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6. Kapitel

 

- Professor Hastig -

 

 

 

Viele Stunden später saßen sie alle zusammen in Elfriedes Zimmer. Nachdem jeder seine Eltern angerufen und ihnen von dem schrecklichen Unwetter erzählt hatte, war allen wohler. Natürlich erzählte niemand etwas von dem aufregenden Abenteuer, das sie erlebt hatten. Nur Bommel fiel auf, dass nun zwei Kinder dabei waren, die er noch nicht kannte.

Papi, das verstehst du sowieso nicht“, begann Elfriede. „Du glaubst ja doch nicht an Hexen und so.“

Na ja“, entgegnete Bommel, „wenn ich so an Tante Ottilie denke, könntest du schon recht haben. Ich will aber jetzt wissen, woher deine neuen Freunde kommen, sonst werde ich sauer!“

So erzählte Elfriede ihm die ganze Geschichte, wie sie Mona und Moyo kennen gelernt hatten. Sie erzählte, wie sie mit Professor Hastig in einem Raumschiff zum Planeten Zeta geflogen waren, nachdem Jennie mit ihrem neuen Fernrohr die Notsignale von Mona und Moyo entdeckt hatte. Dort war der Planet von Monstern überfallen worden, aber dank Bernies Feuerwerkskörper konnten sie schließlich die Monster wieder vertreiben.

So ein Quatsch“, grummelte Bommel und ging auf seinen Fernsehsessel zu. „So etwas gibt es doch nicht. Ich bin ein Ottifant, der mit beiden Beinen fest auf dem Boden steht und den Blick geradeaus richtet. Ich glaube nicht an solche dummen Aaaaaah...“

Es knallte plötzlich ganz fürchterlich, denn Bommel war über den Fernsehsessel gestürzt, fiel auf den Tisch und knallte mit dem Rüssel auf den Aschbecher. Als er aufstand hatte er den Rüssel voller Zigarettenkippen.

Hör auf fo dumm fu lachen“, sagte Bommel und spuckte ein paar Kippen aus. „Erzähl mir lieber die Wahrheit. Ich will jetzt wissen, woher deine neuen Freunde wirklich kommen!“

Also, gut“, stöhnte Elfriede. „Sie sind aus Südamerika gekommen und wollen hier ihren Urlaub verbringen.“

Na, also“, brummte Bommel und wischte sich die Asche vom Rüssel, „warum nicht gleich so.“

Du, Papi“, begann Elfriede, „dürfen meine neuen Freunde bei mir übernachten?“

Bommel überlegte. „Aber nur bis Montag, dann müssen sie wieder gehen.“

Danke, Papi, länger wird auch nicht nötig sein.“


Elfriede drehte sich um und rannte aus dem Wohnzimmer zurück in ihr Kinderzimmer. Manchmal sind Erwachsene richtig phantasielos, dachte sie. Immer muss alles richtig sein und stimmen, wie langweilig. Nachdem Elfriede und die anderen beratschlagt hatten, was nun zu tun sei, wurde es auch Zeit ins Bett zu gehen. Morgen früh wollten sie alle zu Professor Hastig. Während die anderen nach Hause gingen, machten Mona und Moyo ihre Schlafstätte für die Nacht fertig. Todmüde sanken sie in ihre Betten und schliefen sofort ein.

 

Am nächsten Morgen trafen sie sich alle wie vereinbart an der Bushaltestelle am Zauberwald. Der Busfahrer guckte erstaunt, denn die beiden neuen Kinder kannte er natürlich noch nicht. An der dritten Station stiegen sie aus und gingen in Richtung Strand. Schon von weitem sahen sie den Rauch, der aus dem oberen Fenster des Leuchtturms stieg.

Schnell“, rief Jennie, „da ist etwas passiert!“

Unsere Freunde rannten so schnell sie in dem tiefen Sand konnten. Jennie erreichte die Eingangstür des hohen Turmes als erste und stellte zu ihrer Erleichterung fest, dass sie nicht abgeschlossen war. Dicht gefolgt von Elfriede, Daisy und Bernie kamen sie in der Wohnung des Professors an. Alles war voller Qualm und Bernie öffnete erst einmal die Fenster. Als die Sicht wieder besser wurde, sahen sie den Professor auf seinem Arbeitsstuhl sitzen, er hatte eine merkwürdige schwarze Maske auf.

