Kapitel 2

 

Die Enterprise

 

San Francisco, Hauptquartier der Sternenflotte der Vereinten Planeten. Vor dem Büro des Flottenchefs ging Dr. Leonard McCoy mit langen Schritten auf und ab. Als er hinter sich die Tür aufzischen hörte, wandte er sich rasch um.

James T. Kirk, Captain des Raumschiffs Enterprise, und sein Erster Offizier, Lt. Spock, kamen heraus. McCoy breitete die Hände aus und sah sie fragend an. Er wusste nicht, was in dem Büro abgelaufen war. Er wusste nur, dass T’Raeg zu Besuch bei Admiral McDonald gewesen war, dem Chef der Flotte. T’Raeg war die Vorsitzende des wissenschaftlichen Rates des Planeten Vulkan, Spocks Heimatwelt. Sie hatte Vulkan noch nie verlassen, es musste ungeheuer wichtig sein.

"Fffft", machte Kirk und winkte ihm mit einer kurzen Handbewegung mitzukommen.

"Was sagen Sie, Mr. Spock – als wären wir ein Hund."

"Logischerweise müsste es heißen: als wären wir zwei Hunde, Doktor. Davon abgesehen, halte ich Ihren Vergleich für unpassend."

"War nur ein Witz."

"Ihr Sinn für Humor ist..."

"Sagen Sie’s erst gar nicht. Ihr Sinn für Humor ist nämlich überhaupt nicht vorhanden."

Der Vulkanier sparte sich eine Antwort. Auf dem Planeten Vulkan lernte man schon als Kind, seine Gefühle so vollkommen zu kontrollieren als seien sie nicht vorhanden. Selbstverständlich gehörte der Sinn für Humor ebenfalls dazu.

Captain Kirk, ihr Commander und Held zahlloser Abenteuer, führte sie aus dem Gebäude hinaus. Hinter dem Hauptquartier gab es eine große Wiese, umstanden von Bäumen und Buschwerk. Kirk steuerte auf die Mitte der Wiese zu, denn nur hier war er sicher, dass niemand in der Nähe war und zuhören konnte.

Dr. McCoy wiederholte seine fragende Geste, und jetzt bekam er eine Antwort.

"Pille, erinnerst du dich an unsere Mission in der Zeitspirale?"

"Eh? Ob ich mich erinnere?!" fragte Dr. McCoy empört zurück. "Natürlich nicht. Ich erinnere mich nie an irgendwas, wo du beinahe abkratzt."

Das lag drei Jahre zurück. Die Enterprise war das einzige Schiff der Föderation der Vereinten Planeten, das Erfahrung mit Zeitreisen hatte. Die Regierung des Planeten Vulkan hatte sie gebeten, eine Mission für sie durchzuführen.

Vor etwa zweihundert Jahren war auf einer vulkanischen Raumstation ein Zeitexperiment durchgeführt worden, das vollkommen in die Hose gegangen war. Die Station war in der Zeit verschollen gewesen, doch vor drei Jahren hatte es in der Nähe von Vulkan sonderbare Zeitstörungen gegeben. Die Vulkanier vermuteten, dass jene lange zurückliegenden Experimente eine Langzeitwirkung zeigten, und die Enterprise hatte das Phänomen erkundet.

Was sie dabei erlebt hatten, war zum Teil der absolute Horror gewesen. Sie waren zwischen Zeitzonen hin und her gependelt, einmal war eine Zeitzonengrenze mitten durch Captain Kirk und Funkoffizierin Lt. Uhura hindurchgegangen. Es hatte die beiden beinahe den Verstand und das Leben gekostet. – Und daran sollte Dr. McCoy sich nicht mehr erinnern?!

"Ja, nun komm mal wieder runter", sagte Kirk ungeduldig. "T’Raeg hat der Erde eine Information zukommen lassen, die sie in den Daten der Station gefunden haben."

"Die Station hat Spock doch in die Luft gejagt..."

"In die Luft?!" unterbrach Spock verwundert. "Im All?!"

