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10. Kapitel

 

 

Schottland

 

 

 

 

Jennie hatte als Erste die Sprache wiedergefunden und rief: "Welch ein wunderschönes Land! Seht doch mal dort unten, ein Wasserfall!"

 

Unsere Freunde standen auf einem hohen Berg und blickten weit in ein Tal hinunter. Auf dem felsigen Berg blühte Heidekraut. Im Tal lag ein großer See, der sich bis zum Horizont zu erstrecken schien. An den Ufern wuchsen hohe Bäume, noch höher als die Tannen im Zauberwald. Etwas weiter unten, am Fuß des Berges, waren Schafe zu sehen, direkt neben einem Wasserfall. In der Ferne waren große Tiere mit einem rötlichen Fell und gebogenen Hörnern zu sehen, die friedlich grasten.

"Ob die gefährlich sind?", fragte Bertha ängstlich.

"Ich glaube nicht", antwortete Elfriede und wandte sich an ihren Bruder: "Sag mal, Bruno, hattest du nicht kürzlich ein Buch über solche Tiere in deinem Zimmer rumliegen?"

Bruno nickte: "Highland Cattle, auch Hochland-Rinder genannt, sind speziell für das Leben in den kargen Highlands, dem bergigen Teil Schottlands, gezüchtet worden. Sie sind sehr lieb, doch wenn man sie anschreit, sind sie traurig. Den Schafen dagegen macht es nicht viel aus, wenn sie angeschrien werden. Je weiter man nach Norden fährt, desto größer ist der Anteil von Schafen mit schwarzen Köpfen, black-headed oder black-faced sheep, in den Herden. Sie weiden frei auf den riesigen Flächen der schottischen Berge. Um die Zugehörigkeit zu einer Herde nachzuweisen, werden sie durch farbige Flecke gekennzeichnet. Die Tiere suchen sich ihr Futter selbst und werden nur zum Scheren in den Stall getrieben. Die Tiere sind manchmal sehr zutraulich."

"Wahnsinn", staunte Daisy, "was mag es noch für Tiere und Pflanzen hier geben?"


Bruno fuhr fort: "Vom Boot oder von der Küste aus kann man Wale, Delfine und Seehunde beobachten, Im Moray Firth gibt es sogar eine Kolonie von Großen Tümmlern. Diese verspielten Tiere kann man regelmäßig ziemlich nah vor der Küste beobachten - tolle Beobachtungsorte sind das wunderbare Fort George, ein Meisterwerk des Festungsbaus aus dem 18. Jahrhundert, bei Nairn, oder Chanonry Point auf der Black Isle.

Die gigantischen Klippen von Orkney, der Insel Handa in West-Sutherland und weiter im Süden am Bass Rock und bei St. Abbs sind in Europa unerreicht, wenn man hautnah sensationelle Einblicke in die Natur bekommen will. Papageientaucher, Basstölpel, Trottellummen, Fischadler, Eissturmvögel und Dreizehenmöwen zu Zehntausenden. Schottland ist wegen seiner Lage auch ein Paradies für Vögel. Es gibt dann natürlich auch Wild, zum Beispiel Rotwildherden, Damwild, Nagetiere wie Schneehasen oder Kaninchen, Füchse, Dachse, Marder und Wildkatzen. Es gibt unglaublich riesige Rhododendronbüsche, leuchtender Stechginster, Moorpflanzen wie Gagelstrauch, Knabenkraut, viele Fleisch fressende Pflanzen, sehr seltene Farne wie der Rippenfarn sowie arktische Lebensräume oder schon Heidelandschaften wie diese hier."

 

Unsere Freunde nickten begeistert, während Bruno ein paar interessante Steine aufsammelte.

 

"Wollen wir weiter ins Tal?", fragte Elfriede, und sofort setzten sich alle in Bewegung. Als sie die Schafe erreichten, würden sie mit einem wilden Blök-Konzert empfangen.

"Ob die wohl immer hier draußen sind? Werden die nie reingeholt?", wunderte sich Rosie und stopfte sich ein Stück Schokolade in den Mund.

"Nur zum Scheren", antwortete Bruno, "und das ist oft eine besondere Veranstaltung. Das Treiben der Schafe besorgen Hunde in Zusammenarbeit mit dem Hirten. Die Hunde erhalten eine spezielle Ausbildung in der Technik des Schafetreibens. Die Schafzüchter wetteifern über die Qualität ihrer Hunde. Es finden deshalb regelmäßig Wettbewerbe für diese Hunde statt, die sheep dog trials, bei denen jeder teilnehmende Hund mit seinem Herrn bewertet wird. Dabei müssen die Hunde vier Schafe in einen Pferch treiben. Ein Hund ist besonders gut, wenn er die Arbeit mit möglichst wenigen Pfeifkommandos seines Herrn schafft. Diese Wettbewerbe werden auch im Fernsehen übertragen; dabei kann man auch als Laie nach kurzer Zeit die Unterschiede in den Fähigkeiten der Hunde erkennen."

 

 

 

"Wow", rief Marie, "was dein Bruder alles weiß!"

Elfriede wusste nicht genau, ob sie sich nun ärgern sollte, dass ihr kleiner Bruder mehr wusste als sie, oder ob sie auf ihn stolz sein sollte.

"Wie wär's", schlug sie vor, "wir gehen erst einmal an den See und ruhen uns aus."

In der Tat war der Abstieg für alle recht beschwerlich gewesen. Bertha war ein paar Mal auf Schafscheiße ausgerutscht, deshalb tat ihr nun der Hintern weh und sie mochte nicht mehr laufen.

 

"Es heißt übrigens Loch und nicht See", meldete Bruno sich noch einmal. Elfriede glotzte ihn an, und ihre Freunde grinsten. Elfriede baute sich vor Bruno auf und sagte mit drohender Stimme "Wie wär's, du machst hier den Reiseführer und bringst uns ein bisschen Erdkunde bei? Wenn ich nämlich etwas hasse, ist es Erdkunde..."

"In Ordnung", meinte Bruno, "also, Schottland liegt im..."

"Nein", kreischte Elfriede, "das war doch nur ein Scherz!"

Bruno war jedoch nicht mehr zu stoppen: "Schottland liegt im Norden der britischen Hauptinsel und ist etwa 78.764 km² groß. Bedingt durch die vielen Fjorde liegen die meisten Orte kaum mehr als 80 km von der nächsten Küste entfernt.

Etwa 4,5 % des Landes, also 3.096 km², sind Gewässer. Um genau zu sein, 1.732 Lochs wurden gezählt. Lochs sind, wie schon erwähnt, Seen.

Geprägt wird das schottischen Stammland durch die Grampian Mountains und den Highlands. Der höchste Berg ist der Ben Nevis bei Fort William mit 1.343 m über Normal Null, also dem Meeresspiegel.

Nicht zu vergessen sind die großen Inselgruppen Orkney und Shetland im Norden sowie die Inner- und Outerhebrides an der Westküste mit einer gesamten Fläche von 894 km².

Den heutigen Namen erhielt Scotland von dem im 5. Jahrhundert aus Irland eingewanderten Keltenstamm Scots. Des weiteren wird nicht selten der Name Caledonia verwendet, welcher von den ehemals ansässigen Stamm, der Caledonier abgeleitet wurde."

"Du hast du Einwohnerzahl vergessen", stöhnte Elfriede genervt.

"Ach ja", ergänzte Bruno seinen Vortrag, "heute leben gut 5 Millionen Einwohner in Schottland. Wollt ihr noch etwas über Burgen und Schlösser wissen?"

"Nein!" kreischten die Kinder im Chor.

 

Inzwischen hatten sie das Loch erreicht und ließen sich im Schatten der Bäume nieder.

 

"Es gibt übrigens viele Witze über die Schotten", begann Bruno erneut.

"Na, schön", gähnte Elfriede, "erzähl schon!"



"Warum sind so viele schottische Kirchen rund? Damit sich während der Kollekte niemand in den Ecken verstecken kann."

Die Freunde sahen Bruno verständnislos an, deshalb erklärte er: "Da Schottland ein armes Land ist, gelten seine Bewohner als sehr geizig. Es ist aber ein Vorurteil, denn Schotten sind besonders gegenüber Ausländern, insbesondere gegenüber Deutschen, sehr gastfreundlich und hilfsbereit."

 

"Gastfreundlich?" Rosie war hellhörig geworden, und sie meldete sich zu Wort. "Können wir die Gastfreundlichkeit nicht ein bisschen überprüfen? Ich meine, wir sind doch alle hungrig und so?"

Unsere Freunde holten ihren Proviant aus den Rucksäcken und machten es sich gemütlich.

Jennie zeigte auf das linke Ufer des Lochs: "Dahinten scheint ein Dorf zu sein, vielleicht können wir uns dort erkundigen, ob jemand sagen kann, wer oder was dieser McShredder ist. Bestimmt gibt es dort auch etwas zu Essen."

"Gute Idee", stimmte Elfriede kauend zu.

Sie überprüfte nun das Zauberfläschchen. Der Korken hing diesmal an einem Band am Hals des Fläschchens.

"Der Professor ist ein Genie, diesmal werden wir wohl keine Probleme mit der Rückreise haben, denn den Korken brauchen wir jetzt nicht mehr zu suchen, um nach Hause zu kommen."

"Kann uns das Zauberfläschchen nicht mal eben in das Dorf bringen?", fragte Rosie voller Hoffnung. "Dann brauchen wir nicht zu laufen."

"Auf kurze Entfernungen ist das nicht ratsam", erklärte Bernie. "Wenn wir Pech haben, wird ein großer Umweg daraus."

 

Da inzwischen alle fertig mit dem Essen und Trinken waren, standen sie auf und gingen in östlicher Richtung weiter. Sie kamen auf eine schmale Landstraße. Links und rechts der Straße waren etwa einen Meter hohe, aus Felsen gebaute Mauern, die immer wieder durch Einbuchtungen und Wege unterbrochen waren.

"Das ist bestimmt eine Einbahnstraße hier", stellte Daisy fest.

