Kapitel 10

 

Fort William – Allerlei Erklärungen

 

Zwei Stunden lang waren die Hamster auf dem Pleasure Dome in Ballachulish auf ihre Kosten gekommen. Zum Schluss hatte sich der Captain bereit erklärt, mit den beiden eine Bunjee-Kugel zu besteigen, die fast so wundervoll war wie der Turbo-Kreisel in Hamsterhausen. Das brachte dem Captain die Enterprise wieder in Erinnerung, und er fragte sich, was dort inzwischen wohl geschah. Wenn er es gewusst hätte, so hätte er sich vermutlich sehr gewundert.

Aber er wusste es nicht, konnte nichts tun und nicht eingreifen, und die Frage nach ihrem Aufenthalt hier nagte an ihm. Mit den unbekannten Lebensumständen würden sie wohl irgendwie klarkommen, aber die Finanzierung könnte ein Problem werden. Es war ganz einfach so, dass die Sternenflotte aus einem der historischen Archive Geld beschafft hatte, und für diese drei Tage hatten sie tausend Euro. Heute Morgen im Hotel hatte er das in schottische Pfund umtauschen können und war erschrocken, wie wenig nun blieb.

Falls die Enterprise nicht rechtzeitig zurückkam, würden sie auf keinen Fall im Hotel wohnen können, denn das könnten sie nicht bezahlen. Wenn da oben um den Mond herum – oder wo immer die Enterprise gerade war – alles aus dem Ruder lief und sie hier gestrandet waren, mussten sie sich womöglich Arbeit suchen, um Geld zu verdienen.

Endlich kam der Bus. Die Hamster verschwanden wieder in Kirks Ärmeln, und sie fuhren Fort William und hoffentlich Prof. McBastle entgegen. Es war keine lange Fahrt, aber wunderschön immer direkt am Loch Linnhe entlang. Als sie in der Stadtmitte ausstiegen, sahen sie sich verblüfft um. Dann sagte Dr. McCoy bissig:

"Ach, da sind keine Touristen. – Das waren Ihre Worte, Mr. Scott, oder?"

"Na ja, schon…"

"Hat er das gesagt?" kam die Stimme von Hamstilidamst, der es sich wieder einmal bei Lt. Scott bequem gemacht hatte. "Das ist totaler Quatsch!"

"Vielen Dank, Hamstilidamst, das sehen wir auch", sagte Spock. "Offenbar ein zeitlich bedingter Irrtum."

Um sie herum wimmelte es von Touristen. Nicht weit von ihnen war ein Busparkplatz mit Reisebussen zugeparkt. Imbiss stand neben Café neben Andenkenshop neben Imbiss neben Café. Mehr oder weniger brauchten sie aber nur den Menschenmassen zu folgen, die alle einer bestimmten Brücke zustrebten, zu der die Offiziere ebenfalls wollten.

Die Touristen gingen von dort weiter zu den Schleusen, die Enterprise-Offiziere wollten in einer Nebenstraße das Haus suchen, in dem Prof. McBastle seine Wohnung hatte. Es blieb gar nicht aus, dass sie in dem Gedränge angerempelt wurden. Bei einem der Rempler verloren beide Hamster den Halt, klatschten auf die Erde und sahen zu, dass sie unter den zahllosen Füßen wegkamen, die sie zu zertrampeln drohten.

"Hierher, Dabi!" schrie Hamstilidamst, der sich an einen Brückenpfosten presste.

Als sie sich zu ihm retten wollte, streifte ein lässiger Tritt sie, und sie schleuderte auf den Rand der Brücke zu. Hamstilidamst erstarrte für eine Sekunde. Unter der Brücke strömte ein gewaltiges Wasser. Dabis Leben hing jetzt an einem seidenen Faden.

Dann sah er, dass sie alle vier Pfoten zum Bremsen ausgestreckt hatte. Das gab ihm eine Chance.

"Weiterbremsen, weiterbremsen!" schrie er.

Während Dabi nur entsetzt kreischte, klammerte Hamstilidamst sich mit der rechten Vorder- und Hinterpfote krampfhaft an eine Zierstange des Brückengeländers und machte sich so lang er konnte. Wenn Dabi nicht bremsen würde, hätte er gar nichts ausrichten können, aber jetzt könnte er sie hoffentlich so festhalten, dass sie nicht beide ins Wasser stürzten.

Er sah ihre schreckensweiten Augen, sie raste genau auf ihn zu. Plötzlich war da nur noch Hamster, der Aufprall kam, er verlor den Halt. Eine schmale Kante rettete sie beide. Sie knallten schmerzhaft dagegen, aber sie lagen immer noch auf der Brücke.

"Alles okay?" fragte Hamstilidamst besorgt und stupste Dabi an, die schwer atmete.

"Diese verdammten Menschen mit ihren großen Quadratlatschen. Sehen nicht, was an ihren Füßen passiert. Behandelt mich wie eine weggeworfene Cola-Dose, der Idiot. Rempeln sich gegenseitig an, nur beim Gehen. Blinde…"

Dabi unterbrach sich und verschluckte das letzte Wort. Es wäre sehr unfein gewesen! Hamstilidamst atmete erleichtert auf. Wenn Dabi dermaßen fluchte, musste es ziemlich schlimm gewesen sein, aber solange sie fluchte, war es auch nicht zu schlimm. Sie würde bestimmt bald wieder so verdreht reden wie vorher.

"Ich bitte um Entschuldigung", sagte sie auch schon.

"Ist doch okay", erwiderte er großmütig.

"Du hast mich vor dem Tode bewahrt. Ich bin dir unendlich dankbar, lieber Hamstilidamst. Darf ich dir helfen, dein Fell zu säubern?"

Er nickte nur, und sie putzten einander ausgiebig, bis ihnen einfiel, dass sie erstens die Menschen verloren hatten, mit denen sie eigentlich unterwegs waren, und dass zweitens seit dem letzten Scone schon sehr viel Zeit vergangen war.

