon mal hier", nickte Dr. McCoy. "Und als er hier war, funktionierte das so."

"Kabel, Scotty?" fragte Kirk. "Ich habe da unten in der, äh, Steckdose und hier oben an dem Gerät das Kabel angeschlossen."

"Als ich hier war, gab es da keine Kabel", meuterte der Chefingenieur. "Vielleicht ist kein Strom da?"

Lt. Spock richtete den Tricorder auf das Kabel, dann teilte er mit, es sei Strom da. Hamstilidamst war begeistert. Jetzt begriff er, wie der Kasten funktionierte. Man konnte damit Sachen suchen und finden! Dann blickte er zu dem kopfschüttelnden Schotten auf. Konnte es wirklich sein, dass ein Ingenieur so was nicht verstand? Da war ja Bauleiter Murksel besser.

Hamstilidamst nahm Anlauf und sprang gegen den roten Kippschalter an dem Wasserkocher. Er traf ihn auch tatsächlich richtig, so dass in dem Schalter ein Licht anging. Hinter sich hörte er brüllendes Gelächter.

"Ich fasse es nicht!" lachte Captain Kirk. "Wir haben noch eine Menge zu lernen in dieser Zeit."

"Und wir könnten auch auf gar keinen Fall auf unseren Hamster verzichten", ergänzte McCoy.

"Ich vermute, nach dieser außerordentlichen Leistung benötigt Hamstilidamst wieder eine Stärkung", sagte Spock, und Hamstilidamst entdeckte, dass der Vulkanier doch nicht so langweilig war wie er die ganze Zeit gedacht hatte.

Nach dieser Rettung aus der Teenot ließen die Offiziere sich nicht lumpen. Captain Kirk selbst besorgte eine Schale voll von Dingen, die für einen Hamster zu den leckersten der Welt gehörten. Die Männer gingen in den Speisesaal, um dort ein spätes Essen zu sich zu nehmen. Hamstilidamst fraß sich regelrecht müde und schlief ein.

Als er wieder aufwachte, war es stockdunkel im Raum, er hörte Schnarchen, und da ihm dies Geräusch inzwischen bekannt war, ängstigte es ihn nicht. Jetzt war seine Zeit, er war ausgesprochen unternehmungslustig, aber wie es aussah, gab es nicht das Geringste zu unternehmen.

Sofort fing er wieder an, seine Freunde zu vermissen. Ganz bestimmt hatten sie es auf dem Raumschiff lustiger. Nur er musste hier im Dunkeln sitzen, und rein gar nicht passierte. Da sah er, dass die Gardine sich durch einen leichten Windzug bewegte. Also musste das Fenster offen sein, und Hamstilidamst machte sich auf die Reise zur Fensterbank. Die obere Scheibe war etwas hochgeschoben, die untere endete nicht weit über dem Fensterbrett. Er würde nachsehen, ob draußen etwas Interessantes passierte.

"Hupi?" fragte eine Stimme, als er die Nase an die frische Luft steckte. "Hupi, bist du das?"

"Nein, hier ist nicht Hupi. Ich heiße Hamstilidamst."

"Hamstilidamst?! Das ist doch nicht möglich Wie kommst du denn hierher? Ihr seid doch alle nach Hamsterhausen zurückgereist."

Aus dem Schatten schob sich eine elegante Hamstergestalt, und Hamstilidamst fiepte entzückt.

"Dabi! – Was machst du denn hier? Wir haben alle große Abenteuer erlebt und ganz schreckliche Sachen. Und ich bin jetzt ganz allein mit ein paar Menschen hier, denen ich zeige, wie die Geräte funktionieren."

"Komm mit, das musst du mir sogleich erzählen. – Ich bin auf der Suche nach meiner Kusine Hupi. Hast du hier noch eine Hamsterin gesehen?"

"Nein, hab ich nicht. – Was macht deine Kusine Hupi denn hier?"

