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6. Kapitel

 

 

 

 

 

Ein außerirdisches Wiedersehen

 

 

 

 

 

Als sie endlich an der Haltesstelle am Zauberwald angekommen waren, verließen unsere Freunde aufgeregt den Bus und liefen in den Wald hinein. Nachdem sie ein Weile ziellos hin- und hergegangen waren, blieben sie stehen und beratschlagten.

 

"Stimmt denn überhaupt die Uhrzeit?", fragte Susi, und Bernie antwortete: "Der Flug von Zeta bis zur Erde dauert über 10 Stunden, jedenfalls mit dem Raumschiff von Mona und Moyo. Kurz nach Mitternacht haben wir ihre Antwort über Lichtzeichen bekommen. Jetzt ist es Mittag, also müssten sie bereits gelandet sein."

 

"Aber wo?", fragte Rosie, "hier gibt es weit und breit keinen Landeplatz."

 

"Ich hab's", rief Elfriede, "die beiden sind ja schon einmal hier gelandet und zwar direkt bei der Hexe. Ihr wisst ja, das Hexenhaus liegt auf einer großen Lichtung, und dort kann man am besten landen."

 

"Stimmt", fuhr Daisy fort, "aber dann sind die beiden ja in größter Gefahr!"

 

"Glaube ich nicht", grinste Elfriede, "jedenfalls nicht, nachdem die Hexe Bekanntschaft mit meinem Bruder gemacht hat!"

 

"Ob sie ihr Haus schon wieder aufgebaut hat?", lachte Daisy.

 

 

 

In diesem Teil des Zauberwaldes waren die Kinder sonst immer vorsichtig und leise geschlichen, doch diesmal liefen sie fast unbekümmert zum Hexenhaus. Nur Elfriede ärgerte sich, weil sie Bruno ständig aus irgend einem Gebüsch zerren musste, wo er irgendwelche interessanten Käfer suchte. Als Letzte betrat sie die Lichtung. Das Hexenhaus lag noch immer in Einzelteilen zerlegt in der Gegend herum, lediglich der Fußboden und ein Teil der Einrichtung standen noch dort, wo sie hingehörten. Mit Erleichterung sah Elfriede, dass das Raumschiff mit ihren beiden Freunden bereits gelandet war. Was sie nun aber sah, versetzte Elfriede so sehr in Erstaunen, dass sie mit offenem Mund stehen blieb und nicht wusste, was sie davon halten sollte. Da saßen Mona und Moyo zusammen mit der Hexe am Küchentisch und spielten Rommee miteinander!

 

"He, he", hörte Elfriede die Hexe lachen, "jetzt habe ich aber gewonnen! Wollen wir noch einmal spielen?"

 



 

"Jetzt müssen wir eine Pause machen", antwortete Mona, "unsere Freunde sind gekommen! Außerdem steht es jetzt Unentschieden, und das ist ein schönes Ergebnis!"

 

Die Hexe nickte, sammelte die Spielkarten ein und lächelte Elfriede und ihren Freunden freundlich zu.

 

"Wie wär's?", fragte sie, "Ich mache uns eine leckere Kanne Kräutertee?"

 

"Ähem, vielen Dank, wir hatten schon Tee getrunken", log Daisy und wandte sich an Mona und Moya: "Sag mal, spinnt ihr? Habt ihr schon vergessen, welchen Stress ihr mit der Alten hattet? Und jetzt sitzt ihr hier und spielt Rommee mit der? Das hätte ganz schön schief gehen können!"

 

"Negativ", erklärte Mona, "das konnte nicht schief gehen. Wir haben mit dem PSI-Scanner vorher die Gegend überprüft."

 

Rosie räusperte sich: "Mit einem Vieh-Brenner? Wozu?"

 

"Typisch, keine Ahnung", trumpfte Bertha auf, "sie hat PSI-Renner gesagt!"

 

"Scanner“, verbesserte Mona, "PSI-Scanner, damit können wir die Gegend auf böse Impulse überprüfen."

 

"Und was bedeutet dieses PSI?", fragte Rosie erneut.

 

"Pannen-Schwein-Indikator", lachte Bertha, "damit kann man solche Rohrkrepierer wie dich rechtzeitig erkennen und flüchten!"

 

"Natürlich, liebste Bertha, wenn Fräulein Klugschwein keine Ahnung hat, zieht sie alles ins lächerliche! Was heißt denn nun PSI?"

 

"Nun, äh, das ist mir im Moment entfallen", stotterte Bertha, "aber ich glaube, das hat was mit Strahlen zu tun."

 

"Mit Strahlen weniger", lachte Mona. "Das P ist der 23. Buchstabe des griechischen Alphabets und wird 'ps' ausgesprochen. Das ist der Anfang des Wortes Psyche. Psyche ist griechisch und bedeutet Seele."

