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9. Kapitel

 

 

 

 

 

McClown kriegt schweinischen Ärger

 

 

 

 

 

In der Zwischenzeit hatte der Butler McClown ein paar neue Probleme: Der heftige Regen hatte seine Papierkleidung völlig aufgeweicht, und ihm war kalt. Die Hamster dagegen lagen eingewickelt in seine ehemaligen Klamotten und waren hungrig. Wo um alles in der Welt sollte er neue Kleidung und etwas zum Essen herbekommen? Kopfschüttelnd setzte McClown seinen Weg nach Süden fort. Hin und wieder kam ein Auto vorbei. Jedes Mal versuchte er, es durch Handzeichen zum Anhalten zu bringen, doch beim Anblick des halb nackten McClowns gaben die Autofahrer jedesmal Vollgas und fuhren schnell weiter. Dem Butler war klar, dass er bei seinem langsamen Tempo sehr, sehr lange bis zum Schloss zurück brauchen würde. Wenn er die ganze Strecke zu Fuß gehen würde, dann bräuchte er einige Wochen. Vorausgesetzt, er würde vorher nicht erfrieren oder verhungern. Völlig mutlos ging er nun an einem Heuwagen vorbei, der am Straßenrand stand.

 

 

 

Plötzlich kam ihm eine Idee. Er drehte sich um und ging zurück zum Heuwagen. Wie es sich für einen Heuwagen gehört, war er mit Heu beladen. McClown nahm den Karton mit den Hamstern und warf ihn auf den Heuberg. Dann kletterte er hinterher. Oben angekommen, schob er das Heu soweit zur Seite, dass er sich mit dem Karton im Heu verstecken konnte. Es piekte von allen Seiten, aber das war ihm nun egal, denn hier war es warm und trocken. Butler und Karton waren jetzt tief im Heu versteckt. Es war dunkel und gemütlich, und das wirkte einschläfernd auf müden McClown. So bemerkte er nicht, dass der Heuwagen weggefahren wurde, während er tief und fest schlief.

 

 

 

Ein heftiger Aufprall riss den Butler aus dem Schlaf. Er hörte das ängstliche Fiepen der Hamster doch er konnte nichts sehen. Alles um ihn herum war schwarz, und seine Augen waren verklebt. Erschrocken wischte er seine Augen und war erleichtert, dass er nun wenigstens wieder sehen konnte. Es dauerte einige Zeit, bis er begriff, was passiert war und wo er sich befand. Sein Gesicht und sein ganzer Körper waren mit schwarzem Schlamm bedeckt. Er lag in einer schmutzigen, stinkenden Brühe.

 

 

 

"Ein Schweinstall", fluchte er, "sie haben mich in einen Schweinestall gekippt!"

 

 

 

 

In der Tat war das Heu als Futter für das Vieh auf einem kleinen Bauernhof bestimmt. Natürlich hatte McClown nicht vorhersehen können, dass jemand den Wagen weiterfahren würde, während er schlief. Er sah sich um. Er war in einer kleinen Scheune; auf der einen Seite befanden sich Schweine, auf der anderen sah ihn eine Kuh mit großen Augen an. Schimpfend erhob er sich aus einem breiigen, stinkenden Schlamm und suchte fieberhaft den Hamsterkarton.

 

Er fand ihn neben dem Schweinetrog, riss er ihn an sich und suchte den Ausgang des Viehstalls. Nicht weit von ihm entfernt entdeckte er eine Holztür und lief darauf zu. Das war ein Fehler, denn McClown rutschte auf einem Kuhfladen aus und fiel direkt vor die Beine einer Kuh. Während er einen Moment benommen liegen blieb, begann das große Tier, ihn mit seiner riesigen Zunge abzulecken. Der Butler stand angewidert auf und flüchtete zur Tür, doch als er sie ein Stück geöffnet und hinausgeschaut hatte, schloss er sie schnell wieder. Nebenan war die Küche, und dort saß die Bauernfamilie beim Abendbrot.

 

Mist, dachte der Butler, denn ihm blieb nichts Anderes übrig, als zu warten, bis die gesamte Familie schlafen gegangen war. Die Kuh war ihm nachgelaufen und begann erneut, an ihm zu schlecken.

 

"Lass das bitte, ich bin kein Kalb", zischte er dem Tier zu, doch die Kuh schien das nicht zu interessieren. McClown flüchtete nun zur anderen Seite des Stalls, wo sich die Schweine aufhielten. Erschöpft setzte er sich dort in eine Ecke. Doch schon nach kurzer Zeit war er von neugierigen Schweinen umringt. Sie schnüffelten an ihm herum, und auch sie begannen jetzt, den armen Butler abzulecken.

 

"Lasst das, ihr Schweine", fauchte McClown, und während er sich einen anderen Platz suchte, wurde ihm klar, warum die Tiere hinter ihm her waren. Salz! Manche Tiere sind ganz wild auf Salz. Er war mit dem Ballon über die Nordsee gekommen, also war der Geruch und der Geschmack von Salzwasser an seinem Körper. In diesem Moment fühlte er wieder die raue Zunge der Kuh in seinem Gesicht, und erneut flüchtete er in eine andere Ecke des Viehstalls. Dort warteten jedoch schon die Schweine auf ihn und grunzten ihn freudig an. Schnell drehte er sich um und ging in die andere Richtung, dort aber wartete schon die Kuh, die freudig mit dem Schwanz wedelte. Fluchend ging McClown zur Tür und lauschte, doch zu seiner Enttäuschung ging die Familie noch nicht ins Bett, sondern fing an, sich mit irgendwelchen Kartenspielen die Zeit zu vertreiben.

