Kapitel 5

 

Der Replikatorunfall

 

Auf der Brücke der Enterprise erhob sich Chekov vom Boden und wankte auf eine Nische zu, die sich neben mehreren blinkenden Monitoren befand.

"Wodka, dawai![1]"

Wenige Sekunden darauf materialisierte sich aus dem Nichts ein Glas mit heller Flüssigkeit. Chekov leerte es in einem Zug und schüttelte sich.

"Was kannich oi, oi, oich anbiedern?" fragte er mit lallender Stimme und rülpste kurz.

Der Bürgermeister-Commander blickte entsetzt auf den Fähnrich. Trampel und Sasie, die neugierig gefolgt waren, trippelten vorsichtig mehrere Schritte zurück und machten, dass sie in Sicherheit kamen. Dann stieß der Bürgermeister-Commander einen gellenden Schrei aus, drehte sich einmal um die eigene Achse und klatschte auf den Boden der Brücke. Stöhnend erhob er sich und sprach, zu Flecki gewandt: "Nummer Eins, wir sollten bei Gelegenheit eine Treppe oder so etwas an meinem Kommandosessel anbringen." Dann watschelte er auf Chekov zu und sah ihm fest in die Augen.

"Was ist los mit Ihnen, Mann?"

"Da schdaunstu, Commander, wasser Repli-pli-kator a-alles kann, potschemu?[2]" lallte Chekov und torkelte mit dem leeren Glas in der Hand in Richtung Replikator zurück. Auf dem Weg dorthin übersah er eine Konsole. Es krachte kurz und laut, und der Fähnrich lag auf dem Fußboden. In der Hand hielt er das leere Glas fest umkrallt, als er sich langsam wieder erhob.

"A-alles klar, Co-co-dings, nitschewo sstraschnawa![3]" rief er in Richtung des Bürgermeister-Commanders, verlor den Halt und lief stolpernd auf den Replikator zu. Es klatschte unangenehm laut, und Chekov stöhnte kurz auf. Das Glas in seiner Hand war merkwürdigerweise noch heil, und so stellte er es mit einem Grinsen auf die Replikatorplatte und rief: "Da-wa-wai, Wo-wo-wodka!"

"Bitte wiederholen sie Ihren Befehl!" ertönte eine freundliche, weibliche Computerstimme, und sofort herrschte unter den Hamstern Panik auf der Brücke. Alle Tiere, die soeben noch neugierig hinter dem Fähnrich hergelaufen waren, verkrochen sich nun hinter oder unter der nächstbesten Möglichkeit.

"Ich sa-sa-sachte Wod-ka, dawai!" grölte Chekov und zeigte auf sein leeres Glas, das noch immer auf der Platte unter dem Replikator stand.

"Wünschen sie Ihren Salat mit oder ohne Dressing?" kam die freundliche Rückfrage des Computers.

"Was sollich mit 'n Dress, Du blöde Zi-zi-ziege? Ich will 'n Snapps!"

"Bitte wiederholen sie Ihren Befehl!" ertönte erneute die freundliche, weibliche Computerstimme, und Chekov hob drohend die Faust.

"Snapps, oda ich hau' Dir was auffen Pro-prozessor!"

"Wünschen Sie den Schnaps gekühlt oder nicht gekühlt?"

"Egal", lallte der Fähnrich, und endlich füllte sich das Glas mit einer klaren Flüssigkeit. Sasie und Teeblättchen, die sich neugierig genähert hatten, nahmen mit ihren feinen Nasen den scharfen Geruch der Flüssigkeit sofort wahr und flüchteten naserümpfend. Triumphierend drehte sich Chekov um und zeigte mit der linken auf seine rechte Hand. Er öffnete den Mund zum Sprechen, doch er schloss ihn sofort wieder und blickte irritiert auf seine Hand. Dann hellten sich seine Gesichtszüge auf, er drehte sich zum Replikator um und nahm das Glas, das er hatte stehen lassen. Nachdem er sich grinsend umgeblickt hatte, nahm er einen Schluck aus dem Glas, schüttelte sich und lallte: "Der Re-re-re-dings ma-macht alles, was ma-man ihm sacht, Leute."

"Auch Futter?" fragte Goldi hoffnungsvoll und näherte sich dem Gerät, während der Fähnrich sich an einem Pult festhalten musste, um beim zustimmenden Nicken nicht umzufallen. Im Nu war Goldi zum Replikator hinaufgeklettert, stellte sich vor die glänzende Platte, stemmte die kleinen Pfoten in die Seite und grölte: "Futter!"

