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Kapitel 38

Die Teestube

 

Zu ihrer großen Erleichterung wurde der Boden wieder fester. Sie liefen am Fuße eines Berges und in ihrer Laufrichtung befand sich ein See.

"Der Loch Laidon, McClown! Er ist fast 10 Meilen lang. An seinem Ende erwartet uns eine schöne Tasse Tee."

"Sie meinen den Tea Room auf dem kleinen Bahnhof bei Rannoch Station, Sir?" fragte der Butler aufgeregt.

"Genau den meine ich, McClown. Es wäre auch nicht schlecht, wenn wir es heute noch bis zum Schloss schaffen, damit wir frische Kleidung anziehen und eventuell ein Bad nehmen."

Schweigend liefen sie weiter und der Butler überlegte, ob es im Schloss wohl noch eine Möglichkeit gab, warmes Wasser aufzubereiten, oder ob sie womöglich in den kalten Fluten des Loch Rannochs baden müssten. Inzwischen befanden sie sich in einem Tannenwald und vom Loch Laidon war nichts mehr zu sehen. Es war herrlich, nach all den Mühen und Anstrengungen wieder die frische, heimische Waldluft einzuatmen. Sie erreichten einen Wanderweg und kamen nun wieder schneller voran. Zu ihrer Rechten war auch wieder der Loch Laidon aufgetaucht und in weiter Ferne war eine Eisenbahnbrücke zu erkennen auf der sich ein Zug befand, der eine Rauchfahne hinter sich herzog.



"Das muss der Zug nach Fort William sein, Sir. Wäre es nicht schön, wenn die lieben, kleinen Hamster auch einmal mitfahren könnten?"

"Reden sie doch keinen Unsinn, McClown. Hamster würden niemals mit der Bahn fahren."

"Aber wie mögen die bloß nach Sanna Bay gekommen sein, Sir? Das frage ich mich schon seit langem"

"Mit einem Schiff natürlich, McClown, wie denn sonst?"

 

Der Butler betrachtete nachdenklich die Tannen. Irgendwie konnte er sich nicht vorstellen, dass seine kleinen Freunde den weiten Weg von Hamsterhausen bis zur Westküste Schottlands mit einem Schiff zurückgelegt hatten. Wozu auch, was wollten sie da? Nein, es musste eine andere Erklärung für das Erscheinen der Hamster geben.



"Sir, sind sie sicher, dass bei unserer Abreise nach Spanien wirklich keine Hamster mehr im Schloss waren?"

Woher, zum Teufel, soll ich das wissen, McClown? Sie sind der Butler, und sie sind für das Aufräumen verantwortlich!"

Nun betrachtete der Lord nachdenklich die Tannen. Das, was sein Butler da eben gesagt hatte, gefiel ihm überhaupt nicht. Angenommen, diese kleinen kriminellen Hamster waren alleine im Schloss zurückgeblieben, während er und McClown sich in Spanien befanden. Nicht auszudenken, welche Katastrophen passiert sein könnten. Immerhin waren sie über ein Jahr nicht mehr hier gewesen. In diesem Zeitraum konnten es sogar die kurzbeinigen Hamster bis an die Westküste geschafft haben.

"Was ist, McClown, haben sie vor unserer Abreise gründlich nachgesehen, ob sich noch Hamster im Schloss befanden?"

"A-aber wie sollte ich, Sir? Schließlich musste ich mich um alles kümmern, und dann sollte ich noch Tabak besorgen, und dann..."

"Ausreden, McClown, billige Ausreden. Ein guter Butler kann alles gleichzeitig, es ist nur eine Frage der Koordination."

"Mit Verlaub, Sir, ein guter Butler bekommt auch ein regelmäßiges Gehalt."

McShredder antwortete nicht, sondern starrte interessiert in die Ferne. Das Gesicht Frido McClowns erhellte sich plötzlich.

"Sir, sie hatten doch in Kapitel 16 versprochen, mir mein Gehalt auszuzahlen, wenn wir wieder zu Hause sind!"

"Äh, ja, das hatte ich, McClown."

"Und, Sir? Werden sie das tun?"

"Ich kann nicht, McClown."

Der Butler war mit großen Augen stehen geblieben. Während er guckte, ob er irgendwo einen schönen, dicken Knüppel finden konnte, ging er langsam auf McShredder zu.

"Sie können nicht, Sir? Wie soll ich das verstehen, Sir?"

"Wir haben kaum noch Geld, aber es wird für Tee und Kuchen reichen. Sie können sich also auf ein schönes Stück Kuchen freuen, McClown."

"A-aber wo ist das Geld geblieben, Sir?"



"Hotels sind teuer, McClown. Darf ich sie daran erinnern, dass sie mich gezwungen hatten, im Kings House Hotel zu übernachten?"

Frido McClown sagte nun gar nichts mehr. Sie waren also mal wieder pleite! Damit konnte er auch all seine Pläne erst einmal wieder in die Schublade legen. Ohne Geld konnte er die Hamster nicht nach Hamsterhausen zurück bringen. Ohne Geld konnte er Lisa McGyre nicht einladen, es sei denn, sie brachte selbst etwas zu essen mit. An den Wiederaufbau des Schlosses dachte er lieber nicht und erst recht nicht daran, wie es nun weitergehen sollte.

Während all dieser Überlegungen hatte er nicht bemerkt, dass sie den Wald verlassen hatten, erst die Stimme McShredders riss ihn aus seinen Gedanken.

"Da vorne ist es, McClown. Darf ich sie zu Tee und Kuchen einladen? Sozusagen als Sondergehalt?"

Traurig hob der Butler den Kopf, doch als er den einsamen Bahnhof wiedersah, spürte er einen kleinen, freudigen Stich im Herzen.

Nach wenigen Minuten betraten sie Teestube.