Kapitel 21

Der Bürgermeister und die Galaxie

 

Stille erfüllte die Brücke der Enterprise. Dann meldeten ächzende und stöhnende Laute, dass es noch Leben gab. Wieder ertönte die freundliche Stimme des Bordcomputers:

"Das Lied ist beendet - wünschen Sie es noch einmal zu hören?"

"Ich hau dir die Schaltkreise raus, wenn du noch einen Pieps von dir gibst!" grölte Bauleiter Murksel und ballte drohend seine kleinen Pfoten.

"Bitte wiederholen Sie ihren Musikwunsch!"

"Klappe halten!"

"Dieses Stück befindet sich leider nicht in der Datenbank."

Stöhnend ließ Murksel seinen dröhnenden Kopf wieder auf den Fußboden fallen und betrachtete die Decke. Hamster wie Rennmäuse, alle lagen auf dem Boden und starrten völlig erschöpft und mit leeren Augen auf Decke des Raumes. Niemand sagte ein Wort, und es dauerte eine Weile, bis das Klingeln in ihren empfindlichen Ohren halbwegs verschwunden war. Erst jetzt war ein leises Geräusch zu hören, dem es jetzt gelang, die gequälten Ohren der Tiere zu erreichen:

"... bitte melden, Flecki, bitte melden!"

Einige Hamster rappelten sich neugierig hoch und starrten zu Flecki hinüber, die jedoch immer noch platt auf dem Boden lag und keine Anstalten machte, das Funkgerät an ihrem Gürtel zu benutzen. Die Borg-Rennmäuse hatten sich in den letzten Minuten völlig verschreckt in eine Ecke des Raumes zurückgezogen und starrten mit großen Augen ängstlich zu den Hamstern hinüber. Goldi stand auf und wankte zu Flecki hin.

"He, dein Uhu pfeift, willst du nicht mal antworten?"

Stöhnend rappelte sich Flecki hoch, warf einen giftigen Blick auf Goldi, so als wenn sie sagen wolle 'Na warte, wir haben noch eine Rechnung offen' und griff nach dem Funkgerät. Umständlich und mit immer noch zitternder Pfote drückte sie auf die Sendetaste.

"Uhura? Hier Flecki. Wir haben die Brücke wieder unter Kontrolle."

Eine kurze Pause folgte, dann war die hörbar erleichterte Stimmte von Lt. Uhura erneut zu hören:

"Hat es Verletzte gegeben? Ist die Brücke noch heil? Geht es euch gut?"

"Nein, ja, ja", hauchte Flecki in das Funkgerät, doch als sie die fragenden Gesichter ihrer Hamsterkollegen sah, fügte sie erklärend hinzu: "Also, Verletzte hat es nicht gegeben, außer unseren Ohren, aber daran ist dieser Goldi schuld. Sonst geht es uns gut und die Brücke ist noch heil. Wir sind alle ziemlich fertig, und ich möchte jetzt erst mal mein Fell richten und was essen."

"Verstehe, Flecki", kam die umgehende Antwort. "Chekov und ich waren uns nicht sicher, was da vorging. Wir konnten irgendwelche dumpfen Vibrationen bis in den Maschinenraum spüren. Wenn wir bloß eine Lösung für unser Problem hätten! Wir saßen hier wie auf Kohlen. Was waren das übrigens für Vibrationen?"

"Das, äh, war nur ein Lied, Uhura."

"Ein Lied? Ich fürchte, Flecki, das wirst du mir demnächst in Ruhe erklären müssen. Auf jeden Fall gratuliere ich euch, dass ihr es tatsächlich geschafft habt, diese durchgeknallten Borg-Mäuse unter Kontrolle bekommen habt. Das war gewiss nicht leicht, und Chekov und ich sind mächtig stolz auf euch. Ich glaube, ihr habt euch nun wirklich eine Pause und eine kräftige Malzeit verdient. Wir werden hier weiter nach dem Grund suchen, warum Chekov und ich jedes Mal In Partystimmung geraten, wenn wir uns außerhalb des Maschinenraums befinden. Wenn uns nicht bald etwas einfällt, müssen wir allerdings die Steuerungskonsolen in den Maschinenraum umlegen, und das wird sehr, sehr schwierig, denn ich fürchte, wir haben nicht die notwendigen Sicherheitspassworte dafür."

"Kann denn Bauleiter Murksel nicht ein paar Leitungen umstricken?"