"Bitte wiederholen sie Ihren Befehl!" ertönte die Computerstimme.

"Sonnenblumenkerne!"

"Bitte wiederholen sie Ihren Befehl!"

"S-o-n-n-e-n-b-l-u-m-e-n-k-e-r-n-e!"

"Leider hat ich Sie nicht verstanden. Bitte wiederholen sie Ihren Befehl!"

"Kekse!"

"Bitte wiederholen sie Ihren Befehl!"

Goldi drehte sich langsam um. In seinen großen Knopfaugen war riesige Enttäuschung zu erkennen. Er starrte auf Fähnrich Chekov, der lachend auf dem Boden lag und richtig Spaß zu haben schien. Sein Glas war umgefallen und ein Fleck der Flüssigkeit war auf dem Fußboden der Brücke deutlich sichtbar und wurde immer größer. Tiefe Ratlosigkeit erfüllte unterdessen den Raum, die nur durch das grölende Lachen des betrunkenen Fähnrichs gestört wurde. Schließlich räusperte sich der Bürgermeister-Commander und kletterte wieder von seinem Sessel herunter. Ihm war soeben klar geworden, dass nun seine Führungsqualitäten, oder wie man es auch immer nennen sollte, gefragt waren. Vorsichtig näherte er sich dem Replikator.

"Lassen Sie mich das mal machen, Waffenoffizier Goldi, offensichtlich besitzen Sie nicht die nötige Autorität!"

Goldi zuckte mit den Schultern und überließ ihm das Schlachtfeld. Der Bürgermeister-Commander stellte sich auf die Replikatorplatte und räusperte sich erneut.

"Dings, äh, Replikator, einmal Essen für mich und meine Mannschaft!"

"Bitte wiederholen sie Ihren Befehl!"

"Ich befehle: Essen!"

"Leider habe ich Sie nicht verstanden. Bitte wiederholen sie Ihren Befehl!"

Der Bürgermeister-Commander schaute den Replikator wütend an, während sein Kopf tiefrot wurde. Es ging um seine Autorität, hier und jetzt! Wenn er sich vor dieser Maschine blamierte, würde seine Mannschaft ihn für einen haltlosen Schwächling halten, dem es nicht einmal gelang, Essen zu besorgen.

"Rep... äh, Republikaner, öhm, ich meinte Replikator - ich befehle dir: repliziere!"

"Bitte wiederholen Sie Ihren Befehl!"

"Wahrscheinlich braucht der Replikator auch einen Universalübersetzer, Schätzchen!" lachte Lieutenant Uhura. "Der versteht doch kein Hamstisch!"

"Uhu, das ist eine ausgezeichnete Idee, bitte veranlassen Sie alles Weitere!"

Lt. Uhura stand auf und ging zu einer der Nachbarkonsolen, öffnete eine Metallluke und zog ein kleines Gerät heraus. Sie nahm es und ging quer über die Brücke zu dem Bürgermeister-Commander, der mit der linken Pfote nervös auf die Platte klopfte. Nachdem sie den Universalübersetzer an dem Replikator befestigt hatte, entfernte sie sich grinsend, während sie beobachtete, wie ein Hamster mit rotem Kopf unter dem Replikator stand und sich regelrecht aufplusterte:

"Öhm, repliziere! Ich befehle es dir!"

"Sind Sie sicher, dass ich Ihren Befehl ausführen soll?" fragte erneut die freundliche Computerstimme.

"Ja, zum Teufel, bin ich", brüllte es von der Platte unter dem Replikator zurück. "Repliziere!"

Inzwischen hatten sich alle Hamster erwartungsvoll vor dem Gerät versammelt und warteten auf das, was sich nun abspielen würde. Ein lautes 'Plopp' war zu hören und unter dem entsetzten Aufschrei der gesamten Crew erschien ein zweiter Bürgermeister-Commander, der "Repliziere!" brüllte. Daraufhin folgte ein nächstes 'Plopp' auf das hin ein weiterer Bürgermeister-Commander auftauchte, der wiederum "Repliziere!" brüllte, woraufhin ein weiteres 'Plopp' das Erscheinen des nächsten Clones ankündigte.