 

 

 

Unsere Freunde blickten auf die Hexe, die grinsend auf ihrem Küchenstuhl saß und vor sich hin sabberte.

 

"Also bei der da wird selbst ein Gehirnscanner nichts mehr finden", grinste Bernie.

 

"Schön", meldete sich nun Elfriede, "da wir das alles geklärt haben, können wir nun zur Sache kommen. Vielen Dank, dass ihr so schnell gekommen seid, Mona und Moyo, es geht nämlich darum, dass..."

 



 

"Wie schnell ist euer Raumschiff?", unterbrach Bruno, der neben dem Schiff von Mona und Moyo stand.

 

"Im Hypermodus erreichen wir fast Lichtgeschwindigkeit", sagte Moyo stolz.

 

"Boi", staunte Rosie, "ist das schneller als ein Düsenjäger?"

 

"Wenn ich fortfahren dürfte", warf Elfriede ein, "wir müssen..."

 

"Nichts ist schneller als das Licht", antwortete Bruno. "Mit rund 300.000 Kilometern pro Sekunde, das ist über 1 Milliarde Kilometer pro Stunde, ist die Lichtgeschwindigkeit die schnellste, die es überhaupt gibt."

 

"Wirklich toll, Bruno", versuchte Elfriede, ihn zu unterbrechen.

 

"Nicht wahr? Das Erstaunliche ist jedoch nicht die Größe, sondern dass der Wert immer gleich bleibt, egal, wie schnell sich die Lichtquelle oder der Beobachter bewegt."

 

"Was heißt denn das nun wieder, wer soll denn das verstehen?", warf Bertha naserümpfend ein.

 

"Vielleicht sollten wir....", weiter kam Elfriede nicht, denn Bruno legte nun erst richtig los: "Was das heißt, wird an folgendem Beispiel klar:

 

Man wirft aus dem Stand einen Apfel mit 30 Kilometern pro Stunde nach vorne. Der Apfel fliegt dann mit 30 Stundenkilometern. Jetzt setzt man sich ins Auto und fährt mit einer Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometern. Wieder wirft man einen Apfel nach vorne. Der Apfel flitzt dann mit 50+30=80 Stundenkilometern über die Straße.

 

Soweit so gut. Leuchtet man aus dem Stand mit einer Taschenlampe nach vorne, bewegt sich das Licht mit 300.000 Kilometern pro Sekunde. Nun führt man dieses Experiment wie oben im Auto aus, fährt also mit einer Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometern und leuchtet mit der Taschenlampe nach vorne. Das Licht rast jedoch nicht mit Lichtgeschwindigkeit +50 Stundenkilometern dahin, sondern nach wie vor mit 300.000 Kilometern pro Sekunde.

 

Es ist außerdem gleichgültig, ob die Lichtgeschwindigkeit vom Auto aus gemessen wird oder vom Straßenrand, der Wert bleibt immer gleich."

 

"Was wir jetzt aber wissen wollen", begann Elfriede erneut, "ist ..."

 

"Genau", unterbrach sie Bruno erneut, "wie groß ist denn die Entfernung von eurem Planeten bis zur Erde?"

 

Moyo überlegte kurz und antwortete: "Fast 60 AE."

 

"vielleicht könnten wir später darüber...", versuchte Elfriede erneut, doch diesmal wurde sie von Daisy unterbrochen.

 


"Was sind denn AE?"

 

Nun meldete sich Bruno wieder: "Das bedeutet astronomische Einheit. Eine astronomische Einheit ist die mittlere Entfernung zwischen Erde und Sonne und beträgt fast 150.000.000 Kilometer."

 

"Sehr schön, Bruno", versuchte Elfriede das Wort zu übernehmen, "das können wir dann ja später ausrechnen. Jetzt wollen wir erst einmal..."

 

"Das wären ja ungefähr 9 Milliarden Kilometer!", rief Bruno begeistert. "Habt ihr Photonenantrieb?"

 

"Genau genommen nehmen wir Ionenantrieb", antwortete Mona.

 

"Wir brauchen nämlich den Repli...", doch weiter kam Elfriede nicht, denn nun fragte Rosie erstaunt: "Idiotenantrieb? Wie funktioniert denn so etwas?"

 

Elfriede verlor langsam die Nerven. Wütend rollte sie mit den Augen, doch bevor sie etwas sagen konnte, setzte Bruno schon zur Antwort an.

 

"Das Grundprinzip eines Ionenantriebs besteht darin, dass ein Stoff ionisiert wird. Ionisieren bedeutet, dass dem Stoff einige Elektronen entzogen werden. Dadurch wird der restliche Atomkern positiv geladen. Ein geladenes Teilchen kann man aber sehr einfach durch ein Magnetfeld beschleunigen. Dies funktioniert ähnlich wie in einem Teilchenbeschleuniger. Schon auf einer kurzen Strecke erreicht das Teilchen eine sehr hohe Geschwindigkeit, die weit höher liegt, als die von chemischen Treibstoffen. Ionenantriebe nutzen als Energiequelle keine chemischen Treibstoffe, sondern elektrischen Strom, der über große Solarzellen oder einen Kernreaktor bereit gestellt werden muss. Die Solarzellen und der Reaktor wiegen dabei in der Regel mehr als der Antrieb. Ist das der Grund, weshalb ihr keine Lichtgeschwindigkeit erreicht?"