"...aber vorher die Daten an uns überspielt", fuhr der Captain fort. "Kannst du mal aufhören, auf Nebensächlichkeiten rumzureiten?"

"Jaha!" flötete der Arzt, und Kirk verbiss sich ein Grinsen.

"Diese Station ist in einem anderen Zeithorizont gewesen. Weiß der Himmel, wie sie da reingeraten ist. T’Raeg hat eine Information gefunden, dass ein Kommandant namens Salta Erstkontakt zu einer Spezies aufgenommen hat, die sich selbst Menschen nennt. Das war nach unserer Rechnung im Jahre 2020."

"Blödsinn, das war – 2163."

Kirk und Spock sahen ihn schweigend an, er starrte empört zurück. Dann verwandelte sich seine Empörung in Begreifen. In der Zeit, in der die vulkanische Raumstation aktiv gewesen war, hatte es den Erstkontakt im Jahre 2020 gegeben. In ihrer eigenen Zeitrealität aber hatte er erst 2163 stattgefunden. Irgendwann war irgendwas passiert, und das Ereignis 2020 hatte es nicht gegeben.

"Und wenn wir wissen, was da wann passiert ist, fliegen wir hin und lassen es passieren", sagte Captain Kirk.

"Oh! Einfach so, ja?"

"Ganz offiziell", sagte Spock, und seine rechte Augenbraue kroch im Zeitlupentempo Richtung Haaransatz. Mehr Gefühlsäußerung konnte niemand von ihm erwarten, und die gehobene Augenbraue drückte alles Mögliche aus. "Mit Billigung von Admiral McDonald."

"Und ohne Wissen von sonst irgendwem", fügte Kirk hinzu. "Wir drei, Uhura, Chekov und Scotty fliegen. Jeder in seinem Bereich passt das Schiff so an, dass wir keine weitere Crew brauchen."

"Das kann aber dauern", wandte McCoy ein.

"Pille, Zeit ist dabei wirklich nicht unser Problem", grinste der Captain, und der Arzt grinste schief zurück. "Wir müssen recherchieren, was da war, wir müssen uns über die Zeit schlau machen... Es gibt eine Menge zu tun."

"Um Gottes willen, Jim, wo willst du denn da suchen?!"

"Doktor, Gottes Wille ist da nicht nötig", bemerkte der Vulkanier. "Entsprechend der Ersten Direktive, die maßgeblich von den Vulkaniern erstellt wurde, wird der Erstkontakt nur mit Zivilisationen aufgenommen, die über Warp-Technologie verfügen. Das bedeutet, lange bevor Zefram Cochrane seinen ersten Warp-Flug startete, muss es dazu Versuche gegeben haben, die ausreichend erfolgreich für eine technische Umsetzung waren."

"Spock, Sie sollten irgendwo Bürgermeister werden, sie halten so schöne Reden", gab McCoy zurück.

Seit diesem Gespräch waren zwei Monate vergangen. Die Enterprise war auf allen Stationen so umgerüstet, dass sie von drei Personen bedient werden konnte. Drei waren für die Mission auf der Erde vorgesehen, und während dieser Mission sollte die Enterprise in Wartestellung im Mondschatten liegen. Ein Aufenthalt in der Vergangenheit von maximal drei Tagen war geplant.

In der gesamten Vorbereitungsphase hatte Captain Kirk engen Kontakt zu Admiral McDonald gehalten. Wo immer es jetzt innerhalb des Flottenkommandos einen Weg zu ebnen galt, ebnete der Admiral ihn. Unter anderem musste es eine offizielle Version über den Verbleib der Enterprise geben, und die lieferte McDonald. Das Schiff sollte zu einer Ionisierungsreinigung ins Dock, die Mannschaft bekäme Heimaturlaub. Nur der Admiral und ein Techniker, dem er absolut vertrauen konnte, würden wissen, was wirklich geschah.

Lt. Spock, der zugleich Kirks bester Freund war, hatte ihn noch nie im Stich gelassen, auch wenn er manchmal gegen Entscheidungen protestierte, die er nicht logisch fand. Logik war im Leben eines Vulkaniers das Wichtigste.