Wie gelähmt verfolgte die gesamte Hamster-Besatzung diesen äußerst ungewöhnlichen Vorgang. Sogar Chekov hatte mit seinem albernen Lachen aufgehört und starrte ungläubig auf das, was sich da abspielte. Lt. Uhura saß entspannt an ihrer Kommunikationskonsole und schaute lächelnd zu, wie ein Hamster nach dem anderen repliziert wurde. Es war Flecki, die als erste die Entsetzlichkeit dieses Vorfalls begriff. "Computer, sofort aufhören!" schrie sie, so laut sie konnte. Mitten in dem Moment, als sich gerade ein neuer Bürgermeister-Commander auf der kleinen Plattform unter dem Replikator materialisierte, stoppte der Kopiervorgang und eine sanfte Stimme ertönte:

"Der Replikationsvorgang wurde abgebrochen."

Allgemeines Aufatmen erfüllte die Brücke der Enterprise, das jedoch im nächsten Moment durch eine grässliche Erkenntnis jäh gestoppt wurde: Der Bürgermeister-Commander war nun in 6 1/2-facher Ausführung vorhanden! Auf der einen Seite standen die Hamster, die entsetzt auf die Replikator-Plattform starrten, etwas weiter hinten saß Lt. Uhura an ihrer Konsole und schien sich an dem Anblick nicht weiter zu stören. Fähnrich Pavel Chekov jedoch war das Lachen gründlich vergangen, er zeigte mit dem ausgestreckten Zeigefinger auf die Gruppe der Bürgermeister-Commander und stammelte leise 'njet - njebosmochno’ was soviel wie 'nein, das ist doch unmöglich’ bedeutete. Er rieb sich die Augen, schloss sie und öffnete sie wieder. Nein, es war kein böser Traum! Chekov wankte, hielt sich am nächst besten Pult fest und keuchte: "Fä-Fä-Fähnrisch Chekov bittet um Er-lau-lau-laubnisch, sich ssurückschiehen schu dürfen!"

Die 6 1/2 Bürgermeister-Commander wandten sich ihm zu: "Ist Ihnen nicht gut, Mann?" erscholl es im Chor.

"Njet, i-isch schehe Gespenschter... nie wieder Allulol!" keuchte der Fähnrich, torkelte zur Tür der Brücke die sich zischend öffnete, rief ein letztes Mal “Do swidanija[4]“ und verschwand. Ein lautes Poltern ließ darauf schließen, dass er in die Rückwand des Turbolifts geknallt war.

Goldi hatte sich inzwischen als erster ein wenig gefasst und näherte sich der Bürgermeister-Commander-Truppe. Interessiert betrachtete er den abgebrochenen Replikationsversuch, nämlich einen halben Bürgermeister-Commander, dem die obere Hälfte einschließlich Kopf fehlte.

"Weißt du was?" grinste Goldi. "Mein Arsch und dein Gesicht könnten Freunde werden!"

"Du bist mal wieder unmöglich, Goldi", schimpfte Flecki, "wir haben so ein fettes Problem, und du machst auch noch Witze darüber!"

"Wir haben nicht ein fettes Problem", grinste Goldi spitzbübisch, "wir haben 6 1/2 fette Probleme."

"Öhm", meldete sich nun einer der Bürgermeister-Commander und klopfte nervös mit seiner linken Pfote auf dem Boden. "Öhm, sicherlich haben Sie, meine lieben Besatzungsmitglieder schon gemerkt, dass es zur Zeit gewisse, äh, Störungen...", begann er, doch wurde sofort von seinen Ebenbildern unterbrochen.

"Mein verehrter Herr Kollege, wenn ich zusammenfassend einmal erwähnen dürfte, dass diese Dings-Situation ein gewisses Dings, äh, Maß an Entschlossenheit..."

"Nicht nur Dings- äh, Entschlossenheit, sondern auch Dings, äh, wie ich bereits eingangs, äh, betonen wollte..."

"Diese Dingslage, und darauf muss ich eindingsend hinweisen, ist..."

Es war eine schreckliche Situation für die Hamster aus Hamsterhausen. Ein Bürgermeister war ja schon schwer zu ertragen, aber nun standen 6 1/2 Bürgermeister und diskutierten lautstark miteinander, wobei der halbe Bürgermeister sich auf das nervöse Tippen mit seiner rechten Pfote auf dem Boden beschränkte.

"Leute, das mache ich nicht lange mit", stammelte Bauleiter Murksel. "Wir sprengen das Raumschiff in die Luft, und das war es dann."

"Gute Idee", grölte Goldi, "ich suche schon mal was zum Knallen! Wo ist die Waffenkammer?"

