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8. Kapitel

 

- Die Entscheidung -

 

 

Nun waren alle Gruppen bereit. Sie verließen das Raumschiff und eilten den metallischen Riesen hinterher. Mona und Moyo konnten natürlich am schnellsten laufen und sie erreichten als erste einen Roboter. Da dieser als letzter hinter seinen Kameraden ging, konnten die zum Glück nicht sehen, was hinter ihnen passierte. Moyo sprang auf das Knie des Ungetüms und kippte eine halbe Flasche Salzwasser darauf. Langsam lief die Flüssigkeit bis in die Metallgelenke hinein. Inzwischen hatten die beiden anderen Gruppen das gleiche mit den beiden Robotern vor ihnen gemacht. Nach ein paar Minuten tat das Salzwasser seine Wirkung - die Roboterknie begannen einzurosten. Nun waren die nächsten drei Roboter dran. Dann hieß es abwarten. Nach einer Weile war bei allen Robotern jeweils ein Bein eingerostet und sie konnten nur noch im Kreis laufen. Rosie rannte übermütig zwischen den lahmen Riesen herum und rief: „Fang mich doch, du Eierloch!“

 

Berta schüttelte den Kopf, aber alle anderen lachten. Doch Rosie wurde übermütig und eines der großen Stahlbeine traf sie am Hintern. Heulend flog das arme Schwein durch Luft und landete nach einer ausgiebigen Flugreise in den Dünen. Während Berta sich um die jammernde Rosie kümmerte und ihr den Sand aus dem Rüssel pustete, schütteten ihre Freunde noch mehr Salzwasser auf die Roboter. Schließlich lagen alle Maschinen brummend und ratternd im Sand.

 

I-ich gratuliere, ihr wart s-spitze.“ Professor Hastig stand neben ihnen. Es hatte ihn nicht mehr in seinem Kontrollraum gehalten, denn er hatte Angst um seine kleinen Freunde. Als er die Maschinen am Boden liegen sah, griff er in seine Tasche. Er zog einen Schraubenzieher hervor und begann, einen der Roboter zu untersuchen.

 

Na, ist noch was zu retten?“ Grinsend stand Bernie neben ihm.

 

Tja, die G-gelenke brauchen wir nur zu ölen, dann laufen sie wieder.“

 

Bloß nicht, dann kriegen wir nur Ärger“, entgegnete Bernie.

 

Wie wäre es“, mischte sich Elfriede ein, „wenn wir die blöden Roboter umpolen und für uns arbeiten lassen?“

 

E-eine ausgezeichnete Idee“, rief der Professor, „das lässt sich machen. Holt mir doch bitte das Werkzeug aus dem Raumschiff.“

 

Fröhlich zogen unsere Freunde los und liefen zurück. Nur Rosie humpelte und musste von Berta gestützt werden. Die beiden Schweine hatten noch nicht einmal den halben Weg zurückgelegt, da kamen ihnen schon die anderen mit dem Werkzeug entgegen. Kurz darauf begann der Professor mit seiner Arbeit. Stunde um Stunde schraubte und lötete er, während unsere Freunde es sich im Raumschiff gemütlich machten. Es war inzwischen wieder dunkel geworden und nach einer ausgiebigen Mahlzeit ging es ins Bett. Rosie bekam noch einen Verband von Jennie angelegt und es wurde still im Raumschiff. Als es langsam wieder hell wurde, konnte Rosie nicht mehr schlafen, der Verband juckte. Sie stand auf und ging ans Fenster um hinauszuschauen. Was sie sah, erschreckte sie so sehr, dass sie einen ihrer gefürchteten Schreie ausstieß.

 

Was ist denn nun schon wieder los.“ Berta kniff ihre Augen zusammen und ging zu Rosie.

 

Die Ungeheuer kommen, Hilfe!“

 

Im Nu waren alle ans Fenster gerannt. Doch wer marschierte an der Spitze der Roboter? Professor Hastig, der fröhlich seinen Freunden zuwinkte. Es war ihm gelungen, die metallischen Ungeheuer zu zähmen. Nun hatten sie nur noch einen Gegner: die schwarzen Monster.

 

Bei einem ausgiebigen Frühstück beratschlagten nun alle, was als nächstes zu tun wäre. Bernie schlug vor, die Roboter noch einmal zu verändern. Diesmal sollten sie die schwarzen Monster angreifen, aber Elfriede und Jennie waren dagegen. Sie fanden, dass die Monster mit Verstand besiegt werden sollten. Mona und Moyo meinten, dass sie auch versuchen sollten, mit ihnen Frieden zu schließen, denn sonst würde es immer wieder Ärger geben. Die anderen stimmten zu. Da hatte Elfriede einen tollkühnen Plan.