"Sie besitzt hier ein Penthaus. Da Präsident Balthasar so unüberlegt war, sich ohne meine Hilfe ein Flugticket zu beschaffen, bin ich sehr unsicher, ob er fähig sein wird, je wieder zurückzukehren. Nun, da statte ich inzwischen meiner Kusine in diesem Ort einen Besuch ab."

"Was besitzt sie?" fragte Hamstilidamst verwirrt.

"Ein Penthaus. Das ist ein Haus, das auf dem Dach eines anderen Hauses steht. Begleite mich doch, dann kannst du es dir ansehen."

Ein Haus auf einem Haus, das interessierte Hamstilidamst sehr. Durch eine verwirrende Menge von Lüftungsschächten folgte er Dabi, bis sie an einer vom Wind umwehten Ecke im Dach herauskamen. Dieses Hotelhaus schien eine Unmenge von Giebeln zu haben, und sie gingen über zwei davon, bis Dabi mit der Pfote voraus deutete. Tatsächlich, dicht neben einem der ebenso zahlreichen Schornsteine stand ein wunderschönes kleines Haus.

"Du siehst, es ist praktisch. Im Winter hat Hupi Zentralheizung. Der Blick von hier oben… Man könnte Hupi beneiden, wirklich."

"Es sieht toll aus, ehrlich", sagte Hamstilidamst beeindruckt.

Wäre ein Mensch hier gewesen, hätte er leicht eine Erklärung finden können. Irgendwann einmal hatte hier oben ein Handwerker seinen hölzernen Werkzeugkasten stehen lassen. Hupi hatte mit Hilfe von befreundeten Hamstern über den Griff zu den Seiten ein Dach gezogen sowie Türen und Fenster eingearbeitet. Als Hamster konnte man sich kaum eine schönere Behausung vorstellen. Die abgeteilten Werkzeugfächer waren jetzt drei gemütliche Zimmer geworden, von denen das größte das Wohnzimmer und Futterlager war.

Dabi und Hamstilidamst machten es sich mit einer Auswahl an Käse, wie es ihn in der Hotelküche gab, bequem. Dann erzählte Hamstilidamst, wie sie mit dem Pleasure Dome-Turbokreisel ins Weltall geraten waren und das große, fremde Raumschiff aus der Zukunft getroffen hatten. Er erzählte nicht, dass er Angst gehabt hatte, auf dem Raumschiff zu bleiben, sondern berichtete stolz, wie er die Aufgabe bekommen hatte, die Raumfahrer durch Schottland zu führen.

"Aber warum sind sie denn hier?" fragte Dabi.

"Sie wollen durch Schottland geführt werden."

"Hm", machte sie. "Hast du etwas dagegen, wenn ich dich in das Hotelzimmer begleite und zuhöre, worüber sie reden? Dann können wir uns beraten."

"Sie verstehen uns auch."

"Ich weiß, euer Freund Frido war des Hamstischen ein wenig mächtig, aber…"

"Nein, wir quatschen richtig. Sie haben einen – U-ni-ver-sal-übersetzer."

"Oh!" machte Dabi, die ebenso wenig wie Hamstilidamst wusste, was das sein mochte. "Ich finde all diese Vorkommnisse sehr ungewöhnlich. – Du nicht?"

"Aber klar! – Total ungewöhnlich", stimmte er ihr zu, obwohl er bisher noch nicht allzu viel allzu ungewöhnlich gefunden hatte.

"Es sollte mich nicht wundern, wenn es um eine sehr große und wichtige Geheimhaltung geht."

Dabei funkelten ihre Augen begeistert, denn wenn es eines gab, worin sie wirklich gut war, dann darin, irgendwelche Dinge für sehr geheim zu erklären. Sie beschloss, ob Universalübersetzer oder nicht, morgen früh den Gesprächen der Raumfahrer zuzuhören und herauszufinden, ob es an deren Anwesenheit irgendetwas gab, was ganz außerordentlich geheim war.