"Genau", stimmte Bertha zu, "hier passt ja nur ein Auto durch."

"Das sind die Single-Tracks", erklärte Bernie. "Das bedeutet Einspur-Weg. Bei Gegenverkehr muss eines der beiden Autos in eine Einbuchtung fahren. Je nachdem, wer dichter an der Einbuchtung ist, muss ausweichen."

 

Inzwischen hatten sie sich einer kleinen Brücke genähert, die sie nun überqueren mussten. Vor der Brücke waren lange, eiserne Querstangen in die Straße eingelassen. Sie sahen aus wie ein riesiges Siel.

"Aua", schimpfte Bertha, "hier bricht man sich ja die Schweinshaxen! Wozu sind diese Dinger überhaupt da?"

"Vielleicht als Ablauf für Regenwasser", vermutete Elfriede.

Ratlos schauten die Kinder auf die merkwürdigen Stangen. In diesem Moment fuhr ein kleiner Lieferwagen an ihnen vorbei. Der Fahrer winkte den Kindern fröhlich zu und passierte die Brücke. Als er über das merkwürdige Siel fuhr, gab es solch einen Höllenlärm, dass sich alle die Ohren zuhielten.

"Ich hab's", rief Jennie, "diese Gitter sollen Lärm machen, damit der Gegenverkehr gewarnt wird!"

 

"Alles falsch", meldete sich nun Bruno. "Es handelt sich um so genannte Cattle-Grids. Das sind Viehsperren, damit zum Beispiel die Schafe nicht abhauen können."

 

Sie gingen weiter über die kleine Brücke und kamen an Kiefern und Birken vorbei. Rechts von ihnen war jetzt das Loch, das in der Sonne wie Diamanten funkelte. Links war ein Zaun, hinter dem sich am Fuße eines Berges eine Wiese befand, auf der Schafe mit ihren Jungen weideten. Es war recht warm, und nach zwei Stunden waren unsere Freunde froh, dass sie sich nun dem Dorf bis auf wenige Meter genähert hatten. Sie kamen jetzt an ein paar kleinen Häusern vorbei, dann an einer Kirche, und schließlich standen sie auf einem kleinen Marktplatz.

"Habt ihr auch so einen Hunger", japste Rosie und setzte sich auf einen großen Stein.

"Allerdings, aber wir müssen erst einmal nach McShredder forschen", stellte Elfriede fest, doch dann erhellte sich ihre Mine: "Bestimmt gibt es hier ein Restaurant oder einen Schnellimbiss oder so etwas. Lasst uns hier eine Pause machen. Bruno kann uns ja alles über das schottische Essen erzählen, was meint ihr?"


"Schaden kann es ja nicht", sagte Bertha leise, und so setzte sich auch Bruno auf einen Stein und begann zu erzählen: "Schottland hat natürlich seine Traditionsgerichte, wie den berühmten Haggis, oder Arbroath Smokies, das ist geräucherter Schellfisch. Berühmt ist auch Hotchpotch, ein Lammeintopf. Gekocht wird in den besseren Restaurants und Hotels jedoch nur nach internationalen Rezepten. Vor allem in großen Städten und feinen Landhotels hat die Kochkunst in Schottland oft Feinschmeckerniveau. In kleineren Städten und auf dem Land ist die Auswahl an Gerichten begrenzt, und frisches Gemüse ist selten, meistens gibt es nur tiefgefrorenes. Das schottische Frühstück ist allerdings sehr reichhaltig und lecker. Neben dem üblichen Ham and Eggs, also Schinken und Eiern, kommen beim Scottish Breakfast meist gegrillte Würstchen, geschmorte Tomaten, gebratene Champignons, Toast in schier unbegrenzten Mengen und Marmelade, sowie auf Bestellung Kippers, das sind warme, geräucherte Heringsfilets, auf den Tisch. Tradition hat auch der Porridge, Haferbrei - sieht aus wie aufgeweichter Pappdeckel und schmeckt auch so. Zusätzlich gibt’s oft noch Cornflakes oder Müsli. Dazu trinkt man guten Tee und mittelprächtigen Kaffee. Das Brot ist sehr weich und schlabberig.

Aus dem Mittagessen, dem Lunch, wird keine große Affäre gemacht. Die ideale und preiswerte Mahlzeit ist das Bar Lunch: Ein Tellergericht wie das ausgezeichnete Ploughman’s Lunch, eine Art Bauernfrühstück, warme Pies – das sind Fleischpasteten oder Sandwiches - bekommt man um die Mittagszeit, zwischen 12 und 14.30 Uhr – aber nur dann! – in den meisten Pubs und Hotelbars. Magenfüllender isst man, wenn man ein Mittagessen im Restaurant oder Hotel ordert. Für noch größeren Hunger steht in guten Gaststätten oder Hotels ein Luncheon Buffet bereit.

Die Hauptmahlzeit des Tages ist das abendliche Dinner. Ab 19 Uhr bis 21 oder 22 Uhr ist Dinnertime. Wild und Meerestiere sind in Schottland besonders zu empfehlen. Hauptlieferanten für Wildbret sind Deer und Grouse, also Hirsch und Moorhuhn.

Nahe an der Küste gibt es natürlich Fisch in allen Variationen. Alles wirklich überdurchschnittlich gut. Lachs und Forelle gibt es reichlich in den Flüssen und Lochs, beziehungsweise auch aus Lachsfarmen. Lachs kommt gegrillt, gekocht oder geräuchert auf den Tisch, Forelle gibt's vor allem blau, gebraten oder gegrillt. Am häufigsten wird Schellfisch in verschiedener Zubereitung gegessen. Lecker ist auch Finnan Haddock: Man reibt Schellfisch mit Salz ein und trocknet ihn am Strand, danach kommt er in den Rauch eines Torffeuers.

Kippers, eine zum Frühstück gereichte Delikatesse: Der in Hälften zerlegte, gesalzene und geräucherte Hering wird ebenfalls warm gegessen. Berühmt sind Kippers aus dem Loch Fyne. Es gibt eine Reihe typischer Suppen wie Cullen Skink, eine Fischsuppe aus geräuchertem Schellfisch, Milch, Kartoffeln und Zwiebeln, oder Hotchpotch, eine Suppe aus Lammfleisch und verschiedenen jungen Gemüsen. Partan Bree ist eine cremige Fischsuppe mit Krebs als Grundlage. Scotch Broth ist eine Gemüsesuppe mit Graupen; königlicher Abstammung soll dagegen Lorraine Soup sein, eine cremige Hühnersuppe mit Mandeln, Zitrone und Muskatnuss, von der es heißt, dass Marie of Lorraine, Mutter von Maria Stuart, sie in Schottland populär gemacht habe."

 

"Ich werde gleich wahnsinnig, ich drehe durch", rief Rosie, "ich brauche was zu Essen!"


"Ich auch!", riefen ihre Freunde im Chor.

"Was ist denn eigentlich dieses Haggis", wollte Bertha nun wissen.

"Haggis ist zwar das »schottische Nationalgericht«, aber keineswegs eine alltägliche Speise. Die kugelförmige Haggis ist ein Schafsmagen, gestopft mit Schafsinnereien wie Herz, Leber und Lunge, gemischt und gewürzt mit Hafermehl, Hammelfett, Zwiebeln, Salz und Pfeffer. Zum drei bis vier Stunden gekochten Haggis gibt’s Kartoffelbrei und weiße Rüben.

Eine besondere Spezialität ist ein Lammfilet, gefüllt mit Haggis..."

 

"Aufhören, Bruno, mir wird übel!" Berthas Gesicht war in der Tat schon etwas grün geworden, und auch den anderen war der Appetit fast vergangen, doch Bruno fuhr unbeirrt fort: "Fehlt noch eines: Der Nachtisch. Typisch schottisch ist der Nachtisch Sticky Toffee Pudding, eine sehr süße Mischung aus Kuchen und Vanillesoße.

Dann gibt es noch den Nachmittags-Tee, genannt Afternoon Tea. Zwischen 15 und 17 Uhr ist Teatime, also Teezeit. Beliebt sind Scones, einfache kleine Kuchen, die aufgeschnitten mit Butter und Marmelade und oft mit Cream, das heißt Schlagsahne, gegessen werden. Außerdem gibt es Gebäck, Sandwiches, belegt mit Ei, Gurken oder Lachs."

Elfriede war in der Zwischenzeit aufgestanden und hatte sich in der Gegend umgesehen. Sie kramte in ihren Hosentaschen und rief: "Ich habe das Geld, das mir Tante Ottilie zum Geburtstag geschenkt hat, bei mir, und da vorne scheint so ein Pupp zu sein!"

"Das heißt Pub", verbesserte Bruno und kümmerte sich nicht um Elfriedes giftigen Blick.

"Egal", fuhr Elfriede fort, "jedenfalls sind dort bestimmt viele Leute, die wir nach McShredder fragen können."

Unsere Freunde nahmen ihre Rucksäcke in die Hand und liefen auf die Ecke eines Gebäudes zu. Dort befand sie die Eingangstür, und es war das Gemurmel von Stimmen zu hören. Es roch nach Essen, und unsere Freunde stürmten in den Pub hinein. Ein Gemisch aus Bier- und Kaffeegeruch kam ihnen nun entgegen, und es war angenehm kühl in dem Raum. Sie sahen sich erst einmal um.

 


Auf der linken Seite des Raumes befanden sich ein paar Tische, etwas weiter hinten stand ein Billardtisch, an dem zwei Männer spielten. Geradeaus war ein abgetrennter Raum zu sehen, in dem ein paar andere Männer mit kleinen Wurfpfeilen auf eine Dartscheibe warfen. Rechts war eine lange Theke, hinter der ein freundlich guckender Mann Gläser spülte. Er hatte wenig Haare aber dafür einen buschigen Schnurrbart. Etwas ängstlich standen unsere Freunde nun im Pub und wussten nicht so richtig, was sie machen sollten, bis einer der beiden Männer am Billardtisch rief: "Hey, neue Gesichter in diesem alten Schuppen! Kommt herein und sagt, wo ihr herkommt!"