 



 

Er drehte sich um: Die Kuh wartete schon auf ihn – wenige Schritte entfernt standen die Schweine und sahen ihn hoffnungsvoll an. Ein paar Minuten lang lief McClown von einer Ecke des Stalls in die andere, doch schließlich gab er auf. Er wehrte sich nun nicht mehr, und als Kuh und Schweine ihn ableckten, es war ihm egal.

 

 

 

"Warum immer ich", stöhnte er, "warum nicht dieser alte, vertrottelte Sack McShredder, der mir das alles eingebrockt hat?"

 

Weder die Kuh noch die Schweine antworteten ihm. Stattdessen leckten sie den armen Butler immer wieder und wieder ab.

 

 

 

Stunden später war es soweit, die Bauernfamilie hatte sich endlich zum Schlafen zurückgezogen. McClown konnte es jetzt wagen, durch die Tür zu schleichen und den Stall zu verlassen. Als er die Küche betrat, merkte er, dass die Tiere ihm folgten. Sofort versuchte er, die Tür schnell hinter sich zu schließen. Er drückte von der einen Seite gegen die Tür und die Tiere von der anderen. Schließlich hatte er es geschafft, und die Tür war zu. Ein Ferkel hatte es jedoch geschafft, sich durch den Türspalt zu quetschen und folgte unauffällig McClown. Vorsichtig schlich der Butler durch die Küche hin zur Hoftür. Als er die Klinke leise herunterdrückte, gefror ihm vor Schreck fast das Blut in den Adern. Er spürte von hinten eine kalte, schnüffelnde Schnauze an seiner Wade.

 

Der Hofhund, schoss es ihm durch den Kopf, und panische Angst erfüllte ihn. Hofhunde sind groß, gemein und gefährlich, dachte er schwitzend, er wird mich beißen und zerfleischen, und dann wird er die Hamster töten. McClowns Beine wurden immer weicher, er fiel schluchzend auf die Knie und wartete auf den tödlichen Biss der Bestie. Nichts geschah und seine Angst wurde immer größer. Er schloss die Augen und wartete weiter, doch es geschah noch immer nichts. Schlotternd vor Angst beschloss nun der Butler, um sein Leben zu betteln. Auf den Knien liegend drehte er sich mit geschlossenen Augen um und wimmerte: "Hab doch Erbarmen mit mir, du bist viel stärker und mächtiger als ich. Ich ergebe mich. Sei gnädig mir mir, du mächtiges, starkes Wesen. Habe Mitleid mit mir und den unschuldigen, kleinen Hamstern!"

 



 

Es geschah noch immer nichts. McClown öffnete vorsichtig ein Auge, um der mörderischen Bestie tapfer ins Auge zu schauen. Vor ihm saß ein winziges, niedliches Ferkel und schaute ihn fragend an. McClown hatte sich noch nie so dämlich in seinem Leben gefühlt. Zutiefst erleichtert nahm er den Hamsterkarton und ging vorsichtig in den Hof hinaus. In südlicher Richtung befand sich ein Wald, der schien das geeignete Versteck zu sein. Nach wenigen Minuten waren er und die Hamster in Sicherheit. Nachdem er sich mit Zweigen und Laub ein Nachtlager gebaut hatte, versuchte er, ein wenig Schlaf zu finden. Es störte ihn etwas, dass die Hamster wieder mit ihrer nächtlichen Party begonnen hatten, doch noch mehr störte es ihn, dass das Ferkel an seinen Füßen lutschte.

 

 

 

Am nächsten Morgen wachte McClown vor Kälte schnatternd auf. Dankbar warf er einen Blick auf das Ferkel, das sich auf seine kalten Füße gelegt hatte und ihm wenigstens etwas Wärme gespendet hatte. Die Sonne schien und der Butler beschloss, den schattigen Wald zu verlassen, um sich in der Sonne etwas aufzuwärmen. Nachdem er die Landstraße erreicht hatte, stellte er zu seiner grenzenlosen Freunde fest, dass es nur noch wenige Kilometer bis zum heimischen Schloss waren. Der Heuwagen hatte ihn anscheinend ein gutes Stück in die richtige Richtung gefahren, erkannte er dankbar. Auf seinem weiteren Weg gelang es ihm, eine Kanne Milch von einem kleinen Hof zu stehlen. Fast hätte ihn eine wütende Bäuerin erwischt, doch McClown hatte Glück. Gegen Mittag erreichte er eine kleine Querstraße; von dort aus führte der Weg weiter in Richtung Schloss. McClown atmete tief durch und rief: "Freunde, nur noch ein paar Stunden, dann haben wir es geschafft!"

 

Er nahm das kleine Ferkel bei den Vorderpfoten und tanzte mit ihm hin und her.

 

"Endlich wieder in einem kuscheligen Bett schlafen", jubelte er, doch das kleine Ferkel sah ihn nur fragend an.