 

"Genau das ist der Grund", antwortete Moyo, "wir haben zu viel Masse."

 

"Vielleicht könntet ihr...", doch weiter kam Bruno nicht, denn Elfriede war jetzt der Kragen geplatzt. "Du kannst mit Lichtgeschwindigkeit deinen Hintern fortbewegen und Schnecken sammeln gehen..."

 

"Ich kann keine Lichtgeschwindigkeit erreichen, denn der menschliche Körper kann aufgrund seiner Masse..."

 

"Soll ich es ausprobieren, dich auf Lichtgeschwindigkeit zu beschleunigen, soll ich es?"

 

 

 

Bruno sah das wütende Gesicht seiner Schwester. Er zog es vor, lieber nichts mehr zu sagen und betrachtete interessiert den Waldboden.

 

 

 


"Es geht nämlich um unsere kleinen Freunde, die Hamster", legte Elfriede endlich los. "Sie sind in ein Land entführt worden, dessen Sprache wir nicht sonderlich verstehen. Wir haben aber nur ein Übersetzungsarmband und brauchen mehr davon, denn falls wir uns trennen müssen, dann sollte sich jeder alleine verständigen können."

 

"Verstehe", nickte Mona, "ihr braucht dazu unseren Replikator."

 

Elfriede holte das Übersetzungsarmband aus ihrer Hosentasche. Mona nahm es und betrachtete es genau.

 

"Das sollte kein Problem sein", meinte sie und ging mit dem Armband in ihr Raumschiff. Nach einer Weile kam sie mit den Händen voller Armbänder zurück und überreichte sie Elfriede.

 

"Zehn Stück", sagte sie strahlend, "so viele seid ihr doch jetzt, oder?"

 

"Eigentlich ja", antwortete Elfriede, die ebenfalls vor Freunde strahlte, "doch Norbert darf im Moment nicht raus, er hat Stubenarrest."

 

"Stubenarrest?", wunderte sich Mona, "was ist denn das? Wofür ist das gut?"

 

"Er hat seine Hausaufgaben mal wieder nicht gemacht, und die Lehrer haben sich bei seinen Eltern beschwert. Jetzt darf er sein Zimmer nicht verlassen und muss alles nacharbeiten. Fernsehen darf er auch nicht."

 

"Siehst du", rief Bertha Rosie zu, "ich sag ja immer, dass die Hausaufgaben gemacht werden müssen. Wenn du so weiter machst, dann werden die Lehrer sich auch bei deinen Eltern beschweren!"

 

"Und was ist mit Essen?", fragte Rosie verunsichert.

 

"Na, Essen darf man natürlich, ist doch klar", meinte Susi.

 

"Och, dann ist es ja nicht weiter schlimm", atmete Rosie auf.

 

Dann saßen unsere Freunde noch ein paar Stunden beisammen. Mono und Moya berichteten, dass die Freundschaft zwischen ihnen und den Monstern immer enger geworden war.

 

"Stellt euch bloß vor", stöhnte Moya, "jetzt haben sie mit dem Singen angefangen und machen sogar Singwettbewerbe - entsetzlich!"

 

 

 

Als die Sonne immer tiefer gesunken war und der Horizont sich rot färbte, wurde es Zeit, sich voneinander zu verabschieden. Noch lange sahen unsere Freunde zu, wie die Rakete immer höher und höher in den Himmel stieg und einen dünnen Kondensstreifen hinter sich her zog.

 

"Tja, ja", lachte nun die Hexe, die ebenfalls den Start der Rakete genau beobachtet hatte, "ihr jungen Leute habt eben nichts als Feiern im Kopf."

 



 

Grinsend verließen die Kinder die Lichtung mit dem Hexenhaus und liefen zurück zur Stadt. Bevor sie einander Tschüss sagten, gab Elfriede jedem noch ein Übersetzungsarmband und sagte: "Denkt daran, die Armbänder Morgen mitzubringen. Wir treffen uns um 10.00 Uhr an der Bushaltestelle. Wenn Professor Hastig mit dem Einstellen des Zauberfläschchens fertig ist, geht es ab nach Schottland!"

 

Dann steckte sie die letzten beiden Armbänder ein und ging wie alle anderen nach Hause.

 

Zuhause angekommen, legte sie das 10. Armband auf ihren kleinen Schreibtisch und legte sich nach dem Abendessen früh ins Bett. Schließlich wollte sie am nächsten Tag ausgeschlafen sein.