"W... wir kommen aus Deutschland und machen hier Urlaub", antwortete Elfriede unsicher.

Jetzt hatten auch die Dartspieler aufgehört zu spielen und waren näher gekommen.

"Aus Deutschland?", rief nun einer der Billardspieler, der einen sehr langen, schwarzen Bart trug. "Hey, John, schenke unseren Gästen mal ein paar Glas Brause ein, die haben bestimmt Durst!"

 

Offensichtlich war der Mann hinter der Theke der Wirt und hieß John, jedenfalls nahm er ein paar Gläser und füllte eines nach dem anderen mit Brause. Dann rief er: "Kommt her und bedient euch, ihr seht wirklich durstig aus!"

"Und sehr hungrig", fügte Rosie hinzu.

"Hast du gehört, John?", rief nun einer der Dartspieler, ein Mann mit einem blauen Overall, der voller Ölflecke war. "Unsere Gäste sind hungrig, hast du noch ein paar Pasteten übrig?"

John nickte und verschwand durch eine Nebentür.

"Hoffentlich bring der uns kein Haggis", flüsterte Elfriede ihrem Bruder zu, doch der glotzte seine Schwester nur an und sagte empört: "Ich hab doch gesagt, dass Haggis keine alltägliche Speise ist. In Pubs gibt es so etwas nie!"

Unsere Freunde hatten sich inzwischen mit ihren Gläsern an einem Tisch neben dem Billardtisch niedergelassen und sahen den Spielern neugierig zu.

 

"Habt ihr schon einmal Snooker gespielt?", fragte der jüngere der beiden Spieler.

"Nein", antwortete Bernie, "wie geht das?"

"Also, das ist ganz einfach: Das Ziel des Spiels besteht darin, die Kugeln in den Taschen des Snookertisches zu versenken. Hierbei bleibt es den Spielern freigestellt, in welche der sechs Taschen die Kugeln gespielt werden. Grundsätzlich muss immer zuerst eine rote und danach eine farbige Kugel gespielt werden. Ein Spieler spielt solange, wie es ihm gelingt, die Kugeln in der zuvor beschriebenen Reihenfolge zu versenken. Die Phase vom ersten Stoß eines Spielers bis zur Abgabe des Spiels an den Gegner bezeichnet man als 'Aufnahme'.



Während die roten Kugeln bis zum Spielende in den Löchern verbleiben, in die sie versenkt wurden, werden die farbigen solange immer wieder auf den Tisch und zwar auf die dort markierten Aufsetzpunkte zurückgelegt, bis sich keine rote Kugel mehr auf dem Tisch befindet. Erst dann werden die farbigen Kugeln in vorgegebener Reihenfolge nach aufsteigender Wertigkeit endgültig versenkt.

Die beim Snookerspiel zu erreichende Höchstpunktzahl beträgt 147 Punkte. Diese wird dann erzielt, wenn ein Spieler fünfzehnmal nach einer roten Kugel die schwarze versenkt, das macht 120 Punkte, und danach alle farbigen Kugeln, also 27 Punkte, in die Taschen spielt.

Sieger wird, wer in einem Spiel die meisten Punkte erzielt. Ein gravierender Unterschied zum Reglement des Pool-Billards besteht darin, dass Fouls durch Pluspunkte, die dem Gegner gutgeschrieben werden, geahndet werden. Diese 'Bestrafung' verleiht dem Snookerspiel einen besonderen Reiz. Einem geübten Spieler ermöglicht eine taktisch kluge Defensivstrategie, entscheidende Fehler des Gegners zu provozieren."

Während Bernies Gesicht immer länger wurde, fuhr der junge Mann fort: "Natürlich sollte man immer dabei achten, dass..."

 

Zum Glück kam endlich John mit einem großem Teller und rief: "Nun lass unsere jungen Gäste mal in Ruhe essen, Angus."

Dann stellte er einen riesigen Teller voller lecker duftenden Pasteten vor die Kinder hin.

Elfriede und ihre Freunde vergaßen ihre Tischmanieren und griffen hungrig mit den Händen zu. Nur Bertha wollte unbedingt Besteck haben und wartete noch, bis der Wirt ihr welches brachte. Zu ihrem Pech waren nun aber alle Pasteten aufgegessen, sodass John lachend in die Küche zurückging und wenig später mit einer neuen Ladung Pasteten kam.

Wieder ließen es sich unsere Freunde schmecken, und nun hielt Elfriede den Zeitpunkt für gekommen: "Kennt jemand den Namen McShredder?", fragte sie. Mit einem Male waren sämtliche Unterhaltungen und alles fröhliche Gelächter in dem Pub verstummt.

 


"Hat hier jemand den Namen McShredder erwähnt?", klang eine krächzende Stimme aus dem Zimmer, in dem Dart gespielt wurde. Eine alter Mann mit einem Schottenrock und einer grünen Schottenmütze auf dem Kopf näherte sich. Er ging zum Tisch, an dem unsere Freunde saßen und krächzte: "McShredder? Das ist der größte Lügensack den ich kenne. Er hat mir, Rufus McHobbel damals eines meiner Schafe gestohlen!"

 

"Das ist ja entsetzlich", meinte Jennie, "wann war das denn?"

"Noch gar nicht solange her", meinte McHobbel, "das war 1935! Eines meiner Schafe hatte sich auf sein Land verirrt, und dieser Mistkerl von McShredder hat es einfach behalten!"

"Stimmt", rief nun der Wirt John lachend, "und er hat noch immer nicht sein Bier von 1950 bezahlt! Aber im Ernst, Kinder, was wollt ihr von ihm?"

Elfriede wusste nicht, was sie nun sagen sollte und druckste: "Äh, wir haben einen Knopf mit der Aufschrift McShredder gefunden und wollen ihn seinem Besitzer zurückbringen!"

"Ihr solltet euch besser fern von ihm halten", schimpfte McHobbel, "das weiß doch jeder, dass es dort spukt! Fragt doch den alten William, er hat es selbst erlebt!"

Er zeigte auf einen alten Mann mit einem Zigarrenstummel im Mund, der an der Theke saß und zustimmend nickte. Langsam nahm er den Zigarrenstummel aus dem Mund und sprach: "Es stimmt. 1946 war es, als ich eines Nachts am Schloss von McShredder vorbeiging. Da sah ich sie durch die Vorhänge!"

"Wen?", fragten unsere Freunde im Chor.

"Baobhan-Sith!" * *(Anmerkung des Autors: gesprochen: buh-van she)

Die Kinder waren enger zusammengerückt, und Elfriede fragte: "Wer ist das?"

 

"Die Baobhan-Sith ist eine böse schottische Fee, die in Gestalt eines jungen Mädchens in grünen Kleidern auftritt. Sie tanzt erst mit ihren Opfern, um sie dann bis zum letzten Tropfen auszusaugen. Getötet werden kann sie nur durch kaltes Eisen."

"G.. gibt es denn noch mehr schottische Gespenster?", fragte Bertha nun mit großen Augen.


"Es gibt sehr viele. Geht man allein nach der Zahl der Gespenster, so wird vielleicht bei der Familie Bowes Lyons, den Grafen von Strathmore, am häufigsten gespukt. Ihr Sitz in der schottischen Grafschaft Angus ist das düstere, bedrückende Glamis Castle, ein bedrohliches Gebäude, das der große Dichter Shakespeare als Schauplatz für seinen Macbeth wählte. Tatsächlich wurde der schottische König Malcolm II. im 11. Jahrhundert auf Glamis erdolcht, und sein Blut soll heute noch den Boden in einem der unzähligen Räume der Burg verfärben. Zu den vielen Geistern von Glamis Castle sollen unter anderem eine Dame in Grau gehören, ein kleiner Negerjunge und ein Graf von Strathmore, der angeblich beim Kartenspiel gegen den Teufel verlor. Ferner soll in der Burg das Gespenst eines schrecklich missgestalteten Kindes spuken, das einst von der Familie in einem Geheimzimmer versteckt gehalten wurde.

Obwohl die Strathmores besonders viele Gespenster-geschichten vorzuweisen haben, sind sie deswegen keinesfalls einzigartig. Bei uns ranken sich unzählige Geistererzählungen um ganze Grafschaften oder bestimmte Gebäude beziehungsweise Familien. Man kann diese ruhelosen Geister als Phantasiegebilde abtun, die an Kaminfeuern entstanden und von Generation zu Generation überliefert wurden. Dennoch bleibt die Tatsache bestehen, dass Gespenster, die bestimmte Familien heimsuchen, immer wieder über Jahrzehnte und sogar Jahrhunderte von glaubwürdigen Zeugen gesehen worden sind. Manche Geschichten erzählen von Phantomen, die ihren "Gastfamilien" freundlich gesinnt sein sollen oder ihnen im schlimmsten Fall gleichgültig gegenüberstehen. Weit häufiger aber soll das Erscheinen eines solchen Geistes den Tod eines Familienmitgliedes ankündigen."

 

 

"Sagen sie mal, Mister", fragte Bertha misstrauisch, "was haben sie eigentlich Nachts am Schloss von McShredder gesucht?"

 

"Nun, äh, ich, äh, mir fehlte ein Schaf, und ich hatte es gesucht", stotterte William.

 

Die Kinder hatten inzwischen alles aufgegessen, und Elfriede kam auf ihre Frage zurück: "Wo finden wir denn nun diesen McShredder?"

John, der gerade das Geschirr abräumte, antwortete: "Ihr müsst in die Richtung von Killichonan gehen. Haltet euch also an der Nordseite des Lochs. Doch es sind viele Meilen zu laufen. Selbst wenn ihr gleich losgeht, so werdet ihr weit nach Mitternacht dort ankommen."

"Fährt denn kein Bus nach Kille-Kille, oder wie das heißt?", fragte Rosie hoffnungsvoll.