 

Professor Hastig, was ist los? Ist alles in Ordnung?“

Daisy riss ihm die Maske ab und der Professor schnappte nach Luft.

D-d-danke, d-d-dass war g-ganz schön k-k-knapp“, stotterte er.

Was soll das denn werden, wenn es fertig ist?“ fragte Berta, die keuchend mit Susi und Marie nun auch in die Stube trat. „Also, wie das hier aussieht, schrecklich!“

Ein T-t-test, nur ein T-test, ich w-wollte eine n-neue Atemmaske f-für die Feuerwehr a-ausprobieren“, stammelte der Professor, „a-aber irgendetwas klappt n-noch nicht ganz.“

Langsam schien er sich wieder zu beruhigen, doch dann sah er Mona und Moyo in das Zimmer kommen. Bevor er sich wieder aufregen und etwas sagen konnte, erzählte ihm Elfriede die ganze Geschichte. Lange saß er nun auf seinem Arbeitsstuhl und überlegte.

Ihr wollt bestimmt wieder nach Hause, nicht w-wahr?“ begann er.

Aber ja, Herr Hastig“, sagte Mona, die das Wort Professor nicht aussprechen konnte. „Können sie uns dabei helfen?“

Ähm, also wir b-brauchen ein Raumschiff, aber das ist kein P-problem, wenn ich gleich anfange, können wir nachher starten. Das alte Raumschiff m-muss nur noch überprüft und aufgetankt w-werden.“

Ich helfe Ihnen dabei“, sagte Bernie. Der Professor nickte.

 

Ich auch“, rief Rosie. Der Professor schüttelte den Kopf und alle riefen: „Du nicht!“

 

Wir anderen gehen besser nach Hause und packen alles Wichtige ein. Dann treffen wir uns nachher hier wieder.“

 

Alle waren Daisys Meinung und so gingen sie nach Hause, um das Nötigste für die Reise einzupacken.

Während Mona und Moyo ihre Sachen packten, sagte Elfriede zu Pupsi, ihrer Puppe: „Du bleibst hier, du bist noch viel zu klein!“ Dann nahm sie Zauberring und Zauberflasche und es ging wieder zur Bushaltestelle. Sie kamen als letzte am Leuchtturm an, sogar Rosie war schon da und knabberte an einer Tafel Schokolade.
              Professor Tiberius Hastig

 

Wisch dir bitte die Finger ab, bevor du in das Raumschiff steigst“, meckerte Berta. „Ich habe keine Lust gleich von Anfang an in einer dreckigen Mülltonne durch das Weltall zu fliegen.“

Du kannst ja hier bleiben, dann brauche ich mir dein Gemecker nicht anzuhören!“

Rosie, Rosie, du musst lernen, alle Sachen sauber zu halten, denn...“

Nun hört auf mit dem Streiten, sonst bleibt ihr beide hier“, mischte sich Elfriede ein. „Wir müssen jetzt zusammenhalten, denn wer weiß, welche Gefahren auf uns lauern. Denkt doch bloß einmal an die Monster vom Planeten Trion!“

Keiner sagte nun ein Wort mehr, doch jeder dachte an die schrecklichen Monster. Würden sie Mona und Moyo helfen können? Der Professor überprüfte noch einmal die Instrumente und dann ging es los. Langsam erhob sich das schwere Raumschiff in die Luft. Von Minute zu Minute wurde seine Geschwindigkeit größer. Unsere Freunde wurden durch die Beschleunigung so fest in ihre Sitze gedrückt, dass sie fast nicht mehr atmen konnten. Die Triebwerke dröhnten so laut, dass eine Unterhaltung sowieso nicht möglich war.

Es wird gleich besser“, rief der Professor durch den Lärm, „wenn wir aus der Schwerkraft der Erde heraus sind, ist alles wieder in Ordnung!“

Dann war es soweit, schlagartig wurde es still und alle fühlten sich leicht wie eine Feder.

Kann ich jetzt was essen?“ fragte Rosie und löste ihren Sicherheitsgurt. „Ich verhungere gleich.“

K-kein Problem“, entgegnete der Professor, „aber d-du musst dich festhalten, wenn du aufstehst.“

Aber wie so oft hatte das hungrige Schwein nur Essen im Kopf und hörte den Rest der Worte des Professors nicht. Mit einem Schwung erhob sich Rosie aus ihrem Sitz, hob ab und schwebte an die Decke des Raumschiffs.