Es gab jemanden, der sehr genau auf das achtete, was zu seinen Füßen passierte, der überhaupt auf kaum etwas Anderes achtete. Ein kleiner, fast kugelrunder Man mit Glatze trippelte über die Brücke. Mit beiden Armen umklammerte er ein kleines, schweres Päckchen. Er durfte auf keinen Fall stolpern, und so schaute er starr vor sich hin auf Unebenheiten. Aus dem Augenwinkel sah er eine sehr merkwürdige Unebenheit am Rande der Brücke, verlangsamte den Schritt und blickte dort hin.

"Nanu-u-u-u!" machte er, dann legte er die umfangreiche Stirn in Denkerfalten. "Analyse: Wilde Hamster in Schottland eher ungewöhnlich. Zwei auf einmal, die zusammengehören – noch ungewöhnlicher. Daher: Zwei entflohene Hamster. Frage: Wer ist bekannt, zwei entflohene Hamster zu beherbergen? Antwort: John McHiwi. – So weit habt ihr euch also von Ballachulish entfernt. Das ist ungewöhnlich. Jemand, der an Märchen glaubt, könnte meinen, ihr seid mit dem Bus gekommen. Frage: Wann fahren Hamster mit dem Bus? Antwort: Im Käfig auf dem Weg zum Tierarzt. – Unwahrscheinlich. Ich denke, ihr gehört zu John McHiwi, und ich werde euch mitnehmen."

Für Hamstilidamst und Dabi hätte es zwei Dutzend Möglichkeiten gegeben, von ihrem Platz zu verschwinden. Aber zuerst hatten sie auf den dicken Quatschkopf nicht weiter geachtet, dann war der Name John McHiwi gefallen. Sie fanden es zwar empörend, mit den beiden Fettwänsten bei John verglichen zu werden, aber darüber konnten sie ausnahmsweise hingwegsehen. Das musste Fergus McBastle auf dem Weg nach Hause sein. Als ihnen das klar wurde, wollten sie gar nicht mehr davonlaufen. Sie wollten nur, dass er endlich aufhörte zu labern und sie mitnahm.

Lt. Scott war inzwischen eifrig damit beschäftigt, den Captain zu beschwatzen, sich das Schleusensystem anzusehen, das es hier in Fort William gab. Die antike Wassermechanik war ein Meisterwerk. Allein der Anblick war sehenswert. Nebenher suchten sie die Straße, in die sie zur Wohnung von Prof. McBastle abbiegen mussten.

Endlich deutete Dr. McCoy auf ein Straßenschild. Er war vorausgegangen und wandte sich jetzt um.

"Hier müsste es sein."

"Linnhe Way, richtig", gab Kirk zurück.

"Scotty!" stieß McCoy hervor. "Wo sind die Hamster?!"

"Ach du mein lieber mein Vater!" machte der Chefingenieur. "Sie sind weg. Sie müssen im Gedränge abgehauen sein. Na, so was!"

"Ich bezweifle, dass sie – abgehauen sind, wie Sie es nennen", meinte der Vulkanier und hielt die Tüte mit den Scones hoch. "Solange sie bei uns mühelos Nahrung erhalten, sehen sie sicher keinen Grund, sich freiwillig von uns zu entfernen."

"Dann haben wir sie irgendwo verloren", sagte Scotty. "Los, gehen wir sie suchen."

"Moment mal", unterbrach der Captain. "Ehe wir blind drauflos rennen… - Wo waren sie ganz sicher noch bei uns?"

"Kurz vor der Brücke", erwiderte Spock sofort.

"Stimmt", nickte Scott. "Hamstilidamst sagte, er findet alle Touristen bekloppt, womit ich ihm Recht gebe, und Dabi meinte, sie seien ein beachtlicher Wirtschaftsfaktor – womit ich ihr Recht gebe."

"Was weiß ein Hamster von Wirtschaftsfaktoren?!" fragte McCoy beeindruckt.

"Als Assistentin eines Präsidenten…", fing Spock an, und Kirk lachte.

"Sie vermenschlichen Ihre Hamsterin ja geradezu, mein Lieber."

"Aufgrund der Tatsache, dass wir bis in unsere Zeit keine großen Möglichkeiten haben, die Sprachen der verschiedenen Tiere zu verstehen, sind uns ihre Gesellschaftsstrukturen nicht geläufig. Es muss jedoch verblüffen, wie viele Ähnlichkeiten zu erkennen sind, nachdem wir uns mit diesen Hamstern unterhalten können."

"Ist ja alles schön und gut", murrte Lt. Scott, "aber ich will die beiden suchen gehen. Vielleicht sitzen sie irgendwo am Straßenrand…"

"Wie zwei verlassene Waisenkinder", unterbrach Kirk. "Wenn sie da nicht sitzen, werden wir ein bisschen Mühe haben, sie zu finden, fürchte ich. Also…"

Er machte eine einladende Handbewegung. Alle vier wandten sich um und wanderten langsam in die Richtung zurück, aus der sie gekommen waren. Ihre Blicke galten einzig dem Asphalt, denn irgendwo am Boden…

"Huhu! Huhu!"

Vier Köpfe fuhren hoch. Die Stimme war von wesentlich höher gekommen, und über Scottys Gesicht ging ein Leuchten. Ihnen entgegen kam ein kugeliger Mann mit Glatze, der ein Päckchen umklammert hielt, und auf dem Päckchen saßen zwei Hamster.

"Hamstilidamst!" schrie Scotty glücklich und stürzte auf den Kugeligen zu, der erschrocken zurückfuhr. "O Sir, ich bitte um Verzeihung, aber diese Hamster gehören zu uns, und wir wollten sie gerade suchen."

"Zu – Ihnen?!" fragte der Kugelige verblüfft. "Meiner Analyse nach kann das nicht möglich sein, Sir."

"Wie lautet Ihre Analyse?" erkundigte Spock sich höflich.