Als Assistentin eines Präsidenten wusste Dabi sehr gut, wie man mit Geheimnissen umging. Sie sprach über den Sinn und Zweck der Organisation BANTACH nur in Andeutungen und umgab ihren Chef und sich selbst mit einer gewaltigen Geheimniskrämerei. Balthasar ahnte nicht einmal, wie geheim er war. Aber Dabi arbeitete in der Verwaltung und sehnte sich danach, einmal ein wirklich geheimes Geheimnis miterleben zu können.

Also saß sie am nächsten Morgen unter Captain Kirks Bett, während Hamstilidamst einen Ausflug in die Küche machte. Sie hörte Kirk beim Schnarchen zu und beobachtete hinter einem Bein seines Bettes hervor gespannt, dass der andere, der mit den fremden Ohren, schon sehr früh das Zimmer verließ.

Sie beschloss, dass das alles sehr geheimnisvoll war, beinahe schon hinterlistig. Als Hamstilidamst mit einem lauten Purzelbaum durch das Fenster kam, zischte sie:

"Musst du so einen Krach machen? Ich beobachte gerade äußerst interessante Geschehnisse."

"Ach ja?!" fragte Hamstilidamst. Er blickte sich aufgeregt um, aber beim besten Willen konnte er nichts Interessanteres als den schlafenden Kirk entdecken. "Ich habe dir was zu essen mitgebracht."

"Also wirklich! Wie kann man in solch einer Situation an Essen denken?!" sagte Dabi empört und knabberte den Kräcker in sich hinein.

"Hua-a-a!" machte es über ihnen, dann rumste die Matratze. "Wie spät ist es denn? Spock? – Spock!"

"Ich bin nicht hier", wisperte Dabi. "Ich bin auf keinen Fall hier. Du hast mich nicht gesehen, verstanden?"

"Wieso? Ich seh dich doch, und du bist doch hier", gab Hamstilidamst verwirrt zurück.

"Was fiept… Oh, unser Wasserkocher-Hamster", sagte Kirks Stimme.

Dann rumste die Matratze wieder, er beugte sich aus dem Bett und schaute darunter. Dabi presste sich fest in den Schatten des Bettbeines und war überhaupt nicht da.

"Wann gibt’s was zu essen?" fragte Hamstilidamst laut und trippelte rasch unter dem Bett hervor, denn wenn Kirk so weitermachte, würde er Dabi, die nicht hier sein wollte, sehr bald entdecken.

"Guten Morgen, du kleiner Fresssack. Ich werde jetzt erst mal duschen und mich rasieren… Au, ich habe überhaupt keinen Rasierapparat! So kann ich mich doch nicht sehen lassen."

"Versteck dich unterm Bett. Da geht man hin, wenn man nicht gesehen werden will."

Kirk fing an zu lachen und verschwand im Bad. Daher hörte er das wütende Gezischel nicht, das unter dem Bett hervorkam und zum Inhalt hatte, Hamstilidamst sei der größte Idiot, den die Welt je gesehen hatte. Damit war er nun überhaupt nicht einverstanden, denn der größte Idiot, den er kannte, war der Bürgermeister.

Dann ging die Tür auf, und Lt. Spock kam herein. In der Hand hatte er eine kleine Plastiktüte, so dass Hamstilidamst ihm freudig entgegenlief. Plastiktüten trug man, wenn man eingekauft hatte, und wenn jemand einkaufte, war auch etwas zu essen dabei.

"Guten Morgen, Hamstilidamst", grüßte der Vulkanier höflich.

"Ist was zu essen in der Tüte?!" Von Höflichkeit auf leeren Magen hielt ein Hamster nicht viel.

"Nach meinen gestrigen Erfahrungen habe ich eine Statistik erstellt, wie groß dein täglicher Verzehr ist. In Relation zu dem Tag, den wir vor uns haben…"

"Grrrm", machte Hamstilidamst. "Quatsch keine Arien!"

