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7. Kapitel

 

 

 

 

 

McClown landet

 

 

 

 

 

In der Zwischenzeit hatte McClown drei Probleme:

 


Erstens hatte er keinerlei Ahnung von der Navigation eines Fesselballons, und deshalb trieben sie mal hier und mal dorthin. Zweitens stellte er zu seinem Entsetzen fest, dass die heiße Luft im Ballon langsam abkühlte, und sie immer tiefer über dem Atlantik flogen. Schließlich und endlich ging ihm drittens die ständige Feierei der Hamster gewaltig auf die Nerven. Er wusste, dass man Ballast abwerfen musste, damit der Ballon wieder etwas in die Höhe stieg. Er wusste aber auch, dass nur er und die Hamster an Bord waren. Die Hamster wogen fast nichts, also müsste er schon über Bord springen, aber diese Lösung gefiel ihm überhaupt nicht.

 

McClown hatte in der letzten Stunde mindestens hundertmal nach unten gesehen, und jedes Mal war die Wasseroberfläche näher gekommen. Er sah wieder vom Rand des Korbs hinunter und schätzte, dass es noch 30 Meter bis zum Aufprall waren. Pro Minute sanken sie ungefähr einen Meter. Er mochte nicht daran denken, was dann folgte. Der Korb würde ihnen dann genauso wenig wie die Plane nützen, beides konnte sie nicht lange über Wasser halten.

 

 

 

Der Butler blickte in die Richtung, in der er Schottland vermutete. Der Himmel war bewölkt und es war nebelig - es war unmöglich zu sagen, wie weit es noch war. Er drehte sich um und sah Richtung Island und erkannte sein nächstes Problem: Eine riesige, schwarze Gewitterfront näherte sich von Norden. Das erste Grummeln des nahenden Gewitters war schon zu hören. Na toll, dachte er, es ist wirklich keine langweilige Überfahrt. Er sah zu den Hamstern, die sich erschöpft vom Feiern schlafen gelegt hatten. Wieder sah er nach unten, und wieder war die Wasseroberfläche näher gekommen, als McClown plötzlich ein Licht aufging. Gewitter bedeutet Wind und Sturm, überlegte er. Vielleicht würde der Sturm sie ein Stückchen näher an die schottische Küste bringen. Der Korb begann inzwischen hin und her zu schaukeln, und McClown setzte sich auf den Boden des Korbs neben die schlafenden Hamster. Es donnerte nun recht laut, die ersten Blitze kamen hervor und Regen setzte ein. Der Karton mit den Hamstern zitterte recht heftig, und der Butler dachte traurig daran, dass die armen Hamster froren. Da hatte er eine Idee, er zog sich bis auf Unterhose und Strümpfe aus und stopfte seine Kleidung in den Karton zu den Hamstern. Damit hatte er zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, denn erstens hatten es die Hamster nun warm, und zweitens wurde auch seine Kleidung nicht nass. Wenn der Regen vorbei sein würde und sie noch lebten, würde er trockene Kleidung haben. Ein lauter Donner, gefolgt von einem so hellen Blitz, dass es taghell wurde, riss ihn aus seinen Gedanken. Der Ballon mit dem Korb raste nun mit unvorstellbarer Geschwindigkeit über die Wasseroberfläche und schaukelte kräftig hin und her. Der Sturm brüllte, der Regen peitschte und trotzdem bekam McClown mit, dass die Hamster ihre Feier wieder fortgesetzt hatten. Jedes Mal, wenn der Korb sich stark zur Seite neigte und McClown Angst hatte, herauszufallen, war ein lautes, begeistertes Fiepen der Hamster zu hören.

 


"Ihr glaubt wohl, ihr seid auf dem Dom", schnauzte er, "ihr kleinen Schwachköpfe habt ja keine Ahnung!"