"Wie gesagt, Flecki, es wird sehr, sehr schwer, und ich befürchte fast, dass es dann darauf hinauslaufen wird."

Kurz darauf war das Gespräch beendet und Bauleiter Murksel näherte sich neugierig Flecki.

"Was hat sie denn damit gemeint, dass sie irgendetwas befürchtet?"

"Och, nix weiter, Bauleiter."

Im Hintergrund räusperte sich der Bürgermeister. Sofort waren alle Blicke auf ihn gerichtet, das heißt fast alle, denn Goldi hatte sich unterdessen zum Replikator geschlichen und überlegte, in welcher Reihenfolge er sich einen kleinen Imbiss verschaffen sollte.

"Meine lieben Hamster! Wieder einmal haben wir gezeigt, dass wir jedes Ziel erreichen können, wenn wir nur wollen. Ich freue mich, dass ich jedem einzelnen Mitglied meine Dings, äh, Anerkennung aussprechen darf."

Der Bürgermeister grinste dämlich und streichelte die neben ihm liegende Topfpflanze, die mittlerweile überhaupt kein Grün mehr aufwies.

"Wir dürfen aber unser Ziel nicht in den Sand stecken, öhm, sozusagen aus den Augen verlegen oder verlieren", fuhr er fort. "Unser Ziel ist und bleibt die Vega - wir müssen das Universum retten!"

"Bürgermeister?"

"Was ist, Nummer Eins? Warum werde ich nicht mit Commander angeredet?"

"Also gut, Commander. Uhura hat aber gesagt, dass die Steuerung in den Maschinenraum soll..."

"Laperarabap, äh, Papperlapapp, Nummer Eins. Diese Frau weiß nicht, um was es geht. Navigator, Bericht!"

Der Bürgermeister-Commander war mit erstaunlicher Geschwindigkeit von seinem Sessel heruntergerutscht, trat auf Dodo zu und sah dem großen Hamster fest in die Augen.

"Bericht?" keuchte Dodo und trat einen Schritt zurück.

"Bericht!" fauchte der Bürgermeister-Commander und trat einen Schritt auf Dodo zu.

"Einen richtigen Bericht?" jammerte Dodo und trat wieder einen Schritt zurück.

"Einen richtigen Bericht!" knurrte der Bürgermeister-Commander und trat seinerseits einen Schritt auf Dodo zu.

"Ich habe doch keinen!" heulte Dodo und trat erneut einen Schritt zurück.

"Warum nicht, Navigator?" brüllte der Bürgermeister-Commander und ging wiederum einen Schritt vor. Nach einer Weile stand der verzweifelte Dodo mit dem Rücken zur Wand. Ein weiterer Rückzug war nun nicht mehr möglich, also ging er in die Offensive.

"Weil ich keine Ahnung von Navigation habe, Chef, und weil ich nicht weiß, wo wir sind, und weil ich nix weiß, und weil..." heulte er, warf sich auf den Boden und trommelte mit den Pfoten auf dem Fußboden herum.

Der Bürgermeister-Commander blickte verblüfft auf seinen Navigator, machte "Öhm" und kratzte sich nachdenklich am Kopf.

"Ihr Verhalten ist dem eines Sternenflottenoffiziers nicht angedingst, äh, vermessen. Stehen Sie auf, Mann!"

Schluchzend blickte Dodo hoch.

"Sie sind für die Schande eine Flotte, Mann!" tobte der Bürgermeister-Commander.

"Äh, Sie meinen eine Schande für die Flotte, Sir?"

"Sag ich doch, Sie Flotte, öhm, Flasche!"

"Was ist eine flotte Flasche?"

"Das heißt Sir! Flotte Flasche, SIR!" brüllte der Bürgermeister-Commander .

"Jawohl, Sir Flotte Flasche, SIR!" entgegnete Dodo mit lauter Stimme, während er sich langsam und unsicher vom Boden erhob.

"Gut, Mann, Sie sind mit sofortiger Wirkung Ihres Dienstes erhoben, ähm, enthoben! Waffenoffizier Goldi, trauen Sie sich zu, ein Schiff dieser Größenordung zu dingsen, äh, zu lenken?"

Goldi, der sich nach wie vor am Replikator befand und sich gerade über eine dampfende Schüssel mit Nudel hermachen wollte, hielt kurz inne. Er kaute, so schnell es ging, rülpste kurz und antwortete: "Kein Problem, ich habe schon ganz andere Sachen gedingst."