 

Wie wäre es, ich verstecke mich in einem der Roboter. Mit den anderen fünf seiner Kameraden gehe ich dann zurück zu den schwarzen Monstern und wir bringen das Futter. Denn wenn ihre Roboter nicht bald zurückkehren, werden sie kommen und nach ihnen suchen.“

 

Und wie weiter?“ fragte Daisy aufgeregt.

 

Ich werde die Monster belauschen, vielleicht bekomme ich etwas heraus.“

 

Ich komme auch mit!“ rief Rosie und alle drehten sich zu ihr um.

 

Du?“ spottete Berta, „dann können wir gleich wieder nach Hause fliegen, das geht doch schief.“

 

Das ist gemein, wenn ich nicht mit darf, spreche ich nie wieder mit euch.“ Rosie war den Tränen nahe, als Elfriede das Wort ergriff.

 

Vielleicht ist es doch besser, wenn in jedem Roboter einer von uns mitkommt. 12 Ohren hören mehr als zwei.“

 

Berta hob trotzig den Kopf. „Also, ich gehe nicht in diese schmutzigen Maschinen, da kriege ich Platzangst.“

 

Bernie m-muss aber hier bleiben, den brauche ich im Kontrollraum“, gab Professor Hastig zu bedenken. „Außerdem brauche ich noch zwei Leute, die nach Wasser graben. Wir haben kaum noch Kühlwasser für den Rückflug. “

 

Susi und Marie sahen einander an.

 

Das machen wir“, sagte schließlich Susi, „wir buddeln für unser Leben gerne im Sand.“

 

Außerdem habe ich Angst in so eine Maschine zu klettern“, fügte Marie leise hinzu. „Ich habe nämlich auch Platzangst.”

 

Nun meldete sich noch einmal Professor Hastig zu Wort: „In einer engen Machine bekommt man keine Platzangst, sondern man leidet unter Klaustrophobie. P-platzangst ist, wie der Name schon sagt, die Angst vor g-großen Plätzen oder Feldern.”

 

Danke, Herr Professor, das ändert natürlich alles”, meinte Rosie und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.

 

So wurde beschlossen, dass Mona, Moyo, Elfriede, Jennie, Daisy und Rosie in die Roboter klettern und mit ihnen zu den schwarzen Monstern zurückkehren sollten. Den ganzen Tag über sammelten sie Gras, denn den Verdoppler konnten sie ja bei Pflanzen nicht einsetzen. Von den schnellen Eidechsen allerdings fingen sie keine, aber das machte auch nichts, denn keiner brachte es übers Herz, die Tiere als Futter mitzubringen. Am späten Nachmittag verstauten sie das gesammelte Gras in den Taschen der Roboter und nun hieß es Abschied nehmen von ihren Freunden, die beim Raumschiff blieben. Der Professor und Bernie überwachten jeden Schritt, denn in jeden der Roboter hatte der Professor eine Kamera eingebaut, mit der alles auf einem Monitor beobachtet werden konnte.

 

Langsam wurde es dunkel, doch unsere Freunde hatten die Abendzeit mit Bedacht gewählt, denn dann würden die Monster bestimmt keine Wasservorräte sammeln, sondern alle zu-sammen Feierabend machen. Wenn alle beieinander sind, so hatte Elfriede gemeint, würden sie sich auch unterhalten und dabei könne man sicher so manches erfahren. So ging es nun immer weiter durch die Wüsten-landschaft des Planeten. Die Riesen aus Metall warfen dabei einen langen Schatten auf den Sand und alles wirkte sehr unheimlich.

 

Mir wird schlecht von dem Geschaukel“, rief Rosie, „ich glaub, ich muss gleich spucken!“

 

Denk an Schokoladentorte“, rief Elfriede, „oder guck aus dem Fenster und such dir einen weit entfernten Punkt. Du musst immer auf den Punkt gucken, dann denkst du nicht mehr an das Geschaukel.“

 

Danach meldete sich Rosie nicht mehr und alle atmeten auf. Ein Schwein, das sich übergeben musste, konnten sie nun wirklich nicht bei diesem gefährlichen Einsatz gebrauchen.