Jetzt hatte er sich gründlich und gewissenhaft wie immer durch Hunderte von Dateien gelesen, Archive durchwühlt und war tatsächlich fündig geworden. Zwischen 2004 und 2006 hatte ein schottischer Wissenschaftler Versuche durchgeführt, Partikel von Materie und Antimaterie zu einer kontrollierten Reaktion zu bringen, die Grundvoraussetzung für den Warp-Antrieb. Die Abhandlungen, die es dazu gab, lasen sich äußerst erfolgversprechend, aber plötzlich gab es darüber keine Berichte mehr, keine Aufsätze, nicht die geringste Notiz. Ohne jeden Zweifel waren zum Schluss die Versuche doch misslungen.

Jene Crewmitglieder, die auf die Zeitreise gehen sollten, hatten das sichere Gefühle, dass sie massiv zu diesem Misslingen beitragen würden, und zwar an einem Ort, dessen Namen nur Chefingenieur Ltd. Montgomery Scott aussprechen konnte.

In der Tat hatte er keine Mühe, den Namen ihres Zielortes Ballachulish an der Brücke auszusprechen. Mehr noch, er kannte diesen ruhigen Ort am Loch Leven, ein still-erhabenes Naturparadies. Vermutlich war es genau das richtige Fleckchen, an das sich ein versponnener Wissenschaftler mit dem Namen Fergus MacBastle zurückziehen würde.

Endlich war es soweit. Langsam schob sich die Enterprise aus ihrem Dockplatz heraus. In der Dock-Kontrolle für diesen Liegeplatz befanden sich lediglich Admiral McDonald selbst und der Techniker, dem er vollkommen vertrauen konnte. Die Landegruppe hatte sich in den letzten beiden Monaten sehr intensiv mit den frühen Jahren des 21. Jahrhunderts auseinandergesetzt. Die passende Kleidung lag bereit, und die Sprechgeräte waren als etwas gestaltet worden, was man zu jener Zeit Handy genannt hatte. Das war ein Gerät, ohne das, wenn man den historischen Berichten glauben sollte, kaum ein Mensch auskam.

Auch hatten sie einige typische Redensarten jener Zeit gelernt, obwohl Lt. Spock es bisher noch nicht über sich gebracht hatte, seinen Captain mit "Ey, Alter!" anzusprechen. Diese beiden und selbstverständlich Chefingenieur Scott sollten die Landemission durchführen. Scotty freute sich schon seit Tagen. Er war überzeugter und begeisterter Schotte. Nie hatte er sich seinen Akzent abgewöhnt, und wenn es einen Grund gab, an Bord die Galauniform zu tragen, dann trug er stolz den Kilt in den Farben seines Clans.

Inzwischen war die Erde zu einem winzigen Punkt geschrumpft. Die Enterprise flog aus dem Sonnensystem hinaus, damit sie ausreichend Abstand gewann, um Fluchtgeschwindigkeit in Richtung Sonne aufnehmen zu können. Lt. Scott war im Maschinenraum, sonst hielten sich alle auf der Brücke auf. Seit Verlassen des Docks hatten sie sich – außer natürlich Lt. Spock – den Spaß gemacht, den Slang des frühen 21. Jahrhunderts zu üben. Die Augenbraue des Ersten Offiziers klebte dauerhaft unter seinem Haaransatz. Er sah fast beleidigt aus, weil er sich so etwas anhören musste. Nicht einmal Lt. Uhura, die das Schiff gar nicht verlassen sollte, wusste sich zu bremsen.

"Boa ey", sagte sie gerade, "der Alte ist in der Leitung."

"Echt ätzend", gab Kirk grinsend zurück. "Lass mal rüberwachsen, Mutter."

