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Kapitel 14

Am singenden Strand

 

"Das war ein teures Essen, mein lieber McClown", sagte der Lord und zählte das verbliebene Geld in seiner Brieftasche. "Es war sicherlich nicht verkehrt, auf eine Übernachtung bei diesem McPhee verzichtet zu haben. Wer weiß, was sonst noch alles passiert wäre."

Der Butler antwortete nicht, sondern schob den Rollstuhl über die holperige Straße. Ihm war nicht nach Unterhaltung zumute, dazu war sein Bauch viel zu voll. Es war schon erstaunlich, wie viel ein Mensch in so kurzer Zeit in sich hinein stopfen kann. Und erst die Hamster! Aus einem der Koffer drangen ihre leisen Verdauungsgeräusche an sein Ohr. Nun galt es, einen halbwegs gemütlichen Ort zum Übernachten zu finden, und für diesen Zweck hatten sie den Strand vorgesehen. Kurz bevor sie einen kleinen Wald erreichten, bogen sie deshalb links zum Strand ab. Schnell fanden sie einen Platz, der ihren Vorstellungen entsprach und bauten ihr karges Nachtlager auf. Da der Strand von Gortenfern tief in einer Bucht liegt, waren sie vor Sturm und böigem Wind geschützt.

"Mein lieber McClown," begann der Lord und drehte sich langsam zu seinem Butler um. "Es wäre wohl nicht verkehrt, wenn sie ihre kleinen, äh, Freunde ein wenig von uns entfernt nächtigen lassen. Wir wollten doch eine ruhige Nacht verbringen, oder?"

McClown seufzte und stellte den Koffer mit den Hamstern ein paar Meter weiter weg. Dann holte er aus einem der anderen Koffer für sich und für den Lord ein Handtuch als Bettdecke für die Nacht. Noch lange betrachtete er den Sternenhimmel, während zu seiner linken Seite der Lord bereits schnarchte. Dann fielen auch ihm die Augen zu.

"Das kann doch wohl nicht wahr sein," schimpfte Flecki. "Hier ist ja absolut nichts los! Wie sollen wir jetzt Disco machen?"

"Wir könnten eine Sandburg bauen und sie wieder kaputt kloppen," schlug Goldi vor.

"Der Sand ist viel zu fein, hier lassen sich nicht einmal Tunnel graben," stellte Bauleiter Murksel enttäuscht fest.

"Vielleicht hat der Erleuchtete eine Idee?" fragte Tuffi hoffnungsvoll.




Der Bürgermeister wirkte ratlos. Warum sollte ausgerechnet ihm etwas einfallen? Schließlich war er für die Reden und nicht für Ideen zuständig. Dass er allerdings mit Erleuchteter angesprochen wurde, tat ihm gut.

"Nun, es ist eine unumschränkte Tatsache, dass wir alle hier und jetzt und überhaupt uns in einer Situation befinden, die strategisches Handeln und Entschlossenheit verlangt. Das sind die Tatsachen, liebe Hamsterfreunde! Nur durch eine gemeinsame, individuelle Initiative, die nicht nur von jedem Einzelnen ausgehen sollte, sondern auch muss - ich wiederhole: muss - kann diese Situation dahingehend gemeistert werden..."

Der Bürgermeister unterbrach seine geistreiche Rede. Sein Fell sträubte sich. Auch die anderen Hamster hatten es gehört. Da war ein Geräusch! Ein Geräusch, dass ihnen das Fell zu Berge stehen ließ. Es war stockdunkle Nacht und irgendwo sang jemand! Das war kein fröhliches Lied, es klang gleichmäßig und klagend und schien von allen Seiten zu kommen.

"Los, tu was, Bürgermeister, handel strategisch," rief Goldi.

Der Bürgermeister glotzte nur mit riesengroßen Knopfaugen. Er blähte seine Hamsterbacken vor Angst auf und begann zu zittern.

"Da," rief Tuffi, "gleich hat er wieder eine Erleuchtung!"

Flecki wollte gerade bemerken, dass er wahrscheinlich nur Schiss hatte, da rief der Bürgermeister: "Kinap, bringt euch in Sicherheit!"

Sofort begannen alle Hamster mit einer wohl überlegten Rettungsaktion, die sich schon oft in Gefahrensituationen bewährt hatte: sie rannten schreiend im Kreis herum. Nachdem sie eine halbe Stunde lang laut "Eflih" schreiend im Kreis herum getobt waren, fielen sie erschöpft in den Sand. Das unheimliche Singen war noch immer da!

Die armen kleinen Tierchen waren jetzt viel zu erschöpft, um weiter zu fliehen, und so versuchten sie, sich in den Sand einzugraben. Auch das funktionierte nicht so richtig.

"Vielleicht sollten wir uns einfach ergeben," jammerte Dodo.

"Oder verhandeln," schlug Flecki vor. "Los, Bürgermeister, verhandel mal!"

Der Bürgermeister war inzwischen grün vor Angst, als Goldi ihn mit einem Tritt nach vorne schickte. Da stand er nun, und hinter ihm waren seine Hamsterfreunde gespannt, wie der Erleuchtete diese Situation meistern würde.

"Äh, Dongs, äh, Dings, äh, liebes Dings, wir alle wissen, eine Situation in der gemeistert, äh gedongst, ich meine, gedingsverhandelt werden sollte. Wenn du dingst, äh dongs was ich meine, äh, gesagt zu haben."



Nach diesen Worten drehte sich der Bürgermeister blitzschnell um und verschwand in der Gruppe der Hamster.

"Großartig, wirklich ergreifend. Jetzt sind wir bestimmt gerettet," spottete Flecki.

"Vielleicht hilft uns der nette Butler?" meinte Tuffi und zeigte auf den schlafenden Frido McClown.

Ihre Hamsterfreunde nickten begeistert. Unter der Decke des netten Butlers war bestimmt noch Platz für ein paar verängstigte, kleine Hamster. Mit einem lauten "Arruh!"1 liefen sie auf den schlafenden Frido McClown zu.

1 (Hamstisch: Hurra)