 

Da vorne sehe ich Licht, das ist das Lager der Monster.“

 

Moyo hatte es als erster gesehen.

 

Also, wir machen es wie folgt“, begann Elfriede. „Wir gehen ins Lager, lassen die Monster die Taschen mit dem Gras ausleeren und dann bleiben wir mit den Robotern ein Stückchen entfernt stehen und machen nichts - außer lauschen. Alles weitere müssen wir dann an Ort und Stelle sehen. Ich sage euch Bescheid, wenn wir losschlagen. Denkt dran, leise sein, sonst sind wir dran. Hast du zugehört, Rosie?“

 

Ja, ja, wenn wir dran sind, sagst du Bescheid.“

 

So ähnlich, ja“, seufzte Elfriede.

 

Die Roboter stampften nun über eine Düne, die direkt vor dem Lager war. Jetzt konnten unsere Freunde ihre gefährlichen Gegner genau sehen. Sie schienen keinen Hals zu besitzen und auf ihrem massigen Körper saß ein hässlicher Kopf mit einem riesigen Mund. Er besaß eine Zahnreihe mit vielen Lücken und die Lippen waren enorm groß und wulstig. Es waren mehr Monster, als sie befürchtet hatten, ihre Anzahl belief sich auf 22. Sechs Kinder gegen 22 große schwarze Monster, schoss es Elfriede durch den Kopf, ob die anderen genau solche Angst wie ich haben?

 

Die Monster grunzten laut auf, als sie die Roboter sahen. Eines von ihnen war etwas größer als die anderen. Es schien der Anführer zu sein, denn es ging sofort auf die Roboter zu. Wütend sah der Anführer den Roboter an, in dem Elfriede saß. Er betrachtet ihn ganz genau von oben bis unten. Elfriede konnte seinen Geruch genau wahrnehmen. Er roch, als hätte er sich noch nie gewaschen. Elfriede schätzte, dass das wohl auch der Fall war. Wütend funkelten seine Augen, als er mit einer lauten, gurgelnden Stimme, die tief aus der Erde zu kommen schien, lospolterte: „Wo wart ihr so lange, wir haben Hunger!“

 

Unsere Freunde zuckten erschrocken zusammen. Konnten die Roboter denn sprechen? Der Professor hatte jedenfalls nichts davon erwähnt. Es schien wie eine Ewigkeit zu dauern bis der Anführer weitersprach.

  

Aber egal, ihr dummen Blechkisten könnt ja doch nicht reden!“

 

Elfriede und ihren Freunden fiel ein Stein vom Herzen.

 

Nun kamen auch die anderen Monster grölend herbei und im Nu waren die mit Gras gefüllten Taschen leer. Ein lautes Schmatzen war von allen Seiten zu hören und wieder grölte der Anführer: „Keine von den leckeren Sandläufern? Warum nur Gras, ihr faules Gesindel?“

 

Offensichtlich nannten die Monster die kleinen Eidechsen einfach nur Sandläufer, aber der Name passte ja schließlich auch. Wütend trat der Riese gegen den Roboter. Der fiel krachend um. In seinem Inneren hatte sich Elfriede zum Glück festgehalten und bis auf einen blauen Fleck an der Schulter hatte sie nichts abbekommen.

 

 „Groff!“

              Moog, der Anführer der schwarzen Monster

 

 „Ja, Herr“, meldete sich ein kleines Monster. „Was befiehlt der große Moog?“ Aha, dachte Elfriede, Moog ist der Boss von denen.

 

Nimm diese Blechdosen auseinander und guck nach, warum die keine Sandläufer mehr mitbringen, repariere sie!“

 

Den sechs Freunden wurde fast schlecht vor Angst. War nun ihr letztes Stündlein gekommen? Der Professor und ihre Freunde waren zu weit weg und konnten ihnen nicht helfen. Groff ging auf den am Boden liegenden Roboter zu, nahm einen länglichen Gegenstand und setzte ihn am Kopf des Roboters an. Elfriede hörte das Klappern und Schaben eines Gegenstandes und schloss die Augen. Nun schien alles verloren.

 

Großer Moog, darf ich etwas vorschlagen?“ fragte Groff.

 

Was willst du?“

 

Es ist zu dunkel, es ist besser, ich mache bei Tageslicht weiter.“

 

In Ordnung, wir müssen sowieso noch etwas besprechen.“

 

Hätten die beiden bessere Ohren, so wäre ihnen das Aufatmen unserer Freunde bestimmt nicht entgangen. Moog setzte sich in die Mitte des Lagers, so dass alle ihn sehen und hören konnten.