John überlegte kurz, sah auf eine alte, große Uhr, die über der Bar hing und sagte: "Ich glaube, mein Bruder fährt in ein paar Minuten mit dem Postbus los. Er nimmt euch bestimmt ein Stück mit nach Killichonan. Wartet mal eben."



Dann ging er mit langen Schritten zur Tür hinaus. Nach ein paar Minuten kam er zurück und rief den Kindern zu: "Beeilt euch, er fährt schon gleich los!"

Unsere Freunde bedankten sich für das Essen und die Brause, nahmen ihre Rucksäcke und verließen den Pub. Etwa 10 Meter von dem Pub entfernt stand der Lieferwagen, der sie vorhin überholt hatte. Daneben stand ein Mann mit einem karierten Hemd und rief: "Seid ihr die mutigen Deutschen, die ins Spukschloss von McShredder wollen?"

Die Kinder bejahten und gingen zum Wagen. Der Mann hielt ihnen die Wagentür auf und sagte: "Ich heiße übrigens George und bin der Postbote."

Nachdem als letzte Rosie eingestiegen war, schloss George die Türen und ließ den Motor an. Langsam verließ der Lieferwagen das Dorf.

 

Als sie nach kurzer Zeit die Brücke erreichten, gab George kräftig Gas, sodass der kleine Lieferwagen für einen Moment in der Luft schwebte. Beim Überfahren der Cattle-Grids gab es jedes Mal einen Höllenlärm. Die Fahrt brachte unseren Freunde Spaß, doch plötzlich stoppte der Wagen an einem Briefkasten. Neben dem Briefkasten führte ein schmaler Weg zu einem kleinen, weißen Häuschen. George nahm ein kleines Bündel Papier, stieg aus und kam nach kurzer Zeit wieder.

"Ist das die Post?", fragte Marie.

"Richtig", grinste George, "jedes Mal, wenn ich die Post ausfahre, nehme ich übrigens auch Passagiere mit. Freunde von John dürfen allerdings kostenlos mitfahren."

So ging es weiter von Briefkasten zu Briefkasten. Rosie war enttäuscht, dass die schnelle Fahrt laufend durch einen Halt am Briefkasten unterbrochen wurde. Als Bernie auf der rechten Seite der Straße ein großes Schloss entdeckte, rief er aufgeregt: "Sind wir jetzt da?", doch der Fahrer lachte nur und antwortete: "Dies ist ein prunkvolles, altes Jagdschloss, das, was der alte McShredder bewohnt, ist schon recht baufällig."

"Gibt es dort denn wirklich Gespenster?", wollte Rosie nun wissen.

"Ja", entgegnete George mit ernstem Gesicht und drehte sich zu unseren Freunden um, "es gibt dort eines. Wollt ihr seinen Namen wissen?"

Stumm und verängstigt nickten die Kinder.

"Sein Name ist... McShredder!" George lachte so sehr über seinen Witz, dass der Wagen fast ins Schleudern geriet.


"Und der Butler, was ist mit dem?", wollte Elfriede nun wissen.

"Frido McClown?", lachte George, "das ist der harmloseste Mensch, den es gibt. Manchmal frage ich mich allerdings, wie der das bei dem alten Knacker aushält, ständig hat McShredder irgendwelche verrückten Ideen."

Nachdem der Fahrer das gesagt hatte, hielt er den Wagen an und zeigte auf ein Waldstück zur rechten Seite: "Dort müsst ihr dem Pfad folgen, der wird euch direkt zum Grundstück von McShredder führen, viel Spaß!"

 

Die Kinder stiegen aus, und der Postwagen fuhr weiter in westlicher Richtung. Elfriede öffnete ein halb vermodertes, wackeliges Gattertor und ihre Freunde folgten vorsichtig.

"Was mag uns dort erwarten", fragte Jennie, "ich kann die Vögel hier nicht verstehen, das Übersetzungsarmband hilft da auch nicht weiter."

"Lasst uns doch einmal überlegen", schlug Elfriede vor.

"Wir wissen, dass McShredder ein alter Knacker sein soll, der mit seinem harmlosen Diener in einer Bruchbude von Schloss lebt."

"Aber die Leute im Dorf sagen doch, dass es im Schloss Geister gibt!", ergänzte Susi mit ängstlichem Gesicht.

"Aberglauben und irgendwelche Gespenstergeschichten sind weit verbreitet in Schottland, in der Regel gibt es aber keinen Grund..."

"Danke, Bruno", unterbrach ihn Elfriede, "wir wissen weiterhin, dass dieser McShredder verrückte Ideen haben soll. Wenn er aber auf die Idee gekommen ist, die Hamster zu entführen, muss er wirklich ganz schön beknackt sein."

"Vielleicht hatte er nur Langeweile", vermutete Marie. "Bestimmt wollte er die Hamster zum Spielen haben."

"Oder er wollte uns in sein Schloss locken", glaubte Daisy.

"Wir finden das nur heraus, wenn wir ihn uns vorknöpfen", meinte Elfriede ungeduldig und rief: "Wisst ihr, was ich glaube? Die tüteln alle ein bisschen mit ihren Gespenstern. Außerdem klauen sie sich gegenseitig Schafe. So, nun lasst uns endlich losgehen!"

 

Unsere Freunde liefen durch einen verwilderten Garten, der auch schon einmal bessere Zeiten gesehen hatte. Hier und da wuchsen ein paar wilde Rosen, umrahmt von hohen Rhododendronbüschen. Weiter ging es an hohen Birken vorbei bis hin zu einer kleinen Anhöhe, auf der eine Ruine stand.



Unsere Freunde blieben stehen und starrten ungläubig auf diese Ruine. Genauer gesagt, war es eigentlich keine richtige Ruine, denn im Inneren waren deutlich Möbel und Tapeten an den Wänden zu erkennen. Das Dach fehlte zwar, die Mauern waren beschädigt, doch das Gebäude schien bewohnt zu sein. Verblüfft schlichen die Kinder langsam näher. Plötzlich erhob sich vor ihnen etwas aus dem Gestrüpp und stürzte sich mit einem lauten Schrei auf sie. Entsetzt warfen sich unsere Freunde auf den Boden, doch schon wenige Sekunden später sagte Bruno: "Eine Ente, ein liebe Ente! Wusstet ihr eigentlich, dass Enten..."

"Klappe, Bruno!" Elfriede ärgerte sich, dass eine harmlose Ente sie und ihre Freunde so sehr in Angst und Schrecken versetzt hatte.

 

Sie waren an der Tür des verfallenen Schlosses angekommen, und als Bernie ein Stück nach rechts ging, um über einen niedrigen Teil der eingestürzten Seitenwand zu klettern, rief Elfriede: "Halt, Bernie, wir wollen doch anklingeln, wenn wir einen echten Lord besuchen, oder?"

Sie schritt zur Tür, hob einen schweren Eisenring, der dort angebracht war und ließ ihn fallen. Der Eisenring fiel scheppernd gegen die Tür. Nichts geschah. Sie probierte es noch einmal, und wieder rührte sich nichts im Schloss.

"Ich will auch mal!", meldete sich nun Rosie. Sie nahm den Eisenring, hob ihn hoch und ließ ihn wieder los. Leider vergaß sie, ihre Finger wegzunehmen, und der Ring klatschte ihr schwer auf die Hand. Rosie sah ungläubig auf ihre schmerzende Hand, holte tief Luft und schrie vor Schmerzen so laut, dass Ihre Freunde sich die Ohren zuhielten.

 

"Nanu", hörten sie eine Stimme krächzen, "seit wann geht denn die Klingel wieder? McClown, bist du das endlich? Komm schon rein, du Tölpel, die Tür ist doch offen!"

 

Langsam, einer nach dem anderen, traten unsere Freunde durch die Tür in die Vorhalle. Dort sahen sie endlich Lord McShredder; er saß wie immer in seinem Lehnstuhl. Als er die Kinder sah, richtete er sich auf und sprach: "Was wollt ihr hier? Bringt ihr vielleicht das Schaf wieder, das mir dieser McHobbel gestohlen hat?"

Elfriede trat vor.

"Sir, wir möchten ein paar Fragen stellen!"


"Ich will keine Waren bestellen", krächzte der Lord, "raus hier!"

"Ich sagte FRAGEN STELLEN", wiederholte Elfriede etwas lauter.

"ich brauche auch kein Wagengestell!"

"F-R-A-G-E-N S-T-E-L-L-E-N!", brüllte Elfriede nun.

"Ah, ihr macht eine Meinungsumfrage", freute sich McShredder. "Macht es euch doch bequem. Möchtet ihr ein paar Kekse? Ja? Dann geht doch bitte mal in die Küche und holt euch welche. Ihr könnt mir auch gleich einen Tee kochen, mein Butler ist noch nicht wieder da und, ich habe seit Tagen nichts gegessen und nichts getrunken."

Daisy, Bernie, Susi und Bertha liefen nun in die Küche, um alles Nötige zu holen.

"Ich glaube das einfach nicht", sagte Bertha als sie die Küche sah. "Wie sieht das denn hier aus? Herr Lord, sie müssten mal aufräumen!"

"Auf Bäumen? Was soll ich denn auf Bäumen, mein Kind?"

Wütend ging Bertha auf den Lord zu und schimpfte: "Solch eine Drecksküche, haben sie schon einmal etwas von Ordnung und Sauberkeit gehört?"

"Ein Orkan im Zauberwald? Wovon redest du?"

"DIE KÜCHE IST VÖLLIG VERDRECKT", brüllte Bertha nun, und ihre Augen funkelten gefährlich.

Lord McShredder sah sie empört an: "Dann hat dieser schlampige McClown vor seiner Abfahrt nicht aufgeräumt. Das werde ich ihm vom Gehalt abziehen. Äh, kleines Schwein, sei doch so gut und räume da mal eben auf, in Ordnung?"

Nun war es mit Berthas Beherrschung vorbei. Mit einem Schrei wollte sie sich auf den Lord stürzen, stolperte jedoch über Bruno, der gerade eine Ameise auf dem Boden entdeckt hatte. Rosie konnte sie gerade noch aufhalten, und Elfriede sagte schnell: "Bertha, mach das bitte. Wir müssen ihn bei Laune halten, damit wir ihn ausfragen können!"