"Ich bitte um Entschuldigung, aber Arien quatscht man nicht, man singt sie, und ich habe keineswegs…"

"Spock, sind Sie das?" kam Kirks Stimme. "Wo waren Sie?"

"Ich habe eingekauft, Sir – Jim."

"Ist bei Ihren Einkäufen zufällig ein Rasierapparat dabei?"

Mit einem Geräusch, das einem Seufzen sehr nahe kam, schüttete Spock den Inhalt des Plastikbeutels auf das Bett. Von der einen Seite stürzte sich Hamstilidamst darauf, von der anderen kam Captain Kirk. Der eine fand eine Packung Kekse und eine Tüte Erdnüsse, der andere einen elektrischen Rasierapparat, Zahnputzzeug, Deodorant und eine Digitalkamera. Beide griffen sich, was ihnen im Moment lebenswichtig erschien. Auf halbem Weg zurück ins Bad drehte Kirk sich um.

"Wozu brauchen Sie das Ding da, Spock?"

"Das – Ding ist ein Fotoapparat, der digitale Aufnahmen macht. Man kann ihn vermittels eines Modems an einen Computer anschließen."

"Und?"

"Ich habe überprüft, ob eine Verbindung mit dem Tricorder möglich ist. Sie ist möglich."

"Aber…"

"S… Jim, in dieser Zeit werden uns zuweilen Dinge begegnen, die uns unbekannt sind. Wenn wir sie nicht beschreiben können, können wir sie fotografieren und über die Archiv-Datei des Tricorders analysieren lassen. Es wird mir möglich sein, eine entsprechende Einstellung vorzunehmen."

"Ah! – Sagen Sie mal, Spock, wie schaffen Sie es eigentlich, schon vor dem Frühstück so geschwollen zu reden?"

Hamstilidamst, in das Öffnen der Erdnusstüte vertieft, warf Kirk nur einen Blick zu. Recht hatte er. Nicht mal der Bürgermeister in seinen allerbesten Zeiten schaffte das. Endlich bekam er die Tüte auf, und zwar mit so viel Schwung, dass die Erdnüsse sich auf und vor dem Bett verteilten. Er schaute verdutzt hinterher und sah, dass hinter dem Bettbein hervor blitzschnell eine Pfote auftauchte, sich eine Erdnuss krallte und wieder verschwunden war.

"Räum – das – auf!" sagte Kirk und verschwand nun wirklich im Bad.

"Kein Problem", gab der Hamster zurück, stürzte sich vom Bett hinunter, schob die Erdnüsse zusammen und unter das nächste Bett.

Spock beobachtete das und kam zu dem Schluss, dass sich aus solch einer Tätigkeit einmal das Wort "hamstern" ergeben hatte, das Sammeln und Horten von Vorräten an einem bestimmten Ort, an den man im Fall eines Hungergefühls zurückkehren konnte, um…

"Guten Morgen, hat hier einer einen Rasierapparat?" kam Dr. McCoy hereingepoltert.

Die Offiziere begaben sich bald darauf, alle rasiert, zum Frühstück. Inzwischen genossen die beiden Hamster ihr Frühstück in Form von Nüssen und Keks. Dabi kaute eilig und mit einem in die Ferne gerichteten Blick. Schließlich starrte sie Hamstilidamst groß an.

"Es ist ganz klar, nicht wahr?"

"Hö?" fragte Hamstilidamst und würgte einen großen Bissen Keks hinunter.

"Es geht um geheime Geräte."

Der Kleine biss ab, kaute und starrte sie groß an. Sie mochte Recht haben. Bisher hatte er es schon mit einigen Geräten zu tun bekommen, die entweder er nicht kannte oder die die Menschen nicht kannten. Also nickte er nachdrücklich.

"Was tut man mit geheimen Geräten?" fragte Dabi nachdenklich.