Uhura verschluckte sich fast, schaltete Admiral McDonald jedoch zum Captain und war in den folgenden Minuten vor allem damit beschäftigt, sich fest auf die Unterlippe zu beißen, um nicht zu lachen. Wäre ihre Haut nicht dunkel gewesen, sie hätte einen knallroten Kopf gehabt. Der Ton zwischen Admiral und Captain war dienstlich-freundlich, und eigentlich gab es für Dr. McCoy keinen Grund, die guten Wünsche des Admirals mit einem "Voll krass, ey!" zu kommentieren.

"Doktor, sind Sie sicher, dass diese Art von Sprache von Menschen mittleren Alters benutzt wird?" erkundigte Spock sich interessiert.

"Na, logo, Spitzohr. – Oder glauben Sie, mein Hamster bohnert?”

Spock warf ihm einen Blick zu als zweifle er ernsthaft am Verstand des Arztes. Lautlos wiederholte er "mein Hamster bohnert" und versuchte zu ergründen, was damit ausgesagt werden sollte. Er war nicht bereit, sich an dergestalt unlogischen Wortwechseln zu beteiligen.

Als sie sich auf den Zeitsprung vorbereiteten, kehrten alle zum normalen Dienstton zurück. Die knappe Umrundung der Sonne war ungeheuer riskant, besonders weil nicht die volle Maschinencrew zur Verfügung stand. Aber Scotty wäre nicht Scotty gewesen, wenn er nicht lange vorher über sämtliche Schadensfallmöglichkeiten nachgedacht hätte.

Es musste bei dieser enormen Geschwindigkeit, dem ungeheuren Druck, der auf das Schiff wirkte, zu starken Sinnesstörungen bei der Mannschaft kommen, bis hin zur Bewusstlosigkeit. Schließlich nannte der Captain mit benommener Stimme jeden einzelnen Namen, und jeder seiner Offiziere meldete sich.

"Spock, was macht der Hauptschirm?"

"Ich schalte ihn zu, Sir."

"Chekov, Bremsmanöver?"

"Ist unter Kontrolle. – Wir befinden uns in 1983, rasch vorwärts."

Kirk schlug auf die Sprechtaste, die in der Lehne seines Stuhls installiert war:

"Scotty, den Zeitrutsch gut überstanden?"

"Ay, Sir, fühle mich noch etwas besoffen, aber es wird schon wieder."

"Dann schalten Sie die Kontrollen auf die Brücke und machen Sie sich klar für den Landgang."

Währenddessen drehte Chefarzt Dr. McCoy auf der Brücke die Runde und checkte die Besatzung durch. Er scannte gerade Fähnrich Chekov und warf einen Blick auf die Zeitanzeige. Nie würde er Zeitphysik begreifen, nahm nur zur Kenntnis, dass sie das Jahr 2000 erreicht hatten. Sie würden es schaffen.

Gleich darauf wies der Captain auch den Ersten Offizier an, sich für den Landgang vorzubereiten. Der Vulkanier blickte in seinen Scanner, nickte und wandte sich schon halb um. Dann zuckte er wieder zurück an die Anzeige, eine so heftige Bewegung, dass der Captain aufmerksam wurde.

"Sir, uns nähert sich ein Objekt von der Erdoberfläche her, ungebremst und unkontrolliert. – An Bord sind Lebensformen. Das Objekt wird mit uns zusammenstoßen."

"Wann?" fragte Kirk angespannt.

"In dreißig Sekunden."

"Scotty!" blaffte Kirk in sein Sprechgerät. "Sind Sie in der Nähe des Transporters?"

"Ay, Sir, gerade vorbeigegangen."

"Gehen Sie zurück. Erfassen Sie das Objekt, das sich uns nähert, mit dem Taktorstrahl."

"Bin schon weg."

"Das Objekt..." Spock zögerte, zuckte dann fast die Achseln. "Es ist zu zerbrechlich, der Traktor wird es zerreißen. Es wird jeden Augenblick zerbrechen."

"Wir holen die Lebensformen an Bord. Uhura, informieren Sie Scott. Spock und ich gehen in den Transporterraum."