"Das wäre keine gute Idee, mein kleines, wildes Wollknäuel", warf Lt. Uhura ein, "wir wollen doch unser schönes Raumschiff nicht kaputt machen."

"Aber dann wären wir die ganzen Labersäcke doch los!"

"Aber deswegen darf man doch nicht alles in die Luft sprengen, du böser, böser Hamster!"

Sie kraulte Goldi hinter den Ohren und stand auf. Es war eindeutig, dass sie immer noch gewaltig unter dem Einfluss des Lachgases litt, doch als verantwortungsvolle Offizierin unter Captain Kirk war ihr doch klar, dass die Sicherheit des Schiffes höchste Priorität besaß. Eine Selbstzerstörung des Schiffes kam unter den gegeben Umständen nicht in Betracht. Hinzu kam eine gewisse Sorge um ihren Mannschaftskameraden Chekov, über dessen Verbleib und Aufenthaltsort in diesem Moment keiner so recht Bescheid wusste. Lt. Uhura wankte zum Replikator und betrachtete lächelnd die 6 1/2 Bürgermeister-Commander, die sich in einer lebhaften Diskussion befanden. Hinter ihr standen die restlichen Bewohner Hamsterhausens, die mit großen Knopfaugen hoffnungsvoll verfolgten, ob Uhura eine Lösung für diese Dilemma fand.

"Wollt ihr nicht endlich von der Replikator-Plattform herunterkommen, meine kleinen Puschelchens? Wie leicht könnte noch ein Unglück passieren, und wir hätten den gleichen Ärger wie mit den Tribbles!"

"Den Tribbles?" fragte Dodo mit weit aufgerissenen Augen, und Tuffi rief: "Was ist das?"

"Wir waren einmal auf einem Einsatz bei Raumstation K7", lächelte Lt. Uhura verschmitzt. "Wir trafen dort unter anderem einen Händler. Der hatte einen Tribble dabei, und ich habe ihm dieses süße Wollknäuel abgekauft, so richtig puschelig war es und ein wenig flach. Es quiekte so niedlich und ich musste es einfach nehmen. Zwar habe ich nie rausgekriegt, wo der Kopf bei dem Tierchen war, aber eines haben wir schnell bemerkt: So ein Tribble kann sich ganz alleine vermehren und zwar sehr, sehr schnell, da kommt ihr Hamster nicht mit. Es dauerte nicht lange, und das ganze Schiff war voller süßer, quiekender Tribbles."

Lt. Uhura unterbrach ihre Erzählung und hielt sich an einem Tisch fest, während sie sich vor Lachen bog.

"Und dann", gackerte sie, "dann kam der Captain von K7 zurück und hat voll die Krise gekriegt. Erst war er ja noch ganz gefasst, aber als er sich auf seinen Kommandosessel niederlassen wollte und es laut quiekte, sprang er schnell wieder hoch und fing an zu toben.“ Sie unterbrach sich für einen Moment und konnte sich ihr Lachen kaum verkneifen. “Als dann,“ gackerte sie, während sie sich immer noch am Tisch festhielt, “ein Tribble in seinem Kaffeebecher saß, war es mit seiner Beherrschung vorbei. Er hat dann, ich meine, wir haben dann...“

"Ihr habt dann das Raumschiff in die Luft gesprengt?" fragte Goldi hoffnungsvoll.

"Aber nein, du kleiner Schlingel! Das würde Captain Kirk niemals zulassen. Nein, er hat... hi, hi, er hat die Tribbles auf ein Klingonenschiff gebeamt, ha, ha, ha! Klingonen können Tribbles nicht ab!"

Während Lt. Uhura von einem erneuten Lachanfall geschüttelt wurde, standen die Hamster mit fragenden Gesichtern um sie herum. Was waren denn nun schon wieder Klingonen? Und was war mit 'gebeamt' gemeint? Das Weltall war schon sonderbar...

Nachdem sie sich von ihrem minutenlangen Lachanfall ein wenig erholt hatte, blickte Lt. Uhura in die Gesichter von 16 ratlosen Hamstern.

"Och, ihr Armen, ihr wisst bestimmt nicht, was Klingonen sind?"

"Und was gebeamt bedeutet", ergänzte Teeblättchen leise.

"Klingonen sind eine gefährliche Rasse, sie sind sehr kriegerisch. Sie sehen fast aus wie Gorillas, aber immerhin können sie sprechen. Unser Captain hat schon jede Menge Ärger mit ihnen gehabt und sie mit ihm.“ Sie lachte erneut und fuhr fort. "Das Beamen brauchen wir, um Sachen oder Lebewesen von einem Ort zum anderen zu transportieren."