Hilfe, Herr Professor, ich will hier runter!“

Alle lachten, als Rosie zappelnd in der Luft hing.

Soll ich dir deine Schokolade raufreichen?“ spottete Berta. „Aber pass auf, denn wenn du hier kleckerst, schwebt alles in der Luft herum!“

Rosie hatte völlig vergessen, dass im Weltraum ja alles schwebt. Klar, denn die Anziehungskraft der Erde gab es hier ja nicht. Die schwerelose Rosie ruderte mit den Armen, aber alles was sie erreichte, war, dass sie mit dem Kopf gegen die Wände krachte.

 

Das Gejammer ist ja nicht mehr zu ertragen“, sagte Bernie, nahm einen Gurt und rief „halt dich am Ende vom Gurt fest, Rosie.“ Als Rosie sich daran festhielt, zog Bernie sie langsam wieder auf den Boden zurück.

 

Wir nähern uns jetzt dem Saturn“, bemerkte Professor Hastig.

 

Seht ihr den Ring um den blauen Planeten? Es handelt sich um Eisbrocken und Staub. Der ganze Planet ist von einer Eisschicht überzogen.“

 

Das ist bestimmt schweinekalt“, flüsterte Bernie und Berta sah ihn vorwurfsvoll an.

Was, bitte schön willst du damit sagen?“ fuhr Berta ihn an.

Nun, dass es eben verflucht kalt ist.“

Verflucht schweinekalt, wie?“ Bertas Augen funkelten Bernie wütend an.

Wie auch immer“, versuchte Elfriede zu schlichten, „wir fliegen besser weiter.“

J-ja, g-genau das machen wir“, fuhr der Professor fort. „In ein paar Minuten werden wir uns dem Planeten Zeta nähern. B-bitte alles anschnallen und hinsetzen!“

Sie meinen hinsetzen und anschnallen?“ fragte Berta.

Hat er doch gesagt“, stöhnte Rosie, „oder?“

Nein, er hat erst anschnallen und dann setzen gesagt!“

Na und, hast du ein Problem damit, Berta?“

Ja, meine liebe Rosie, denn wenn ich mich erst anschnalle, kann ich mich ja nicht mehr hinsetzen, weil ich ja angeschnallt bin, während hingegen wenn ich mich erst setze...“

Ruhe!“ Jennie wurde es zu blöd. „Setzt euch jetzt hin, ihr Schnallen!“

Und dann anschnallen?“

Klappe, Rosie!“

Unsere Freunde hatten sich nun endlich angeschnallt und das Raumschiff schwebte in die Umlaufbahn ein.

Wir befinden uns jetzt in der Umlaufbahn“, erklärte der Professor und beobachtet den Monitor.

Stecken wir jetzt im Stau?“

Nein, Rosie, das heißt lediglich, d-das wir jetzt im Kreis um den P-planeten herumfliegen, wir sind jetzt im B-bereich seiner Schwerkraft. Vielleicht merkt ihr, dass i-ihr jetzt wieder etwas schwerer werdet.“

Tatsächlich, meine Arme werden ganz schwer und ich fühle mich auch schwerer.“

Kein Wunder, Rosie, nach dem, was du alles in dich hineingestopft hast“, grinste Susi.

 

Der Professor beobachtet noch immer den Monitor. Er suchte einen geeigneten Platz zum Landen, denn es war klar, dass sie den Monstern aus dem Weg gehen mussten. Es schien Ewigkeiten zu dauern, bis das Raumschiff sich plötzlich drehte und der Professor zur Landung ansetzte.

Wieso fliegen wir denn jetzt rückwärts?“ fragte Marie verwundert und Bernie antwortete:

Weil wir jetzt landen wollen. Wenn wir vorwärts auf den Planeten zufliegen, haben wir eine solche Geschwindigkeit, dass wir am Boden zerschellen würden. Um langsamer zu werden, drehen wir das ganze Schiff und fliegen mit den Antriebsdüsen voran, mit ganz wenig Schub. Wenn man mit einer Rakete in die Luft fliegt und dann auf einmal immer weniger Gas gibt, dann kehrt man langsam wieder auf den Boden zurück.“

 

Inzwischen näherte sich das Raumschiff immer weiter dem Boden und auf einmal rief der Professor: „F-festhalten!“

Es gab einen kräftigen Ruck und sie waren gelandet. Nachdem sie sich einen Augenblick erholt hatten, standen alle auf und rannten zu den Fenstern. Es war nichts zu sehen, alles war dunkel.