Die beiden hatten die Brücke schon verlassen, als es Fähnrich Chekov endlich gelang, das Objekt mit der Kamera zu erfassen. Er, Uhura und McCoy starrten mit ungläubigen Mienen auf den Hauptschirm. Das Ding hatte ungefähr die Form einer historischen Rakete, und wo es nicht durch die atmosphärische Reibung angekohlt war, zeigte es lustige rote, blaue und gelbe Kringel. Was das war, begriff keiner, aber Lt. Uhura fing an zu kichern.

Im Transporterraum drückte Lt. Scott wie ein Verrückter auf Tasten, scannte und scannte abermals. Er kapierte nicht, was er da im Musterpuffer hatte. Es waren zwölf einzelne Lebensformen, sehr klein, und mehr konnte er dazu nicht sagen. Mehr konnte er immer noch nicht sagen, als Kirk und Spock eintraten.

Auf der Transporterplattform erschienen Geschöpfe, die die Fußbodenhöhe nur wenig überragten. Sie hockten völlig bewegungslos, ein Pelzhaufen mit aufgeplusterten Fellen. Kirk starrte, dann fragte er entnervt:

"Was ist das? Sind das Tribbles?!"

Tribbles waren die vermehrungswütigste Tierart, die ihnen je begegnet war, und sie hatten sich auf der Enterprise einmal dermaßen breitgemacht, dass einigen noch heute die Haare zu Berge standen, wenn sie sich daran erinnerten.

"Captain, wenn mich meine Kenntnisse..." Spock unterbrach sich, weil jetzt Dr. McCoy eintrat und ebenfalls starrte. "Wenn mich meine Kenntnisse über die irdische Zoologie nicht im Stich lassen, handelt es sich hier um Mesocricetis auratus."

"Hm?" machte Kirk verwirrt.

"Goldhamster", erklärte McCoy in ziemlich fassungslosem Ton.

"Und... und... und wie kommen die hierher?!"

Was die Hamster in den letzten Minuten erlebt hatten, war mehr als Panik, es war der totale Schock gewesen. Nun aber merkten sie langsam, dass sie wirklich nicht mehr herumgeschleudert wurden, wirklich nicht mehr mit erstickender Hitze zu kämpfen hatten, wirklich in einer ruhigen Lage saßen und wirklich menschliche Stimmen hörten.

Goldi drehte vorsichtig den Kopf, stellte fest, dass er an einem Ort war, wie er ihn noch nie gesehen hatte, und dass da ein paar Menschen rumstanden, die ziemlich komisch angezogen waren, und zwar alle gleich komisch. Außerdem hatte einer von diesen Typen irgendwie spitze Ohren, und das hatte er an Menschen auch noch nie gesehen. Jetzt sagte Spitzohr:

"Das kann ich Ihnen nicht erklären, Sir. Mesocricetis auratus zeichnet sich meines Wissens nicht durch Reisen ins All aus."

"Megacrispies oder was quatscht der da?" fragte Goldi in die Runde, und auch die anderen rappelten sich nun auf, glätteten das Fell, schauten sich um.

"Wo sind wir denn hier gelandet?" fragte Flecki.

Goldi hatte immer noch die vier Typen fest im Blick und sah, dass sie auf einmal selten dämliche Gesichter machten. Der eine, der hinter einer Art Schranke stand, fuchtelte mit den Händen und schrie:

"Captain, Captain, der Universalübersetzer..."

"Ich bin nicht taub, Mr. Scott! – Äh, ja... Also, meine lieben Hamster, erst mal willkommen an Bord", grinste Kirk und begab sich auf die Knie. "Ich weiß jetzt nicht wirklich, was ich mit euch machen soll..."

"Wie wär’s mit Futter und verwöhnen?" fragte Goldi hoffnungsvoll.

Lt. Scott fing an zu lachen. "Die sprechen rückwärts, hören Sie das? Och, ay, wirklich rückwärts!" Er kicherte und kicherte, bis auch der Captain und Dr. McCoy anfingen zu lachen.

"Och, ay?" wiederholte Hamstilidamst. "Ist das ein Schotte?!"

"Und wenn, ist es ein Frido-Schotte oder ein Lord-Schotte?" fragte Teeblättchen.