"Ein alter Hut", rief Goldi, "wir nehmen Fahrzeuge dazu."

"Aber wir machen das ohne Fahrzeuge oder Transportmittel. Wir können uns in Sekundenschnelle über Tausende von Kilometern von einem Punkt zum anderen bewegen, ohne uns selbst zu bewegen."

"Trampel ist auch mal 100 Meter weit von einem Ort zum anderen geflogen, ohne sich zu bewegen", gab Murksel zu bedenken.

Uhura lachte. "Wir beamen über Strecken von 40.000 Kilometern, unser Notfalltransporter schafft immerhin 15.000. Wir brauchen dazu einen ringförmigen Eindämmungsstrahl sowie Phasentransitspulen."

"Und das funktioniert?" hauchte Tuffi.

"Die Tribbles jedenfalls landeten auf dem Klingonenkreuzer, und wir hatten unsere Ruhe. Für die Klingonen fingen die Probleme allerdings erst an. Seitdem sind sie sauer auf unseren Captain."

"Dieser Captain Dingsda, wo steckt der eigentlich? Warum ist er nicht an Bord und tut seinen Job?" fragte einer der Bürgermeister-Commander und machte ein wichtiges Gesicht, während er mit der rechten Pfote ungeduldig auf den Boden tippte. "In Krisen wie diesen ist es, öhm, unabdingbar und wichtig, dass jeder Dings an seinem Platz ist!"

"Dieser Kirk ist doch in Schottland geblieben", motzte Flecki den Bürgermeister-Commander empört an, "das weißt du doch!"

"Öhm, ja, äh, selbstverständlich weiß ich das, hö hö. Wie ich eben schon erwähnt zu haben meinte, geht es um die Dizzi-dings-plin. Wir können es uns in einem Uni- äh, -versum nicht leisten, auf die gefährlichen, kriegerischen Tribbles oder die puscheligen Klingonen zu dingsen, äh, stoßen. Womöglich fressen die unser Futter auf!"

"Nun, mein verehrter Kollege, wir haben doch gehört, dass sozusagen diese Dinger nicht miteinander können, also immer schön ruhig Fell, äh, Blut!" meldete sich der nächste Bürgermeister-Commander mit wissender Mine.

"Wie ich schon immer gesagt habe, werte Kollegen", mischte sich nun der nächste Bürgermeister-Commander ein, "ist die oberste Hamsterregel: Immer schön ruhig dingsen, äh, bleiben..."

"Ohne Ihnen vorweggreifen zu wollen, verehrter Kollege, wir sollten uns auf einen Angriff vorbereiten", tönte nun ein anderer Bürgermeister-Commander. "Ich schlage die Bildung einer Kommunion, äh, Kommission vor, die gewissermaßen in Unterausschüssen durch exakte Zielvorgaben..."

"Ich drehe hier gleich ab!" brüllte Bauleiter Murksel. "Ihr Clowns seid nicht mehr zu ertragen! Wer ist hier nun der echte Bürgermeister-Commander?"

Sofort flogen sechs Pfoten in die Luft, während der Bürgermeister-Commander Nr. 1/2 umfiel, nachdem er versucht hatte, eine seiner beiden Pfoten in die Luft zu strecken, um sich ebenfalls zu melden.

"Schön", grunzte Murksel, "damit haben wir nur noch sechs Komiker, und was nun?"

"Sag mal Uhura", flüsterte Flecki dem Lieutenant zu, "kann man die replizierten Dinger auch verschwinden lassen?"

"Nur mit einem Antimaterie-Strahl, Baby", flötete Lt. Uhura, "aber das ist verdammt gefährlich. Wenn man den Strahl nämlich auf alle richtet, löst sich auch das Original auf, und wutsch - sind alle süßen Hamster weg."

"Dann könnte man damit ja auch das Original gleich mit verschwinden lassen!" rief Goldi begeistert und fingerte an einem der vielen Steuerpulte herum, die sich unter den Wandmonitoren befanden.

"Goldi", fauchte Flecki "du bist wirklich einzigartig. Jedenfalls hofft das ganz Hamsterhausen. Und höre endlich mit dem Herumfummeln an den Schaltern auf!"

"Erster Offizier", rief in diesem Moment einer der Bürgermeister-Commander, "haben Sie nichts zu tun? Statusbericht!"