"Nach gründlicher Erforschung und Betrachtung aller Fakten können sie nur meinem Assistenten gehören."

"Der ebenfalls zwei Hamster hat?" grinste Captain Kirk und spürte eine ungeheure Erleichterung in sich aufsteigen.

"Ebenfalls, das ist nicht erwiesen, aber haben hat er sie."

"Professor McBastle?"

"Äh – ja?"

"Mr. McHiwi hat uns Ihre Adresse hier gegeben. Wir kommen aus Ballachulish."

"Analyse: Hamster fahren nicht nur in einem Bus, wenn sie in einem Käfig zum Tierarzt gebracht werden, sondern auch als Begleitung auf der Suche nach einer bestimmten Person. Frage: Haben die Hamster für die Menschen, die sie begleiten, eine besondere Bedeutung? Antwort: In hohem Maße wahrscheinlich. Frage: Stehen die Hamster mit dem Besuch dieser bestimmten Person in Zusammenhang? Antwort: Ungeklärt. – Sie wollen zu mir?"

"Ja, Sir", lächelte Kirk. "Wir sind Kollegen von Ihnen aus Amerika. Gestatten Sie, mein Name ist Kirk, hier Professor Spock, Dr. McCoy und Dr. Scott. Wir sind sehr an Ihren Forschungen interessiert."

"Ich bin erfreut. Ich bin über alle Maßen erfreut. Ach, begleiten Sie mich doch. Vier Kollegen aus Amerika, ich bin wirklich außerordentlich erfreut. – Ach, ich kann das Päckchen nicht loslassen. Greifen Sie doch bitte in meine rechte Jacketttasche, da ist der Schlüssel. Sie glauben an meine Arbeit, nicht wahr? Sonst wären Sie doch nicht extra gekommen. Dankeschön, der Schlüssel mit dem blauen Ring. Das Päckchen ist gerade angekommen, eine wertvolle Fracht, eine höchst wertvolle Fracht. Kommen Sie bitte, gleich hier links. Der Schlüssel mit dem gelben Ring. Heute Abend fahre ich nach Hause zurück und werde die Nacht mit neuen Experimenten verbringen. Gehen Sie doch weiter, nehmen Sie Platz. Wenn mir der Durchbruch gelingt, wird es bahnbrechend, seien Sie versichert. Stellen Sie sich vor, ich hätte die Hamster nicht auf der Brücke gefunden und mitgenommen, weil ich dachte, sie gehören John. So! Das Päckchen stelle ich sehr vorsichtig ab. Nennen Sie mich doch Fergus."

Während dieser Rede ohne Pause waren sie in der Straße, der Wohnung und dem Wohnzimmer von Prof. McBastle angekommen. Nachdem er sein Päckchen auf ein Regal gestellt hatte, streckte er die Hand aus, und Kirk ergriff sie.

"James – nennen Sie mich Jim."

"Leonard", sagte Dr. McCoy, und:

"Montgomery", stellte Scotty sich vor.

"Ich bin erfreut, sehr erfreut. Und Sie, Sir?" wandte der Professor sich an Spock.

"Wa… Walter."

Kirk verschluckte ein Glucksen. Niemand nannte den Vulkanier anders als Spock, denn seinen Rufnamen konnte ein Mensch nicht aussprechen. Daher hatte ihm die Sternenflotte in den ausgestellten Papieren den Vornamen Walter verpasst. Es hatte sehr offensichtlich etwas gedauert, bis Spock dieser Name wieder eingefallen war. Einen stotternden Spock hatten sie auch nicht alle Tage.

Nicht nur Dabi machte sich jetzt ganz schamlos an Lt. Spock heran. Diesmal war auch Hamstilidamst dabei, denn Spock hatte die Tüte mit den Scones. Er nahm einen heraus, brach ihn in zwei Teile, und sie verschwanden damit unter seinem Stuhl. Hier konnten sie allen Gesprächen zuhören und gleichzeitig essen. Wie sie es besprochen hatten, redeten sie nicht, obwohl es interessanter gewesen wäre als das Zuhören.

Um den Tisch herum wurden Dinge diskutiert, die die beiden Hamster nicht mal ansatzweise kapierten. Hamstilidamst und Dabi starrten einander kauend an. Einmal pustete Hamstilidamst gelangweilt den Atem aus und versprühte eine kleine Krümelfontäne. Dann sah er, dass die Wohnzimmertür offen geblieben war und deutete mit dem Kopf darauf. Bestimmt gab es irgendeinen Raum hier, in dem sie ungestört sprechen konnten.

Unbemerkt von den eifrig debattierenden Menschen, trippelten sie hinaus. Gleich gegenüber kamen sie in die Küche. Ihr Weg führte sie auf den nächsten Schrank. Zielsicher fanden sie eine Schüssel mit Resten von Cornflakes. Sie krabbelten hinein und futterten diesen Nachtisch weg, bevor sie die Lage besprachen.

"Wie siehst du das?" fragte Dabi.

"Keine Ahnung. Was wollen die Typen hier eigentlich?!"

"Analyse…"

"Ey, fang du nicht auch noch mit diesem Schrott an", stieß Hamstilidamst hervor, und Dabi kicherte.

"Nun gut. Was wissen wir denn?"

"Sie sind mit einem Raumschiff aus der Zukunft gekommen und mussten nach Schottland."

"Zu Fergus, dem Wissenschaftler. – Sie tun so, als wären sie auch Wissenschaftler. – Hör mal, Hamstilidamst, in der Zukunft müssen sie doch eigentlich alles besser können als jetzt, oder?"

"Seh ich nicht ein", erwiderte er.

"Je nun, ich schon", gab sie zickig zurück. "Wenn ich etwas lerne und kann dann etwas besser, dann merke ich es mir. Und dann lerne ich etwas Neues und mache es wieder besser…"

"Kannst du mal aufhören? Ich hab das schon kapiert soweit. – Okay, sie können also alles besser."

"Was wollen sie dann hier?"