"Somit ist die Sache also gedingst", fasste der Bürgermeister-Commander zusammen und wandte sich wieder Dodo zu. "Sie, Navigator Dodl, äh, Dodo, sind somit Ex-Navigator Dodo, sozusagen ein Ex-Dodl, äh, Ex-Dodo, während aus dem Ex-Waffenoffizier Goldi ein Navigator Goldi wird..."

"Sag mal, Bürgermeister, muss dass nicht heißen, dass aus dem Waffenoffizier ein Ex-Waffenoffizier wird, der zum Navigator wird?"

Bevor der Bürgermeister-Commander auf Goldis Einwand antworten konnte, rief Dodo:

"Ich mag aber kein Ex-Dodo sein, ich will Dodo bleiben!"

"Öhm, tja", machte der Bürgermeister-Commander und kratzte sich verlegen am Kopf. "Natürlich kannst du ein Dodo bleiben, aber dafür darfst du kein Ex-Waffenoffizier werden, weil du nämlich vom Dudl, Quatsch, von Goldi, dem Navigator den Job übernimmst, ist das klar?"

"Aber Chef, Dudl-Goldi ist doch kein Navigator, der ist doch Waffenoffizier!?"

"Ex-Waffenoffizier!" ergänzte Goldi Dodos Worte, während der Bürgermeister die beiden mit offenem Mund und hängenden Backen anstarrte.

"Aber wenn Dodo Ex-Navigator ist und Goldi Ex-Waffenoffizier, und Dodo den Job vom Navigator Goldi übernimmt, ist Dodo nicht dann ein Ex-Ex-Navigator, der wieder zum Navigator wird? " rief Tuffi verwundert.

"Ich hab doch nicht gemeint, dass Goldi Navigator ist!" brüllte der Bürgermeister-Commander.

"Nö, das ist er ja auch nicht, weil Dodo das ist..." warf Flecki ein während der Bürgermeister-Commander rot anlief.

"Falsch, völlig falsch, Nummer Eins! Dodo ist das nicht, weil er kein Dudl sondern ein Dodo ist, ich meine weil er kein Navigator, sondern ein Ex-Navigator ist!"

"Weil Goldi Navigator ist?"

"Nein, Nummer Eins, weil er Ex-Waffenoffizier ist!"

"Ein Ex-Bauleiter wäre auch nicht schlecht..." piepste eine Stimme.

"Wer war das?" brüllte Bauleiter Murksel und reckte sich zu voller Größe auf.

"Oder ein Ex-Bürgermeister...", flüsterte es aus einer anderen Richtung.

"Ruhe, oder ich lasse euch alle einsperren!" brüllte nun der Bürgermeister-Commander, dessen Gesichtsfarbe von rot auf dunkelrot gewechselt war. "Ist das klar?"

"Nicht ganz, Chef, denn wenn wir alle eingesperrt werden, wer soll uns dann einsperren, ich meine, weil da ja keiner übrig bleibt, der die anderen alle einsperrt?"

Der Bürgermeister starrte Dodo verblüfft an. Dieser Einwand schien ihm einzuleuchten, denn alle konnte er ja nicht einsperren, weil die, die er die anderen einsperren ließ, konnten sich ja nicht selber einsperren. Die Situation schien ihm langsam aus den Pfoten zu gleiten, also musste er jetzt etwas tun. Es lag wieder mal an ihm, eine Entscheidung zu treffen und diese Diskussion zu beenden. Sein Volk verlangte ein Machtwort von ihm.

"Öhm."

Die Hamster starrten ihn gebannt an, und auch die Rennmäuse waren ein wenig näher gekommen, um dieser interessanten Diskussion beizuwohnen. Der Bürgermeister merkte, dass ihm der Schweiß langsam über das Fell lief.

"Häh, häh."

Ihm wurde heiß, sehr heiß sogar und sein Gehirn arbeitete fieberhaft, doch dadurch wurde ihm noch heißer, und sein Fell war inzwischen klatschnass vom Schweiß und tropfte bereits auf den Fußboden der Kommandobrücke.

"Tja, also, meine lieben Hamster und Offiziere, es ist so: Dodo ist kein Navigator mehr und Goldi kein Waffenoffizier. Dafür ist Dings, äh, Dodo jetzt Waffenoffizier und Goldi ein Navigator."