 

Wie ihr alle wisst, haben wir unser Ziel noch nicht erreicht. Wir müssen noch eine Menge Wasservorräte auf unseren Heimatplaneten Trion bringen. Wie ihr auch wisst, hängt das Überleben von uns und unseren Familien davon ab.“

 

Mit großem Erstaunen hörten unsere Freunde in ihren Verstecken, dass diese schwarzen Monster auch Familien hatten, Frauen und Kinder, um die sie sich sorgten. Selbst Mona und Moyo hörten das zum ersten Mal.

 

Jeder, der sich uns in den Weg stellt, wird platt gemacht. Wir haben die beiden Bewohner dieses Planeten vertrieben und wenn sie ihre Freunde holen, sind wir vorbereitet. Ihr wisst ja hoffentlich noch, wie die uns letztes Mal mit Feuer und Blitzen vertrieben haben!“

 

Bernie schmunzelte, als er das an seinem Monitor mithörte. Er konnte sich noch gut daran erinnern, als er seine Feuerwerkskörper gegen die Monster eingesetzt und sie damit vertrieben hatte.

 

Diesmal haben wir unsere Kampfdrohnen“, fuhr Moog fort. „Sie sind hinter der großen Düne versteckt und warten nur darauf, eingesetzt zu werden! Morgen früh werden wir sie starten und jedes Raumschiff, das sich dem Planeten nähert oder das nicht hierher gehört, wird von ihnen vernichtet! Wir dürfen aber nur eine zur Zeit starten, sonst schießen sie sich gegenseitig ab. Lork, du hältst Nachtwache, der Rest geht schlafen.“

 

Lork, ein etwas dümmlich guckender schwarzer Muskelprotz, nickte. Dann verzogen sich seine Kumpane in eine Ecke des Lagers und er blieb alleine in der Mitte sitzen. Lork fand noch ein paar Grashalme und schmatzte vor sich hin. Nach und nach schliefen die anderen ein und einer nach dem anderen begann, laut zu schnarchen. Lork guckte immer wieder zu seinen Kumpanen hin. Als er sicher war, dass alle schliefen, stand er leise auf und ging auf die Düne neben dem Lager zu. Elfriede kletterte als erste aus ihrem Roboter heraus. Zufrieden sah sie, wie Lork in der Ferne Gräser pflückte. Vorsichtig schlich sie zu den anderen Freunden und einer nach dem anderen kletterte aus seinem Versteck.

 

Wie gut, dass der Kerl auch so verfressen ist“, grinste Moyo.

 

Was heißt hier auch?“ fragte Rosie. „Willst du Ärger?“

 

Seid leise“, mischte sich nun Elfriede ein. „Wir müssen zu den Kampfdrohnen, von denen Moog gesprochen hat und sie unschädlich machen.“

 

Lork hielt sich auf der linken Seite des Lagers auf, also gingen sie rechts herum. Einer hinter dem anderen, wie im Gänsemarsch, bewegten sie sich durch das Gelände. Immer wieder sahen sie zu der schlafenden Monsterbande, aber sie erreichten das Gelände mit den Kampfdrohnen ohne Zwischenfälle. Es waren 6 Raketen, offensichtlich waren alle mit Sensoren und Bomben ausgestattet. Elfriede und Jennie untersuchten die gefährlichen Geräte.

 

Ich habe keine Ahnung, wie wir die Dinger kaputt machen können“, flüsterte Elfriede.

 

Ich auch nicht, aber vielleicht können wir Sand in sie hinein streuen, damit sie irgendwie nicht mehr funktionieren.“ Jennie war von ihrer eigenen Idee selbst nicht überzeugt.

 

Rosie war inzwischen näher gekommen.

 

Bestimmt ist das da der Anschalter“, sagte sie mit ihrer heiseren Stimme. „Wenn man darauf drückt...“

 

Dann fliegen sie los, hä hä!“ Hinter ihnen stand Moog.

 

Entsetzt sahen unsere Freunde, dass sie umzingelt waren.

 

Wir hatten eigentlich nicht mit euch gerechnet, aber da ihr nun einmal da seid, heißen wir euch willkommen. Wo steckt überhaupt euer Raumschiff?“

 

Betroffen schwiegen unsere Freunde.