"Das hab ich doch schon gefragt! – Es ist was mit Antipasterie."

"Womit?!"

"Mit Antipasterie", wiederholte Hamstilidamst ungeduldig. "Quatschen sie doch von, oder?"

"Antimaterie. – Was ist das aber? – Ich finde, sie müssten es uns sagen."

"Genau!" trompetete er. "Wir holen sie aus einem Schlamassel nach dem anderen, und die sagen uns nicht mal, wieso sie hier sind. Das ist überhaupt nicht fair. Aber so sind sie, die Menschen."

"Hm, Spock ist kein Mensch…", sagte Dabi sinnend.

"Hier seid ihr", erklang eine Stimme von der Tür, und Scotty kam herein. "Ay, das hätte man sich denken können. – Fergus, es tut mir leid, aber unsere Hamster sitzen in Ihren Cornflakes."

"Ach, das macht nichts, ich hätte sie sowieso nicht mehr gegessen", kam die Stimme von Prof. McBastle vom Flur.

"Ihr seid wirklich das Verfressenste, was mir je begegnet ist", sagte Lt. Scott, setzte sich die Hamster auf die Schultern und hörte sofort Protest.

"Da kennst du Goldi nicht. Und er ist noch gar nichts, wenn du mal Gammel und Balla erlebst. Uns mit denen zu vergleichen, das ist eine Frechheit."

"Wen soll ich erleben?" fragte Scotty leise.

"Die beiden bei McHiwi. Fettwänste!!"

"Na, vielleicht erlebe ich sie ja noch. Wir gehen jetzt."

"Wohin?"

"Zu den Schleusen."

Mehr erfuhren sie nicht. Hamstilidamst und Dabi schauten einander unter dem Kinn von Lt. Scott hindurch an. Was hatten nun Schleusen wieder mit der ganzen Sache zu tun? Aber dann bekamen sie mit, dass die vier Männer am Abend den Bus nach Ballachulish zurück nehmen wollten. Dort würden sie sich wieder mit dem Professor treffen, aber bis der nächste Bus fuhr, hatten sie noch Zeit. Scotty hatte sich durchgesetzt, und sie würden die Wartezeit bei den Schleusen von Fort William verbringen.

Als die beiden entdeckten, dass sie in ein Holzkistchen gesperrt werden sollten, das der Captain beim Professor entdeckt hatte, kam das nächste Protestgeschrei. Aber das Kistchen hatte Löcher zum Rausgucken, und Scott erklärte ihnen, dass er große Angst gehabt hatte, als sie vorhin verschwunden gewesen waren. Er wollte nicht, dass das noch mal passierte, und das Kistchen…

"Na gut", sagte Hamstilidamst gnädig. "Es ist Stroh drin, das könnte gemütlich sein."

"Und auch wenn wieder so ein Rempler kommt, werden wir nicht hinausfallen", gab Dabi zu. "Aber nur bis zu unserem Bestimmungsort."

"Wo immer das ist", gab Dr. McCoy zurück und klappte den Deckel zu.

Abgesehen davon, dass sie tatsächlich gemütlich durch die Gegend geschaukelt wurden, kriegten die Hamster von der kleinen Wanderung nichts mit. Die Offiziere genossen es. Jetzt hatten sie ihren Professor gefunden und Kontakt mit ihm aufgenommen, jetzt durften sie auch ein wenig Spaß an ihrem Ausflug in diese Zeit haben.

Als sie die Brücke über den Linnhe erreichten, tippte Scotty sie an, damit sie sich umdrehten und einen Blick auf den Ben Nevis warfen. Scott hatte überall auf der Erde und auf zahlreichen anderen Planeten gewaltigere Berge gesehen, aber dies war sein Ben Nevis, der höchste Berg seiner Heimat, und er lag in einer wundervollen Landschaft. Weiter ging es, und als sie die nächste Brücke erreichten, die nun über den Caledonian-Kanal führte, blieben sie alle erstaunt stehen.

Lt. Scott hatte nicht zuviel versprochen, Neptune’s Staircase, das Schleusensystem von Fort William, sah wirklich toll aus.

"Na, was sagen Sie?!" fragte er stolz.

"Faszinierend", gab Spock zu und hob die rechte Augenbraue anerkennend.

"Ich kann mir nicht helfen", sagte Kirk lächelnd, "aber wenn ich das sehe, fühle ich mich so zu Hause wie in unserer eigenen Zeit nicht."

"Was ist los, was ist los?!" bölkte Hamstilidamst aus der Kiste heraus.

"Gar nichts, du Schreihals, wir sind bei den Schleusen."

"Das ist nicht gar nichts, wenn Scott schon den ganzen Tag davon quakt!"

"Da hat er Recht", bemerkte Dr. McCoy beeindruckt und machte den Deckel wieder auf.

Was die Hamster sahen, war für ihr Gefühl eine Art riesige Treppe mit lauter Klettergerüsten über einem Wasser. Der Pleasure Dome in Hamsterhausen war allemal besser gewesen – aber allemal!

Scott, Kirk und McCoy wanderten an den Schleusen entlang und konnten sich gar nicht darüber beruhigen. Der Vulkanier dagegen hatte das System mit seinem Tricorder aufgezeichnet und sah keinen Grund, weiter zwischen den Schleusentoren herumzukriechen. Um diese Zeit hatte sich der Touristenstrom verzogen, so dass er sich einfach auf die Böschung setzte und die Hamster aus ihrer Kiste ließ.

Er gab zu – wenn auch nicht laut –, dass er für diese beiden Nagetiere eine gewisse Faszination empfand. Sich mit ihnen zu unterhalten, öffnete eine ganz neue Welt.

"Hör mal", sagte Hamstilidamst, "du bist gar nicht so ’n übler Typ. Wir könnten dir bestimmt bei dem helfen, was ihr hier wollt."

"Aber du weißt gar nicht, was wir hier wollen."