"Aber ich weiß doch gar nicht, was ein Waffenoffizier macht!" jammerte Dodo, doch Goldi legte ihm die Pfote auf die Schulter und sprach zu ihm:

"Schau mal, Dodo, das ist ganz einfach. Zielen, draufhalten, wegpusten!"

"Und die Waffen, Goldi, was mache ich damit?"

"Ach, das erkläre ich dir später, Dodo, ich muss jetzt erst mal die Knöpfe an meiner Navigatorkonsole überprüfen!"

Während Dodo mit langem Gesicht dem neuen Navigator Goldi hinterherwalzte, atmete der Bürgermeister-Commander tief durch. Das war ja noch einmal gutgegangen, dachte er, auch wenn er mal wieder eine Menge von seiner Autorität eingebüßt hatte. Aber ein Hamster gewöhnt sich schließlich an alles. Sein Blick fiel sehnsüchtig auf den gemütlichen Sessel des eigentlichen Captains dieses Raumschiffs, eines gewissen James T. Kirk, der sich zu diesem Zeitpunkt in einem Touristengebiet im fernen Schottland auf dem genauso fernen Planeten Erde befand. Er trippelte ein paar Schritte, doch dann schien ihm etwas einzufallen. Er drehte er sich noch einmal um und rief: "Inzwischen könntet ihr ein wenig aufräumen, es ist recht ungemütlich hier." Dann trippelte er weiter, dem ersehnten Schlafplatz entgegen.

Kurz bevor er den Sessel erreicht hatte, drehte er sich ein weiteres Mal um, reckte sich, gähnte kurz und rief: "Ach ja, und wischt bitte den Boden trocken, der ist, äh, ein wenig nass, da ist eine Pfütze ..." Nun war es geschafft, und endlich krabbelte er mühsam auf den Sessel, betrachtete seinen veganischen Freund. Vorsichtig streichelte er die verwelkten Blätter, die wie dicke, braune Spinnenweben herunterhingen. Eine seltsame, schwere Müdigkeit überkam ihn, er schloss seine Augen und bekam nicht mit, dass hinter ihm auf der Brücke hektische Aktivität ausbrach.

"Warum muss immer ich den Fußboden schrubben, nur weil ich so klein bin und mich nicht wehren kann?" jammerte Trampel und blickte missmutig auf Flecki, die als Erster Offizier die Leitung der Reinigungsarbeiten auf der Brücke übernommen hatte.

"Eben weil du klein und wehrlos bist, musst du die Drecksarbeit machen, ist das klar?" fauchte Flecki und wandte sich Sasie und Dasie zu, die zusammen mit Bauleiter Murksel den herumliegenden Müll der Schlacht aufsammelten. Ihr Blick fiel quer durch den Raum auf Goldi.

"He, Goldi-Navigator, hör gefälligst auf, Dodo und Tuffi mit replizierter Schmierseife einzusauen! Wir sind hier nicht zum Vergnügen!"

"Aber ich teste doch nur", versuchte sich Goldi herauszureden, "außerdem, wieso müssen die Rennmäusen nicht mit aufräumen? Die haben doch Schuld an allem!"

"Weil", begann Flecki, "es mir widerstrebt, wehrlose Geschöpfe für solch eine Tätigkeit auszubeuten..."

"Ach, aber es widerstrebt dir nicht, deine wehrlosen Kumpels auszubeuten, wie?"

Flecki sah Goldi scharf an und ließ sich dessen Worte durch den Kopf gehen. Aus den Augenwinkeln sah sie, dass Bauleiter Murksel zustimmend nickte, und dass alle anderen die Arbeit für einen Moment beiseite gelegt hatten. Gerade wollte sie zu einem längeren Vortrag über Aufräumen und Wohlfühlen in den häuslichen vier Wänden ansetzen, da piepste eine Stimme aus den Reihen der Rennmäuse:

"Wir würden gerne beim Aufräumen mithelfen, wenn wir dürfen."

Während Flecki noch zu überlegen schien, hatte sich Bauleiter Murksel den Ex-Borg genähert und rief: "Das ist ja mal ganz was Neues. Und wer garantiert, dass ihr nicht wieder austickt, ihr Spacken?"

"Es tut uns so leid..."

"Ach ja? Ich sag euch mal, was mir leid tut, ihr Pfeifen, ich habe es nämlich satt..."

"Aber Bauleiter, die Rennmäuse konnten doch nix dafür", piepste Tuffi. "Du hattest ihnen ja diese Lampen aufgesetzt und erst dann sind sie verrückt geworden."