Bertha beruhigte sich etwas, doch als der Lord in diesem Moment seine Pfeife am Tisch ausklopfte, und die Asche auf den Teppich fiel, rannte sie vor Wut laut kreischend in die Küche.

 

"Es ist schön zu sehen, wenn jemand so voller Freunde an die Arbeit geht", lächelte der Lord. "Wirklich ein nettes Schwein, aber sagt doch mal, woher kommt ihr?"

"Aus Deutschland", sagte Elfriede laut.

"Ah, aus good old Germany", rief der Lord, "sagt mir, wie geht es dem alten Wilhelm?"


"Wilhelm?"

Elfriede sah ihre Freunde ratlos an. "Wer soll denn das sein?"

"Ein Deutscher Kaiser", meldete sich Bruno. "Es gab allerdings zwei, die Wilhelm hießen und zwar Kaiser Wilhelm I. von 1871 – 1888. Der berief übrigens 1862 Bismarck zum Ministerpräsidenten und ließ den alles für ihn machen.

Danach war Kaiser Friedrich III. für 99 Tage dran, dem seine Frau Viktoria sagte, was er zu machen hatte, und deshalb hatte er immer Zoff mit Bismarck.

Der letzte Deutsche Kaiser war Wilhelm II. und zwar von 1888 - 1918, bevor er abdankte."

"Ach so", atmete Elfriede auf. "Dann will er also wissen, wer jetzt der erste Mann in Deutschland ist. Das ist doch der Bundeskanzler, oder?"

"Quatsch", antwortete Bruno ärgerlich, "der erste Mann in unserem Land ist der Bundespräsident!"

Elfriede bekam einen knallroten Kopf, drehte sich zu McShredder um und sagte: "Wilhelm, äh, geht es gut!"

"Er hat einen neuen Hut? Nun, dass ist schön zu hören."

Inzwischen hatten Daisy und Susi ein paar alte Kekse gefunden, und Bernie war dabei, den Gasherd zu reparieren. Bertha schrubbte fluchend die Küche.

 

"Wir haben einen Knopf gefunden", begann Elfriede nun und gab dem Lord den Knopf, den Bruno in Hamsterhausen gefunden hatte. Der Alte betrachtete den Knopf lange, gab ihn dann Elfriede zurück und krächzte verärgert: "Der Knopf gehört meinem Butler, diesem Tunichtgut! Alles lässt er liegen, alles vergisst er! Seht euch mein Schloss an - alles seine Schuld. Der Trottel fährt weg und lässt den Gasherd an. Als ich mir gestern eine Pfeife anzündete, hat es geknallt und das Dach war weg! Das werde ich ihm vom Gehalt abziehen, jawohl!"

"Wann kommt er denn wieder?", wollte Jennie nun wissen.

"Lieder? Der kann nicht singen, der kann gar nichts!"

"Nein", stöhnte Jennie, "ich meine, wann wird er zurück sein?"

"Stimmt genau", röhrte Lord McShredder, "der kann nur verrückt sein!"

"ICH WILL WISSEN, WANN ER WIEDER HIER IST!", brüllte Jennie mit hochrotem Kopf.

"Woher soll ich das wissen? Außerdem brauchst du nicht zu schreien, ich bin ja nicht taub!"

Der Lord zog an seiner Pfeife und rief: "Wo bleibt mein Tee?"


"Der bleibt in der Küche, bis der Boden trocken ist", schimpfte Bertha laut.

 

"Ich muss doch sehr bitten", krächzte der Lord so laut er konnte, "solch eine Antwort wird normalerweise mit Kerker bestraft!"

Jetzt kam Bertha erst richtig in Fahrt, sie nahm den Schrubber und hielt ihn dem Lord unter die Nase: "Von einem Hamsterräuber lass ich mir so etwas nicht sagen!"

McShredder sah sie empört an.

"Hamsterräuber, ich?"

"Ja, sie, sie Lordschuft, sie. Unsere Freunde einfach zu entführen!"

"Freunde", fragte McShredder verwundert, "wohnt ihr denn auch in Syrien?"

"Quatsch, die Hamster und wir wohnen in Deutschland!"

 

Der Lord kratzte sich am Kopf, zog erneut an seiner Pfeife und sagte nach kurzem Nachdenken: "Dann hat dieser trottelige McClown wieder alles vermasselt. Ich habe ihm gesagt: McClown, habe ich gesagt, fahre nach Syrien und hole Hamster. Ich habe nicht gesagt: McClown, fahre nach Deutschland und klaue Hamster."

"Und was sollte das Ganze?", fragte Elfriede nun.

"Mein Rheuma", jammerte McShredder, "es war so kalt im Schloss, dass mein Rheuma immer schlimmer wurde. Hamsterfell hilft gegen Rheuma, also sagte ich: McClown, ich brauche Hamsterfell zum Wärmen. Er sollte die Tiere scheren und mir die Wolle bringen."

Das ist ja wohl gründlich schief gegangen", stellte Elfriede fest. "Wo steckt denn ihr Butler? Hat er sich noch nicht gemeldet?"

"Versteckt?", fragte der Lord. "Nein, das glaube ich nicht, er hat sich nur noch nicht gemeldet, wir werden wohl noch auf ihn warten müssen."

 

Inzwischen war es Bernie gelungen, den Gasherd zu reparieren, und Susi brachte dem Lord eine Tasse heißen Tee. Unsere Freunde sahen sich nun in dem Schloss um. Es war weder sonderlich eingerichtet, noch sah es wie ein echtes Schloss aus. Die Fensterscheiben waren aus buntem Glas, und die Küche befand sich in einem halbrunden Raum, dessen Wände mehrere Meter hoch waren. Das Sonderbarste aber war eine verrostete Glocke, die schief an der Decke hing.

"Sagen sie mal, Herr Lord, wie lange bewohnen sie dieses, äh, Schloss schon?"

Lord Shredder sah Elfriede etwas verwirrt an und nuschelte: "Wie lang die Ohren ohne Rost sind? Keine Ahnung, mein Kind."


Das Wappen des Clan McShredder




"Wie lange haben sie das Schloss schon?", fragte Elfriede nun etwas lauter.

 

"Nun, äh, schon recht lange, mein Kind. Warum fragst du?"

"Weil dieses Schloss irgendwie einer Kirche ähnelt", stellte Elfriede mit noch lauterer Stimme fest.

In diesem Moment kam Bruno mit einer Handvoll Schnecken zur Eingangstür herein. Bertha wich entsetzt zurück und rief: "Hau ab mit deinen blöden Regenwürmern."

"Das sind Schnecken, keine Regenwürmer", rief Bruno empört. Dann wandte er sich Elfriede zu. "Bei den Gräbern da draußen sind ganz viele davon, und..."

"Gräber? Sagtest du Gräber?", stieß Elfriede entsetzt hervor.

"Ja, sagte ich. Also, diese lieben Schnecken hier gehören übrigens zu der Familie der..."

"Lord McShredder", rief Elfriede nun, "was geht hier vor?"

Der alte Lord lehnte sich in seinem Lehnstuhl zurück und betrachtete nachdenklich das zerstörte Dach. Dann nahm er einen Schluck Tee und zog an seiner Pfeife.

"Oh, meine Pfeife ist ja ausgegangen!"

"Was geht hier vor?", wiederholte Elfriede laut.

 

McShredder zündete langsam und umständlich seine Pfeife an und sah die Kinder mit unschuldigem Blick an.

"Na schön", krächzte er, "ich werde es erzählen. Aber ihr müsst versprechen, es nicht weiterzusagen!"

 

Unsere Freunde nickten zustimmend, er zog erneut an seiner Pfeife, blies den Rauch in den Raum und begann zu erzählen.

 

"Vor nicht allzu langer Zeit, so um 1920 herum, lebte ich als spanischer Ritter in meiner Heimat Andalusien. Eines Tages hörte der spanische König von dem sagenhaften schottischen Loch Ness Ungeheuer. Er befahl mir, Don Shreddo, dieses Ungeheuer nach Spanien zu bringen. So kam ich nach Schottland und machte mich sofort auf die Suche nach einem Monster namens Nessie. Es wurde die schwerste und gefährlichste Jagd meines Lebens, denn bisher hatte ich nur kleinere Drachen bekämpft. Nessie aber war ein riesiges Monster, ein Überbleibsel aus früheren Tagen. Es war eine Mischung aus Tyrannosaurus und Brontosaurus. Wisst ihr überhaupt etwas über Dinosaurier?", fragte McShredder die Kinder.

"Ich kenne nur den Bronchitis, aber der ist gestorben", rief Bertha.

"Genau", grinste Bernie, "der ist am Husten eingegangen!"

 



Alle schauten nun fragend Bruno an, der gerade dabei war, auf dem Teppich ein Schneckenrennen zu veranstalten.

"Dinosaurier sind aufgeteilt in Echsenbecken-Dinosaurier und Vogelbecken-Dinosaurier."

 

Bruno sah seine Freunde und den Lord an: "Wollt ihr wirklich mehr darüber wissen?"

Bevor Bertha etwas sagen konnte, rief der Lord: "Weiter, mein kleiner Freund, aber etwas lauter!"

Brunos Augen glänzten, und er fuhr fort: "Zu den Dinosauriern gehörten Pflanzenfresser und Fleischfresser. Daher werden sie in zwei Unterordnungen aufgeteilt:

Da gab es die Theropoden, auch Säugetierfüßer genannt. Zu ihnen gehörten fast alle Fleischfresser. Die meisten von ihnen liefen auf zwei Beinen. Der bekannteste ist der Tyrannosaurus Rex.