 

Egal, ich will es gar nicht wissen, ich schieße es einfach ab.“

 

Er lachte laut und die anderen Monster stimmten in sein hässliches Gelächter ein. Es klang wie Hohn und Spott in Elfriedes Ohren, doch sie wusste, was zu tun war.

 

Jeder an eine Rakete, auf mein Zeichen abdrücken“, flüsterte sie den anderen zu.

 

Blitzschnell rannten Elfriede, Jennie, Daisy, Mona, Moyo und Rosie jeder zu einer der Kampfdrohnen und als sie sie erreicht hatten, rief Elfriede: „Schießt die verdammten Dinger ab!“

 

Dann war die Hölle los. Mit einem lauten Fauchen, das sogar die entsetzten Schreie der Monster übertönte, raste die erste Rakete los. Sie zog einen mächtigen Feuerschweif hinter sich her. Sie schoss über das Lager hinweg und stieg senkrecht in die Luft. Als sie ihren höchsten Punkt erreicht hatte, begann sie Kreise in der Luft zu ziehen. Nun nahmen die Sensoren ihre Arbeit auf und versuchten das Raumschiff unserer Freunde zu orten. Dann startete die zweite Rakete. Sie schoss ebenso über das Lager hinweg und folgte der ersten. Wenig später folgte die dritte, dann die vierte, die fünfte und schließlich die sechste. Als die erste Rakete ihre Messungen abgeschlossen hatte, erkannte sie ein Zielobjekt und flog direkt auf die zweite zu, die sich noch im Kreise drehte.

 

Die Explosion die nun folgte, ließ den Boden des Planten Zeta erschüttern. Ein mächtiger Feuerball am Himmel, der so hell war, dass alle die Augen schlossen, zeigte nun, dass die ersten beiden Raketen explodiert waren. Doch es war noch lange nicht zu Ende, denn nun hatte die dritte Kampfdrohne ihr vermeintliches Ziel entdeckt und änderte ihre Richtung. Wie ein

 

leuchtender Strich erschien sie nun am Himmel und kurz darauf kam die nächste Explosion. Wieder erschien ein mächtiger Feuerball hoch oben über den Köpfen der entsetzten Zuschauer. Dann geschah das unerwartete und es folgte die Katastrophe. Die sechste Kampfdrohne stieg nicht in den Himmel, sondern geriet außer Kontrolle. Etwas schien mit den Antriebsdüsen nicht zu stimmen, denn sie drehte eine Kurve dicht über den Boden. Alle schrieen in Panik auf und warfen sich auf den Boden.

 

Es folgte eine Explosion, die noch lauter und heller als die beiden vorherigen war: die steuerlose Rakete krachte mitten in die beiden Raumschiffe der schwarzen Monster. Eine Hitzewelle schoss über das Lager hinweg und es flogen Trümmerteile durch die Luft. Nach einigen Minuten war alles ganz still. Elfriede hob den Kopf, mörderische Kopfschmerzen, das war alles, was sie spürte. Das Lager war völlig verwüstet, überall waren Teile der Kampfrakete und die Monster lagen alle benommen am Boden. Einige waren am Rücken etwas angesengt, aber sonst schienen sie die Katastrophe überlebt zu haben, genauso wie Jennie und die anderen, die sich nun stöhnend erhoben.

 

 

 

Er stirbt!“ Lork stand neben Moog und sah entsetzt auf den Anführer, der von einem der herumfliegenden Teile getroffen worden war. Aus seiner Schulter floss grünes Blut. Rosie schrie erschrocken auf und drehte sich um.

 

Wir müssen ihn verbinden“, sagte Elfriede, „sonst verblutet er.“

 

Lork sah sie entgeistert an. „Verbinden? Was ist das? Wir können ihm jetzt nicht mehr helfen!“

 

 

 

Jennie war inzwischen mit ihrem kleinen Medizinkoffer gekommen und zusammen mit Mona hob Elfriede die Schulter des schwarzen Riesen hoch.

 

Fasst mal mit an“, rief Mona den Monstern zu, „alleine können wir ihn nicht hochheben!“

 

Sofort kamen vier Monster herbei und hoben ihren Anführer ein Stück hoch, damit die Mädchen ihn verbinden konnten. Als die Verbandsrolle fast aufgebraucht war, hatten sie die verletzte Schulter eingewickelt.