"Tuffi hat recht", grinste Goldi, "der Bauleiter hat nämlich Mist gebaut, und nun spielt er wieder die fette Dampframme."

Die Diskussion ging noch eine Weile hin und her, doch schließlich ging es aus, wie es immer ausgeht. Während die einen beim Aufräumen zusahen und sich mit Goldis Hilfe Futter aus dem Replikator besorgten, waren die anderen schwer beschäftigt. Unter Fleckis Anleitung gaben sich die Rennmäuse große Mühe, die Brücke der Enterprise von herumliegenden Teilen zu säubern. Sie wischten, schrubbten und brachten alles auf Hochglanz. Es war eine mühsame Arbeit, denn für hamstische und rennmäusische Verhältnisse war der Raum natürlich riesengroß. So verging eine ganze Weile, bis auch diese Arbeit geschafft war. Gerade als Flecki sich auch etwas zu Essen holen wollte, meldete sich Lt. Uhura am Funkgerät.

"Flecki, bitte melden!"

"Ja, Uhura, hier ist alles in Ordnung. Wir haben die Brücke gereinigt."

"Ihr habt was?" erklang es erstaunt aus dem Funkgerät.

"Die Brücke gereinigt. Geschrubbt und gewischt, Uhura, schließlich soll man sich an seinem Arbeitsplatz doch wohlfühlen, oder?"

"Äh, gewiss, Flecki. Ich wollte euch nur mal einen kurzen Zwischenbericht geben. Chekov und ich haben begonnen, den Computer über die Sensoren die Luft in den einzelnen Räumen prüfen zu lassen. Anscheinend sind wir fündig geworden, aber wir wissen noch nicht, um was es sich genau handelt. Interessanterweise wird es vom Computer nicht als gefährlich eingestuft, weil es offensichtlich gefährliche Weltraumstrahlen absorbiert. Es könnte also irgendein ein Gas sein."

"Aha, und warum wirkt es nicht auf uns Hamster?"

"Keine Ahnung, Flecki, vielleicht ist es etwas leichter als Luft und deshalb in Bodennähe nicht vorhanden. Da Hamster keine Flügel haben, kann euch wohl nichts passieren."

Uhura beendete ihre Übertragung mit einem hellen Lachen, und auch Flecki ließ sich davon anstecken. Sie steckte das Funkgerät wieder an ihren Gürtel und drehte sich zum dem Sessel, auf dem der Bürgermeister-Commander neben seiner verwelkten Pflanze lag und laut schnarchte.

"Vielleicht ist dieser Wahnsinn hier bald beendet", dachte sie laut. "Hoffentlich finden Uhura und Chekov bald eine Lösung, denn so langsam mache ich mir Sorgen um Hamstilidamst. Bestimmt langweilt der sich ganz furchtbar ohne uns."

In diesem Moment, fast wie auf Kommando, erwachte der Bürgermeister-Commander, gähnte und reckte sich und warf einen Blick auf Brücke und Besatzung.

"Bericht, Nummer Eins!"

"Sie haben geschlafen, Commander!"

"Öhm, nicht geschlafen, Nummer Eins, ich, äh, habe lediglich intensiv nachgedacht. Was ich aber meinte: Statusbericht über Schiff und Besatzung, wie ist der Zustand?"

"Der Zustand des Schiff oder der Besatzung?"

Der Bürgermeister-Commander glotzte nur verständnislos, also begann Nummer Eins zu berichten: "Das Schiff fliegt weiter irgendwohin und die Besatzung hat die Brücke gesäubert. Jedenfalls ein großer Teil der Besatzung", fügte Flecki mit einem giftigen Blick auf Goldi und Dodo hinzu. Dann wandte sie sich wieder grinsend dem Bürgermeister zu, der fett und faul auf dem Kommando-Sessel lag. "Lieutenant Uhura hat sich übrigens gemeldet und darauf hingewiesen, dass sie womöglich eine Lösung gefunden haben. Dann werden sie wohl wieder die Brücke übernehmen."

"Öhm, öhm, tja, äh, bis dahin können wir aber nicht warten. Wir werden und müssen sofort handeln, die Galerie, äh, Galaxie ist in Gefahr. Navigator, nehmen Sie Kurs auf den hellen Stern da vorne, das ist die Vega. Unser veganischer Freund muss seine Mission erfüllen!"

