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Kapitel 35

Hamsterfeier

 

 

"Sagt mal, sollen wir jetzt Gras fressen, oder was?" schimpfte Flecki lautstark.

"Schmeckt gar nicht so schlecht," antwortete Goldi über beide Backen kauend und zeigte mit der Pfote auf die Hütte von Fraser McPomm. "Da hinten ist bestimmt eine Futterstation."

In der Zwischenzeit hatte Bauleiter Murksel die Umgebung untersucht und kam zu dem Schluss, dass das Gelände für eine Feier zu feucht und matschig war. Der Bürgermeister versuchte, auf einen kleinen Hügel zu steigen, um ein paar Worte an das Hamstervolk zu richten, doch nach mehreren Rutschpartien gab er frustriert auf.

Währenddessen näherten sich Tati, Tuffi und Teeblättchen bereits der Holzhütte, dicht gefolgt von Goldi, Dodo und Trampel. Vorsichtig schauten sie sich um. Es gab drei Fenster und eine Tür, wobei die Tür verschlossen und die Fenster für die Hamster unerreichbar waren. Bauleiter Murksel war inzwischen ebenfalls eingetroffen und prüfte das Holz der Außenwände.

"Schade, dass wir keinen Pümpel dabei haben," sagte er leise.

ein Pümpel

"Wozu denn einen Pümpel?" fragte Teeblättchen erstaunt.

"Weil wir das immer so machen," antwortete Murksel.

Dann untersuchte er fachmännisch die Hütte weiter, bis er plötzlich stehenblieb und gegen die Außenwand trat. Das Holz knirschte und er rief:

"Ich brauche einen dicken, kräftigen Hamster!"

Dodo trat näher.

"Los," feuerte Bauleiter Murksel ihn an, "immer schön gegen die Wand rennen!"



Einige Stunden und viele blaue Flecken später hatte Dodo es geschafft: ein kleines Stück der Holzverkleidung war abgesplittert. Ein Hamster nach dem anderen kletterte nun in die Hütte hinein. Es war inzwischen dunkel geworden und sie sahen sich vorsichtig um. Neben einem uralten, runden Ofen aus Eisen stand ein Bett, in dem jemand laut schnarchte. Neben dem Bett stand ein Gewehr und neben dem Gewehr lag eine riesige Schachtel voller Munition. Auf der gegenüberliegenden Seite stand ein Tisch, zugemüllt mit Essenresten und weiterer Munition. Ein angrenzender Schrank erweckte die Neugier der Hamster. Sie zogen und drücken an der Tür bis sie sich quietschend öffnete.

 

"Socken mit Schottlandmuster," rief Flecki begeistert. "Daraus machen wir ein paar schöne Umhänge und veranstalten Hamster-Highland-Spiele!"

Begeistert kamen Tati, Tuffi und Teeblättchen hinzu und machten sich ans Werk, die Socken von Fraser McPomm zu zerlegen.

Ihre Freunde hatten in der Zwischenzeit einen Karton mit Lebensmitteln entdeckt und bereiteten das Festessen vor. Viel war es nicht, aber alle fanden, dass es für eine Feier reichen würde.

 

Goldi und Bauleiter Murksel untersuchten derweil die Munition, denn zu einer gelungenen Feier gehört auch ein Feuerwerk, wie Goldi erklärte. Bauleiter Murksel hatte schwere Bedenken hinsichtlich der hamstischen Vorschriften, denn diese Munition war ihm unbekannt. Goldi jedoch überzeugte den Bauleiter, dass eine Patrone wie die andere sei, und so machten sie sich ans Werk. Unter dem Bett lag ein Messer, dass für diesen Zweck genau richtig war, und nun wurden die Patronen fachmännisch aufgeschnitten und das Pulver zunächst auf den Fußboden geschüttet. Trampel war in der Zwischenzeit beauftragt worden, Tassen und Gläser zu sammeln um das Schießpulver hineinzufüllen. Bauleiter Murksel überprüfte noch einmal, ob alle notwendigen Sicherheitsbestimmungen eingehalten worden waren.

 

"Die Munitionskästen befinden sich zu dicht bei den Feuerwerkskörpern," wies er Dodo und Goldi an, "ihr müsst die Munition woandershin bringen!"

"Kein Problem," meinte Goldi, "sollen wir die Kisten mit der Munition neben den runden Tisch in der Ecke stellen?"

"Ja," meinte Bauleiter Murksel und betrachtete fachmännisch den alten Heizofen, "dieser eiserne Tisch ist nicht brennbar, da kann nichts passieren."



Flecki, Teeblättchen, Tati und Tuffi hatten die ersten Socken zu bequemen Umhängen verarbeitet und verteilten sie. Die Hamster waren begeistert und die Feier konnte beginnen. Das Essen war auf kleine Pappschachteln verteilt, und der Bürgermeister stellte sich davor, räusperte sich und sprach: "Liebe Hamsterfreunde, ich freue mich, das Essen zu eröffnen und möchte bei dieser Gelegenheit..."

Weiter kam er nicht, denn nach dem Wort 'Essen' stürzten sich alle auf das Futter und der Bürgermeister wurde umgerissen. Stöhnend rappelte er wieder auf und brachte sich vor der hungrigen Meute in Sicherheit. Überall war zufriedenes Schmatzen zu hören und jemand rief: "Wo ist die Musik? Dodo, mach doch mal die Schranktür auf und zu!"

Dodo stopfte sich schnell noch etwas Futter nach, lief zum Schrank und schob die Tür auf und zu. Sie gab ein schreckliches, quietschendes Geräusch von sich, doch die Hamster waren begeistert und starteten einen Tanzwettbewerb. Goldi sah nun auch den Zeitpunkt für sein Feuerwerk gekommen, und mittels einer Schachtel Streichhölzer, die er neben dem Ofen gefunden hatte, zündete er nun das Pulver in den Tassen und Gläsern an. Schnell trat er zurück und bewunderte mit seinen Hamsterfreunden, wie sich das Pulver mit einem Zischen in eine Flamme verwandelte.

 

In diesem Moment erwachte Fraser McPomm. Noch halb benebelt vom Tiefschlaf drehte er sich um. Da tanzten seine Socken auf dem Tisch und aus dem Fußboden sprühte Feuer! Laut schreiend sprang er aus dem Bett und landete mit seinen nackten Füßen in Goldis Feuerwerk. Ein höllischer Schmerz durchfuhr ihn und er stürzte quer durch den Raum. Völlig verwirrt hielt er sich an dem heißen Ofen fest, der nun krachend umfiel und die Munition in Brand steckte. Es knallte, Geschosse flogen dicht an ihm vorbei, er sah seine Schranktür wie von Geisterhand auf und zu gehen, tanzende kleine Tiere auf dem Boden und tanzende Socken auf dem Tisch. Verzweifelt schüttelte er seinen Kopf und hielt sich die Hände vor die Augen. Vorsichtig blinzelte er zwischen den Finger hindurch, doch sie waren noch immer da, diese schrecklichen Dinge! Dann streifte ein Geschoss seine Nasenspitze und Fraser McPomm verlor entgültig die Nerven. Laut kreischend stürzte er zur Tür hinaus und rannte um sein Leben.

 

 Die Rückkehr (nach Schottland) - Kapitel 36-42