Es ist ja mitten in der Nacht“, schimpfte Elfriede. „Das ist ja viel zu gefährlich. Professor, wir müssen sofort wieder starten!“

Nein, nein“, lachte der Professor, „d-das ist nur der aufgewirbelte S-staub von den Triebwerken. In ein paar Minuten k-können wir wieder sehen.“

Professor Hastig sollte Recht behalten. Bald sahen unsere Freunde das gewohnte Bild des Planeten Zeta: Wüste und Sand so weit das Auge reicht.

 

Hier hat sich nicht viel verändert“, stellte Elfriede fest. „Was ist denn an dieser riesengroßen Sandkiste so Besonderes?“

Wasser ist überall auf den Planeten rar, es gibt nur wenig. Auf unserem Planeten aber gibt es Wasser in Hülle und Fülle, allerdings in ein paar Metern Tiefe und genau das wollen die Monster haben“, erklärte Mona.

Aber was ist, wenn die Monster uns entdecken?“

Keine Sorge“, entgegnete Professor Hastig, „ich habe eine Art Radaranlage gebaut, die uns vor Monstern warnt. Gleich jetzt werde ich sie einschalten und wenn ein Monster weniger als zwei Kilometer von uns entfernt ist, fängt die Anlage an, Alarm zu geben.“

Wie viel sind denn zwei Kilometer?“ wollte Bernie wissen.

Nun, für z-zwei Kilometer brauchen die lahmen Monster vielleicht eine halbe Stunde, da ist noch g-genug Zeit zum Verschwinden für uns, aber jetzt schalte ich die Monster-Alarmanlage ein.“

 

Der Professor nahm ein Gerät mit einer Antenne hervor, zog die Antenne aus und drückte auf einen Knopf. Sofort ertönte ein schriller Signalton und der Professor wurde blass.

Um Gottes Willen, es sind Monster in der Nähe, ich versuche, sie anzupeilen.“

Er drehte an ein paar Knöpfen, schüttelte den Kopf und versuchte es erneut. Er drehte die Antenne ein bisschen, drückte ein paar andere Knöpfe und bat Rosie und Berta, doch einmal in den Nebenraum zu gehen. Als die beiden Schweine verschwunden waren, drückte er wieder ein paar Knöpfe und sagte: „Aha! Rosie und Berta, ihr k-könnt wieder herkommen!“

Die beiden kamen wieder zurück und der Professor drückte

erneut auf einen Knopf. Wieder gab der Apparat ein schrilles Signal von sich.

I-in O-ordnung, i-ch glaube, ich h-habs.“

Berta ging auf Professor Hastig zu und sah ihn böse an: „Herr Professor Hastig, was, bitte schön, soll ich davon halten?“

N-nichts, i-ch muss das G-gerät neu einstellen, weil, äh...“

Weil was?“ Berta trat dicht an den ängstlichen Professor heran.

Naja, weil der Monsteralarm auch auf, äh, w-wie s-soll ich s-sagen...“

Auch bei Schweinen Alarm gibt?“ Berta ging weiter auf den Professor zu.

Ja, leider!“

Die Antwort des Professors ging im Gelächter der anderen unter. Elfriede, Daisy, Jennie, Susi, Marie und Bernie kugelten sich vor Lachen auf dem Boden und gackerten laut. Mona und Moyo grinsten.

 

Für den Rest des Tages sprachen Berta und Rosie nicht mehr mit dem Professor. Es war ohnehin Zeit zu schlafen und jeder begann, sich eine gemütliche Ecke in dem Raumschiff zu suchen. Es fiel natürlich auf, dass die beiden Schweine ihr Nachtlager so weit wie möglich vom Professor entfernt aufbauten. Es wurde noch viel erzählt über alles mögliche und wie sie die Monster am besten vertreiben könnten, aber nach und nach schlief einer nach dem anderen ein. Nur Elfriede war noch wach. Um ganz sicher zu sein, durchsuchte sie noch einmal ihr Gepäck. Ja, es war alles dabei: der Zauberring und das Zauberfläschchen. Ob die Zauberflasche hier auf einem weit entfernten Planeten überhaupt funktionierte? Elfriedes Gedanken schweiften zurück zu der Zeit, als sie noch gar nicht lesen und schreiben konnte. Wie war sie eigentlich an das Zauberfläschchen gekommen?