 

 

 

 

 

Fast wäre McClown bei diesen Worten von einer heftigen Regendusche über den Korbrand geschwemmt worden. Er konnte sich gerade noch festhalten, als der gesamte Korb von einer Windböe gepackt und hoch in die Luft, über den Ballon hinweg und wieder zurück geschleudert wurde. Während der Butler nun mit Übelkeit kämpfte, hörte er ein begeistertes: "Uhuj!"* aus dem Karton.

 

Noch bevor er sich fragen konnte, was das wohl heißen sollte, fühlte er, wie seine Stümpfe nass wurden, und schlagartig wurde ihm klar, dass der Korb nun auf der Wasseroberfläche angekommen war. Hin und wieder hob der Sturm den Ballon samt Korb ein kleines Stück über das Wasser, um ihn im nächsten Moment noch tiefer zu drücken. War das das Ende? Ohne nachzudenken nahm McClown den Karton mit den Hamstern und hielt ihn hoch, damit er nicht nass wurde, als ein lautes Knirschen und Knallen das Fauchen des Sturms übertönte. Wie von einer gewaltigen Hand wurde McClown samt Hamsterkarton gepackt und durch die Luft geschleudert. Der Butler hörte noch ein letztes "Iuh!"* der Hamster, dann krachte es noch einmal, und ihm wurde schwarz vor Augen.

 

 

 

Als McClown die Augen langsam wieder öffnete, hatte er keine Ahnung, wie lange er schon auf dem Strand lag. Er sah sich um und wusste sofort, dass er zu Hause war.

 

"Strathy Point", keuchte er, "wir haben es geschafft! Ich kenne diese Stelle, wir sind gerettet!"

 

Er schnappt sich einen der Hamster und tanzte mit ihm über den Strand. Völlig ratlos und verwirrt schaute die restliche Hamsterschar zu. Nachdem er seinen kleinen Tanzpartner wieder abgesetzt hatte, war es McClown, als träfe ihn der Schlag.

 

"Meine Klamotten", rief er entsetzt und starrte auf den Strand. Seine Kleidung war noch vorhanden, aber nicht mehr so, dass er sie anziehen konnte - zerlegt in kleine Stücke, so, dass jeder Hamster nun ein Badelaken für den Strand hatte. Gut, dass McClown kein Hamstisch verstehen konnte, denn die Hamster wunderten sich lautstark über ihn: "Erst tanzt er so komisch und nun liegt er heulend im Strand. Der weiß auch nicht, was er will!"

 

 

 


Nachdem sich der halb nackte Butler wieder beruhigt hatte, überlegte er, dass es besser sei in die nächste Stadt zu gehen und sich neue Kleidung zu besorgen. Bettyhill war die nächste Ortschaft, also sammelte er Hamster und Kleidungsreste in den Karton ein und ging über den Strand ins Landesinnere. Dort angekommen stellte er fest, dass es im gesamten Ort kein Bekleidungsgeschäft gab, also ging er kurzerhand in ein Zeitungsgeschäft und nahm sich dort ein paar Zeitungen. Beim Verlassen des Geschäftes wurde er von einem Verkäufer gestoppt.

 

"Sir, ich fürchte, sie haben diese Zeitungen noch nicht bezahlt!"

 

"Nun, Sir", antwortete McClown, "setzen sie es bitte auf die Rechnung des Lords vom Clan der McShredder!" Dann rannte er fort so schnell er konnte.

 

 

 

Zu seiner grenzenlosen Freude verfolgte ihn der Verkäufer nicht. McClown versteckte sich hinter einigen Felsen am Strand, um sich wieder neu einzukleiden. Eingehüllt in Papierklamotten setzte er seinen Fußmarsch in westlicher Richtung fort. Als es dunkel wurde, erreichte er eine einsame Höhle namens Smoo Cave. Es bliebt ihm nichts Anderes übrig, als in dieser kalten und feuchten Höhle zu übernachten.

 

 

 

Am nächsten Morgen setzte er seine beschwerliche Reise fort. Immer wieder ging sein Blick zum Himmel. Bedrohlich zogen dort oben schwarze Wolken auf. Regen war nun wirklich das Letzte, was McClown in diesem Aufzug brauchen konnte.