Goldi begann mit flinken Pfoten und neugierigen Blicken an der Steuerungskonsole herumzuschalten.

"Was 'n das für 'ne Mission?"

Der Bürgermeister-Commander sah seinen Navigator erstaunt an.

"Das Gleichgewicht muss wieder ins Lot gebracht werden, äh, ich meine hergestellt werden. Der Weltraum hat bereits seine Dings, äh, Struktur verändert und der Raum löst sich sozusagen gewissermaßen auf und alle Uhren bleiben stehen. Mein veganischer Freund hat mir verraten, dass wir uns auf einer Einsteinwelle befinden, und nur, solange wir darauf reisen, äh, reiten kommen wir vorwärts."

Der Bürgermeister warf einen nachdenklichen Blick auf den Monitor, und alle umstehenden Hamster hatten den Eindruck, als wenn sich eine kleine Rauchwolke über dem Kopf ihres Bürgermeister-Commanders bildete. Mit leerem Blick wandte er sich wieder den Hamstern zu.

"Öhm!"

"Commander?"

"Öhm, tja, meine lieben Hamster, irgendetwas wollte ich noch fragen, äh, sagen. Was war das denn bloß... ach ja: Durch eine kosmische Einzigartigkeit hat sich die Vega in ein hochenergetisches Gebilde verwandelt, das Raumschäume, also kleine Schwarze Löcher, in die Unendlichkeit des Weltalls schleudert. Unser veganischer Freund muss unbedingt auf die Vega, um das zu stoppen. Öhm, ja, glaube ich jedenfalls."

"Commander, kannst du das noch mal wiederholen?"

"Öhm, ich fürchte nein, Dodo, mir ist ein wenig schwindelig..."

Der Bürgermeister-Commander setzte sich, ermattet von seinen eigenen Worten, wieder neben die kaputte Topfpflanze und streichelte sie. Dann begann er erneut zu schnarchen. Ratlos standen die Hamster um ihn herum und schüttelten ihre kleinen Köpfe. Die Rennmäuse saßen ein Stück abseits und blickten verängstigt zu ihnen hinüber. Goldi tickte sich an die Stirn:

"Der ist doch nicht ganz frisch, der olle Labersack. Das muss 'ne Weltraumstrahlung oder so sein."

"Bestimmt hat er eine Erleuchtung..."

"Auf jeden Fall fliegen wir direkt auf einen Planeten zu, Tuffi. Wenn du mich fragst, das ist nicht gut für die Maschinen."

"Das ist auch nicht gut für uns, falls dir das schon mal aufgefallen ist, Bauleiter!" schimpfte Flecki. "Ich habe doch keine Lust, dauernd mein Fell für diesen Schwachkopf zu riskieren!"

"Darf ich was sagen?"

Erstaunt blickten sich die Hamster um. Eine der Rennmäuse war ein paar Zentimeter vorgekrochen und blickte die Hamster schüchtern an. Es handelte sich um ihren Anführer. Seine Barthaare zitterten, und ihm schien wirklich nicht wohl in seinem kurzen Fell zu sein. Die Hamster nickten ihm aufmunternd zu.

"Der Captain hat Recht. Auch wir spüren die Präsenz einer Macht."

"Aha, du meinst also, wir sind alle in Gefahr?" erwiderte Flecki.

"Ja, ihr wisst ja, dass wir telepathische Kräfte besitzen."

"Und ihr hört die Pflanze sabbeln?" mischte sich nun der Bauleiter ein. "Jungs, das ist so was von abgefahren..."

"Nicht die Pflanze, lieber Herr Bauleiter, sondern etwas, was Besitz von der Pflanze oder vom Herrn Bürgermeister ergriffen hat. Möglicherweise ist es an Bord gekommen, um Hilfe zu suchen. Vielleicht eine Entität, die in diesem System lebt."

"Aber wir haben doch immer die Türen geschlossen, wie soll da einer reinkommen?" fragte Dodo und zuckte mit den Schultern.

"Vielleicht, als ihr gestartet seid", wisperte der Anführer der Rennmäuse.

"Oder als wir von der Enterprise aufgesogen wurden..."

"Wir wurden nicht aufgesogen, Dodo, sondern an Bord gebeamt", knurrte Goldi, "aber das würde ja bedeuten..."

"... dass dieses Wesen, diese Entität, in Wirklichkeit Hilfe von Captain Kirk und der Enterprise suchte!"