Dann gab es die Sauropodomorpha, auch Echsenfüßer genannt. Das waren fast alles Pflanzenfresser. Oft hatten sie einen langen Hals und liefen auf vier Beinen. Diese Echsenfüßer teilten sich in die Prosauropoden und die Sauropoden. Die Prosauropoden hatten schon einen langen Hals, konnten aber oft noch auf zwei Beinen laufen. Die Sauropoden hatten einen langen Hals und einen langen Schwanz und liefen normalerweise auf allen Vieren. Zu ihnen gehören die riesengroßen Dinosaurier, wie der Brontosaurus.

 

Dann gab es noch die Vogelbecken-Dinosaurier. Das waren ausschließlich Pflanzenfresser und sie besaßen in der Regel einen kleinen Hornschnabel am Unterkiefer. Sie werden in vier Untergruppen aufgeteilt. Zu ihren gehören die Ornithopoden, das sind Vogelfüßer. Weiterhin die Stegosaurier: Diese Pflanzenfresser sahen oftmals gefährlich aus. Sie hatten zwei Reihen aufrecht stehender Knochenplatten oder Stacheln auf dem Rücken und liefen auf vier Beinen. Allerdings gelten sie nicht als besonders intelligent, da sie im Vergleich zu ihrem riesigen Körper nur ein winziges Gehirn hatten. Die letzten beiden Arten sind die Ankylosaurier und die Ceratopier. Beides waren stark bepanzerte Pflanzenfresser. Die Ceratopier, auch Horngesicht genannt, trugen, wie der Name schon sagt, Hörner im Gesicht. Allerdings gab es auch einige Arten, die keine Hörner hatten. Gemeinsam war ihnen jedoch, dass sie alle einen kleineren oder größeren knöchernen Nackenschild - als Verlängerung des Schädels - und eine Art Papageienschnabel besaßen. Auch diese Pflanzenfresser liefen in der Regel auf allen Vieren."

Bruno machte eine Pause und Lord McShredder war beeindruckt: "Na, mein Kleiner, du weißt ja wirklich eine Menge! Wie ist denn dein Name?"

"Er heißt Bruno, und er ist mein Bruder", sagte Elfriede stolz und streichelte Bruno den Kopf.

Bruno duckte sich, denn er war es nicht gewohnt, von seiner Schwester gestreichelt zu werden, ganz im Gegenteil. Schnell bückte Bruno sich und nahm die Organisation seines Schneckenrennens wieder auf, bevor seine stolze Schwester womöglich auf die Idee kam, ihn zu küssen.

 


Mc Gregor

Susi hatte dem Lord inzwischen eine Tasse Tee nachgegossen, und nachdem er an seiner Pfeife gezogen hatte, nahm der Lord seine Erzählung wieder auf: "Nun, ich sollte also das Ungeheuer von Loch Ness zur Strecke bringen. Viele Schotten waren gekommen, um mir bei der Jagd zu helfen, doch einer nach dem anderen floh vor dem grässlichen Monster. Wer nicht rechtzeitig flüchtete, wurde von ihm in die Tiefe gerissen und nie wieder gesehen. Oft genug hatte ich das Monster in die Enge getrieben, doch ebenso oft konnte es mir im letzten Moment entkommen. Inzwischen war ich alleine im Kampf gegen Nessie. Mann gegen Mann, oder besser, Mann gegen Monster. So kämpfte ich Tag für Tag, Monat um Monat und Jahr um Jahr. Der spanische König hatte mich inzwischen vergessen, doch ich kämpfte weiter. Eines Tages, als ich erschöpft am Ufer des Loch Ness saß und daran dachte, den Kampf aufzugeben, setzte sich jemand neben mich. Es war der heilige McGregor, ein Mann der Kirche, der von meinem Kampf gegen das Ungeheuer gehört hatte. Er tröstete mich und sagte, dass es noch niemandem gelungen sei, das Monster zu fangen oder zu verjagen. Er sagte, ich solle aufgeben, es wäre besser so. Ich lehnte ab und schwor, dass ich das Monster besiegen würde. Der heilige McGregor lachte und bot mir eine Wette an. Sollte ich es schaffen, Loch Ness vom Ungeheuer zu befreien, so würde er mir seine Kirche schenken. Sollte das Monster stärker sein, so sollte ich mit Schimpf und Schande zurück nach Spanien fahren. Ich schlug ein und überlegte nächtelang, wie ich das Monster besiegen konnte. Dann kam mir die Idee: Dinosaurier hatten Angst vor Feuer, warum also sollte Nessie nicht auch Angst vor Feuer haben? Ich besorgte mir Fackeln mit Magnesium, die ja bekanntlich unter Wasser brennen, nahm

 

mein Schwert und stieg Nachts ins Loch Ness. Schnell fand ich das Monster in einer der Felsspalten tief unter der Wasseroberfläche, und ein mörderischer Kampf begann. Die ganze Nacht dauerte der Kampf, und als die Sonne aufging, hatte Nessie aufgegeben und war durch den Kaledonischen Kanal in die Nordsee geflüchtet. Erschöpft nach diesem langen Kampf nahm mich der heilige McGregor mit und schenkte mir diese Kirche. Das Ungeheuer von Loch Ness ist seitdem nicht wieder gesichtet worden. Noch heutzutage suchen Wissenschaftler vergebens nach dem Ungetüm. Jetzt kennt ihr den wahren Grund, warum das Monster von Loch Ness nicht mehr zu finden ist."

 

Lord McShredder zog an seiner Pfeife und betrachtete sie nachdenklich. Auch unsere Freunde sahen einander nachdenklich an, bis Rosie schließlich rief: "Wann gibt es Abendbrot?"

"In der Küche habe ich ein paar Konservendosen mit gebackenen Bohnen gesehen, sonst ist dort nichts."

"Unsinn", krächzte McShredder, "Franzbrote habe ich nicht, es gibt nur gebackene Bohnen!"

"Wer, bitte schön, soll denn so etwas essen?", fragte Bertha empört.

"Wir haben noch Brote dabei, und die schmecken lecker zu gebackenen Bohnen", schlug Bernie vor.

 

Da im ganzen Haus nichts Besseres zu finden war, mussten sich unsere Freunde wohl oder übel mit Bohnen begnügen. Bernie und Jennie war es sogar gelungen, aus ein paar Mauersteinen so etwas wie einen Kamin zu bauen, und bald saßen alle am Feuer und aßen. Es war so richtig gemütlich und warm am Feuer und die Bohnen schmeckten sogar Bertha. Langsam wurde es jetzt über dem Schloss dunkel, und die Nacht brach an. Unseren Freunden blieb nichts Anderes übrig, als den Lord zu bitten, im Schloss übernachten zu dürfen. Er hatte auch nichts dagegen, und somit zogen sich die Kinder in die oberen Zimmer zum Schlafen zurück. Der Lord hatte ihnen ein leer stehendes Zimmer an der Nordseite gegeben, das glücklicherweise ein fast vollständiges Dach besaß. Unsere Freunde holten ihre Schlafsäcke, die sie schlauerweise mitgenommen hatten, hervor und bereiteten sich ein Nachtlager.

 


Nach und nach schliefen alle erschöpft ein. Rosie jedoch konnte einfach nicht einschlafen. Das lag nicht nur daran, dass es recht kühl war, sondern es lag nur daran, dass noch immer der Geruch von gebackenen Bohnen in der Luft hing. Wehmütig dachte das hungrige Schwein an die leckeren Fleisch- und Gemüsetorten, die es im Pub gegeben hatte.

 

Der Weg zum Pub war natürlich zu weit, doch der Weg in die Küche nicht. Rosie vergewisserte sich noch einmal, dass ihre Freunde alle schliefen. Dann dann stand sie auf und schlich über den dunklen Flur hin zur Treppe. Es war still und unheimlich in dem nächtlichen Schloss, doch der Geruch, der aus der Küche kam, überdeckte Rosies Ängste. Vorsichtig, Schritt für Schritt stieg sie nun die Treppe hinab und stützte sich an der Wand ab. Die Wand fühlte sich kalt und feucht an, und Rosie dachte an schreckliche Seeungeheuer. Der Mond war inzwischen aufgegangen und warf unheimliche Schatten, als er durch das kaputte Dach schien. Eine Fledermaus erschien für einen kurzen Moment am Himmel, und es schien, als würde sie durch das kaputte Dach ins Schloss hineinstürzen. Rosie bewegte sich mit klopfendem Herzen so schnell sie konnte zur dunklen Küche hin. Inzwischen bereute sie es, nur wegen ein paar kalter Bohnen in dieser unheimlichen Nacht alleine durch das Schloss zu schleichen. Sie hatte das Gefühl, als würde sich in jeder Ecke des alten Gemäuers irgend etwas verstecken. Es lief ihr eiskalt den Rücken herunter, und zitternd erwartete sie, dass sich jeden Moment ein Monster mit langen Reißzähnen auf sie stürzen würde. Sie hatte fast die Küche erreicht, als sich plötzlich die Eingangstür des Schlosses langsam und knarrend öffnete. Rosies Herz schien vor Schreck stehen zu bleiben. Mit letzter Kraft stolperte sie in die Küche und versteckte sich unter einem Tisch. Sie hielt den Atem an. Ganz deutlich hörte sie nun ein entsetzliches Keuchen. Vorsichtig blinzelte sie in die Richtung, und ihr gefror das Blut in den Adern. Ein Monster kam in das Schloss gekrochen! Jetzt war Rosie endgültig mit den Nerven fertig. Sie schrie, so laut sie konnte. Das Monster wollte sich aufzurichten, doch Rosie griff nach allem, was sie finden konnte: Töpfe, Teller, Besteck, Tassen und warf es mit aller Kraft nach dem Ungeheuer. Sie schrie, und sie warf immer weiter mit allem, was ihr in die Hände kam, bis die Bestie laut aufheulte. Plötzlich war alles um sie herum in ein helles Licht getaucht, und Rosie sah nichts mehr. Das ist das Ende, dachte sie verzweifelt, doch dann hörte sie eine Stimme: "Was ist los, Rosie?"

 


Elfriede und Bernie kamen mit einer Taschenlampe in der Hand die Treppe herunter gerannt, gefolgt von Lord McShredder, der ein Licht in der Hand hielt.