"Es ist schwer, Hilfe zu leisten, wenn man nicht weiß, wobei", sagte Dabi, und er neigte zustimmend den Kopf. "Wir sind völlig in der Lage, über eure Geheimnisse zu schweigen. – Sogar Hamstilidamst ist dazu in der Lage."

"He, was soll das denn heißen? Ich bin nicht Tuffi, und ich quatsche nicht alles aus, okay?"

"Ihr werdet euch nur sehr schwer vorstellen können, worum es uns geht."

"Na, wie auch? Sagt uns ja keiner was", grummelte Hamstilidamst.

"Spock?" fragte Dabi mit ganz sanfter Stimme. "Was ist Antimaterie?"

Jetzt gingen bei dem Vulkanier beide Augenbrauen nach oben. Was den notwendigen Einschnitt in die Geschichte der Menschheit anging, den die Offiziere hier machen wollten, sah er nicht, dass die Hamster eine Gefahr waren. Aber wenn sie unter Hamstern etwas erzählten, sollte es wenigstens die Wahrheit sein. Es sollte Hamstilidamst und Dabi unbedingt klar sein, dass die Aufgabe der Offiziere nicht ungefährlich war.

"Was du bist, das ist Materie", sagte er.

"Nee, was ich bin, das ist ein Hamster", warf Hamstilidamst ein.

"Kannst du mal die Klappe halten?!" fuhr Dabi ihn an. "Wieso Materie?"

"Ihr wisst, was Material ist? – Gut, Material ist Materie. So gesehen, ist ein Grashalm Material, deine Haut, dein Fell, meine Schuhe, das Wasser hier im Kanal…"

"Ist klar soweit."

"Gut, Hamstilidamst. Dein Fell setzt sich aus zahllosen einzelnen Haaren zusammen, die Haare setzen sich aus zahllosen winzigen Teilchen zusammen, und diese Teilchen wieder aus Teilchen und so weiter. Die kleinsten Teilchen sind so winzig, dass du sie nur unter einem sehr, sehr großen Mikroskop erkennen kannst."

Eigentlich hatte Hamstilidamst so tun wollen, als stehe er da drüber, aber jetzt war er doch gespannt. Und auf einmal kriegte er den Zusammenhang. Fast atemlos fragte er:

"Auch Materie?"

"Meinen Glückwunsch."

"Hm? Ich hab keinen Geburtstag…", antwortete Hamstilidamst verdattert und wusste nicht, was das jetzt sollte.

"Ich gratuliere dir, weil du das erkannt hast. Das ist eine große Leistung – nicht nur für einen Hamster."

"Ey, ja klar", gab er zurück und warf sich gewaltig in die Brust.

"Die Teilchen setzen sich nicht immer zu etwas zusammen, es gibt sie auch einzeln, und sie sind sehr schnell, wenn sie sich bewegen. Manchmal treffen sich solche Teilchen und stoßen zusammen. Wenn etwas sehr schnell zusammenstößt…"

"Tut das sehr weh", unterbrach Dabi und rieb sich den Rücken.

"Hast du eine entsprechende Erfahrung gemacht?" fragte Spock und ließ sich vom Thema ablenken.

Die beiden erzählten von ihrem Erlebnis, dem sehr schmerzhaften Erlebnis auf der Brücke. Nun war ein Vulkanier gar nicht fähig, Mitleid zu haben, aber er gab zu, dass er es nicht als positiv betrachtet hätte, die beiden Hamster zu verlieren. Obwohl er ihnen schon beim Professor einen Scone gegeben hatte, rückte er jetzt noch einen heraus, was als Trost betrachtet werden konnte.

Bis sie die letzten Krümel verputzt hatten, waren auch die drei anderen Offiziere zurückgekehrt und setzten sich zu ihnen. Als Kirk hörte, dass Spock gerade dabei war, den Hamstern den Inhalt ihrer Mission zu erklären, rastete er fast aus, aber der Vulkanier fragte nur:

"Wem, denken Sie, sollten die Hamster darüber berichten?"

"Ähm", brummte Kirk.

Dazu fiel ihm auch nichts ein, aber er traute den beiden eine ganze Menge zu. Spock spürte ein Kitzeln an seiner Hand und sah, dass Dabi ihn mit der Pfote antippte. Sie wollte wissen, wie es weiterging. Bisher verstand sie zwar nicht, wo das Geheimnis war, aber sie wollte es ganz einfach wissen.

"Also zwei Teilchen krachen zusammen", sagte sie. "Tut denen das auch weh?"

"Nein", erwiderte Spock. "Bei so einem starken Aufprall verändert sich die Materie."

"Parkhaus!" posaunte Hamstilidamst.

"Parkhaus?" wiederholten die drei Menschen im Chor.

"Bei uns in Hamsterhausen ist mal ein Parkhaus eingekracht. Also, das hat hinterher echt total anders ausgesehen als vorher. Oder als unser Transporter abgestürzt ist, oder…"

"Wir – wissen – genau, was du meinst", ächzte Scotty, der sich vor Lachen kaum halten konnte.

"Das war nicht so komisch wie du hier tust!" meuterte Hamstilidamst.

"Das Prinzip stimmt aber", sagte Spock, den man eben beinahe beim Grinsen hätte erwischen können. "Nur… Bei den Teilchen ist es als ob…"

Ihm fehlte ein Beispiel, das die Hamster verstehen würden, und der Captain sprang ein.

"Stellt euch vor, eine Erdbeere und eine Himbeere klatschen mit ungeheurer Kraft zusammen. Dann könnt ihr überhaupt nicht mehr erkennen, welches die Erdbeere und welches die Himbeere ist, so hat sich das vermatscht. Das ist verklebt und verbunden, aber die Masse spritzt wieder auseinander, und dann ist es ganz was Anderes als vorher."

"Marmelade", schlug Hamstilidamst vor. "Oder Obstsaft – oder…"

"Winzig kleine Teile sind keine Marmelade", unterbrach Dabi.

"Stimmt", sagte Spock, "sie sind eine andere Art von Teilchen geworden."