"Und wieso lachen die so blöd?" wollte Trampel wissen.

"Nun, meine lieben Offiziere und, öhm, Dingsmannschaft, ich glaube sagen zu können, dass der Zeitpunkt gekommen ist..." begann der Bürgermeister, dann traf ihn eine Dusche und noch eine.

Der Spitzohrige nieste, und so wie die anderen nicht aufhören konnten zu lachen, konnte Lt. Spock nicht aufhören zu niesen.

Bei dem ungeheuren Druck, dem das Schiff während der Fluchtgeschwindigkeit ausgesetzt gewesen war, hatten sich an einigen Stellen Materialdehnungen ergeben. Wäre die gesamte Crew an Bord gewesen, hätte man den Schaden sofort bemerkt und repariert. So aber hatte niemand das Leck in einer Kühlleitung bemerkt. Sie enthielt flüssiges Distickstoffmonoxid, das mit dem Austritt wieder gasförmig wurde und sich durch Luftschächte und Ventilationen im Schiff verbreitete.

Die Menge war nicht so groß, um wie eine Narkose zu wirken, aber groß genug, alle Menschen in einen fröhlichen Zustand zu versetzen. Sie kicherten, lachten, fanden die geringsten Kleinigkeiten äußerst lustig und waren insgesamt erfüllt von unbeschwerter Leichtigkeit. Mit gutem Grund wurde Distickstoffmonoxid auch Lachgas genannt.

Die Wirkung auf den Vulkanier war vollkommen anders. Seine Schleimhäute wurden durch das Gas gereizt, und extreme Teilnahmslosigkeit machte sich in ihm breit. Nach einer gewissen Zeit pendelte sich der Zustand ein, die Menschen unterließen das Lachen, der Vulkanier das Niesen, aber die Stimmung blieb.

Das Gas hatte auf die Hamster keinerlei wie auch immer geartete Wirkung, ihnen kam nur der Verdacht, sie seien in ein Irrenhaus geraten. Mehr oder weniger im Chor erklärten sie, wie sie hergekommen waren, und die drei Menschen grölten vor Lachen. Die Hamster fanden es nicht besonders komisch.

Als Kirk ihnen in lockerem Ton erklärte, wo sie hier waren, glaubten sie kein Wort. Raumschiff aus der Zukunft – was sollte das für ein Quatsch sein!

"Ha!" machte Kirk. "Das ist gar kein Problem, das kann ich euch sofort beweisen. Ihr wollt das doch bewiesen haben, oder wollt ihr das nicht bewiesen haben?"

"Wenn der doch aufhören würde, so einen Schrott zu labern!" stöhnte Goldi. "He, Murksel, kann das stimmen, was der Typ da erzählt?"

"Ja, also, es gibt Raumschiffe", erwiderte Murksel wichtig, und Tuffi fügte schnippisch hinzu:

"Und es gibt Zukunft, schon klar."

"Die Beschleunigung unseres Turbokreisels hat uns offenbar ins Weltall geschleudert."

"Ich will aber nicht im Weltall sein", beklagte sich Hamstilidamst.

"Bestimmt sind wir schon alle tot und wissen das nicht", winselte Dodo.

"Wieso tot?"

Dodo blickte Flecki mit großen, traurigen Augen an und erwiderte: "Weil es im Weltraum doch keine Luft gibt..."

"Ich würde gern wissen, wie so ein Raumschiff funktioniert", stellte der Bauleiter fest und kommentierte das nicht weiter.

"Dem Hamster kann geholfen werden", tönte der Captain. "Wir wollen sowieso runter auf die Erde, und da nehmen wir dich einfach mit, und die anderen können sich hier ein bisschen umsehen. Was haltet ihr davon?"

Ein begeisterter Chor antwortete ihm, nur Spock wurde das Gefühl nicht los, dass an dieser ganzen Szene etwas nicht in Ordnung war. Aber schließlich war es auch nicht so wichtig, und als er sah, dass Captain Kirk einige der Hamster hochhob und sie offenbar zur Brücke bringen wollte, tat er das auch.