Elfriede und Bernie liefen sofort zu der schreienden Rosie hin, während McShredder mit dem Licht in der Hand auf das Ungeheuer zuging, das bewegungslos neben der Eingangstür am Boden lag.

"Gebt mir mal mehr Licht!", krächzte McShredder. Daisy, die mit den anderen nachgekommen war, brachte eine zweite Kerze. Elfriede sah aufgeregt hin und entdeckte jetzt, dass neben dem bewusstlosen Körper mehrere Töpfe und Pfannen lagen. Rosie hatte in ihrer Angst das Monster erstaunlich gut getroffen, scheinbar war es sogar schwer getroffen.

 

"Willkommen daheim, McClown", hörten die Kinder den Lord jetzt sagen. "So etwas passiert, wenn man nicht anklopft und heimlich hereinschleicht!"

Unsere Freunde kamen jetzt näher und sahen den Butler Frido McClown völlig verschmutzt, nur mit einer Unterhose bekleidet, am Boden liegen. Er hatte am Kopf eine dicke Beule und direkt daneben lag ein großer, verbeulter Topf. Der Lord räusperte sich und sagte: "Ich muss mich für das Aussehen meines Butlers entschuldigen, normalerweise ist er ein ordentlicher Mensch."

"Der arme Kerl", sagte Bertha, "eine richtig fette Beule hast du ihm verpasst, meine liebe Rosie!"

"Aber... aber ich hatte gedacht, das ist ein Monster."

"Na, toll! Erst abschießen und dann fragen! Was, meine liebe Rosie?"

"Aber er hätte ja was sagen können!"

"Wenn man einen Topf an den Birne kriegt, kann man nichts mehr sagen!"

"Unsinn", meldete sich nun Lord McShredder, "er braucht nicht an den Tropf, er braucht nur etwas Ruhe. Ein Butler muss so etwas aushalten!"

"Die Hamster!", keuchte Elfriede aufgeregt, "Wo sind unsere kleinen Freunde geblieben?"

Der Lord sah sie verwundert an: "Warum willst du ihn in die Scheune schieben? Hier gibt es keine Scheune!"

Elfriede rollte genervt mit den Augen. Ihr Blick fiel auf den bewusstlosen Butler. Halb nackt lag er dort auf dem kalten Fußboden des Schlosses.

"Er muss höher gelegt werden, auf dem Boden ist es zu kalt", sagte sie, und McShredder krächzte: "Mit einem Hörgerät durch den Wald toben? Warum? Ich brauche kein Hörgerät, ich habe scharfe Ohren!"

 

Bevor Elfriede vor Wut explodieren konnte, kamen Bernie, Daisy und Jennie ihr zur Hilfe und halfen, den Butler auf ein Sofa zu legen. Als Bertha in der Zwischenzeit die Haustür schließen wollte, stutzte sie und rief: "Da liegt ja ein Paket vor der Tür, holt denn hier keiner mal die Post herein?"


"Paket? Post?", rief Elfriede und stürzte an Bertha vorbei ins Freie. Sie packte den großen Karton und brachte ihn ins Zimmer, während Bertha nun die Tür zumachte. Alle waren jetzt um Elfriede versammelt, als sie den schmutzigen Karton öffnete und zu ihrer grenzenlosen Freude ihre geliebten Hamster sah. Die kleinen Nager sahen schmutzig aus, ihr Fell war zerzaust, und sie waren recht abgemagert. Sie fiepten die Kinder hungrig an, doch ansonsten schienen die kleinen Tiere bei bester Gesundheit zu sein. Elfriede rannte in die Küche und sah sich um. Es gab kein Brot mehr, keine Milch, keine Nüsse und auch kein Obst oder Gemüse, nur gebackene Bohnen. Elfriede zuckte bedauernd mit den Schultern, öffnete eine Dose Bohnen und kippte den Inhalt in einen Teller. Dann nahm sie den Teller und ging ins Wohnzimmer zu den Hamstern zurück. Bertha sah sie ungläubig an: "Willst du die armen Tiere mit diesem Fraß füttern?"

"Tja", grinste Elfriede, "es gibt nichts Anderes. Wenn wir baked beans essen, kann es für die Hamster ja wohl nicht giftig sein, oder? Wir können sie schließlich nicht verhungern lassen."

Bertha sah das ein und beobachtete nun, wie die kleinen Nager sich vorsichtig dem Teller Bohnen näherten. Sie schnüffelten und schnüffelten, bis sie den Teller erreichten, mit ihren kleinen Pfötchen eine Bohne nahmen und probierten. Dann geschah etwas, mit dem die Kinder nicht gerechnet hatten: Die Hamster stürzten sich auf den Teller, und schon nach kurzer Zeit musste Elfriede eine zweite Dose aufmachen.

 

"Es wäre besser, wenn die Hamster nicht soviel von den Bohnen essen würden", meldete sich nun Bruno.

"Was weißt du denn schon von Hamstern?", fragte Elfriede ärgerlich. Bruno überlegte nicht lange und sagte: "Der Goldhamster, auch Mesocricetus Auratus genannt, ..."

"Ja, ja, schon gut", stöhnte Elfriede genervt, "aber wieso gönnst du den kleinen Viechern die Bohnen nicht? Sieh doch mal, Bruno, ich glaube, sie feiern gerade eine Party! Du sieht doch, dass ihnen Bohnen bekommen und dass..."

Elfriede unterbrach ihren Wortschwall und schaute erneut zu den Hamstern hin. Was war das? Ganz deutlich konnte sie hören, dass die Hamster Geräusche von sich gaben. Bertha hielt sich bereits die Nase zu und rief: "Nein, wie ekelig!"

 


Bruno hatte Recht gehabt, denn die Bohnen hatten auf die Hamster eine durchschlagende Wirkung. Den Hamstern gefiel es, denn sie hatten ihren Spaß daran, um die Wette zu furzen. Die Luft im Raum war kaum noch zu ertragen. Es war mittlerweile spät in der Nacht, und unsere Freunde konnten kaum noch ihre Augen offen halten, und so meldete sich Bernie als Erster: "Ich glaube, ich gehe wieder ins Bett.", gähnte er. "Lasst uns den Butler mit einer Decke zudecken. Bestimmt hat er sich bis Morgen früh erholt."

"Bleibt nur noch das Problem mit unseren Stink-Hamstern", überlegte Elfriede. "Ich hatte mich schon darauf gefreut, sie mit ihn unser Zimmer zu nehmen, aber nicht, wenn die Bohnen gefressen haben!"

"Dann bleiben die eben hier beim Lord", meinte Bernie und zeigte auf McShredder, der bereits in seinem Sessel eingeschlafen war und schnarchte. "Der hört das Gefurze ohnehin nicht, und der Geruch kann ihn im Moment nicht sonderlich stören.”

 

So kam es, dass der Karton mit den Hamstern für diese Nacht neben den Sessel von Lord McShredder gestellt wurde, während sich unsere Freunde wieder zum Schlafen zurückzogen. Dann kehrte endlich Ruhe im Schloss ein.

 


Am nächsten Morgen wachte McClown als Erster auf. Erstaunt sah er sich um und begriff, dass er wieder Zuhause war. Sein Kopf schmerzte und er fühlte, dass er eine dicke Beule an der linken Seite des Kopfes hatte. Die Hamster, dachte er und sprang erschrocken auf. Zu seiner großen Erleichterung sah er nun den Karton neben dem schlafenden Lord stehen. Trotz der Kopfschmerzen fühlte sich McClown etwas frischer und besser als in den letzten Tagen. Zu seiner großen Freude konnte er sich nun auch wieder an alles genau erinnern. Ob das von der Beule an seinem Kopf kam? Er ging in das Bad im Keller und befreite sich von dem Schmutz und Dreck der vergangenen Tage. Dann zog er frische Kleidung an und warf einen Blick in die Küche. Bis auf ein paar herumliegende, verbeulte Töpfe sah der Raum völlig aufgeräumt auf. Der Butler kratzte sich am Kopf und überlegte, ob er den alten Lord unterschätzt hatte, denn schließlich hatte der alte Sack noch nie etwas weggeräumt. Danach ging er zur Haustür hinaus, und sein Weg führte ihn nun direkt zu einer Grocery, einem kleinen Krämerladen. Dort kaufte er eine riesige Tüte Brötchen für die Hamster, sowie Brot, Butter, Orangenmarmelade und Tee. Schwer beladen kehrte er nun ins Schloss zurück und marschierte gleich in die Küche, um das Frühstück vorzubereiten. Die frischen Brötchen dufteten lecker, und nachdem McClown freudig festgestellt hatte, dass der Gasherd wieder funktionierte, kochte er gleich eine Riesenkanne Tee. Er freute sich schon auf das dumme Gesicht des Lords, als er plötzlich eine heisere Stimme neben sich hörte und erschrak: "Darf ich auch eine Tüte Brötchen haben?"

Rosie stand neben ihm. Der Geruch der Brötchen hatte sie aus dem Bett gelockt. Der Butler drehte sich langsam um und traute seinen Augen nicht. Ein Schwein? Wieso stand da ein Schwein? Er war gestern Abend froh gewesen, dass das kleine Ferkel ihn endlich verlassen hatte, als sie an einem kleinen Bauernhof vorbeikamen, und nun stand schon wieder ein Schwein vor ihm. Allerdings ein viel größeres und es sah recht gierig aus.

"W... wer bist du?", fragte er erstaunt.

"Ich heiße Rosie und bin am Verhungern."

McClown gab Rosie ein Brötchen.

"Darf ich fragen, was ein Schwein im Schloss seiner Lordschaft zu suchen hat?"

"Meine Freunde und ich waren auf der Suche nach unseren entführten Freunden, den Hamstern aus Hamsterhausen ...", und so erzählte Rosie die ganze Geschichte.

 

Mittlerweile waren die anderen Kinder ebenfalls hinzu-gekommen und hörten sich nun an, was Frido McClown von seiner abenteuerlichen Reise zu berichten hatte. Als er fertig war, meinte Elfriede grinsend: "Jedenfalls haben sie dank Rosie ihr Gedächtnis wieder!"