 

Fertig“, sagte Elfriede zu Lork, „nun braucht er etwas Ruhe und viel zu trinken.“

 

Habt ihr gehört?“ rief Lork den umstehenden Monstern zu, scheinbar hatte er nun das Sagen. „Macht, was sie gesagt hat!“

 

Die Mädchen setzten sich hin, nur Elfriede blieb stehen und sah in den Himmel.

 

Nun haben wir alle verloren“, sagte sie und wischte sich eine Träne aus dem Gesicht.

 

Aber wieso denn“, tröstete Rosie sie, „das verstehe ich nicht. Die Monster haben doch gar nichts mehr?“

 

Wir aber auch nicht.“

 

Nun waren ihre Freunde aufgestanden und sahen Elfriede fragend an. Leise sagte sie:

 

Die fünfte Rakete ist noch unterwegs......“

 

 

 



 

 

 

Inzwischen herrschte helle Aufregung im Raumschiff. Professor Hastig und Bernie hatten über die versteckten Kameras in den Robotern alles genau mitbekommen. Erst als die sechste Rakete außer Kontrolle geriet, war der Kontakt abgebrochen, denn auch die Roboter waren durch die Explosion beschädigt worden.

 

Professor, wir müssen ihnen zu Hilfe kommen!“

 

Bernie war völlig aufgeregt, genau wie alle anderen.

 

Können wir mit dem Raumschiff nicht hinfliegen und sie befreien?“

 

Nein, Bernie“, sagte der Professor und erhob sich. „K-kannst du zählen?“

 

Natürlich.“

 

Dann ist dir auch klar, dass eine Kampfdrohne auf dem Weg hierher ist.“

 

Bernie wurde blass und der Professor rief, dass nun alle schnell das Raumschiff verlassen und sich in der Wüste in Sicherheit bringen sollten. Also packten sie so schnell es ging die notwendigsten Sachen ein und stürmten zur Ausgangstür, doch Bernie hatte noch eine Idee.

 

Professor“, begann er, „was ist mit dem Kraftfeldgenerator?“

 

D-der ist im Raumschiff, wieso?“

 

 „Was wäre, wenn wir ein Kraftfeld um das Raumschiff errichten?“

 

Der Professor blieb stehen, überlegte einen Moment und rannte zurück in den Kontrollraum. Er nahm den Generator und schleppte ihn ins Freie. Sofort begann er zu schrauben und einzustellen, dann drückte er ein paar Knöpfe und rief den anderen zu, dass sie dicht am Raumschiff stehen bleiben sollten.

 

G-gleich g-geht es los!“ Schrie er.

 

 Der Professor, Marie, Susi, Berta und Bernie drängten sich so dicht es ging an die kalte, harte Außenwand des Raumschiffs und warteten mit heftig klopfenden Herzen ab. Zunächst war nur ein hohes Pfeifen zu hören, als wenn eine Dampflokomotive in der Ferne vorbeifahren würde. Dann wurde das Pfeifen immer lauter bis es schien, als würde es von allen Seiten kommen. Voller Panik sahen unsere Freunde einen Feuerball mit unvorstellbarer Geschwindigkeit näher kommen. Es folgte eine Explosion, wie sie noch keiner gesehen und gehört hatte. Es war ihnen, als wenn der gesamte Planet auseinander gerissen wurde. Dann war alles still und es war nur noch ein Geruch von geschmolzenem Stahl wahrzunehmen.

 

 „Sind wir jetzt tot?“, fragte Berta leise, „und wer bitte schön macht den ganzen Dreck weg?“

 

Geschafft“, jubelte Bernie, „es hat geklappt, das Kraftfeld hat gehalten!“

 

Aber was ist mit den anderen?“ fragte Daisy. „Wir müssen ihnen so schnell wie möglich helfen, sie sind den schwarzen Monstern hilflos ausgeliefert!“

 

Nehmt den Verdoppler und den Kraftfeldgenerator, wir werden sie befreien!“ rief der Professor und sofort machten sie sich auf den Weg, ihre Freunde aus den Klauen der schwarzen Monster zu befreien.

 

Wie erging es nun ihren Freunden bei den Monstern? Es herrschte große Ratlosigkeit im zerstörten Lager.

 

Wir müssen nach unseren Freunden im Raumschiff sehen, bestimmt brauchen sie unsere Hilfe!“

 

Lork stand auf. „Nein, ihr bleibt hier!“

 

Aber wenn die Rakete..., “ wollte Elfriede erklären, aber weiter kam sie nicht.