"Vielleicht sind sie für das Raumschiff? Das kommt aus der Zukunft."

"Das ist sehr wohl möglich. – Leider ist uns nicht bekannt, auf welche Weise die geheimen Geräte auf dem Zukunfts-Raumschiff eingesetzt werden sollen. Sicher ist es sehr gefährlich."

"Vielleicht probieren sie sie hier aus?"

"Hamstilidamst, das ist sehr klug von dir!" stieß Dabi hervor. "Und das ganz gewiss allerwichtigste Gerät für das Zukunfts-Raumschiff und ohne alle Zweifel der Rasierapparat."

"Wieso?"

"Alle haben sich darum gerissen, alle haben das Gerät ausprobiert. Es muss für sie lebenswichtig sein."

"Klar. – Kirk wollte sich ohne einen Rasierapparat lieber unterm Bett verstecken als nach draußen gehen."

"Sind das gute oder schlechte Leute?"

"Sie haben immer was zu essen besorgt."

"Das kann heißen, es sind gute Leute. Es kann aber auch heißen, sie wollen dich in Sicherheit wiegen, und es sind in Wirklichkeit sehr schlechte Leute."

Das war für Hamstilidamst zu hoch. Bis jetzt war jeder, der dafür gesorgt hatte, dass die Hamster satt wurden, auch wirklich nett gewesen. Vielleicht war Dabei doch ein bisschen abgedreht?!

Währenddessen verzehrten die Enterprise-Offiziere ein üppiges Frühstück. Der Arzt prophezeite ihnen allen Magenkrämpfe, weil sie solche Art von Essen in ihrer Zeit überhaupt nicht mehr gewohnt waren. Kirk jedoch schwelgte in Spiegeleiern mit Speck und Tomaten, und Scott füllte seinen Teller zweimal mit Porridge auf. Da dem strengen Vegetarier Spock nicht viel mehr blieb als trockener Toast mit Marmelade, ließ er sich von Dr. McCoy genau die Inhaltsstoffe von Porridge erläutern und versuchte es ebenfalls damit.

Ein Vulkanier hätte nie zugegeben, dass er etwas empfand. Dazu gehörte auch die Überzeugung, dass eine Mahlzeit der Stärkung des Körpers diente und sonst nichts. Daher hätte er nie zugegeben, dass ihm irgendetwas schmeckte. Als er aufstand und seinen Teller ebenfalls ein zweites Mal mit Porridge füllte, blickten ihm die drei anderen grinsend nach.

"Ist hier ein Geschäft in der Nähe, oder wo haben Sie eingekauft?" fragte Kirk, als Spock sich wieder setzte.

"Er kann jetzt nicht antworten, er hat den Mund voll", warf McCoy ein.

"Vielleicht hat er von unserem Hamster gelernt", nickte Kirk.

"Dieses Hotel verfügt über einen Raum, in dem einige notwendige und sehr viele nicht notwendige Dinge gekauft werden können", sagte Spock, der nicht bereit war, auf Sticheleien einzugehen.

"Dann geh ich doch mal gucken, ob ich was Unnützes finde, was ich als Andenken mitnehmen kann", sagte Scotty. "Hä, wenn ich in unserer Zeit wieder herkomme, werde ich denen das zeigen."

"Das tun Sie nicht, wir sind nicht hier", sagte Kirk knapp.

"Und wer sind wir, wenn wir nicht hier sind?" fragte Dr. McCoy.

"Genau genommen bist du gar nichts. Du hast nicht mal einen Ausweis."

"Dann werde ich mich wohl besser anständig benehmen, oder?"

"Das erscheint mir im Allgemeinen als guter Einfall", gab Spock zurück. "Wir sind Wissenschaftler, die nach den Forschungsberichten, die Professor McBastle veröffentlicht hat, einen Besuch bei ihm machen."