"Anti-Erdhimbeeren zum Beispiel", sagte Dr. McCoy, und Dabi sprang einmal in die Luft, so dass alle zusammenschraken.

"Antimaterie!" fiepte sie in den höchsten Tönen.

"Richtig!" nickte Spock.

Dabi führte einen wilden Trippeltanz auf. Sie hatte es entdeckt, sie hatte das Geheimnis herausgefunden. Sie kannte ein wirkliches, richtiges Geheimnis! Hamstilidamst legte die Pfoten über dem Bauch zusammen und sah sich das Tamtam an. Schließlich sagte er ganz laut:

"Na und?"

"Was, na und?" fragte sie und stolperte über die eigenen Pfoten.

"Weißt du jetzt, warum die hier sind?"

Zur Abwechslung zog mal Dr. McCoy eine Augenbraue hoch, dann gab er merkwürdige Geräusche von sich, mit denen er einen Lachkrampf unterdrückte. Es sah zum Schießen aus, wie Dabi beinahe zusammenbrach, als die Erkenntnis sie traf. Aber alle Achtung vor Hamstilidamst. Er wollte wissen, warum die Enterprise-Offiziere hier waren, und bis er darauf eine Antwort hatte, die er auch begriff, ließ er nicht locker. Da konnte irgendwer noch so schöne Geschichten erzählen, sie waren alle keine Antwort auf seine Frage.

"Etwas voreilig, oder, Dabi?" grinste der Captain, und sie zeigte ihm die Zähne.

"Okay", sagte Hamstilidamst und reckte sich zu seiner vollen Größe auf. "Nu mal Butter bei die Fische..."

"Wie bitte?" stieß Kirk hervor.

"Das heißt, jetzt will er wirklich wissen, warum wir hier sind", übersetzte McCoy.

"Genau. – Wenn ihr schon wisst, was diese Antimaterie ist, müsst ihr ja wohl nicht mit ’nem Raumschiff aus der Zukunft kommen."

"Meine Erklärung war auch noch nicht beendet", meldete Spock sich.

"Und ich fänd’s total in Ordnung, wenn die jetzt kürzer wäre."

"Gern. – Wir wollen die Grundlage des Warp-Antriebes verhindern."

"He, so-o-o kurz nun auch wieder nicht", meuterte Hamstilidamst.

"Aber es ist was mit Antimaterie?" fragte Dabi, die sich langsam wieder eingekriegt hatte und die Enttäuschung verdaute.

"Wenn ein Materie- und ein Antimaterieteilchen zusammenstoßen, gibt es eine winzige Explosion."

Hamstilidamst war wieder voll dabei. Explosion war in Ordnung, da hatte er hier in Schottland schon wirklich viele Erfahrungen gesammelt. Darum verstand er auch, dass es eine größere Explosion gab, wenn mehrere solcher Teilchen zusammenkrachten. Und wenn man eine große Menge von Materie und Antimaterie zusammenstoßen ließ, gab es die größte Explosion des ganzen Universums. Hamstilidamst war sehr interessiert.

"Wenn du ein Auto startest, gibst du einen Funken in das Benzin. Das Benzin verbrennt kontrolliert und ist damit eine Energie, mit der du vorwärts kommst", erklärte Spock weiter, und beide Hamster nickten heftig.

"Kennen wir. Und wenn kein Benzin mehr im Tank ist, bleibt die dämliche Karre einfach stehen."

"Ganz richtig, Hamstilidamst", sagte der Vulkanier. "Aber es geht ja nicht ums Stehenbleiben, sondern ums Vorwärtskommen. Die Explosion von Materie/Antimaterie setzt eine ungeheure Energie zum Vorwärtskommen frei."

"Oh", sagte Dabi.

Mehr machte sie nicht, sondern stützte den Kopf in die Pfoten und dachte furchtbar angestrengt nach.

"Mit dieser Energie hast du die Voraussetzung, dass du schneller bist als das Licht."

"Hä?!" machte Hamstilidamst, und mehr sagte auch er nicht.

"Mit dieser Energie fliegt unser Raumschiff."

Es war fast beängstigend, wie schweigsam die Hamster auf einmal waren. Die Offiziere, die sich in ihrem Leben nie viele Gedanken über Hamster gemacht hatten, starrten die beiden interessiert an. Mittlerweile trauten alle vier Zweibeiner den beiden gescheiten Nagern zu, dass sie tatsächlich verstanden, was ihnen eben erklärt worden war.

Außerdem war den Hamstern durchaus zuzutrauen, dass sie auch die Geschehnisse unterschiedlicher Zeitebenen begriffen. Spock wollte nach seinem ersten Einstieg gerade Luft holen, um weiter zu erklären, da sah Dabi ihn mit einem tief nachdenklichen Blick an.

"Bei euch ist das kein Geheimnis. Was ist bei uns?"

"In eurer Zeit? Da gibt es das noch gar nicht."

"Ich hab doch gesagt, sie sind viel besser", murmelte sie, und Hamstilidamst grummelte:

"Jaja, hast du gesagt. Bloß weil du das gesagt hast, wissen wir immer noch nicht..."

"...warum wir hier sind", unterbrach Captain Kirk. "Na schön. In dieser Zeit soll es diese Energie noch gar nicht geben. So ist das, wenn wir in unseren Geschichtsbüchern lesen. Aber Professor McBastle arbeitet daran, Materie und Antimaterie kontrolliert zu mischen, so dass es diese Energie schon sehr bald geben würde."

"Na und?" fragte Hamstilidamst. "Dann stimmen eben eure Bücher nicht."

"Dussel", zischte Dabi. "Meinst du, das steht nicht in sämtlichen Büchern, seit wann man schneller als Licht fliegen kann? – Vielleicht klappt das nicht, was Fergus da macht?"

"Das wissen wir noch nicht", sagte Lt. Scott. "Wir sind aber hier, um dafür zu sorgen, dass es nicht klappt."