 

Dann ist euer Raumschiff auch zerstört. Ihr dürft nicht fort, sonst stirbt unserer Anführer.“

 

Unsinn, er braucht jetzt Ruhe, außerdem könnte ja einer von uns hier bleiben.“

 

Ihr bleibt alle“, widersprach Lork, „denn für eure Freunde könnt ihr jetzt doch nichts mehr tun.“

 

Elfriede sah ihn scharf an. War da nicht so etwas wie Mitgefühl in seinem harten Monstergesicht? Sie wollte es nun genau wissen.

 

Wie soll es denn nun weitergehen? Euer Schiff ist zerstört, unser Schiff ist wohl auch zerstört und wir haben alles verloren.“

 

Lork blickte zu Boden. Er schien nicht mehr weiter zu wissen, denn es sah wirklich nicht gut aus. Sogar die Roboter sind zerstört, dachte er, wie sollen wir nun Nahrung finden?

 

In diesem Moment kam Moog wieder zu Bewusstsein.

 

Wasser!“

 

Sofort kam Groff und brachte ihm etwas. Hastig trank Moog, dann setzte er sich auf, sah sich um und begriff, dass er und seine Monster heute keinen Krieg mehr gewinnen konnten. Er tastete seine Schulter ab, verzog kurz das Gesicht vor Schmerzen und fragte:

 

Wer hat meine Schulter repariert?“

 

Lork zeigte auf Mona, Jennie und Elfriede.

 

Warum habt ihr mir geholfen?“ fragte er erstaunt. „Wir wollten euch doch umbringen.“

 

Elfriede blinzelte Mona und Moyo zu und beide verstanden.

 

Du warst schwer verletzt und wir lassen niemanden im Stich, der unsere Hilfe braucht“, sagte Mona mit sanfter Stimme.

 

Moog blickte erst zu Boden, dann sah er alle seine Monster fragend an.

 

Ohne unsere Roboter werden wir verhungern, nur sie konnten genug Gras und Sandläufer finden.“

 

Aber wir können euch zeigen, wie das Gras angebaut wird, dann ist genug Nahrung vorhanden. Es wächst sehr schnell, wenn es regelmäßig gegossen wird“, schlug Moyo vor.

 

Und wenn wir Häuser und Straßen bauen, könnten wir eure Kraft sehr gut brauchen“, fügte Elfriede hinzu.

 

Moog stand auf, Mona und Moyo halfen ihm dabei. Dann ging er mit wackeligen Beinen in die Mitte des Lagers, sah sich um und rief so laut er konnte:

 

„Der Krieg ist beendet, wir haben das erste Mal verloren, aber wir haben endlich Freunde gefunden!“

 

Elfriede bemerkte Tränen in den Augen einiger Monster und während sie selbst mit den Tränen kämpfte, hörte sie plötzlich eine ihr vertraute Stimme.

 

Wenn das so ist, können wir ja wohl erst einmal mit aufräumen anfangen! Also, wie das hier aussieht ...“

 

Berta, gefolgt von Bernie, Susi, Marie und dem Professor betraten das Lager. Jubelnd fielen sich die Freunde in die Arme. Nachdem sie einander alles erzählt hatten, zeigte Mona auf den Verdoppler und sagte: „Jetzt gibt es erst einmal etwas zu Essen für unsere neuen Freunde! Lork, habt ihr außer Gras noch etwas Essbares?

 

Wir haben alles aufgegessen, leider.“

 

Schade“, meinte Mona, „hat noch jemand etwas zu essen?“

 

Alle sahen Rosie an. Rosie pfiff vor sich hin und guckte in den Himmel.

 

Ich finde, wir stellen sie auf den Kopf“, sagte Berta.

 

Wieso immer ich?“ fragte Rosie

 

Weil du das verfressenste Schwein im gesamten Weltall bist“, fauchte Berta, „außerdem sind deine Hosentaschen ausgebeult, das ist bestimmt kein Sand, was da drin ist!“

 

Die schwarzen Monster hatten so etwas noch nicht erlebt. Sie fingen an zu lachen und einer nach dem anderen wälzte sich auf dem Boden und sie konnten sich gar nicht mehr beruhigen.

  

Seufzend packte Rosie ihre Taschen aus, holte ein paar belegte Brote, zwei Tafeln Schokolade und ein paar Bonbons hervor.