"Das, öhm, wollte ich auch gerade erwähnen..." fügte der nächste Bürgermeister-Commander hinzu.

"Da kann ich mich meinen Vorrednern nur nachdrücklich, äh, andingsen, äh, anschließen," mischte sich der nächste ein.

"Auch ich," meldete sich nun Bürgermeister-Commander Nr. 4, "komme sozusagen gewissermaßen nicht umhin, den Ersten Offizier zu einem Lagebericht aufzufordern, also?“

Bevor der nächste Bürgermeister-Commander seinen Senf dazugeben konnte, knurrte Flecki mit funkelnden Augen: "Wir sind nach wie vor im Weltall und haben Kurs auf das Veganische System aufgenommen."

"Ankunftszeit?"

"Ja, öhm, wann sind wir da?"

"Auch ich komme nicht umhin..."

"Keine Ahnung", kreischte Flecki und unterbrach die Bürgermeister-Commander, "woher soll ich das wissen? Bin ich Navigator oder was?"

"Tja, öhm, wer navigiert denn, wer navigiert denn bloß?" fragte verwundert Bürgermeister-Commander Nr. 5, der froh war, auch endlich zu Wort zu kommen und dessen Frage sofort vom Bürgermeister-Commander Nr. 6 aufgenommen wurde. "Um nicht zu sagen, wie ich betonen möchte, sollte diese Frage tatsächlich an den Navigator gerichtet werden, öhm, aber an wen?"

"Wo ist dieser Scheck-Dings geblieben, Uhu?" fragte nun Bürgermeister-Commander Nr. 2 und tippte aufgeregt mit der linken Pfote auf den Boden.

"Der liegt besoffen in seiner Koje, Schätzchen", grinste Lt. Uhura.

"Nun, ich plärre, äh, plädiere, eine Krisensitzung einzuberufen", bölkte in diesem Moment Bürgermeister-Commander Nr. 3, "denn besonnene Zeiten, äh, besondere Weiten, äh, Sonne beim Reiten...."

"Was mein Vorredner sagen will", tönte nun der nächste, "ist, dass wir sozusagen einen Ersatzmann brauchen, der..."

"Aber wir haben doch einen...", warf Tuffi erstaunt ein.

"Ja, genau, äh, Dings, äh Dodo gewissermaßen", stellte Bürgermeister-Commander Nr. 2 fest, "der..."

"Also, Navi-Dodo", wurde er sogleich von Bürgermeister-Commander Nr. 1 unterbrochen, "wir warten!"

Alle Augen waren nun auf Dodo gerichtet, der sich verzweifelt unter einem Pult zu verstecken versuchte. Leider hatte Goldi sein Manöver jedoch rechtzeitig durchschaut und beförderte ihn mit einem Tritt zurück. Eine weitere Flucht erschien sinnlos, und so stand Dodo vor den 6 1/2 wartenden Bürgermeister-Commandern, die alle mit einer ihrer Pfoten auf den Fußboden tippten und ihn ungeduldig anblickten.

"Ich habe nichts getan", jammerte Dodo, "dieser Chekov hat alles eingestellt. Ich weiß von nichts! Ich will nach Hause!"

"Dieser Dodo ist so ein Weichei, der ist sogar zu feige, sich selbst zu beißen", flüsterte Goldi grinsend Flecki zu, die verzweifelt mit den Augen rollte und auf Dodo zuging und versuchte, ihn zu beruhigen.

"Du brauchst doch bloß die Instrumente anzugucken und vorzulesen", schlug sie Dodo vor, der mit zitternden Barthaaren unter dem Navigatorpult saß und weiterhin mit großen Knopfaugen nach einem Fluchtweg schielte.

Wimmernd kroch Dodo auf das Pult und setzte sich umständlich vor den kleinen Monitor, auf dem die Flugdaten zu sehen waren. Es sah nicht so aus, als würde er nur annähernd begreifen, was all die Zahlen und Linien zu bedeuten hatten. Ängstlich blickte er abwechselnd auf die wartende Menge und auf den Monitor.

"Nun mal los, Navigator", schnaufte einer der Bürgermeister-Commander, "Höhe und Position!"

Ängstlich schaute Dodo vom Tisch herab. "Also, ich bin 21 cm und sitze vor einem Monitor."

"Da wir gerade beim Witzemachen sind", grölte Goldi plötzlich, "was macht eine Frau im Weltall?"