Schweigend hatten die Hamster sich umgesehen, während sie durch das Raumschiff getragen wurden. Es sah hier total anders aus als alles, was sie kannten. Vielleicht war dieser Captain Kirk doch nicht ganz so bescheuert, wie sie gedacht hatten. Endgültig überzeugt waren sie aber, als sie auf die Brücke kamen. Da war so etwas wie ein riesiges Fenster, und vor dem Fenster flog rot-blau-gelb geringelter Müll herum, ohne jede Frage ihr Turbokreisel.

"Ach, sind die süß!!" quietschte eine Frauenstimme so dicht an Sasies Ohr, dass sie zurückzuckte. "Och, kann man die streicheln? Sind die aber niedlich."

"Wir wollen nicht gestreichelt werden, wir haben Hunger!" knurrte Goldi und zeigte mit kreisender Pfotenbewegung auf seinen Bauch. Lt. Uhura riss die Augen auf.

"Wow, ihr könnt ja sprechen, ihr Süßen. Hunger habt ihr. Ich hol euch was, ich hol euch was."

"Mann, hier gibt’s Zimmerservice", rief Goldi in die Runde, und alle Hamster nickten begeistert.

Plötzlich wurden sie ganz still. Fähnrich Chekov, der fröhlich von Kamera zu Kamera geschaltet hatte, legte das Bild der Erde auf den Hauptschirm, und das sah wirklich unglaublich toll aus. Das Schweigen hielt so lange vor, bis Uhura mit einer großen Schale Kekse wiederkam, danach war nichts Anderes mehr interessant.

Alle sahen den schmausenden Hamstern zu, und alle fanden die Tierchen putzig und niedlich und eine Menge andere Dinge, die den kleinen Fressern ziemlich auf den Senkel gingen.

"Besatzung, wir sind nun gestärkt", erklärte der Bürgermeister-Commander und stellte sich in Positur. "Wir haben den Schliff verloren – äh, ein Schiff verloren, aber wir haben auch ein Schiff gewonnen. Besetzt eure Posten."

"Was für Posten?" fragte Dodo ängstlich und duckte sich.

"Ich habe euch gesagt, welche Posten ihr habt!" brüllte der Bürgermeister wütend los. "Ihr sollt sie besetzen. Besetzt die Pisten – die Posten, ansonsten... Ich warte auf Vorschläge!"

"Lasst ihn warten", sagte Flecki leise. "Wir sehen uns hier mal um."

Tuffi kletterte zu Fähnrich Chekov, setzte sich auf dessen Konsole und löste den Rotalarm aus. Durch das ganze Schiff ging ein fürchterlicher Heulton, und der Navigator der Enterprise lachte sich schlapp. Tati und Sasie besuchten Uhuras Station und entdeckten, dass es ein tolles Muskeltraining war, auf die Kontrolltasten zu springen, bis sie einrasteten. Als wahrer Gipfelstürmer erwies sich Trampel, der sich zum Arbeitsplatz des Vulkaniers vorgewagt hatte, den Kopf in den Scanner steckte und da steckenblieb.

Captain Kirk hatte sich im Schneidersitz auf den Boden gesetzt und wandte sich grinsend Goldi zu:

"Sag mal, was ist das für ein Gernegroß?"

"Das ist unser Bürgermeister. Manchmal haut er sich die Birne ein, dann spinnt er hinterher."

"Der Bürgermeister!" krähte Dr. McCoy. "Spock, ich entschuldige mich. Als ich Sie zu einem Bürgermeister machen wollte, hatte ich mir so was nicht vorgestellt."

"Keiner stellt sich so was als Bürgermeister vor", grummelte Goldi.

Undeutliches "Eflih, Eflih!"-Geschrei war zu hören, dann war der Vulkanier da und pflückte Trampel aus dem Sichtschlitz des Scanners.

Captain Kirk hatte den Eindruck, die Hamster fühlten sich hier ausgesprochen wohl, und weiter hatte er den Eindruck, dass er nun auf die Erde musste, um die ersten Warp-Experimente misslingen zu lassen. Grinsend reckte Lt. Scott eine Faust in die Luft:

"Ay, Sir, auf nach Schottland!"