"Die Frage ist nur, wo wir ihn besuchen", sagte der Captain. "Nirgendwo in den Archiven ist aus dieser Zeit eine genaue Adresse für ihn angegeben."

"Was ich so gelesen habe, ist er ein komischer Kauz", meinte Lt. Scott.

"Bedeutet das, komische Käuze hatten in dieser Zeit keine Wohnung, in der man sie erreichen konnte?" fragte der Vulkanier leise verblüfft.

"Nein, Laddie, das bedeutet, dass ihn hier wahrscheinlich sowieso jeder kennt. Ich wette, wir können hier im Hotel einfach nach ihm fragen."

"Erstens wäre ich Ihnen dankbar, wenn Sie mich nicht mit Laddie anreden würden, Mr. Scott. Zweitens sollten vier Wissenschaftler, die sich angeblich mit Professor McBastle verabredet haben, durchaus wissen, wo er lebt."

"Immer mit der Ruhe, Leute", sagte Kirk. "Wir gehen einfach los und fragen nach dem Weg. Das wird ja wohl kein Problem sein."

Lt. Scott wollte augenblicklich los, aber Spock erinnerte daran, dass er den Tricorder aus dem Zimmer holen musste. Außerdem hatte er kein großes Vertrauen, dass der Hamster nicht inzwischen Unfug gemacht und im Zimmer Schaden angerichtet hatte.

Was er nicht ahnen konnte, war, dass mittlerweile drei Hamster im Zimmer waren. Dabi hatte darauf bestanden, dort weiter auf der Lauer zu liegen. Hamstilidamst sollte ins Penthaus gehen und nachsehen, ob Hupi endlich aufgetaucht war.

Er verlief sich jedoch in den wirren Lüftungsschächten und fand auf diese Weise Dabis Kusine. Die Klappe eines Lüftungsschachts war zugeschlagen und hatte sich so verklemmt, dass ein einzelner Hamster sie nicht öffnen konnte. Vergeblich hatte Hupi um Hilfe gerufen, hatte einen grauenhaften Tag ohne jede Nahrung verbracht und war dem Verhungern nahe.

Da endlich hatte sie Schritte gehört und noch einmal um Hilfe gefiept. Hupi, mit letzter Kraft schiebend, und Hamstilidamst, mit aller Kraft von der anderen Seite ziehend, hatten die Klappe aufbekommen, und er hatte sie mitgenommen zu Dabi, zu den Erdnüssen und den Keksen.

Hupi hatte sich schrecklich erkältet. Wenn sie hustete, klang es "ööt ööt" wie eine alte Autohupe.

"Ach, du gehörst zu ööt ööt den Hamstern, von denen Dabi ööt ööt mir so viel erzählt hat. Das freut mich aber, dass ich ööt ööt dich kennen lerne. Und du hast mir ööt ööt das Leben gerettet. Dabi, er hat mir wirklich das ööt ööt gerettet. Ich bin dir ja so ööt ööt ööt..."

"Meine liebe Hupi, schone doch deine Stimme etwas. Wir sind hier einer sehr geheimen Sache auf der Spur, und keinesfalls darf man uns entdecken. Es wäre schrecklich, wenn man uns finden würde, weil du ständig husten musst."

"Ööt ööt!"

"Eben, das siehst du doch ein. Daher schlage ich vor, Hamstilidamst begleitet dich in dein Penthaus, und ich beobachte hier weiter. Sollten die Geheimnisträger das Hotel verlassen, werde ich die Verfolgung aufnehmen."

"Nee, so nicht!" protestierte Hamstilidamst. "Ich bin hier ganz offiziell. Sie nehmen mich überall mit, weil ich mich hier auskenne."

"Liebe Dabi, du lebst umgeben von ööt ööt Geheimnissen. Das ist mir alles viel zu ööt ööt, da möchte ich gar nicht dabei sein. Ein Stückchen Käse wird meinem ööt ööt gut tun, daher mache ich mich auf den Weg in mein Haus. Ihr braucht mich nicht ööt ööt zu begleiten."