"Und beim Bürgermeister gelandet ist", ergänzte Goldi Fleckis Satz. "Welch ein fataler Bockschuss! Soviel zu der Frage: Gibt es intelligentes Leben außerhalb von Hamsterhausen..."

"Auf jeden Fall haben wir nun eine historische Chance, mal so richtig etwas zu vermasseln", flüsterte Tuffi. "Und vielleicht hat das ja den Vorteil, dass anschließend niemand mehr davon erzählen kann."

"Vor allem sind wir dann seltene Tiere, weil wir dann ja ausgestorben sind."

"Das, mein lieber Dodo, wird ja wohl niemanden mehr interessieren, weil es ja niemanden mehr gibt", stöhnte Flecki genervt. Sie wandte sich wieder an den Anführer der Rennmäuse. "Meinst du wirklich, wir sollten auf das hören, was der Bürgermeister gesagt hat?"

"Also, erst mal habt ihr wohl keine andere Wahl", nickte die Rennmaus zustimmend. "Die Entität hat sich in ihrer Verzweifelung wohl instinktiv dem Anführer anvertraut, und das war eben euer Captain."

"Das ist nicht unser Captain, das ist unser Bürgermeister", schnaufte Flecki genervt. "Aber sag mal, was ist das überhaupt für ein Wesen, das sich in fremden Blumentöpfen und Bürgermeistern versteckt?"

Der Anführer der Rennmäuse antwortete nicht sofort, sondern ließ einen Blick über seine Kollegen wandern. Dann schaute er wieder auf Flecki, die ungeduldig vor ihm stand, und antwortete mit leiser Stimme:

"Ein Wesen, das lange verschollen war. Niemand wusste, wo es geblieben war, und keiner weiß, was es genau ist. Es ist ein mächtiges, aber gutes Wesen, und es ist das einzige Wesen, das weiß, was zu tun ist. Ein Wesen, das niemanden etwas zuleide tut und friedlich ist. Sein Name ist: das Plüschum."

Die Hamster saßen wie erstarrt auf ihren Plätzen, sie waren wie betäubt, wie vor den Kopf gestoßen. Langsam begriffen sie, dass sie da in eine große Sache hineingeraten waren. Niemand rührte sich, und die Stille im Raum wurde nur durch das laute Schnarchen des Bürgermeisters gestört. Der Bürgermeister! Schlagartig wurde den Hamstern bewusst, dass nun alles von dem Bürgermeister abhing. Eine Entität namens Plüschum hatte Besitz von ihm ergriffen, um das Universum zu retten. Es war klar, dass alle nun unbedingt seinen Anweisungen folgen mussten, egal wie bescheuert er sich auch anstellte - entscheidend war, dass das Plüschum sein Ziel erreichte. Was auch immer das Ziel sein mochte - und das Ziel war die Vega! - genau dieses Ziel musste erreicht werden.

Wie auf Kommando blickten alle auf den großen Hauptmonitor. Gebannt sahen sie, wie der kleine weiße Fleck immer größer geworden war, und inzwischen erste Details der Oberfläche sichtbar wurden. Bläuliche Nebelschwaden, hin und wieder zerfetzt durch Blitze, schwarze Öffnungen, die hin und wieder auf der Oberfläche wie brüllende Mäuler auftauchten. Das alles erschien den Hamstern und den Rennmäusen wie ein Albtraum.

"Sollten wir nicht lieber Uhura und Chekov Bescheid sagen?" keuchte Flecki und starrte weiterhin entsetzt auf den Monitor.

"Die werden uns kein Wort glauben..." keuchte der Bauleiter zurück.

"Oder die vermasseln alles..." grunzte Dodo.

"Glaube ich nicht", meldete sich nun Goldi, "wenn dieser Kirk an Bord wäre, wäre mir wohler. Flecki, ich glaube uns bleibt nichts Anderes übrig, als diese Torfnase von Bürgermeister zu wecken, damit das Plüschum..."

Als hätte der Bürgermeister-Commander diese Worte gehört, beendete er abrupt das nervende Geschnarche.

"Öhm, Dings, äh, Maschinist, machen sie den Transporter klar!"

"Den Transporter?" ächzte Bauleiter Murksel. "Willst du verreisen oder was? Bist du nicht ganz klar?"

"Mach, was er sagt, Chef", flüsterte Tuffi, "das mächtige Plüschum spricht aus ihm!"

