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Eilean Fhionnain

 

 

Vorwort

Dieses Buch ist für Flecki und Goldi geschrieben, ohne sie würde es keine Hamster und kein Hamsterhausen geben.

Ein besonderer Dank gilt Mamsi, die sich Abend für Abend geduldig die Geschichten anhörte und gegen das Einschlafen kämpfte.

Das Korrigieren eines Buches und die Überprüfung seiner historischen Hintergründe sind das Schwerste. Hier möchte ich mich herzlich für die Mitarbeit einer keltischen Hexe bedanken, ohne die es das letzte Kapitel wohl nicht gegeben hätte.

 

 

1. Kapitel

Heimweh

 

Es war Mittagszeit auf dem abgelegenen Landhaus irgendwo im fernen Spanien. Die hoch am spanischen Himmel stehende Sonne brannte unbarmherzig auf Mensch und Tier. Eine bleierne Schwere lag in der Luft. In der Ferne zogen ein paar Vögel ihre Kreise, und hin und wieder war in der Ferne der stotternde Motor eines Treckers zu hören.

Es war ein friedliches Bild, das sich dem Betrachter bot, doch plötzlich wurde der Frieden von einer lauten Stimme zerrissen. Es war eine Stimme die klang, als wenn ein Reibeisen über raues Metall gezogen würde.

"McClown, sie nichtsnutziger Kerl, wo treiben sie sich wieder herum?"

Das Einzige, was ihm antwortete, war das Tuckern des Treckers in der Ferne.

"MCCLOWN!" brüllte der alte Lord, und seine Stimme überschlug sich.

 

In der Ferne verstarb das Geräusch des tuckernden Motors. Nach wenigen Minuten war ein kleiner Punkt am Horizont zu sehen, der sich, umgeben von einer Staubwolke, mit rasender Geschwindigkeit näherte.

 

"Ging das nicht etwas schneller, McClown?" krächzte Lord McShredder und sah seinen Butler vorwurfsvoll an.

"Nun, Sir, ich, äh..."

Der Butler wurde von einem Hustenanfall unterbrochen und stütze sich auf den Zaun, der das Landhaus umgab. Schweiß lief ihm über die Stirn, und er rang nach seinem schnellen Lauf durch die Mittagshitze nach Luft.

"Sie sind völlig außer Form, McClown," fuhr der Lord fort. "Schauen sie doch bloß mal in den Spiegel! Als wir aus Schottland weg fuhren, waren sie schlank. Und nun? Sie sind fett und bequem geworden, McClown!"

"Sir," entgegnete empört der Butler, "als wir Schottland verließen, hatte ich seit Wochen nichts mehr gegessen!

"Häh?" rief McShredder empört. "Sie waren beim Schrott gießen und haben Knochen gefressen?"

McClowns Gesicht lief rot an.

"Sir," brüllte er, "nachdem ich die Hamster aus Hamsterhausen entführt hatte, war ich total abgemagert und halb verhungert!"

"Halb verhungert?" krähte McShredder. "Da sieht man es doch wieder, sie denken nur ans Essen. Meine Leiden interessieren sie doch überhaupt nicht, sie undankbarer Kerl!"

Er hatte zwar einiges unter seinem Lord zu leiden, doch Frido McClown war ein Butler durch und durch und die Bedürfnisse seines Herren gingen ihm über alles. Sein Herr litt? McClown sah den alten Lord entsetzt an und fragte:

"Sir, welcher Art ist ihr Leiden?"

"Der Bart soll bleiben? McClown, sie reden irre. Die verdammte Sonne bekommt ihnen nicht, sehen sie sich doch einmal an, sie haben einen Kopf wie eine Tomate und sind total verschwitzt!"

"Aber Sir, ich habe den ganzen Tag mit dem Trecker den Acker gepflügt!"

 

"Was?" krähte der Lord entrüstet, "Sie haben den ganzen Tag Gekecker und Gegacker geübt? Mensch, McClown, sie sind ja nur noch ein Schatten ihrer selbst. Fett und fertig sozusagen!"

Der Butler Frido McClown verdrehte seine Augen im Kopf und stöhnte. Die Schwerhörigkeit seiner Lordschaft hatte im fernen Spanien eher noch zugenommen. Wenigstens war sein Rheuma verschwunden, denn das war ja auch ein Grund dafür gewesen, dass sie Schottland verlassen hatten. Der andere Grund war bekanntlich ja der, dass das alte Schloss nach einer Gasexplosion nicht mehr so richtig bewohnbar gewesen war.

 


McClown dachte an seine kleinen Freunde, die Hamster. Er seufzte wieder und dachte mit Wehmut an all die Abenteuer, die er mit den kleinen Pelzträgern erlebt hatte. Ob sich die kleinen, niedlichen Tierchen noch an ihn erinnern würden? Ob sie noch an ihre Landung bei Strathy Point oder an die Übernachtung in den Smoo Caves dachten? Wieder seufzte McClown laut und bemerkte nicht, dass der alte Lord ihn beobachtete.

 

"Mein lieber McClown", riss ihn plötzlich eine bekannte Stimme aus seinen Träumen, "wissen sie, was ihnen fehlt? Sie haben Heimweh!"

Der Butler wusste nicht, was er sagen sollte und außer einem Stammeln brachte er nichts Intelligentes hervor.

"Und wissen sie was, McClown?" sagte Lord McShredder und richtete sich in seinem neuen Rollstuhl auf.

"Auch ich habe Heimweh."


Lord und Butler standen nebeneinander und schauten auf den Horizont. Der Butler dachte an die Hamster, während der Lord sich nachdenklich in seinem Rollstuhl zurücklehnte. Übrigens benötigte er diesen Rollstuhl nicht wirklich, doch er fand es recht praktisch, seine täglichen Fahrten damit zu erledigen. Tatsächlich jedoch bestanden diese täglichen Fahrten darin, dass er dreimal am Tag zum Esstisch fuhr und ebenso oft auf Klo. Gemächlich zündete McShredder seine Pfeife an, blies den Rauch in die Hitze der Mittagssonne und sprach:

 

"Wissen sie was, mein lieber McClown? Ich habe es satt. Sonne, Sonne und noch mal Sonne. Ich kann sie nicht mehr sehen, ich will Regen! Tagelang Regen, ich will mit meinem Rollstuhl vom Craig Farr oder von mir aus auch von jedem anderen Berg im strömenden Regen heruntergespült werden. Berge! Wo sind die Berge und Täler, die Bens und Glens, wo die Flüsse und Lochs? Nichts gibt es hier. Nur Sonne und Langeweile."

 

McClown nickte. Die Idee, dass der Lord samt seinem Rollstuhl von einem Berg heruntergespült werden würde, gefiel ihm ausgesprochen gut. Das einzig Unangenehme an der Idee war nur, dass er, Frido McClown, vorher den Lord in seinem Rollstuhl erst einmal den ganzen Berg hinaufschieben musste. Aber dann, ja dann würde er den alten Sack mit Freuden nach unten befördern.

"Ja, Sir, das ist eine sehr gute Idee!" rief er.

"Nicht wahr, McClown! Also sehen sie zu, dass sie die Sachen packen, ein Schiff besorgen, ein paar Brote schmieren, das Landhaus verkaufen und dann ab. In einer Stunde fahren wir!"

Kopfschüttelnd macht sich Frido McClown an die Arbeit.