Jetzt bekamen die beiden Hamster ein schlechtes Gewissen, weil sie die kranke Hupi sich selbst überlassen wollten, aber es war sowieso zu spät. Die Tür öffnete sich, alle vier Offiziere kamen hereingetrampelt. Hamstilidamst sauste unter dem Bett hervor, unter dem sie alle gesessen hatten.

Beim ersten Hustenanfall von Hupi stürzte Dabi sich auf sie und umklammerte ihr Mäulchen, damit sie sich nicht verrieten. Es bestand aber keine große Gefahr, denn die Menschen redeten laut und durcheinander und wollten offenbar gleich wieder gehen.

"Na, unser Hamster scheint ja ganz brav gewesen zu sein", sagte Dr. McCoy. "Wo... Ach, da bist du ja. Wir lassen dich jetzt hier, wir müssen jemanden suchen."

"Ich kann euch jeden Weg sagen. In Ballachulish geht eine lange Brücke über das Wasser. Ich war hier schon!"

"Mmmm", machte Scotty. "Da hat er Recht, die Brücke ist da. Aber müssen wir auch über die Brücke gehen? Und ich wette, du weißt nicht, wo Fergus McBastle wohnt – oder?"

"Da müsst ihr – da müsst ihr..."

"Nofelet", zischelte es irgendwo hinter ihm.

"Ganz klar, ans Telefon gehen!" posaunte Hamstilidamst erleichtert.

"Boa ey, Telefonbuch!" machte Dr. McCoy beeindruckt.

"Du hast schottische Vorfahren, mein Kleiner!" jubelte Lt. Scott. "So praktisch denken nur wir."

"Der logischen Denkfolge dieser Zeit entspricht seine Überlegung in einer Weise, dass er durchaus auch vulkanische Vorfahren haben könnte", bemerkte Lt. Spock.

"Sind sie krank?!" fragte der Arzt, aber ehe der Vulkanier antworten konnte, scheuchte Kirk sie alle aus dem Zimmer mit den Worten:

"Porridge macht tolerant, Pille, wusstest du das nicht? Hier ist Ihr Tricorder, Spock. Hamstilidamst, wo bist du? Natürlich nehmen wir dich mit."

Die Tür fiel ins Schloss, Dabi gab Hupi frei, und die machte einige Minuten lang durchgehend öötöötöötööt. Beruhigend klopfte ihre Kusine ihr auf den Pelz, überlegte dabei aber fieberhaft. Den ganzen Morgen hatten die Männer den Rasierapparat getestet, jetzt suchten sie jemanden. Das musste in Zusammenhang stehen. Wie gern wäre sie mitgegangen, um das Geheimnis zu ergründen!

"Dabi, ich kenne Fergus McBastle", keuchte Hupi.

Dabi klopfte noch einige Augenblick auf Hupi herum, bis sie begriff, was ihre Kusine eben gesagt hatte. Ihre Augen wurden größer und größer.

"Woher?! Sag, woher?"

"Zwei Freunde von mir ööt ööt, die mir das Dach gebaut haben, wohnen bei ööt ööt..."

"Wie heißen sie? Kannst du mir den Weg beschreiben? Ich bin dir ja so dankbar."

"Sie heißen Gammel und ööt ööt Balla und sie..."

Weiter kam sie nicht, denn der Husten wollte nicht aufhören. Jetzt konnte Dabi fürsorglich sein, sie in ihr Haus begleiten, Umschläge machen. Sie mischte warmes Wasser mit Honig, was gut für den Hals war. Hupi war sehr froh darüber, und als sie wieder einigermaßen sprechen konnte, erklärte sie ihr genau den Weg zu Gammel und Balla, die in einem Schuppen neben dem Haus von Fergus McBastle wohnten.

 

Weiter: Auf und Davon (Kapitel 07) - Erstkontakt mit den Borg