"Das ist so was von fies!" schimpfte Hamstilidamst. "Nee, das ist echt gemein! Kommt hier großkotzig aus der Zukunft..."

"Nun hör mal zu", unterbrach Kirk, aber Hamstilidamst wollte überhaupt nicht zuhören, er wollte jetzt meckern, schimpfen und nörgeln.

"Faszinierend", murmelte Lt. Spock. "Wir diskutieren tatsächlich mit zwei Hamstern über die Richtigkeit unseres Tuns."

"Sie haben komische Vorstellungen, was eine Diskussion ist", gab Dr. McCoy zurück. "Einer macht einfach, und der andere meckert? – Außerdem müssen wir jetzt los, wenn wir unseren Bus noch kriegen wollen. – He, ihr zwei, es geht wieder in die Kiste."

"So ist richtig", meckerte Hamstilidamst. "Kaum sagt man einen Ton, wird man weggesperrt. Wenn eure Zeit so ist, dann...“

"Hamstilidamst, du schreist so viel rum, dass du gar nichts mehr mitkriegst", beschwerte sich Dabi. "Wir werden nicht weggesperrt, wir kommen zurück in unseren Transportbehälter, damit wir sicher nach Ballachulish reisen können. Außerdem stört mich dein Geschrei beim Denken."

"Und was denkst du so? Überlegst du, wie Fergus seinen Kram doch machen kann – das mit der dicken Explosion?"

"Ich frage mich, warum er es nicht machen soll."

"Erzählen die dir unter Garantie nicht. Ich weiß, wie Menschen sind."

"Lieber Hamstilidamst, beruhige dich doch etwas. Ich bin sicher, Spock wollte es gerade erklären, als du angefangen hast, dich so völlig unangemessen aufzuführen."

"Du hast wohl nicht mehr alle Latten am Zaun, he?!"

"Lieber Hamstilidamst, ich habe nicht einmal einen Zaun", sagte sie höflich und vernichtend.

Dann hüllte sie sich in vornehmes Schweigen und grübelte darüber nach, wie sie den Menschen – und vor allem dem Vulkanier – das Geheimnis doch noch entlocken konnte. Es war ein Geheimnis, so viel war sicher, aber sie verstand nicht, was an dem so geheim sein sollte, was sie bisher gehört hatte.

Vielleicht wussten Gammel und Balla bei John McHiwi doch mehr als sie sagen wollten. Mochte ja sein, sie waren faul und verfressen, aber dass zwei Hamster, die direkt neben einem Geheimnisträger wohnten, zu dumm waren, um darüber etwas zu wissen, konnte sie sich nun wirklich nicht vorstellen.

Die Offiziere stiegen bei der Bushaltestelle am Hotel aus. Hier wollten sie essen und hatten sich für den späteren Abend wieder mit Prof. McBastle in seinem Haus verabredet. Außerdem wollten sie in den Hotel-Shop.

Über diese Zeit hatten sie einiges gelernt und durchaus auch behalten, aber es gab Dinge, die ihre Fantasie nicht in den Alltag dieser Zeit umgesetzt hatte. Dazu gehörte zum Beispiel die Kleidung. In ihrer Zeit kamen die Kleider in eine Hochdruck-Dampfreinigung und waren nach wenigen Minuten wieder sauber. Hier und heute gab es Wasser und Waschmittel...

Wahlweise konnte sich jeder zumindest ein neues Shirt kaufen. Ihnen blieb gar nichts Anderes übrig, denn mit Wasser und Waschmittel konnte etwas zwar auch nach wenigen Minuten wieder sauber sein, aber es war eben patschnass. Da keiner von ihnen wusste, ob die Enterprise sie übermorgen wieder abholen würde, mussten sie sich wohl oder übel mit Alltagsdingen des frühen 21. Jahrhunderts auseinandersetzen, denn keiner von ihnen hätte es erfreulich gefunden, tagelang in den gleichen schmutzigen und müffelnden Klamotten herumzulaufen.

"Ay, ihr habt es gut", sagte Scotty zu den Hamstern.

Er kam aus dem Bad, wo er versucht hatte, etwas zu finden, wo er sein Shirt zum Trocknen aufhängen konnte.

"Logisch", gab Hamstilidamst zurück, der sich über die frischen Kekse auf dem Teetablett hergemacht hatte.

"Müsst euch keine Gedanken machen, ob eure Kleider dreckig werden und stinken", nickte Dr. McCoy. "Ihr habt’s wirklich gut."

"Ay", machte Hamstilidamst den Schotten nach, "wenn’s uns noch besser geht, explodieren wir wahrscheinlich."

"Na, das will ich nicht hoffen", grinste McCoy. "So, wir gehen jetzt essen. Wollt ihr hier warten oder drüben beim Captain?"

"Oh, wir warten hier", sagte Dabi mit süßer Stimme, und Hamstilidamst warf ihr einen nachdenklichen Blick zu.

Er hielt gar nichts davon, in irgendeinem der Zimmer zu warten. Aber wenn, dann doch drüben beim Captain, denn dort waren noch Erdnüsse unter dem Bett. Aber er sagte nichts, denn irgendwie hatte er das Gefühl, Dabi plante irgendwas.

Kaum waren die beiden Männer verschwunden, wies sie auf ein Heizungsrohr, das weiter oben an einer Ventilationsöffnung vorbeiführte. An der Öffnung fehlte das Gitter.

"Ein schneller Weg zu Hupi", sagte sie.

"Mpf, nach der müssen wir wohl mal sehen, oder? Sie wird uns vollhusten."

"Vor allem ist sie mit Balla und Gammel befreundet. Ich hoffe, sie kann mir sagen, wie man die beiden zum Reden bringt."

"Wieso? Die Offiziere nehmen uns..."