Flecki betrachtete ihn scharf von der Seite.

"Putzen!" keckerte Goldi und hielt sich den Bauch vor Lachen.

Es klatschte kurz und laut und Goldi lag benommen auf dem Fußboden.

"Was ist passiert, Erster Offizier?" kam es aus der Richtung der Gruppe der Bürgermeister-Commander.

"Er hat eine verdächtige Bewegung gemacht", entgegnete Flecki treuherzig, "und da habe ich ihn für einen Klingonen gehalten. Man kann ja nicht vorsichtig genug sein."

"Jetzt weiß ich, wo wir sind!" rief in diesem Moment Dodo. Sofort waren wieder alle Blicke auf ihn gerichtet. Erwartungsvolle Spannung hin in der Luft, und es herrschte nach langer, langer Zeit völlige Ruhe auf der Brücke. Unsicher lächelte Dodo in die Runde, dann zeigte er mit seiner Pfote auf eine Stelle auf dem Monitor und sprach: "Wir sind hier - genau hier - wo dieser blinkende Punkt ist!"

Alle Augen waren nun auf Dodo gerichtet, der unsicher auf den Monitor schaute und nicht aufzublicken wagte. Die Bürgermeister-Commander tippten wie immer nervös mit ihren Pfoten auf dem Boden herum, während sich Goldi inzwischen wieder aufgerappelt hatte und wütende Blicke Richtung Flecki schleuderte. Lt. Uhura summte leise vor sich hin, was einen der Bürgermeister-Commander zu der Frage veranlasste: "He, Sie, Uhu! Was haben Sie uns mitzuteilen?"

"Interessantes, mein Puschelchen. Ich empfange entfernte Signale."

"Signale? Woher? Von wem?"

Uhura zuckte mit den Schultern und grinste breit: "Keine Ahnung, Commanderchen, aber der blinkende Punkt, den dieser süße, flauschige Kugelpuschel da gesehen hat, das ist bestimmt nicht unser Schiff."

"Öhm, wie- äh -so?"

"Weil das wohl ein anderes Schiff ist und weil die Signale wohl daher kommen."

"Ja, öhm, äh, ja was bedeutet das denn?"

"Mal überlegen", entgegnete Uhura und hatte erhebliche Mühe, vor Lachen nicht von ihrem Stuhl zu fallen. "Also da sehen wir auf dem Schirm, dass da ein fremdes Schiff ist, und dann hören wir auf einmal fremde Signale. Vielleicht könnte das bedeuten..."

"Dass da ein anderes Schiff in der Nähe ist!" riefen die Bürgermeister-Commander fast gleichzeitig.

"Clever", grinste Lt. Uhura, "wirklich clever. Einer cleverer als der andere, ha, ha."

Während sich die Kommunikationsoffizierin vor Lachen schüttelte, verbreitete sich unter den Hamstern Panik. Ein fremdes Schiff war da draußen! So ein Fall war in der Hamstischen Geschichte noch nie vorgekommen. Das war auch nicht weiter verwunderlich, denn schließlich steckte die Hamstische Raumfahrt ja noch in ihren Kinderschuhen, oder genauer gesagt: eine Hamstische Raumfahrt war nie geplant gewesen. Kein Hamster war also verpflichtet, sich mit irgendwelchen fremden Raumschiffen zu beschäftigen.

"Soll ich schon mal die Waffen scharfmachen?" ertönte Goldis Stimme. "Dann knallen wir denen so was von auf die außerhamstische Fresse..."

"Vielleicht sollten wir erst mal herausfinden, ob sie uns überhaupt feindlich gesonnen sind", warf Bauleiter Murksel richtigerweise ein.

"Ja, aber dann...", rief Goldi hoffnungsvoll.

"Wann werden wir auf das fremde Schiff treffen?" ertönte es aus der Bürgermeister-Commander Gruppe.

Dodo blickte ängstlich auf den Monitor und schüttelte unsicher den Kopf.

"Keine Ahnung."

"Wie schnell kommt es näher?"

"Keine Ahnung."

"Aus welcher Richtung kommt es?"

Diesmal kam keine vertraute Antwort, sondern nur ein trauriges Kopfschütteln und ein verzweifeltes Schluchzen vom Ersatz-Navigator.

"Mann, reißen sie sich zusammen!" brüllte einer der Bürgermeister-Commander, während die anderen schimpfend danebenstanden.