 

Lork stand direkt neben ihr und schnupperte: „Riecht guuuuut, lecker, Lork hungrig!“

 

Mona nahm die Schokoladentafeln und trug sie zum Verdoppler. Staunend sahen die Monster zu, wie aus den zwei Tafeln vier wurden, dann acht, dann sechzehn und so weiter. Als Moog die erste Tafel probierte, rief Berta wütend: „Das Papier müssen Sie doch vorher abmachen, Herr Anführer, also so was!“

 

Moog spuckte das Papier aus und kaute weiter. Er nickte begeistert und die anderen probierten ebenfalls.

 

Das Papier wird nicht auf den Boden geworfen“, schimpfte Berta wieder, „dafür gibt es Papierkörbe!“

  

Haben wir aber nicht“, entgegnete Lork, „nahm das umliegende Papier und stopfte es in sein großes Maul.

 

Besser so?“

 

Berta fiel nun nichts mehr ein. Ihre Freunde lachten und Rosie sah zu, dass sie noch ein paar Tafeln Schokolade für sich retten konnte.

  

Nun wurde es Zeit für eine Feier. Die ganze Nacht saßen unsere Freunde mit den Monstern zusammen, lachten und unterhielten sich. Der Professor saß lange mit Moog zusammen und erzählte ihm, wie sie die Probleme der Monster lösen konnten.

  

Es wurde beschlossen, die Monster nacheinander mit dem letzten heilen Raumschiff nach Hause zu fahren. Wasser für den Planeten Trion sollte ebenfalls mitgenommen und dann dort mit dem Verdoppler soviel Wasser hergestellt werden, wie die Monster brauchten. Der Professor wollte ihnen dann zeigen, wie man Stauseen und Vorratskammern baut, während Mona und Moyo ihnen beibringen sollten, wie man die Nahrung selber anpflanzt und erntet. Moog sagte, dass er mit seinen Monstern zusammen dann Mona und Moyo besuchen wollte, sobald sie wieder eigene Raumschiffe hatten. Dann könnten sie ihnen

 

beim Bau von Häusern und Straßen auf dem Planeten Zeta helfen.

 

Am Ende hatten Mona, Moyo und die Monster einander so sehr in Herz geschlossen, dass ihnen der Abschied ganz schön schwer fiel. Auch einige der Monster weinten. Rosie und Berta stiegen ebenfalls heulend in ihr Raumschiff, als alles geschafft war.

 

Ach, ist da schön“, heulte Rosie.

 

Ja“, schluchzte Berta, „fast so schön wie ein aufgeräumtes Zimmer!“

 

Oder wie eine Sahnetorte mit Zucker!“

 

Oder wie ein frisch geschrubbtes Klo!“

 

Oder wie zwei Schweine, die jetzt endlich einmal die Klappe halten“, rief Elfriede dazwischen und alles lachte.

   

Langsam erhob sich die Rakete in den klaren Himmel des Planeten Zeta und sie ließen die Wüste mit ihren Freunden weit unter sich. Es herrschte eine ausgelassene Stimmung in dem Raumschiff als sie an den Ringen des Saturns vorbeikamen. Dann ging es weiter durch das Sonnensystem, vorbei am Jupiter. Als der Mars mit seiner rötlichen Oberfläche auftauchte, kam bei allen so etwas wie Wiedersehensfreude auf, denn die Erde war nun nicht mehr weit. Bald tauchte das Raumschiff in die Erdatmosphäre ein und alle wurden noch einmal kräftig durchgeschüttelt, als der Professor das Schiff drehte und es langsam auf den Boden aufsetzte. Noch lange saßen sie im Leuchtturm des Professors zusammen und sprachen über ihr Abenteuer, bevor es Zeit wurde, wieder nach Hause zu gehen.

 

 

 Als Elfriede sich völlig erschöpft auf ihr Bett legte, kam Bommel noch einmal in ihr Zimmer.

 

Na, hast du deine Freunde nach Südamerika zurückgebracht?“ fragte er grinsend.

 

Nach Südamerika? Ach so, ja klar“, antwortete Elfriede. „War kein Problem.“

 

Dann ist es ja gut“, meinte Bommel. „Gute Nacht!“

 

Gute Nacht, Papi.“

 

Elfriede nahm Pupsi in den Arm, legte Rudi ans Fußende und sagte zu dem Stoffhund: „Schön aufpassen, du hast Nachtwache. Wenn große schwarze Monster kommen, dann brauchst du keine Angst zu haben, du lässt sie ruhig herein und sagst guten Abend!“

 

Dann legte sie sich auf die Seite und schlief sofort ein.

   

 

 

ENDE