"Schottland?!" kam ein zwölffaches Echo, dann plapperten die Hamster so wild durcheinander, dass der Universalübersetzer nichts damit anfangen konnte.

Schließlich räusperte sich der Bürgermeister laut und lange.

"Das Veganische System, verkehrtes Räumkommando – äh – verehrte Raumfahrer, wird uns das Trillirium zur Rettung der Welt liefern. Unser Sinn steht nicht nach Schottland, wo wir dingslose – äh – zahllose Gelegenheiten hatten... Was ich sagen will...“

"Was er sagen will", schob Goldi sich vor, weil sämtliche Offiziere den Bürgermeister nur völlig verständnislos und grinsend anglotzten, "wir waren schon oft in Schottland und würden jetzt gern mal raumschiffen. Ist das für euch okay?"

"Ich will nicht raumschiffen", wandte Hamstilidamst kläglich ein.

"Dann zeigst du eben dem Räumkommando Schottland", sagte Murksel ungeduldig. "Du kennst Schottland schließlich wie deine Westentasche."

"Das war nicht Hamstilidamst, das war der Lord", meldete sich Trampel, der inzwischen auf Fähnrich Chekovs Kopf Platz genommen hatte.

"Aber ich habe schottische Vorfahren!"

"Glaubst du!" zischte Flecki, weil sie das langsam nicht mehr hören konnte.

"Und ich möchte bei diesen süßen kleinen Kerlchen bleiben", meldete Uhura an. "Wer noch?"

"Ich fliege uns zum Mond", verkündete Chekov, und Trampel fiel vor Schreck herunter.

"Nein", keuchte er. "Nicht schon wieder! Beim letzten Versuch hat es Wochen gedauert, bis mein Fell nachgewachsen war!"

"Ihr macht auch Weltraumreisen?" fragte Chekov verblüfft.

Trampel schwieg und Flecki antwortete an seiner Stelle aufgebracht:

"Nur durch Zufall sitzen wir noch alle hier, wenn ich bedenke, dass wir wegen gewisser Schwachköpfe beinahe alle draufgegangen wären..."

"Besatzung, dies ist nicht das Komma – äh – nicht der Punkt... Zeitpunkt, das zu erklären. Lasst uns das Weltall erobern!"

Nur Hamstilidamst blieb eisern. Zum ersten Mal in seinem Leben sollte er eine große und wichtige Aufgabe bekommen, die Führung von Raumfahrern durch Schottland. Das wollte er sich nicht entgehen lassen.

Captain Kirk, Lt. Spock, Lt. Scott und Dr. McCoy machten sich auf den Weg in ihre Quartiere, um sich Kleidung anzuziehen, die für die frühen Jahre des 21. Jahrhunderts angemessen war. Irgendwie fiel niemandem auf, dass der Arzt dabei war, der gar nicht dabei sein sollte.

Sie versammelten sich fröhlich im Transporterraum, und der Chefingenieur, der einige der Hamster plus Fähnrich Chekov mitgebracht hatte, zeigte Murksel, welchen Hebel man bedienen musste, um irgendetwas zu beamen. Der Bauleiter war begeistert und nahm sich vor, das später selbst auszuprobieren. Vergnügt winkend standen vier Offiziere auf der Transporterplattform, Chekov führte Murksel die Pfote, und gleich darauf verschwanden die Menschen und Hamstilidamst in einem hellen Flimmern. Sie waren einfach weg. Flecki und Tuffi, die mit dem Bauleiter hergekommen waren, reckten auf der Konsole, auf der sie saßen, die Köpfe so weit nach vorn, dass sie das Gleichgewicht verloren und auf den Boden purzelten.

Das Schicksal der Enterprise lag in den Händen und Pfoten von elf Hamstern und zwei nicht sehr klar denkenden Flottenoffizieren.

 

Weiter Auf und Davon (Kapitel 03) - Die neue Crew der Enterprise