"Das kommt drauf an", rettete Lt. Uhura den restlos fertigen Ersatz-Navigator, "mindestens ein paar Stunden, längstens ein paar Tage. Außerdem kann es sein, dass sie uns überhaupt nicht bemerken."

In diesem Moment ertönte ein verlegenes "Oh, oh" aus Goldis Richtung und der riesige Hauptmonitor schien von einem Feuerball erfüllt zu sein, der langsam kleiner wurde.

"Glückwunsch, Schätzchen", lächelte Uhura, "jetzt werden sie uns bestimmt bemerken!"

"W-was war das?" stammelte Bauleiter Murksel und blickte erschrocken zu Goldi, der auf der Waffenkonsole saß und verlegen lächelte.

"Ein Torpedo", erklärte Lt. Uhura, "allerdings kann der auf diese Entfernung keinen Schaden anrichten."

"Du Riesenidiot!" fauchte Flecki. "Rumfummeln an den Knöppen und fressen, das ist alles was er kann!"

"Waffenoffizier", ertönte es nun aus der Bürgermeister-Commander-Ecke, "warum haben Sie geschossen?"

"Ich habe eine verdächtige Bewegung gesichtet, man kann ja nicht vorsichtig genug sein..."

"Sehr gut, sehr gut", tönte nun Bürgermeister-Commander Nr. 3, "wie ich schon immer zu sagen dingste, ein Hamster kann nicht vorsichtig genug sein."

"Vielleicht hätten wir sozusagen erst mal Kontakt aufnehmen sollen...", gab der neben ihm stehende Bürgermeister-Commander zu bedenken.

"Ach was", grölte nun überflüssigerweise Bürgermeister-Commander Nr. 5, "immer raufhauen und gut. Fragen können wir später."

"Wenn ich meine Vorredner einmal darauf hinweisen dürfte, so ist es durchaus möglich, dass diese Aliens es als gewissermaßen Begrüßung ansehen könnten..."

"Wir warten ab, ob sie zurückfeuern, dann dingsen wir zurück!" unterbrach Bürgermeister-Commander Nr. 6 die Worte von Bürgermeister-Commander Nr. 3.

Die Bürgermeister-Commander schrieen nun laut durcheinander; jeder versuchte, seinen Standpunkt zur allgemeinen Lage darzulegen. Es war eine peinliche Situation. Auf der einen Seite der Brücke standen 6 Hamster, die mit den Hinterpfoten auf den Boden tippten und die Vorderpfoten gestikulierend in die Luft streckten und ein halber, der aufgeregt hin- und herrannte, und wenn er mal stehen blieb, ebenfalls mit einer Pfote auf den Boden tippte. Zur anderen Seite der Brücke standen 8 ratlose Hamster, zu denen sich in diesem Moment Dodo gesellte, da er nicht mehr alleine vor dem unheimlichen Monitor der Steuerkonsole sitzen mochte, auf dem sich Aliens näherten.

"Klasse gemacht," zischte Flecki Goldi an, den es ebenfalls nicht mehr am seinem Platz gehalten hatte.

"Ich kriege hier gleich so was von zu viel, das glaubt ihr nicht", knurrte Bauleiter Murksel.

"Vielleicht können wir ja mal eine Bürgermeister-Wahl machen, Chef", rief Tuffi hoffnungsvoll.

Murksel warf dem kleinen Reparaturhamster einem vernichtenden Blick zu und knurrte: "Und vorher hören wir uns tagelang Wahlkampfreden von diesen Clowns an, wie?"

"Lieutenant Uhura", rief nun Flecki, "wo ist dieser Antimaterie-Strahl, von dem du erzählt hast?"

"Im Maschinenraum, Schätzchen. Wenn man die Abschirmung der Warpspule öffnet und sich neben die Spule stellt, wird man in Atome aufgelöst, puff!"

"Gut", erwiderte Flecki mit einem teuflischen Grinsen, "dann finden die Wahlkampfreden eben dort statt."

Entsetzt starrten ihre Hamsterfreunde sie an und sogar Lt. Uhura unterbrach ihr Lächeln.

"Gute Idee", unterbrach Goldi das Schweigen, "aber wollen wir gleich alle auflösen?"

"Das können wir nicht machten", keuchte der Bauleiter, "dann erwischen wir auch den echten Bürgermeister!"

"Genau", rief Tuffi, "wir müssen erst wissen, wer der echte Bürgermeister ist!"

"Das weiß ich schon lange", entgegnete Flecki. "Mir ist da nämlich etwas aufgefallen."

 

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