Alle lachten, und dann gab es ein ausgedehntes Frühstück. Der Lord war, nachdem er endlich aufgewacht war, jedoch sehr empört, dass ihm kein neuer Tabak mitgebracht worden war. Nachdem allerdings auch er hörte, was seinem treuen Butler unterwegs alles passiert war, wurde er etwas freundlicher und gestattete, dass McClown erst einmal frühstücken und danach den Tabak holen sollte. Plötzlich klopfte es an der Tür und sofort stand der Butler auf.

 

"Wo steckt dieser McShredder?", hörten unsere Freunde jemanden mit wütender Stimme sagen. "Ich will meine Vorräte wiederhaben, die er gestohlen hat!"

Ein Mann in einer merkwürdigen Tracht trat ein und ging sofort auf den Lord zu: "Mein Name ist Stólpi Vegdraupnir aus Reykjavik!"

"Du hast beim Baden mit einem Tier ein Eis geschleckt?", fragte der Lord verwundert. "Was das nicht alles gibt bei euch Isländern."

Isländischer Hamster mit Kuscheldrachen



Es dauerte etwas, bis dem Lord klar wurde, worum es ging. Nach einigen Minuten verließ Stólpi Vegdraupnir das Schloss mit dem Geld, dass der Lord ihm als Wiedergutmachung gegeben hatte und fuhr nach Island zurück.

 

 

Kurz darauf klopfte es erneut an der Tür, und wieder öffnete der Butler.

"Wo ist der Mistkerl McShredder?", hörten die Kinder jemanden rufen. "Er muss mir die Plane, die Taue und den Korb bezahlen!"

Ein recht großer, wütend aussehender Mann trat ein und baute sich drohend vor dem Lord auf: "Ich bin Raghnak Alsvinnur und will Geld sehen!"

"Häh?", rief der Lord, "Du bist ganz nackt auf dem Flur und willst aufs Feld gehen? Ihr Isländer seid ganz schön komisch!"

Bevor Raghnak Alsvinnur sich auf McShredder stürzen konnte, war McClown dazwischen gegangen und klärte erneut die Lage. Nach kurzer Zeit verließ der Isländer fröhlich pfeifend das Schloss.

"Wir haben fast kein Geld mehr, McClown", krächzte Lord McShredder, "was mag als nächstes passieren?

 

Es klopfte wieder an der Tür. Diesmal recht laut.

"Herein, wenn's kein Isländer ist", rief der Lord. Ein Mann trat ein, unverkennbar ein Schotte. Der Butler führte ihn herein, und der Mann stürzte auf den Lord zu: "Einem Lachlann McGowan stiehlt man nicht ungestraft ein Schwein!"

"Am lachenden Ofen schält man ein straffes Bein?", wunderte sich McShredder. Diesmal allerdings hatte der Butler allerdings erhebliche Mühe, die Hände des Bauern Lachlann McGowan vom Hals des Lords zu lösen. Nachdem der Bauer aber erfahren hatte, auf welchem Bauernhof er sein Ferkel wiederfinden konnte, kehrte wieder Ruhe ins Schloss ein. Zumindest solange, bis es wieder an der Tür klopfte.

 

"Wie wär's, wir bauen eine Drehtür ein", grinste Bernie, als der Butler erneut die Tür öffnete.

"Die Milch! Ich will, dass jemand meine Milch bezahlt!"

Eine wütende Bäuerin trat ein. Auch sie ging direkt zum Lord, der völlig genervt in seinem Sessel saß und sich ärgerte, dass er noch immer keinen neuen Tabak zum Rauchen hatte.

 

"Ich heiße Sarah McConner, mein Herr..."

"Ein Fahrrad im Sommer muss her?", unterbrach sie McShredder. "Was für einen Blödsinn muss ich mir heute noch gefallen lassen?"


Zum Glück konnte der herbeigeeilte Butler auch diese Sache aufklären, und nachdem die Bäuerin das Geld für die gestohlene Milch erhalten hatte, verließ sie zufrieden das Schloss.

 

Nachdenklich saßen nun Lord und Butler im Wohnzimmer. Bruno hatte bereits den Karton mit den Hamstern herbeigeholt, und auch die anderen Kinder begannen jetzt, ihre Rucksäcke zu packen. Alle waren froh, dass es wieder nach Hause ging. Alle, bis auf Elfriede. Ihr tat es leid, die beiden in ihrem kaputten Schloss zurückzulassen. Bestimmt hatten die beiden kein Geld für eine Reparatur und würden im Winter jämmerlich frieren. Sie überlegte, und plötzlich hatte sie eine Idee: "Lord McShredder", rief sie laut, "sie waren doch ein berühmter Mann in Spanien, oder?"

"Ja, das stimmt. Ich besitze immer noch zahllose Ländereien und Häuser dort."

"Und ihr Rheuma, wird das nicht immer schlimmer durch das raue schottische Klima?"

"Nein, nicht prima. Es wird eher schlimmer!"

Elfriede grinste und sprach vorsichtshalber wieder etwas lauter weiter: "Meinen sie, Sir, dass sie diese Schlosskirche wieder aufbauen können?"

"Womit denn? Ich habe ja nicht mal Geld für Tabak!"

"Wie wäre es", fragte Elfriede und trat ganz dicht an den Lord heran, "wie wäre es, sie fahren zurück in das warme Spanien?"

 

McShredder starrte sie einen Moment an, sein Blick glitt auf das kaputte Dach und dann wieder hin zu Elfriede. Dann stand er auf, reckte und streckte sich und rief: "McClown, pack die Koffer, wir fahren nach Hause!"

Verwirrt kam der Butler näher: "Nach Hause, Sir?"

"Sind sie schwerhörig, McClown?"

"Nein, Sir, ich meine nur, Sir, wie sollen wir...."

"Mit dem Schiff natürlich, McClown, wie denn sonst!"

Der Butler überlegte einen Moment, dann sagte er: "Sir, ich kenne da einen Kapitän..."

"Was?", brüllte der Lord, "Sie pennen im Stehen? Packen sie endlich die Sachen, ich will los!"

 


Elfriede war inzwischen zu ihren Freunden gegangen. Fast wäre ihr das Zauberfläschchen vor Lachen aus der Hand gefallen. Sie winkte noch ein letztes Mal dem Lord und seinem Butler zu, doch die waren mit ihrer Streiterei beschäftigt.

 

Gerade wollte Elfriede das Zeichen für den Aufbruch geben, als es mal wieder an der Tür klopfte. McClown kratzte sich am Kopf und ging hin, um zu öffnen.

Guten Tag, Sir,” hörten die Kinder jemanden sagen, “es geht um die Zeitungen, die sie neulich bei mir nicht bezahlt hatten. Dürfte ich eintreten?”

 

"Auf geht's", rief Elfriede ihren Freunden zu, nahm den Korken und stöpselte ihn auf das Zauberfläschchen. Nebel erfüllte nun das Wohnzimmer des alten Schlosses. Elfriede hörte als letztes, wie McShredder seinen Butler anschrie, er solle die Tür zumachen, und nicht jeden hergelaufenen Blödmann in sein Schloss lassen. Dann drehte sich auf einmal alles um unsere Freunde herum – immer schneller und schneller. So ging es ein paar Sekunden, bis der Nebel sich auflöste, und sie wieder im ihrem geliebten Zauberwald waren.

 

Welch ein Abenteuer”, lachte Elfriede und sah ihre Freunde an.

Ja”, stimmte ihr Rosie zu, “und das Essen war oberlecker!”

Alle nickten begeistert. Bis auf Bertha und Bruno. Bruno war bereits wieder auf Schneckenjagd gegangen und Bertha versuchte verzweifelt, ihre Schuhe von Schafscheiße zu säubern.

Meine Mutter glaubt mir nie im Leben, wenn ich erzähle, dass ich nichts dafür kann”, jammerte sie.

Plötzlich gab Elfriede einen leisen Schrei von sich, und alle sahen sie entsetzt an.

Wir haben etwas vergessen”, sagte sie und blickte ihre Freunde geheimnisvoll an. Sie griff in ihre Hosentasche und zog langsam etwas hervor.

Wir haben vergessen, McClown den Knopf wiederzugeben!”

 

Die Hamster wurden noch schnell zum Tunnel nach Hamsterhausen gebracht, und es wurde Zeit für die Freunde, sich voneinander für diesen Tag zu verabschieden. Die Eröffnungsfeier für den Tunnel wurde auf den nächsten Tag verschoben, denn nun ist diese Geschichte zu

 

 

ENDE.

 

 

Nachtrag

 

Sollte der eine oder die andere Zweifel an der Wahrheit dieser Geschichte haben, so lässt sich alles sehr einfach überprüfen. Dazu braucht ihr nur nach Schottland zu fahren.

Zum Beispiel gibt es den Ort, an dem der Butler McClown mit den Hamstern in einem Fesselballon landete, tatsächlich. Es gibt dort auch wirklich einen Strand, der so aussieht, wie ein Strand an einer Mittelmeerinsel. Ihr müsst nur nach Bettyhill fahren. Auch die Höhle, in der McClown eine Nacht verbrachte,gibt es tatsächlich, sie heißt Smoo Cave und befindet sich ganz in der Nähe von Bettyhill. Die Kirche, die McShredder von McGregor bei einer Wetter gewonnen hat? Auch die gibt es, sogar das Grab von McGregor befindet sich dort. Wenn ihr einmal in Schottland seid, seht doch selber nach! Was aus dem Lord und seinem Butler geworden ist? Nun, sie waren tatsächlich mit dem Kapitän, der McClown nach Island gebracht hatte, gefahren. Allerdings waren sie etwas zu weit südlich gelandet und hatten sich in Afrika verirrt. Inzwischen jedoch leben sie glücklich und gesund in Spanien, das heißt, ob auch der Butler wirklich glücklich ist, habe ich leider nicht erfahren können.

 

 

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