"Der spricht mächtig plüschige Scheiße, wenn du mich fragst, der hat doch..."

"Maschinist, haben Sie ein Problem, den Transporter fertig zu machen?"

"Och nö, eigentlich nicht, Commander", flötete Murksel, "wohin soll die Reise denn gehen?"

"Auf die Vega, meine Präsenz dort ist unbedingt notwendig, und Beeilung, die Zeit drängt."

"Dir ist klar, dass du dir da 'n Sonnenbrand und so holst und dass...."

"Quatsch nicht herum, Bauleiter, mach was er sagt, das Plüschum spricht aus ihm!" kreischte Flecki aufgeregt.

"Ja, schnell", fügte Tuffi ebenfalls kreischend hinzu, "er hat 'ne volle Erleuchtung!"

"Der wird so was von Erleuchtung kriegen, wenn er da unten landet, aber schön, gehen wir. Tuffi, du kommst mit, ich brauche dich beim Ausrichten des Transporters."

Der Bürgermeister-Commander war inzwischen von seinem Sessel heruntergekrabbelt und wartete ungeduldig an der bereits geöffneten Tür. Er schien es nicht mehr abwarten zu können, endlich auf die Vega gebeamt zu werden. Murksel, Tuffi und die anderen folgten ihm. Sie liefen so schnell sie konnten über den Gang zum Transporterraum, die Rennmäuse folgten in kurzem Abstand. Das Schauspiel wollte sich keiner entgehen lassen. Nachdem sie eingetreten waren, lief der Bürgermeister-Commander sofort auf die Transporterplattform und rief:

"Ich bin breit, äh, bereits, äh, sozusagen bereit zum Beamen!"

"Tja, äh, Tuffi, wie zielt man denn auf die Vega?"

"Also das weiß ich auch nicht, Chef, hier steht nirgends was von Vega oder so. Können wir nicht irgendwo anrufen oder so und jemanden fragen?"

Ratlos standen die beiden Hamster vor dem Gerät.

"Ihr müsst die Dingsomatik einstellen, öhm, ihr müsst das Dings auf Automatik stellen, dann sucht sich der Transporter das nächstmögliche Ziel aus, was in diesem Fall ein Planet mit Atmosphäre ist..."

Verblüfft starrte der Bauleiter auf den Bürgermeister-Commander, der bereits ungeduldig auf der Plattform wartete. Nach langem Suchen fand er den Hebel für die automatische Beamausrichtung. Er warf einen unsicheren Blick auf Tuffi und zog mit zitternder Pfote an dem Hebel. Ein leises Sirren ertönte, es schwoll immer weiter an, und Hamster und Rennmäuse zuckten ängstlich zusammen. Erwartungsvoll starrten alle auf die Plattform, auf der die Gestalt des Bürgermeisters langsam verschwand. Entsetzte Schreie begleiteten sein Verschwinden und erfüllten den Transporterraum. Die Plattform war nun leer! War das das Ende des Bürgermeisters? Dann, ganz plötzlich, als alles aus und vorbei zu sein schien, tauchte erneut ein Flimmern auf der Plattform auf.

Die Gestalt des Bürgermeisters wurde langsam wieder sichtbar. Fassungslos beobachteten Hamster und Rennmäuse, wie der Bürgermeister kurz in die Menge lächelte, die Augen verdrehte und platt auf die Plattform klatschte. Sein Fell rauchte ein wenig, und Brandgeruch erfüllte den Raum. Zunächst schien alles überstanden, doch das Sirren, das seine Rückkehr begleitet hatte, schwoll langsam weiter an, und die Beleuchtung im Raum begann zu flackern. Dann knallte es ohrenbetäubend, irgendwelche Teile flogen wie Geschosse durch den Raum, entsetzte Schreie von Hamstern und Rennmäusen waren zu hören. Jeder rettete sich, so gut es ging und brachte sich in Sicherheit. Dann war es vorbei, nur das Knistern von überhitzter Elektronik war zu hören, nur die klagende Stimme Dodos beendete die vorübergehende Stille.

"Und nun? Sind wir nun ausgestorben?

"Nö, Dodo", kam als Antwort die leise Stimme des Bauleiters zurück, "wir sind nicht ausgestorben. Aber wenn ich das richtig sehe, ist der Transporter soeben ausgestorben..."

 

Weiter: Auf und Davon (Kapitel 22) - Schloss und Jobs