"Nein", unterbrach sie ihn. "Du warst vorhin im Bus eingeschlafen, lieber Hamstilidamst. Und da ich mich an deinen Vorschlag gehalten habe, nicht zu reden, wenn andere dabei sind, dachten sie sicher, ich bin ebenfalls eingeschlafen. – Sie haben nicht vor, uns mitzunehmen. Wenn sie hier im Speisesaal gegessen haben, machen sie sich sofort auf den Weg zu Fergus."

"Ey, das ist doch ’ne Gemeinheit, aber echt!" stieß Hamstilidamst hervor.

"Stimmt, aber das macht nichts. Ich weiß einen Weg, der viel kürzer ist als der, den die Offiziere über die Straßen nehmen müssen. Aber vorher will ich unbedingt mit Hupi reden."

Eilig kletterten sie durch die Luftschächte. Es zog dort fürchterlich, so dass es kein Wunder war, wenn Hupi sich erkältet hatte. Als die beiden auf das Hoteldach kamen und vor dem Penthaus standen, hörten sie das "Öötöötööt" schon von weitem. Es hatte Hupi schwer erwischt.

Aber es war bei Hupi so, dass sie umso mehr Hunger bekam, je kränker sie war. Um in der Hotelküche Nachschub zu besorgen, fühlte sie sich zu schwach. Seit heute Morgen hatten ihre Vorräte gewaltig abgenommen. Sie war fast schon in Panik, dass keiner zu ihr kam und sie spätestens morgen verhungert sein würde.

Da Dabi sah, dass im Kopf ihrer Kusine im Moment kein anderer Gedanke Platz hatte, lieh sie sich einen Rucksack und machte sich auf den Weg in die Hotelküche. Inzwischen unterhielt Hamstilidamst die Hamsterin mit den Abenteuern, die Dabi und er heute erlebt hatten. Die Ablenkung tat Hupi sehr gut.

Als Dabi endlich den vollen Rucksack wieder anschleppte, war Hupi vollkommen beruhigt und sicher, dass sie nicht verhungern musste. Jetzt konnte sie auch wieder an andere Dinge denken, und Dabi sagte:

"Liebe Hupi, deine beiden Freunde Gammel und Balla reden nicht sehr viel. Wollen sie über nichts reden, oder sind sie einfach von Natur nicht sehr gesprächig?"

"Du musst sie bestechen ööt ööt", erwiderte Hupi. "Wenn du sie bestichst, reden und arbeiten sie."

"Sicher muss ich sie mit Dingen aus der Hotelküche bestechen?"

"Was bei Fergus McBastle im Haus zu ööt ööt finden ist, kommt sicher nicht an das Essen heran, das es hier im ööt ööt gibt."

"Haben die dir mal erzählt, was Fergus da so macht in seinem Labor?" erkundigte sich Hamstilidamst.

"Schrecklich!" jammerte Hupi. "Das muss da ganz schrecklich zugehen ööt ööt. Ich glaube, Balla und Gammel hätten sich nie aufgerafft, das Dach über meinem Haus zu bauen, wenn es in der Zeit bei ihnen zu Hause nicht so ööt ööt ööt schrecklich zugegangen wäre. Schrecklich und lebensgefährlich."

"Ja, aber was denn nun?!" fragte Hamstilidamst ungeduldig.

"Liebe Dabi, würdest du mir bitte ein Schälchen ööt ööt Porridge reichen? Ich glaube, dass wird ööt ööt… Oh, vielen Dank, du bist zu freundlich zu mir."

Hupi ließ das Porridge langsam und wohltuend ihre Kehle hinuntergleiten. Inzwischen tippte Hamstilidamst mit der Pfote auf den Boden. Er hörte erst damit auf, als ihm einfiel, dass ausgerechnet der Bürgermeister diese dämliche Angewohnheit hatte. Neben sich hörte er ein merkwürdiges Schnaufen und blickte verschreckt zu Dabi – dann schnaufte er selbst. Dabi atmete ganz langsam ein und aus, aber in ihrem Blick war eine Menge Wut.

Sie fragte sich, ob ihre Kusine sie absichtlich so auf die Folter spannte, oder ob sie überhaupt nicht mitkriegte, dass Hamstilidamst und sie wie auf heißen Kohlen saßen.

"Ah, das war wirklich gut", sagte Hupi mit viel klarerer Stimme. "Nichts ist doch besser als ein weiches Porridge oder Tee mit Honig, wenn man einen rauen Hals hat. Stimmt ihr mir zu?"

Dann fing sie an zu kreischen, denn Hamstilidamst stürzte sich auf sie und schüttelte sie.

"Wenn du uns nicht sofort sagst, was da bei dem Professor abläuft, mache ich mit dir auch irgendwas ganz Schreckliches!"

"Hamstilidamst!" rief Dabi. "Hör auf damit. Wenn du sie so schüttelst, kreischt sie, und dann ist ihr Hals wieder wund und dann… Na also!"

Er hatte augenblicklich aufgehört, Hupi zu schütteln, denn den Müll von rauem Hals und Porridge und sonst was wollte er wirklich nicht noch einmal hören.

"Hör zu, Hupi, das ist wirklich wichtig", sagte Dabi eindringlich. "Du musst uns sagen, was bei Fergus geschieht."

"Er soll mir nichts mehr tun", jammerte Hupi und wich an die Wand zurück. "Ich will nicht, dass er noch mal herkommt. Er ist nicht nett zu mir!"

Hamstilidamst wollte unter die Decke gehen, aber Dabi hielt ihn fest und nickte ihm beruhigend zu.

"Nein, er kommt ganz sicher nicht mehr, das verspreche ich. Ich nehme ihn jetzt gleich mit, und er tut dir nie wieder was. Aber du musst uns jetzt sagen, was bei Fergus McBastle so Schreckliches passiert. Was tut er?"

"Er ööt ööt ööt… Er macht – Erdbeben!!"

 


[1] Russisch: Sofort!

[2] Russisch: wieso?

[3] Russisch: nichts passiert!

[4] Russisch: Auf wiedersehen!

 

 

Weiter zu Auf und Davon - Operation ’Hamstersturm’  (Kapitel 11)